Darwin-Nasenfrosch
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Kurz erklärt
Der Darwin-Nasenfrosch ist ein nur 2 bis 3 cm kleiner Frosch aus den kühlen Wäldern Chiles und Argentiniens. Er hat eine spitze Schnauze und ist mit seiner braunen oder grünen Farbe auf dem Waldboden gut getarnt. Das Besondere: Die Männchen tragen ihre Kaulquappen in ihrem Kehlsack, bis daraus kleine Frösche geworden sind. Die Art ist stark gefährdet.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Rhinoderma darwinii |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Kopf-Rumpf-Länge meist 2,2 bis 3,2 cm; je nach Gegend wurden erwachsene Tiere von 1,85 bis 3,75 cm gemessen |
| Körpergewicht | Keine verlässlichen Angaben |
| Ernährung | Fleischfresser: Insekten und andere kleine Gliederfüßer |
| Lebenserwartung | Nicht genau bekannt |
| Sozialverhalten | Lebt in kleinen Gruppen auf engem Raum und bleibt seinem Platz treu |
| Herkunft | Chile und Argentinien |
| Verbreitung | Gemäßigte Wälder im Süden Chiles einschließlich der Insel Chiloé sowie im angrenzenden Argentinien Südamerika |
| Entdeckung | Im Dezember 1834 von Charles Darwin auf der Insel Lemuy (Chiloé-Archipel) gefunden; Erstbeschreibung 1841 durch Duméril und Bibron |
| Gefährdung | EN Stark gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2018) |
| Sonstiges | Die Schwesterart, der Nördliche Darwin-Nasenfrosch (Rhinoderma rufum), wurde seit 1980 nicht mehr gefunden und gilt als vermutlich ausgestorben. |
Was ist ein Darwin-Nasenfrosch?
Der Darwin-Nasenfrosch (Rhinoderma darwinii) ist ein sehr kleiner Froschlurch aus Südamerika. Er gehört zur Familie der Nasenfrösche. Seine Gattung Rhinoderma umfasst nur zwei Arten: den Darwin-Nasenfrosch, der auch Südlicher Darwin-Nasenfrosch genannt wird, und den Nördlichen Darwin-Nasenfrosch (Rhinoderma rufum).
Benannt nach Charles Darwin: Der berühmte Naturforscher Charles Darwin fand den Frosch im Dezember 1834 auf der Insel Lemuy im Chiloé-Archipel im Süden Chiles. Er war damals mit dem Forschungsschiff Beagle unterwegs. Manche Quellen nennen als ersten Fund dagegen die Gegend um Valdivia im Februar 1835. In seinen Notizen schrieb Darwin, der Frosch sei im Wald von Valdivia äußerst häufig. Wissenschaftlich beschrieben und nach ihm benannt wurde die Art 1841 von den französischen Zoologen Duméril und Bibron.
Berühmt wegen der Väter: Bekannt ist der Darwin-Nasenfrosch vor allem wegen seiner ungewöhnlichen Brutpflege. Die Männchen nehmen den Nachwuchs in ihren Kehlsack auf und tragen ihn dort, bis kleine Frösche daraus geworden sind. Außer den Darwin-Nasenfröschen kennt man nur noch bei den Seepferdchen lebende Wirbeltiere, bei denen die Männchen den Nachwuchs in einer besonderen Tasche am Körper tragen und dadurch „schwanger“ aussehen.
Aussehen und Körperbau
Größe: Der Darwin-Nasenfrosch ist ein Winzling. Erwachsene Tiere messen von der Schnauzenspitze bis zum Hinterende meist nur 2,2 bis 3,2 cm. In einer Untersuchung von über 1.000 Fröschen aus ganz Chile lag die durchschnittliche Länge erwachsener Tiere bei 2,37 cm. Nach Angaben der Forscher kommen je nach Gegend erwachsene Frösche von 1,85 bis 3,75 cm vor.
Nase: Typisch ist die spitze, lang ausgezogene Schnauze, die wie eine kleine Nase aussieht.
Farbe: Die Oberseite ist je nach Untergrund braun bis leuchtend grün. So ist der Frosch zwischen Laub und Moos gut getarnt. Der Bauch ist dagegen auffällig: Er ist schwarz mit großen weißen Flecken und kleineren gelben oder orangen Tupfen. Dieses Bauchmuster ist bei jedem Frosch anders. Forscher nutzen es deshalb wie einen Fingerabdruck, um einzelne Tiere wiederzuerkennen.
Füße: Schwimmhäute hat der Darwin-Nasenfrosch nur an einem Teil der Hinterzehen, nämlich zwischen der dritten und vierten sowie der vierten und fünften Zehe. Beim Nördlichen Darwin-Nasenfrosch sind dagegen alle fünf Hinterzehen durch gut entwickelte Schwimmhäute verbunden.
