Damhirsch
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Kurz erklärt
Der Damhirsch ist ein mittelgroßer Hirsch mit weiß geflecktem Sommerfell. Die Männchen tragen ein breites Geweih mit Schaufeln, das sie jedes Frühjahr abwerfen. Ursprünglich überlebte die Art nach der Eiszeit vor allem in Kleinasien. Der Mensch hat Damhirsche in ganz Europa und auf anderen Kontinenten angesiedelt, auch in Deutschland.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Dama dama |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Kopf-Rumpf-Länge 130 bis 175 cm; Schulterhöhe der Hirsche 90 bis 100 cm, Weibchen etwas kleiner |
| Körpergewicht | Frei lebende Hirsche meist 46 bis 80 kg, nach sächsischen Angaben 60 bis 90 kg; Weibchen 30 bis 50 kg |
| Ernährung | Pflanzenfresser und Wiederkäuer: Gräser, Kräuter, Eicheln, Bucheckern und Kastanien, Knospen, Triebe, Blätter und Rinde |
| Lebenserwartung | Über 20 Jahre möglich; Altersrekord 27 Jahre in Menschenobhut |
| Sozialverhalten | Weibchen, Kälber und Jungtiere leben in Rudeln; Hirsche in Junggesellengruppen oder allein; zur Brunft kommen beide Geschlechter zusammen |
| Herkunft | Nach der Eiszeit nur noch in Rückzugsgebieten wie Anatolien und dem Balkan |
| Verbreitung | Vom Menschen in weiten Teilen Europas angesiedelt; außerdem in rund 38 Ländern eingeführt, unter anderem in Nord- und Südamerika, Südafrika, Australien und Neuseeland AfrikaAsienEuropaNordamerikaSüdamerikaAustralien |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2008) |
| Sonstiges | Der Mesopotamische Damhirsch (Dama mesopotamica) aus dem Nahen Osten ist eine eigene, stark gefährdete Art. |
Ein Hirsch mit Schaufeln
Der Damhirsch (Dama dama) gehört zur Familie der Hirsche. Er ist kleiner als der Rothirsch und lässt sich an zwei Merkmalen leicht erkennen: an seinem Geweih mit breiten Schaufeln und an seinem weiß gefleckten Sommerfell. Jäger nennen die Tiere Damwild. Die Männchen heißen Hirsche, die Weibchen Alttiere, die Jungen Kälber.
In Deutschland kennen viele Menschen den Damhirsch aus Wildparks und Gehegen. Er lebt bei uns aber auch frei in Wäldern und Feldern. Seine Geschichte ist besonders: Ohne den Menschen gäbe es den Damhirsch in Mitteleuropa heute nicht.
Aussehen und Körperbau
Größe: Damhirsche werden von der Nase bis zum Schwanzansatz 130 bis 175 cm lang. Der Schwanz misst 15 bis 23 cm. Hirsche erreichen eine Schulterhöhe von 90 bis 100 cm, in Baden-Württemberg im Durchschnitt 94 cm. Weibchen sind etwas kleiner.
Gewicht: Frei lebende Hirsche wiegen nach Angaben des Animal Diversity Web meist 46 bis 80 kg, im Schnitt 67 kg. Weibchen bringen 30 bis 50 kg auf die Waage. Das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie nennt für ausgewachsene Hirsche 60 bis 90 kg und für Weibchen 35 bis 50 kg.
Körperform: Die Vorderbeine sind meist etwas kürzer als die Hinterbeine. Deshalb steigt die Rückenlinie nach hinten leicht an. Bei Hirschen sieht man am Hals einen deutlichen Kehlkopf, ähnlich einem Adamsapfel.
Fell: Im Sommer ist das Fell hell- bis rostbraun mit vielen weißen Flecken auf Rücken und Flanken. Am Hals gibt es weniger Flecken, an Kopf und Beinen keine. Im Winter wird das Fell dunkelbraun und rauer, mit dichter Unterwolle. Ein dunkler Streifen zieht sich vom Nacken über den Rücken bis zur Schwanzspitze. Bauch, Brust und Unterbeine sind heller.
Viele Farben: Kein anderer Hirsch ist so unterschiedlich gefärbt wie der Damhirsch. Neben der üblichen gefleckten Färbung gibt es weiße, besonders helle (Menil genannt) und schwarze Damhirsche. Je dunkler das Fell, desto weniger fallen die Flecken auf.
Das Schaufelgeweih
Nur die Hirsche tragen ein Geweih, Weibchen haben fast nie eines. Das Geweih des Damhirschs ist schaufelförmig verbreitert und hat mehrere Enden. Ein Geweih ist 50 bis 70 cm lang und kann bei gut entwickelten Hirschen bis zu 4 kg wiegen.
