Schneeeule

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Schneeeule mit weißem, dunkel gesprenkeltem Gefieder und leuchtend gelben Augen sitzt auf einem Ast vor dunklen, bemoosten Felsen
julubecka / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 de

Kurz erklärt

Die Schneeeule ist eine große, weiße Eule mit gelben Augen, die in der arktischen Tundra rund um den Nordpol brütet. Sie jagt auch tagsüber und frisst im Sommer fast nur Lemminge. Wie viele Junge sie aufzieht, hängt davon ab, wie viele Lemminge es in einem Jahr gibt. Nach Deutschland kommt sie nur sehr selten als Wintergast.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameBubo scandiacus
Abstammung
  • Klasse: Vögel
  • Ordnung: Eulen (Strigiformes)
  • Familie: Eigentliche Eulen (Strigidae)
  • Gattung: Uhus (Bubo)
  • Art: Schneeeule
KörpergrößeMännchen 55 bis 64 cm, Weibchen 60 bis 75 cm (Owl Research Institute)
KörpergewichtMännchen 700 bis 2.500 g, Weibchen 790 bis 2.950 g (Owl Research Institute); die BTO nennt im Mittel 2,1 kg
ErnährungFleischfresser: im Sommer zu über 95 Prozent Lemminge, sonst auch Wühlmäuse und andere Nagetiere, Vögel wie Schneehühner und Seevögel, gelegentlich Kaninchen und andere kleine Säugetiere
LebenserwartungKeine gesicherten Angaben in den verwendeten Fachquellen
SozialverhaltenZur Brutzeit Paare; Wintergäste in Deutschland treten fast immer einzeln auf
HerkunftArktische Tundra der Nordhalbkugel
Verbreitung Rund um den Nordpol: Tundra in Alaska, Kanada, Grönland, Nordeuropa und Nordasien bis etwa 82° Nord; im Winter auch in Südkanada, im Norden der USA und in ähnlichen Breiten Eurasiens AsienEuropaNordamerika
EntdeckungErstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné
GefährdungVU Gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2021)
SonstigesIn Deutschland ein seltener, unregelmäßiger Wintergast: Bis zum Winter 2019/20 gab es 304 Nachweise von 326 Schneeeulen. Bekannt als Eule Hedwig aus den Harry-Potter-Filmen.

Was ist eine Schneeeule?

Die Schneeeule (Bubo scandiacus) ist eine große, weiße Eule der Arktis. Sie gehört zur Familie der Eigentlichen Eulen und zur selben Gattung wie unser Uhu. Ihr nächster Verwandter ist nach Angaben des Owl Research Institute der Virginia-Uhu aus Amerika.

Anders als die meisten Eulen ist die Schneeeule nicht nur nachts aktiv. Sie jagt zu jeder Tages- und Nachtzeit. Das ist in der Arktis auch nötig: Im Sommer geht dort die Sonne wochenlang nicht unter, im Winter herrscht Polarnacht. Schneeeulen, die im Winter in der Arktis bleiben, jagen in der Dunkelheit genauso erfolgreich wie im Dauerlicht des Sommers.

Viele kennen die Schneeeule als Hedwig, die Eule von Harry Potter aus den Filmen.

Aussehen und Körperbau

Größe und Gewicht: Die Schneeeule ist eine der großen Eulen. Die Weibchen sind größer und schwerer als die Männchen:

  • Männchen: 55 bis 64 cm groß, 700 bis 2.500 g schwer
  • Weibchen: 60 bis 75 cm groß, 790 bis 2.950 g schwer

Die britische Vogelschutzorganisation BTO gibt ein mittleres Gewicht von 2,1 kg an.

Gefieder: Erwachsene Männchen sind reinweiß. Die Weibchen sind ebenfalls weiß, haben aber viele dunkle Querbänder oder Flecken. Junge Schneeeulen sehen aus wie die Weibchen. Bei den Männchen dauert es mehrere Jahre, bis sie ganz weiß sind.

Kopf und Füße: Die Augen sind leuchtend gelb, der Schnabel ist dunkel. Die Füße sind dicht befiedert.

Verbreitung und Lebensraum

Brutgebiet: Die Schneeeule brütet in der arktischen Tundra rund um den Nordpol, also in Nordamerika, Grönland, Nordeuropa und Nordasien. Sie lebt in den Moos- und Flechtentundren bis etwa 82° nördlicher Breite. In den Gebirgen Norwegens und Schwedens brütet sie bis etwa 60° Nord, in Kanada an der Hudson Bay und in Labrador bis zur Waldgrenze. Ihr Brutgebiet deckt sich weitgehend mit dem ihrer wichtigsten Beute, den Lemmingen.

Lebensraum: Schneeeulen brauchen offenes Land. Zur Brutzeit leben sie in der Tundra, sonst auch auf Wiesen, in Marschen und in Dünen.