Verbreitung und Lebensraum
Der Darwin-Nasenfrosch lebt in den gemäßigten Wäldern und Regenwäldern im Süden Chiles und im angrenzenden Argentinien. Die meisten Tiere pro Fläche fanden Forscher auf der Insel Chiloé. Aus Argentinien wurde die Art unter anderem bei Puerto Blest gemeldet.
Nur im Naturwald: Bei einer großen Suche in Chile und Argentinien zwischen 2008 und 2012 fanden Forscher Darwin-Nasenfrösche ausschließlich in ursprünglichem Wald mit heimischen Bäumen, nie in Forstplantagen. In einer weiteren Studie lagen die 14 untersuchten Fundorte zwischen 9 und 1.120 m über dem Meeresspiegel.
Größere Frösche in kalten Gegenden: Wo die Winter lang und kalt sind, werden Darwin-Nasenfrösche größer als in milderen Gegenden. Forscher erklären das mit der Winterruhe: In kälteren Wintern verbraucht der Körper weniger Energie, die Frösche überleben den Winter besser, werden älter und können dadurch länger wachsen.
Ernährung
Der Darwin-Nasenfrosch ist ein Fleischfresser. Er frisst Insekten und andere kleine Gliederfüßer, die er auf dem Waldboden findet.
Verhalten und Lebensweise
Am Tag aktiv: Anders als viele andere Frösche ist der Darwin-Nasenfrosch tagaktiv. Forscher suchen ihn deshalb bei Tageslicht.
Treu am selben Platz: Darwin-Nasenfrösche leben meist in kleinen Gruppen auf engem Raum, zum Beispiel auf einer Lichtung im Wald. Dort bleiben sie sehr ortstreu. Die einzelnen Vorkommen liegen heute meist weit voneinander entfernt und sind stark voneinander getrennt.
Paarungszeit: Von etwa Oktober oder November bis März pflanzen sich die Frösche fort. In dieser Zeit führen Forscher auch ihre Zählungen durch, weil die Frösche dann am besten zu finden sind.
Winterruhe: Im Winter halten die Frösche eine Winterruhe. Dabei läuft ihr Stoffwechsel auf Sparflamme, sodass sie nur wenig Energie verbrauchen.
Fortpflanzung: Kaulquappen im Kehlsack
Die Fortpflanzung des Darwin-Nasenfroschs ist einzigartig unter den Fröschen. Fachleute nennen diese Form der Brutpflege Neomelie.
- Eier an Land: Das Weibchen legt seine Eier auf den feuchten Waldboden, nicht ins Wasser.
- Der Vater schluckt die Eier: Wenn die Embryonen in den Eiern schon weit entwickelt sind, nimmt das Männchen sie mit dem Maul auf und bringt sie in seinen Kehlsack. Das ist die Hauttasche an der Kehle, die andere Froschmännchen zum Rufen aufblähen.
- Wachsen im Kehlsack: Im Kehlsack schlüpfen die Kaulquappen. Das Männchen gibt dort eine besondere Flüssigkeit ab, die Nährstoffe für den Nachwuchs enthält. In einem Kehlsack wurden schon 1 bis 19 Kaulquappen gefunden.
- Kleine Frösche kommen heraus: Nach etwa sechs bis acht Wochen ist die Verwandlung abgeschlossen. Das Männchen würgt winzige Frösche hervor, die schon aussehen wie kleine Ausgaben der Eltern.
Bei der großen Freilandsuche zwischen 2008 und 2012 trugen 120 von 231 gefangenen Männchen gerade Nachwuchs im Kehlsack.
Unterschied zur Schwesterart: Der Nördliche Darwin-Nasenfrosch hat den Nachwuchs nicht bis zum Ende im Kehlsack getragen. Die Männchen würgten die Kaulquappen schon in einem frühen Stadium hervor und setzten sie in der Nähe flacher Bäche ab, wo sie sich im Wasser fertig entwickelten.
Feinde und Gefährdung
Der Darwin-Nasenfrosch gilt auf der Roten Liste der IUCN als stark gefährdet (IUCN, 2018).
Starker Rückgang: Bei der großen Suche zwischen 2008 und 2012 untersuchten Forscher 223 Orte im früheren Verbreitungsgebiet der beiden Darwin-Nasenfrosch-Arten. 177 davon lagen im Gebiet des Darwin-Nasenfroschs. Gefunden haben sie ihn nur noch an 36 Orten. Die Bestände waren klein: In fünf genauer untersuchten Gruppen lebten im Durchschnitt nur etwa 33 Frösche. Die Forscher empfahlen deshalb, die Art als stark gefährdet einzustufen.