Abwerfen und neu wachsen: Jedes Jahr im April werfen die Hirsche ihr Geweih ab. Dann wächst ein neues nach, zunächst unter einer Haut, die Bast genannt wird. Bis August ist das neue Geweih fertig und der Bast abgestreift.
Herkunft: eine Geschichte mit dem Menschen
Früher in ganz Mitteleuropa: In den Warmzeiten des Eiszeitalters lebten Damhirsche weit verbreitet in Mitteleuropa. Das zeigen etwa 120.000 Jahre alte Skelette aus Neumark-Nord in Sachsen-Anhalt. In den Kaltzeiten zogen sich die Tiere immer wieder nach Süden zurück.
Fast verschwunden: Am Ende des Eiszeitalters überlebten Damhirsche nur in südlichen Rückzugsgebieten wie Anatolien (heute Türkei) und dem Balkan. Die übrigen Linien starben wahrscheinlich aus.
Wieder verbreitet durch den Menschen: Zur Zeit des Römischen Reichs, im Mittelalter und in der Neuzeit brachten Menschen Damhirsche aus Anatolien wieder nach ganz Europa, vor allem als Jagdwild. Später wurden sie auch auf anderen Kontinenten ausgesetzt. Alle heutigen Damhirsche in Mitteleuropa gehen auf Tiere zurück, die der Mensch aus Kleinasien geholt hat.
Wenig genetische Vielfalt: Weil alle diese Tiere von einer kleinen Restpopulation abstammen, ist ihr Erbgut sehr einheitlich. Moderne Damhirsche haben eine ungewöhnlich geringe genetische Vielfalt, geringer als verwandte Arten wie der Rothirsch. Das zeigte 2026 eine Studie der Universität Potsdam und weiterer Forschungseinrichtungen.
In Deutschland: In Baden-Württemberg wurden die ersten Damhirsche im 16. Jahrhundert im Tierpark Urach ausgesetzt. In den folgenden Jahrhunderten wurde Damwild als Parkwild und Fleischlieferant in weiten Teilen Mittel- und Nordeuropas eingebürgert. Diese Einbürgerungswelle ging an Baden-Württemberg weitgehend vorbei: Dort lebt nur etwa ein Prozent des deutschen Bestands, frei lebend vor allem in sechs voneinander getrennten Gebieten. Bundesweit steigen die Jagdstrecken seit Beginn der Aufzeichnungen.
Verbreitung und Lebensraum
Verbreitung: Heute kommt der Damhirsch in weiten Teilen Europas vor. Außerdem wurde er in rund 38 Ländern eingeführt, darunter Länder in Nord- und Südamerika, Südafrika, Australien, Neuseeland und die Fidschi-Inseln. Damhirsche sind das bekannteste Wild in Wildparks und werden in fast allen größeren Zoos gehalten. Auf eingezäunten Weiden werden sie auch für die Fleischerzeugung gezüchtet.
Lebensraum: Am liebsten mögen Damhirsche alte Laubwälder mit offenen, grasigen Flächen dazwischen. Sie leben aber auch in Mischwäldern, auf Grasland, in Buschland und in niedrigen Gebirgen. Oft suchen sie ihre Nahrung auf Feldern und Wiesen in der Nähe des Waldes.
Ernährung
Damhirsche sind Pflanzenfresser und Wiederkäuer. Sie können auch schwer verdauliches, nährstoffarmes Futter wie Gras und Heu verwerten, indem sie es nach dem ersten Fressen wieder hochwürgen und gründlich nachkauen.
Auf dem Speiseplan stehen:
- Gräser und Kräuter
- Baumfrüchte wie Eicheln, Bucheckern und Kastanien
- Knospen, Triebe, Blätter und Zweige von Bäumen und Sträuchern
- Rinde und Nadeln
Was sie fressen, hängt von der Jahreszeit und vom Angebot ab. Am meisten fressen sie in der Morgen- und Abenddämmerung, aber auch tagsüber in Abständen.
Schäden: Damwild richtet im Wald meist weniger Schäden an als Rothirsche und Rehe. Weil es aber oft auf Feldern frisst, können die Schäden in der Landwirtschaft größer sein.
Verhalten und Lebensweise
Rudel: Damhirsche sind gesellig. Weibchen, Kälber und einjährige Jungtiere leben in Rudeln. Die Hirsche sind den größten Teil des Jahres allein oder in kleinen Junggesellengruppen unterwegs. Im Herbst, zur Brunft, gesellen sie sich zu den Weibchen.
Aktivität: Damwild kann am Tag, in der Dämmerung und in der Nacht aktiv sein. Besonders aktiv ist es in der Morgen- und Abenddämmerung. Damhirsche sehen sehr gut. Wie gut sie hören und riechen, beschreiben Fachleute unterschiedlich.
