Zweifarbentamarin
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Kurz erklärt
Der Zweifarbentamarin ist ein kleiner Krallenaffe aus dem Amazonas-Regenwald in Brasilien und wiegt nur etwa ein halbes Kilogramm. Vorne ist er weiß, hinten braun, und sein schwarzes Gesicht ist fast nackt. Er lebt fast nur rund um die Großstadt Manaus und hat eines der kleinsten Verbreitungsgebiete aller Affen Amerikas. Die Art ist vom Aussterben bedroht.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Saguinus bicolor |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 21 bis 33 cm |
| Körpergewicht | 430 bis 600 g |
| Ernährung | Vor allem Früchte, dazu Baumsäfte, Nektar, Insekten und Spinnen |
| Lebenserwartung | In freier Natur kaum bekannt, in Menschenobhut bis etwa 19 Jahre belegt |
| Sozialverhalten | Lebt in Gruppen von meist 2 bis 12 Tieren |
| Herkunft | Brasilien |
| Verbreitung | Kleines Gebiet im brasilianischen Amazonasgebiet rund um die Stadt Manaus, nördlich des Amazonas Südamerika |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1823 durch Johann Baptist von Spix (als Midas bicolor) |
| Gefährdung | CR Vom Aussterben bedroht (Rote Liste der IUCN, 2021) |
| Sonstiges | Körpergröße ohne Schwanz, der Schwanz misst zusätzlich etwa 33 bis 42 cm. Streng geschützt nach CITES Anhang I. |
Was ist ein Zweifarbentamarin?
Der Zweifarbentamarin (Saguinus bicolor), auch Zweifarbtamarin genannt, ist ein kleiner Affe aus der Familie der Krallenaffen. Zu dieser Familie gehören auch die Löwenäffchen, die Marmosetten und das Zwergseidenäffchen. In Brasilien heißt er Sauim-de-coleira, im Englischen „pied tamarin“, also „gescheckter Tamarin“.
Seinen Namen hat er von seinem zweifarbigen Fell: vorne weiß, hinten braun. Beschrieben hat ihn der deutsche Naturforscher Johann Baptist von Spix im Jahr 1823. Das Tier, nach dem er die Art beschrieb, stammte aus der Gegend von Manaus. Genau dort lebt der Zweifarbentamarin bis heute, und genau das ist sein Problem: Manaus ist eine schnell wachsende Großstadt mitten im Regenwald.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht: Der Zweifarbentamarin ist ohne Schwanz nur etwa 21 bis 33 Zentimeter lang. Sein Schwanz ist mit etwa 33 bis 42 Zentimetern länger als der Körper. Er wiegt etwa 430 bis 600 Gramm, also ungefähr so viel wie zwei Päckchen Butter. Männchen und Weibchen sind etwa gleich groß.
Fell: Arme, Hals, Brust, Scheitel und Schultern sind weißlich. Dieser helle „Umhang“ grenzt sich scharf vom bräunlichen Hinterkörper ab. Der Bauch und die Innenseiten der Beine sind orange bis rötlich golden. Der Schwanz ist oben dunkelbraun und unten orange.
Gesicht: Besonders auffällig ist der Kopf. Gesicht und Ohren sind nackt und schwarz, die Ohren sind groß und stehen seitlich ab. Dadurch sieht der Zweifarbentamarin fast aus wie ein kleiner Kobold.
Krallen: Wie alle Krallenaffen hat er an fast allen Fingern und Zehen spitze Krallen statt flacher Nägel. Damit kann er sich an Baumstämmen festhalten.
Verbreitung und Lebensraum
Der Zweifarbentamarin lebt nur in einem sehr kleinen Gebiet im Amazonasgebiet Brasiliens, im Bundesstaat Amazonas. Das Gebiet liegt nördlich des Amazonas und reicht vom Rio Negro im Westen bis zum Rio Urubu im Osten. Nach Norden erstreckt es sich etwa 30 bis 45 Kilometer über die Stadt Manaus hinaus.
Das gesamte Verbreitungsgebiet umfasst nur rund 8.000 Quadratkilometer. Das ist eines der kleinsten Verbreitungsgebiete aller Affen Amerikas und etwa dreimal so groß wie das Saarland.
Lebensraum: Zweifarbentamarine leben im Tieflandregenwald in 40 bis 140 Metern Höhe. Sie nutzen alten Regenwald ebenso wie nachgewachsenen Wald und Waldränder. Auch in kleinen Waldstücken innerhalb von Manaus kommen sie vor, zum Beispiel im Stadtpark Parque do Mindu. Dort ist auch das Foto oben entstanden.