Die wichtigsten Gefahren sind:
- Verlust des Waldes: Vor allem im Norden des Verbreitungsgebiets wurden große Flächen Naturwald durch Plantagen mit Kiefern und Eukalyptus ersetzt. An Orten mit starken Eingriffen durch den Menschen fanden die Forscher weniger Frösche.
- Chytridpilz: Der Pilz Batrachochytrium dendrobatidis löst bei Amphibien eine gefährliche Hautkrankheit aus, die Chytridiomykose. Obwohl der Darwin-Nasenfrosch an Land lebt, steckt er sich mit diesem Wasserpilz an. Eine Studie von 2026 zeigte, dass sich die Krankheit auf wenige Meter eng begrenzt zwischen benachbarten Fröschen ausbreitet. In einzelnen Gruppen verschwanden dadurch innerhalb eines Jahres bis zu 98 Prozent der Tiere.
- Vulkanausbrüche: An einem Ort verschwanden die Frösche, nachdem ein Vulkanausbruch ihren Lebensraum verändert hatte.
Die Schwesterart ist verschwunden: Der Nördliche Darwin-Nasenfrosch lebte weiter nördlich in Mittelchile. Er wurde seit 1980 nicht mehr gefunden. Nach einer Berechnung starb er vermutlich um das Jahr 1982 aus. Auf der Roten Liste der IUCN wird er als vom Aussterben bedroht geführt.
Häufige Fragen zum Darwin-Nasenfrosch
Wie lange bleiben die Kaulquappen im Kehlsack?
Etwa sechs bis acht Wochen. In dieser Zeit versorgt das Männchen sie mit einer nährstoffreichen Flüssigkeit. Erst als fertige kleine Frösche verlassen sie den Kehlsack.
Wie groß wird ein Darwin-Nasenfrosch?
Erwachsene Darwin-Nasenfrösche sind meist nur 2,2 bis 3,2 cm lang, also etwa so groß wie ein Daumennagel bis ein Daumenglied. In Gegenden mit kalten Wintern werden sie etwas größer.
Wo lebt der Darwin-Nasenfrosch?
In den kühlen, feuchten Wäldern im Süden Chiles, besonders auf der Insel Chiloé, und im angrenzenden Argentinien. Er kommt nur in ursprünglichem Naturwald vor.
Was frisst der Darwin-Nasenfrosch?
Er frisst Insekten und andere kleine Gliederfüßer, die er am Tag auf dem Waldboden erbeutet.
Warum heißt er Darwin-Nasenfrosch?
Charles Darwin hat den Frosch 1834 auf seiner Reise mit der Beagle in Chile gefunden. Die Forscher, die ihn 1841 beschrieben, benannten ihn deshalb nach Darwin. Der Name „Nasenfrosch“ passt zu seiner spitzen, lang ausgezogenen Schnauze.
Ist der Darwin-Nasenfrosch vom Aussterben bedroht?
Er ist stark gefährdet. An vielen Orten, an denen er früher lebte, ist er verschwunden. Seine Schwesterart, der Nördliche Darwin-Nasenfrosch, ist vermutlich schon ausgestorben.
Ähnliche Tiere
- Seepferdchen - auch hier tragen die Männchen den Nachwuchs in einer Bruttasche
- Frosch - Überblick über die Froschlurche
- Baumsteigerfrosch - kleine, bunte Frösche aus Mittel- und Südamerika
- Schmuck-Hornfrosch - ebenfalls ein Frosch aus Südamerika, aber viel größer
- Grasfrosch - ein heimischer Frosch zum Vergleich
Quellen
- Soto-Azat, C. et al. (2013): The Population Decline and Extinction of Darwin's Frogs. PLOS ONE 8(6), e66957
- Valenzuela-Sánchez, A., Cunningham, A. A. & Soto-Azat, C. (2015): Geographic body size variation in ectotherms: effects of seasonality on an anuran from the southern temperate forest. Frontiers in Zoology 12, 37
- Valenzuela-Sánchez, A. et al. (2026): Localized transmission of an aquatic pathogen drives hidden epidemics and population collapse in a terrestrial host. Nature Ecology & Evolution 10(2), 308-317
- Life Within a Vocal Sac - EDGE of Existence, Zoological Society of London
- Rhinoderma darwinii - Animal Diversity Web, University of Michigan
- IUCN SSC Amphibian Specialist Group (2018): Rhinoderma darwinii. The IUCN Red List of Threatened Species
Größenvergleich
Mit 2,2 bis 3,2 cm gehört der Darwin-Nasenfrosch zu den kleineren Tieren in unserem Lexikon. Eine Biene (1,5 cm) ist dagegen kleiner, während ein Fußball mit 22 cm noch einiges an Größe drauflegt.