Winter: Im Herbst ziehen jedes Jahr viele Schneeeulen aus der Polarnacht nach Süden. Einige bleiben aber im arktischen Brutgebiet und halten dort Temperaturen unter -40 °C aus. Viele überwintern in Südkanada, im Norden der USA und in ähnlichen Breiten Eurasiens. Dort suchen sie keine warmen Gegenden, sondern offene Flächen wie verschneite Felder, Dünen und Marschen.

Schneeeulen in Europa: Der europäische Bestand wird auf 700 bis 2.300 Paare geschätzt. Die meisten davon brüten im europäischen Teil Russlands und in Grönland. In Finnland, Norwegen und Schweden zusammen brüten je nach Jahr gar keine bis höchstens 50 bis 70 Paare, zuletzt in einem Spitzenjahr 2015.

Ernährung: Lemminge, Lemminge, Lemminge

Im Sommer fressen Schneeeulen fast nur Lemminge. Diese kleinen Nagetiere der Tundra machen mehr als 95 Prozent ihrer Nahrung aus. Auch für die Aufzucht der Jungen sind die Eulen auf Lemminge angewiesen.

Außerdem jagen Schneeeulen Wühlmäuse und andere Nagetiere, oft auch Vögel wie Schneehühner und Seevögel, manchmal Kaninchen und andere kleine Säugetiere.

Jagdtechnik: Die Schneeeule stößt auf ihre Beute herab und packt sie mit den kräftigen Krallen.

Beute in Deutschland: Über die Nahrung der Schneeeulen in Deutschland ist wenig bekannt. Beobachtet und in alten Berichten erwähnt wurden zum Beispiel Rebhühner und Wildkaninchen. Auf Sylt hielten sich Schneeeulen gern dort auf, wo es viele Wildkaninchen gab. Im Winter 1931/32 fing eine Schneeeule bei Schwerin sogar Fische an Wiesengräben, und im Gewölle einer Eule auf Sylt fanden sich Reste eines Rotschenkels.

Lemming-Jahre und Wanderungen

Lemminge sind in manchen Jahren unglaublich häufig und in anderen fast verschwunden. Die Schwankungen verlaufen nicht überall gleich, deshalb lässt sich kaum vorhersagen, wo es gerade viele Lemminge gibt. Für die Schneeeule hat das große Folgen:

  • Keine feste Heimat: Schneeeulen kehren kaum an denselben Brutplatz zurück. Sie brüten dort, wo es gerade viele Lemminge gibt.
  • Suche im Frühjahr: Von Mitte März bis Anfang Juni fliegen sie Hunderte Kilometer weit und suchen nach Gebieten mit vielen Lemmingen. In Gegenden mit dünner Schneedecke suchen sie gründlicher, wohl weil sie dort die Lemminge leichter entdecken.
  • Leere Tundra: In Jahren mit wenigen Lemmingen bleiben die meisten Brutgebiete leer.

Einflüge im Winter: In Nordamerika tauchen etwa alle drei bis fünf Jahre besonders viele Schneeeulen weit im Süden auf. Eine mögliche Erklärung war, dass Hunger sie aus der Arktis treibt. Eine Studie aus Kanada kam 2016 zu einem anderen Ergebnis: Nach einem Sommer mit vielen Lemmingen ziehen die Eulen besonders viele Junge groß. Im folgenden Winter wandern deshalb besonders viele Schneeeulen nach Süden.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Nest am Boden: Schneeeulen brüten auf dem Boden der Tundra, meist auf einem kleinen Hügel von etwa einem Meter Höhe. Sie gehören zu den wenigen Eulen, die ihr Nest selbst anlegen.

Balz: Bei der Balz bringt das Männchen dem Weibchen oft Beute.

Eier: Das Weibchen legt 4 bis 8 weiße, runde Eier, im Abstand von zwei bis drei Tagen. Nach 31 bis 33 Tagen schlüpfen die Küken.

Junge Eulen: Die Jungen verlassen das Nest, bevor sie fliegen können. Fast einen Monat lang verstecken sie sich in der Tundra und laufen herum, bis sie fliegen können.

Lemminge entscheiden: Ob und wie erfolgreich Schneeeulen brüten, hängt eng von den Lemmingen ab. Gibt es viele, finden die Eltern genug Futter für die Küken. In schlechten Lemming-Jahren brüten in vielen Gebieten gar keine Schneeeulen.

Wintergäste in Deutschland und Mitteleuropa

In Deutschland ist die Schneeeule ein seltener, unregelmäßiger Gast. Der Ornithologe Thorsten Krüger hat 2021 alle bekannten Nachweise ausgewertet:

  • Der erste Nachweis stammt aus dem Jahr 1758, als bei Dresden eine Schneeeule geschossen wurde.
  • Bis zum Winter 2019/20 gab es 304 Nachweise von 326 Schneeeulen.
  • Seit 1800 wurden 137 Schneeeulen geschossen oder gefangen, die meisten im 19. Jahrhundert. Mindestens 16 Präparate sind heute noch in Museen erhalten, das älteste aus dem Winter 1832/33.
  • Vor allem im 19. Jahrhundert gab es Zeiten, in denen die Art fast jedes Jahr kam. An der Ostseeküste von Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein war sie in manchen Wintern sogar nicht selten. Solche Einflüge sind seltener geworden, der letzte war im Winter 1978/79.
  • Nördlich des 51. Breitengrads wurden etwa sechsmal so viele Schneeeulen festgestellt wie südlich davon. Die meisten zeigten sich auf den Inseln und an den Küsten von Nord- und Ostsee, oft in Dünen, auf offenen Feldern, Wiesen und in Marschen.
  • Fast alle Schneeeulen in Deutschland waren Einzelvögel (97 Prozent).