Ernährung
Der Zweifarbentamarin frisst vor allem Früchte. Bei einer elf Monate langen Studie bestand seine Nahrung zu etwa:
| Nahrung | Anteil |
|---|---|
| Früchte (meist kleine Beeren und Hülsenfrüchte von 21 Pflanzenarten) | 96 % |
| Baumsäfte und Gummi | 3 % |
| Nektar aus Blüten | 1 % |
Die Früchte sammelt er in allen Höhen des Waldes, meist aber in 10 bis 12 Metern Höhe. Die Samen spuckt er meistens aus, kleine Samen schluckt er mit. In der Trockenzeit, wenn es weniger Früchte gibt, leckt er auch Pflanzensaft aus Samenhülsen oder von Stellen an Bäumen, an denen sich Insekten durch die Rinde gebohrt haben. In der Stadt frisst er auch Früchte aus Gärten, etwa Mangos, Papayas, Bananen und Jackfrüchte.
Tierische Nahrung: Außerdem jagt er Heuschrecken, Zikaden, Raupen, Käfer, Termiten und Spinnen. Er sucht sie zwischen Blättern und entlang von Ästen, schleicht sich an und springt dann blitzschnell zu. In der Trockenzeit frisst er mehr Tiere als in der Regenzeit.
Ein schlauer Mitesser: Doppelzahnweihe, kleine Greifvögel, folgen den Tamarin-Gruppen manchmal bis zu einer Stunde lang. Sie schnappen sich die Zikaden, die von den Affen aufgescheucht werden.
Verhalten und Lebensweise
Tagaktiv: Zweifarbentamarine stehen gegen 6 Uhr morgens mit Sonnenaufgang auf. Am Vormittag suchen sie abwechselnd nach Insekten und fressen Früchte. Mittags ruhen sie. Am Nachmittag wechseln sich Ruhen und Fressen ab, bis sie sich gegen 17 Uhr in dichtes Laub oder Lianengewirr zum Schlafen zurückziehen.
Leben in Gruppen: Die Tamarine leben meist in Gruppen von 2 bis 12 Tieren. In kleinen Waldstücken am Stadtrand von Manaus wurden auch Gruppen mit bis zu 25 Tieren beobachtet, vermutlich weil die Tiere dort auf engem Raum zusammengedrängt sind. Eine Gruppe besteht aus einem fortpflanzungsfähigen Weibchen, ein bis zwei erwachsenen Männchen und Jungtieren verschiedenen Alters.
Reviere: Wie viel Platz eine Gruppe braucht, hängt vom Wald ab. In einem kleinen Waldstück nutzte eine Gruppe von 6 bis 10 Tieren nur etwa 12 Hektar, das sind etwa 17 Fußballfelder. Im großen Waldschutzgebiet Adolpho Ducke brauchte eine Gruppe dagegen über 100 Hektar.
Fortpflanzung und Nachwuchs
In jeder Gruppe bekommt in der Regel nur ein Weibchen Nachwuchs. Die anderen Gruppenmitglieder helfen bei der Aufzucht.
- Tragzeit: Die Tragzeit dauert je nach Quelle etwa 140 bis 160 Tage.
- Zwillinge: Meist kommen Zwillinge zur Welt, nach Zoodaten bei etwa 80 Prozent der Geburten. Zusammen wiegen die beiden Neugeborenen 14 bis 23 Prozent des Gewichts ihrer Mutter.
- Geburtszeit: In freier Natur gibt es die meisten Geburten im März und April sowie im Dezember. Ein Weibchen kann ein- bis zweimal im Jahr Junge bekommen.
- Hilfe beim Tragen: Wie bei anderen Tamarinen tragen vor allem der Vater und andere Gruppenmitglieder die Jungen herum. Zur Mutter kommen sie vor allem zum Trinken.
- Erste feste Nahrung: Schon mit etwa vier Wochen probieren die Jungen feste Nahrung.
- Erwachsen: Wie bei verwandten Tamarinen können Weibchen vermutlich mit etwa 18 Monaten Junge bekommen, Männchen mit etwa zwei Jahren.
Lebenserwartung: Wie alt Zweifarbentamarine in freier Natur werden, ist kaum untersucht. Im Zoo wurde ein Tier etwa 19 Jahre alt.
Feinde und Gefährdung
Der Zweifarbentamarin ist einer der am stärksten bedrohten Affen der Welt. Er zählt zu den 25 am meisten gefährdeten Primatenarten weltweit.
Die Stadt wächst: Das größte Problem ist die Lage seines Verbreitungsgebiets. Mitten darin liegt Manaus, eine Stadt mit weit über einer Million Einwohnern, die immer weiter wächst. Wälder werden für Siedlungen, Industrie, Landwirtschaft und Straßen gerodet, besonders entlang der großen Fernstraßen. Die übrigen Waldstücke werden immer kleiner und liegen isoliert voneinander.
Gefahren in der Stadt: Wenn Tamarine von einem Waldstück zum nächsten wechseln wollen, müssen sie oft Straßen überqueren oder über Stromleitungen klettern. Viele werden dabei von Autos überfahren oder erleiden Stromschläge. Auch Hunde greifen sie an.
