Baummarder

Zuletzt aktualisiert:

Baummarder mit braunem Fell, hell umrandeten Ohren, gelbem Kehlfleck und buschigem Schwanz sitzt auf dem Waldboden vor einem morschen Baumstamm
Charles J. Sharp / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kurz erklärt

Der Baummarder ist ein schlanker, kastanienbrauner Marder mit einem gelben Fleck an der Kehle und einem buschigen Schwanz. Er lebt im Wald, klettert hervorragend und springt mehrere Meter weit von Baum zu Baum. Er frisst Mäuse, Eichhörnchen, Vögel, Insekten und im Sommer viele Beeren. Anders als sein Verwandter, der Steinmarder, lebt er kaum in Dörfern und Städten.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameMartes martes
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
  • Familie: Marder (Mustelidae)
  • Gattung: Echte Marder (Martes)
  • Art: Baummarder (Edelmarder)
KörpergrößeKopf-Rumpf-Länge 41 bis 52 cm, dazu ein 20 bis 30 cm langer, buschiger Schwanz
Körpergewicht850 bis 1.900 g; Männchen sind schwerer als Weibchen
ErnährungAllesfresser: vor allem Mäuse und andere kleine Säugetiere, Eichhörnchen, Vögel und ihre Eier, Aas, Insekten sowie Beeren und andere Früchte
LebenserwartungBis zu 8 Jahre
SozialverhaltenEinzelgänger mit eigenem Revier; die Mutter zieht die Jungen allein auf
HerkunftEuropa und Westasien
Verbreitung Von Westeuropa und den Britischen Inseln bis Westsibirien, auch Italien, Nordgriechenland und Kleinasien; auch in Deutschland AsienEuropa
EntdeckungErstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2016)
SonstigesIn Deutschland steht der Baummarder auf der Vorwarnliste der Roten Liste der Säugetiere (2020). Er unterliegt dem Jagdrecht. Die bundesweite Verordnung über die Jagdzeiten erlaubt die Jagd vom 16. Oktober bis 28. Februar, die Bundesländer können diese Zeit verkürzen oder aufheben.

Was ist ein Baummarder?

Der Baummarder (Martes martes) ist ein Raubtier aus der Familie der Marder. Zu dieser Familie gehören auch das Hermelin, der Dachs und der Otter. Wegen seines gelben Kehlflecks heißt er auch Gelbkehlchen, ein alter Name ist Edelmarder.

In Deutschland leben zwei Marderarten, die sich sehr ähnlich sehen: der Baummarder und der Steinmarder. Der Baummarder ist ein echter Waldbewohner und ausgezeichneter Kletterer. Der Steinmarder lebt dagegen gern in Dörfern und Städten und ist als „Automarder“ bekannt. Den Baummarder bekommt man dagegen nur selten zu Gesicht.

Aussehen und Körperbau

Größe und Gewicht: Der Baummarder hat eine Kopf-Rumpf-Länge von 41 bis 52 cm. Dazu kommt ein 20 bis 30 cm langer, buschiger Schwanz. Er wiegt 850 bis 1.900 g. Männchen werden größer und schwerer als Weibchen: In Großbritannien wiegen Männchen 1,5 bis 2,2 kg, Weibchen 0,9 bis 1,5 kg.

Fell: Das Fell ist kastanienbraun bis dunkelbraun und fühlt sich seidig an. Im Sommer ist es dünner und dunkler, im Winter wächst ein dichter, etwas hellerer Pelz. Die Ohren sind hell umrandet.

Der Kehlfleck: An Kehle und Brust trägt der Baummarder einen dottergelben bis rötlich-gelben Fleck, der nach unten oft gegabelt ist. Jeder Kehlfleck ist anders geformt. Man kann einzelne Tiere deshalb an ihrem Fleck erkennen, ähnlich wie Menschen am Fingerabdruck.

Körperbau: Der Körper ist schlank und geschmeidig. Die Nase ist dunkel, der Kopf wirkt spitz. Die Krallen kann der Baummarder halb einziehen. Das macht ihn zu einem hervorragenden Kletterer. Im Winter sind seine Fußsohlen dicht behaart.

Baummarder oder Steinmarder?

Die beiden Arten sind etwa gleich groß, beide haben einen gegabelten Kehlfleck und sind auf den ersten Blick schwer zu unterscheiden. Diese Merkmale helfen:

MerkmalBaummarderSteinmarder
Kehlfleckdottergelb bis rötlich-gelbmeist weiß bis leicht gelblich
Fellfarbekastanienbraungraubraun
Nasenspiegeldunkelfleischfarben
Kopfformspitzeher rundlich
Fußsohlen im Winterdicht behaart, Ballen in der Spur kaum zu sehenwenig behaart, Ballen deutlich in der Spur
Lebensraumzusammenhängende Wälderoffenes Land, Dörfer und Städte
SpitznameGelbkehlchenWeißkehlchen, Hausmarder

Der Kehlfleck ist das bekannteste Merkmal, aber nicht immer eindeutig: Beim Steinmarder ist er sehr unterschiedlich ausgeprägt. Am sichersten ist es, mehrere Merkmale zusammen zu betrachten.