Wann? Die ersten Schneeeulen erscheinen ab Oktober. Die meisten werden um den Jahreswechsel entdeckt, danach werden es bis Mitte Februar weniger. Bis Anfang April ziehen wieder einzelne durch, die letzten werden Mitte April oder Anfang Mai beobachtet.

Per Schiff nach Europa: In manchen Wintern reisten Schneeeulen aus Nordamerika oder Grönland als blinde Passagiere auf Frachtschiffen mit, zum Beispiel 2000/01 in die Niederlande und nach Belgien. Für Deutschland ist so ein Fall bisher nicht belegt.

Großbritannien: Auf der Shetland-Insel Fetlar brütete acht Jahre lang ein Schneeeulenpaar, bis 1976 das Männchen nicht zurückkam. Seit 2001 gab es in Großbritannien und Irland keinen Brutversuch mehr.

Gefährdung

In ihrer aktuellen Einstufung von 2021 führt die IUCN die Schneeeule weltweit als gefährdet (Vulnerable).

Wie viele gibt es? Schneeeulen sind schwer zu zählen, weil sie weit verstreut in unzugänglichen Gebieten leben und ihre Brutplätze wechseln. Nach einer Schätzung von 2013 gibt es weltweit etwa 14.000 Paare, also rund 28.000 erwachsene Vögel. Je nach Lemming-Angebot schwankt der Bestand aber stark: Es könnten auch nur 7.000 bis 8.000 und in schlechten Jahren sogar nur 5.000 Paare sein.

Rückgang: Im gesamten Verbreitungsgebiet sind die Bestände über die letzten drei Generationen, also etwa 36 Jahre, um rund ein Drittel zurückgegangen. Am Südrand des Brutgebiets sind Vorkommen verschwunden. Deshalb gilt die Art als gefährdet.

Häufige Fragen zur Schneeeule

Wie groß wird eine Schneeeule?

Männchen werden 55 bis 64 cm groß, Weibchen 60 bis 75 cm. Die Weibchen sind auch schwerer: Sie wiegen bis zu 2,95 kg, Männchen bis zu 2,5 kg.

Was frisst eine Schneeeule?

Im Sommer fast nur Lemminge, die mehr als 95 Prozent ihrer Nahrung ausmachen. Daneben jagt sie andere Nagetiere, Vögel wie Schneehühner und manchmal Kaninchen.

Ist die Schneeeule nachtaktiv?

Nein, nicht nur. Die Schneeeule jagt zu jeder Tages- und Nachtzeit. Im arktischen Sommer, wenn die Sonne nicht untergeht, jagt sie im Hellen.

Kann man Schneeeulen in Deutschland sehen?

Nur mit sehr viel Glück. Schneeeulen kommen sehr selten und unregelmäßig im Winter nach Deutschland, meist an die Küsten von Nord- und Ostsee. Von 1758 bis zum Winter 2019/20 gab es nur 304 Nachweise.

Warum sind Schneeeulen weiß?

Im Schnee fällt eine weiße Eule kaum auf. Nach dem Owl Research Institute verbringen Schneeeulen den Winter dort, wo sie sich gut in die Umgebung einfügen, zum Beispiel auf verschneiten Feldern, in Dünen und Marschen.

Ist die Schneeeule gefährdet?

Ja. In der Einstufung von 2021 gilt sie auf der Roten Liste der IUCN als gefährdet (Vulnerable). Ihre Bestände sind über etwa 36 Jahre um rund ein Drittel zurückgegangen, und der Weltbestand umfasst wohl nur etwa 14.000 Paare.

Ähnliche Tiere

  • Uhu - naher Verwandter aus derselben Gattung Bubo
  • Schleiereule - helle Eule, die bei uns in Scheunen und Kirchtürmen brütet
  • Waldohreule - mittelgroße Eule mit langen Federohren
  • Lemming - die wichtigste Beute der Schneeeule
  • Polarfuchs - lebt ebenfalls in der Tundra und jagt Lemminge
  • Polarhase - weißer Bewohner der Arktis

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Schneeeule
55 bis 75 cm

Eine Schneeeule erreicht eine Körpergröße von 55 bis 75 cm. Damit passt sie bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Die Schneeeule ist etwa 3-mal so groß wie ein Fußball.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Schneeeule
700 g bis 2,95 kg

Eine Schneeeule bringt 700 g bis 2,95 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als eine Hauskatze (4 kg). Anders ausgedrückt: Die Schneeeule wiegt so viel wie etwa 4 Fußbälle.