Konkurrenz durch einen Verwandten: Das Gebiet des Zweifarbentamarins grenzt an das des Rothandtamarins. Dieser breitet sich aus und verdrängt den Zweifarbentamarin nach und nach. Anfang der 1970er-Jahre gab es Zweifarbentamarine noch bis zum Rio Uatumã, 1998 reichte ihr Gebiet im Osten nur noch bis zum Rio Urubu. Warum der Rothandtamarin sich durchsetzt, ist nicht genau geklärt. Er lebt in dichteren Beständen und größeren Gruppen und ist in Menschenobhut weniger anfällig für Krankheiten.
Gefährdungsstatus: Auf der Roten Liste der IUCN gilt der Zweifarbentamarin als vom Aussterben bedroht (Critically Endangered, Gordo et al., 2021). Früher war er als „stark gefährdet“ eingestuft. Im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) steht er in Anhang I, der internationale Handel ist damit grundsätzlich verboten.
Schutz: Seit 2011 gibt es in Brasilien einen nationalen Aktionsplan für die Art. Zweifarbentamarine leben in mehreren kleinen Schutzgebieten in und um Manaus, zum Beispiel im Waldschutzgebiet Adolpho Ducke. Im Juni 2024 richtete die brasilianische Regierung das erste bundesweite Schutzgebiet eigens für diese Art ein, das Pied Tamarin Wildlife Refuge mit rund 15.300 Hektar Fläche.
Häufige Fragen zum Zweifarbentamarin
Wie groß wird ein Zweifarbentamarin?
Ohne Schwanz ist er nur etwa 21 bis 33 Zentimeter lang, der Schwanz misst 33 bis 42 Zentimeter. Er wiegt etwa 430 bis 600 Gramm, also etwa so viel wie zwei Päckchen Butter.
Wo lebt der Zweifarbentamarin?
Er lebt nur in einem kleinen Gebiet in Brasilien, rund um die Stadt Manaus, wo der Rio Negro in den Amazonas mündet. Sein ganzes Verbreitungsgebiet ist nur etwa 8.000 Quadratkilometer groß.
Was frisst ein Zweifarbentamarin?
Vor allem Früchte: In einer Studie machten sie 96 Prozent seiner Nahrung aus. Dazu kommen Baumsäfte, Nektar und Insekten wie Heuschrecken, Zikaden und Raupen.
Warum ist der Zweifarbentamarin vom Aussterben bedroht?
Sein kleines Verbreitungsgebiet liegt rund um die wachsende Großstadt Manaus. Wälder werden gerodet, viele Tiere sterben im Straßenverkehr oder an Stromleitungen. Außerdem verdrängt ihn der verwandte Rothandtamarin.
Warum hat der Zweifarbentamarin ein nacktes Gesicht?
Das nackte, schwarze Gesicht mit den großen Ohren ist ein typisches Merkmal der Art. Wozu es genau dient, ist nicht untersucht. Auch einige andere Tamarinarten haben ein unbehaartes Gesicht.
Ähnliche Tiere
- Rothandtamarin - ein naher Verwandter, der den Zweifarbentamarin verdrängt
- Lisztaffe - ein Tamarin aus Kolumbien mit weißer Haarmähne
- Kaiserschnurrbarttamarin - ein Tamarin mit langem weißem Bart
- Goldenes Löwenäffchen - ein stark bedrohter Krallenaffe aus Brasilien
- Zwergseidenäffchen - einer der kleinsten Affen der Welt, ebenfalls ein Krallenaffe
Quellen
- Saguinus bicolor. In: Handbook of the Mammals of the World, Vol. 3 (2013) - Plazi TreatmentBank
- Gordo, M. et al. (2021): Saguinus bicolor. The IUCN Red List of Threatened Species
- Lagroteria, D. et al. (2024): Pied Tamarin Wildlife Refuge: first federal protected area for the Critically Endangered Saguinus bicolor. Oryx 58(6)
- Saguinus bicolor (Brazilian Bare-faced Tamarin) - Animal Diversity Web, University of Michigan
- Saguinus bicolor - AnAge: The Animal Ageing and Longevity Database
- Pied tamarin - Wikipedia (englisch)
Größenvergleich
Der Zweifarbentamarin wird 21 bis 33 cm groß - eher kompakt. Auf unserer Größenskala liegt er zwischen einer 1-Euro-Münze (2,3 cm) und einem Kind (1,2 m). Im direkten Vergleich ist der Zweifarbentamarin rund 12-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze, aber ein Kind übertrifft den Zweifarbentamarin noch um das 4-Fache.
Gewichtsvergleich
Ein Zweifarbentamarin bringt 430 bis 600 g auf die Waage. Das ist schwerer als eine Tafel Schokolade (100 g), aber leichter als eine Hauskatze (4 kg). Anders ausgedrückt: Der Zweifarbentamarin wiegt so viel wie etwa 5 Tafeln Schokolade.