Verbreitung und Lebensraum

Der Baummarder lebt in Europa und Westasien. Sein Verbreitungsgebiet reicht von Westeuropa und den Britischen Inseln bis nach Westsibirien. Auch in Italien, Nordgriechenland und Kleinasien kommt er vor. In den Gebirgen lebt er bis hinauf zur Baumgrenze. In Deutschland gilt sein Bestand als mäßig häufig.

Lebensraum: Der Baummarder ist stark an den Wald gebunden. Er bewohnt Nadelwälder genauso wie Laub- und Mischwälder. Besonders gut gefällt es ihm, wo alte Bäume mit dichtem Jungwuchs abwechseln. Alte Bäume mit Höhlen sind für ihn wichtig, weil er darin schläft und seine Jungen großzieht. Ins offene Land geht er selten. Wenn in einem Wald sehr viele Baummarder leben, weichen junge Tiere ohne eigenes Revier aber auch in kleine Wäldchen und Gehölze in der Feldflur aus.

Nach neueren Untersuchungen ist der Baummarder weniger streng auf große, geschlossene Wälder angewiesen als lange angenommen.

Ernährung

Der Baummarder ist ein Allesfresser, der nimmt, was die Jahreszeit bietet.

  • Kleine Säugetiere: Mäuse und andere kleine Säugetiere sind seine wichtigste Beute. In Großbritannien machen sie mindestens 40 Prozent der Nahrung aus. Er erbeutet auch Eichhörnchen und gelegentlich sogar Hasen.
  • Vögel und Eier: Er plündert Nester von Spechten und Waldhühnern und fängt Vögel wie Eichelhäher und Elstern.
  • Insekten und Aas: Käfer und andere Insekten frisst er ebenso wie tote Tiere.
  • Früchte: Im Sommer und Herbst frisst er viele Beeren, zum Beispiel Heidelbeeren, Brombeeren und Vogelbeeren.

Sein Kot verrät dann, was er gefressen hat: Je nach Beeren färbt er sich im Sommer blau oder rot. Bei der Suche nach Beute verlässt sich der Baummarder vor allem auf seinen sehr guten Geruchssinn.

Eichhörnchen in Großbritannien: Dort fressen Baummarder mehr eingeschleppte Grauhörnchen als heimische Eichhörnchen. Grauhörnchen sind weniger vorsichtig und halten sich öfter am Boden auf. Einige Studien deuten darauf hin, dass das heimische Eichhörnchen davon profitieren kann. Andere Forschende sehen diesen Effekt nur dort, wo sehr viele Baummarder leben.

Verhalten und Lebensweise

Kletterkünstler: Der Baummarder klettert geschickt an Stämmen hinauf und hinunter und turnt durch die Baumkronen. Von Baum zu Baum springt er 3 bis 4 Meter weit.

Nachtaktiv: Der Baummarder ist überwiegend in der Nacht unterwegs, manchmal auch am Tag. Als Versteck dienen ihm hohle Bäume, die Wurzelteller umgestürzter Kiefern oder mit Gebüsch bewachsene Felsen. Einen Winterschlaf hält er nicht.

Einzelgänger: Außer in der Paarungszeit lebt jeder Baummarder allein in seinem Revier. In Großbritannien sind die Reviere der Männchen etwa 10 bis 25 Quadratkilometer groß, die der Weibchen 5 bis 15 Quadratkilometer. Ihre Grenzen markieren Baummarder mit Kot, den sie gut sichtbar zum Beispiel auf Waldwegen ablegen.

Drohen: Wird ein Baummarder bedroht, macht er einen Katzenbuckel und faucht. Wird es ernst, scharrt er mit den Hinterbeinen und schlägt mit dem Schwanz.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Paarung im Sommer: Die Paarungszeit, bei Jägern Ranz genannt, dauert von Ende Juni bis Mitte August. Männchen und Weibchen treffen sich dann und rufen dabei laut, fast wie Katzen. Eine Paarung kann bis zu 50 Minuten dauern.

Keimruhe: Nach der Befruchtung legt der Embryo eine lange Pause ein. Erst Monate später wächst er weiter. Die Tragzeit dauert deshalb insgesamt 249 bis 286 Tage, also rund acht bis neun Monate.

Geburt im Frühling: Die Jungen kommen im März oder April in einem Versteck zur Welt, gern in einer Baumhöhle. Im Durchschnitt sind es drei Junge, selten bis zu fünf. Die Mutter zieht sie allein auf, der Vater kümmert sich nicht.

Die Jungen: Etwa sechs Wochen lang bleiben die Jungen im Versteck bei der Mutter, dann wagen sie sich hinaus. Mit sechs Monaten sind sie ausgewachsen. Im Herbst werden sie selbstständig und müssen das Revier der Mutter verlassen. Geschlechtsreif werden Baummarder mit etwa 14 bis 15 Monaten. In Großbritannien bekommen sie meist erst mit zwei bis drei Jahren zum ersten Mal Junge.

Lebenserwartung: Baummarder werden bis zu acht Jahre alt.

Gefährdung und Schutz

Weltweit: Auf der Roten Liste der IUCN gilt der Baummarder als nicht gefährdet (Least Concern; Herrero und andere, 2016).

In Deutschland: In der Roten Liste der Säugetiere Deutschlands von 2020 steht der Baummarder auf der Vorwarnliste. Vorher galt er als gefährdet. Die Herabstufung bedeutet aber nicht unbedingt, dass es ihm besser geht: Sie beruht vor allem auf besseren Kenntnissen, seit es neue Methoden gibt, Baummarder nachzuweisen. Sein Bestand gilt als mäßig häufig. Langfristig ist er mäßig zurückgegangen, in den letzten Jahren war er stabil.

Gefahren: Wenn immer mehr Straßen und Siedlungen zusammenhängende Wälder zerschneiden, werden die Bestände voneinander getrennt. Die Fachleute der Roten Liste rechnen damit, dass dieses Problem in Zukunft wieder wichtiger wird.

Jagd: Der Baummarder unterliegt in Deutschland dem Jagdrecht. Nach der bundesweiten Verordnung über die Jagdzeiten darf er vom 16. Oktober bis 28. Februar bejagt werden, sonst hat er Schonzeit. Die Bundesländer dürfen diese Jagdzeit aber verkürzen oder ganz aufheben, deshalb gelten nicht überall dieselben Regeln.

Pelz als Geld: Im mittelalterlichen Kroatien diente das Fell des Baummarders sogar als Zahlungsmittel. Auch der Name der früheren kroatischen Währung Kuna geht auf den Baummarder zurück.

Beispiel Großbritannien: Dort verfolgten Wildhüter und Jäger den Baummarder lange, und Schäfer warfen ihm vor, Schafe zu töten. Bis 1926 war er fast überall verschwunden und kam nur noch in einem kleinen Gebiet im Nordwesten Schottlands, in Nordwales und im Lake District vor. Dank Schutz und Umsiedlungen breitet er sich dort heute wieder aus.

Häufige Fragen zum Baummarder

Was ist der Unterschied zwischen Baummarder und Steinmarder?

Der Baummarder hat einen gelben Kehlfleck, ein kastanienbraunes Fell und eine dunkle Nase. Der Steinmarder hat einen meist weißen, gegabelten Kehlfleck, ein graubraunes Fell und eine fleischfarbene Nase. Der Baummarder lebt im Wald, der Steinmarder oft in Dörfern und Städten.

Wie groß und schwer wird ein Baummarder?

Ohne Schwanz ist er 41 bis 52 cm lang, der buschige Schwanz misst noch einmal 20 bis 30 cm. Er wiegt 850 bis 1.900 g, Männchen sind schwerer als Weibchen.

Was frisst ein Baummarder?

Vor allem Mäuse und andere kleine Säugetiere, dazu Eichhörnchen, Vögel und Eier, Insekten und Aas. Im Sommer und Herbst frisst er viele Beeren.

Kommt der Baummarder auch ins Haus oder ans Auto?

Kaum. Der Baummarder lebt im Wald. Für Marder auf Dachböden und an Autos ist meist der Steinmarder verantwortlich, der gern in Siedlungen lebt.

Ist ein Baummarder gefährlich?

Für Menschen nicht. Er ist vor allem nachts unterwegs und lebt versteckt. Hühner kann er allerdings erbeuten, wenn der Stall nicht gut gesichert ist.

Hält der Baummarder Winterschlaf?

Nein. Der Baummarder ist das ganze Jahr über aktiv. Im Winter schützt ihn sein dichter, hellerer Winterpelz.

Ähnliche Tiere

  • Zobel - ein enger Verwandter aus Sibirien mit wertvollem Pelz
  • Hermelin - ein kleiner Marder, der im Winter weiß wird
  • Mauswiesel - der kleinste Marder in Deutschland
  • Nerz - ein Marder, der am Wasser lebt
  • Vielfraß - ein großer, kräftiger Marder des hohen Nordens
  • Eichhörnchen - ebenfalls ein Kletterer im Wald und eine Beute des Baummarders

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Baummarder
41 bis 52 cm

Der Baummarder wird 41 bis 52 cm groß - eher kompakt. Auf unserer Größenskala liegt er zwischen einem Fußball (22 cm) und einem Kind (1,2 m). Ein Kind übertrifft den Baummarder aber noch um das 3-Fache.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Baummarder
850 g bis 1,9 kg

Ein Baummarder bringt 850 g bis 1,9 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als eine Hauskatze (4 kg). Anders ausgedrückt: Der Baummarder wiegt so viel wie etwa 3 Fußbälle.