Flucht: Bei Gefahr bellt ein Weibchen laut als Warnruf. Auf der Flucht hält der Damhirsch den Schwanz hoch und macht manchmal Sprünge, bei denen alle vier Beine gleichzeitig in der Luft sind.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Brunft: Die Paarungszeit heißt Brunft und dauert von Ende September bis Anfang November, mit dem Höhepunkt in der zweiten Oktoberhälfte. Ein Hirsch besetzt dann einen Brunftplatz. Er scharrt Mulden in den Boden, schlägt mit dem Geweih gegen Büsche und lockt die Weibchen mit eintönigen Rufen an. In dieser Zeit frisst er oft kaum. Rivalen vertreibt er. Kommt es zum Kampf, schieben sich die Hirsche mit den Geweihen nach festen Regeln hin und her. Ernste Verletzungen sind selten.
Wer darf sich paaren? Junge Hirsche wären mit gut eineinhalb Jahren schon fortpflanzungsfähig, kommen aber meist erst mit etwa vier Jahren zum Zug. Weibchen können schon mit etwa eineinhalb Jahren das erste Mal trächtig werden.
Tragzeit und Geburt: Die Tragzeit dauert 33 bis 35 Wochen, also rund acht Monate. Die meisten Kälber kommen Ende Mai oder Anfang Juni zur Welt. Meist bekommt ein Weibchen ein Kalb, selten zwei. Ein neugeborenes Kalb wiegt etwa 2 bis 4,5 kg.
Die ersten Wochen: Das Weibchen versteckt sein Kalb in dichtem Gebüsch und kommt nur zum Säugen vorbei. Nach drei bis vier Wochen kehren Mutter und Kalb ins Rudel zurück. Gesäugt wird das Kalb bis zu einem Alter von etwa sechs bis sieben Monaten. Nach ungefähr einem Jahr ist es selbstständig.
Lebensdauer: Damhirsche können über 20 Jahre alt werden. Der älteste bekannte Damhirsch lebte in Menschenobhut und wurde 27 Jahre alt. Ob frei lebende Tiere ähnlich alt werden, ist nicht sicher belegt.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Wo es sie gibt, jagen Wölfe und Bären Damhirsche, in Amerika auch Pumas. Die Tiere im Rudel passen gemeinsam auf und warnen einander.
Mensch und Straßenverkehr: Damwild wird in vielen Ländern bejagt, auch in Deutschland. Die Jagd soll vor allem verhindern, dass die Bestände zu groß werden und zu viele Schäden an Feldern und jungen Bäumen entstehen. Auf Straßen kommt es gelegentlich zu Unfällen mit Damhirschen.
Gefährdungsstatus: Die IUCN stuft den Damhirsch als nicht gefährdet ein (Masseti & Mertzanidou, 2008). Dank der vielen Ansiedlungen ist er heute viel weiter verbreitet als ursprünglich.
Ein seltener Verwandter: Ganz anders steht es um den Mesopotamischen Damhirsch (Dama mesopotamica) aus dem Iran und dem Nahen Osten. Er gilt als eigene Art und ist stark gefährdet. In der Wildnis war er zeitweise fast verschwunden, inzwischen wird er unter anderem in Israel wieder angesiedelt.
Häufige Fragen zum Damhirsch
Was ist der Unterschied zwischen Damhirsch und Rothirsch?
Der Damhirsch ist kleiner als der Rothirsch. Sein Geweih ist schaufelförmig verbreitert, daran erkennt man ihn sofort. Außerdem trägt der Damhirsch im Sommer ein weiß geflecktes Fell.
Warum hat der Damhirsch Punkte?
Das weiß gefleckte, hellbraune Fell ist das Sommerkleid des Damhirschs. Im Winter wird das Fell dunkelbraun. Es gibt auch weiße und schwarze Damhirsche. Je dunkler das Fell ist, desto weniger fallen die Flecken auf.
Ist der Damhirsch in Deutschland heimisch?
Nicht ursprünglich. Vor sehr langer Zeit lebten Damhirsche zwar in Mitteleuropa, nach der Eiszeit überlebten sie aber nur im Süden, vor allem in Anatolien. Alle heutigen Damhirsche in Mitteleuropa stammen von Tieren ab, die Menschen von dort mitgebracht haben.
Wann wirft der Damhirsch sein Geweih ab?
Im April. Danach wächst ein neues Geweih nach, das bis August fertig ist.
Was frisst ein Damhirsch?
Gräser, Kräuter, Knospen, Triebe und Blätter, außerdem Eicheln, Bucheckern, Kastanien, Rinde und Nadeln. Als Wiederkäuer kann er auch nährstoffarmes Gras gut verwerten.
Wie viele Junge bekommt ein Damhirsch?
Meist ein Kalb, selten zwei. Die Kälber kommen nach rund acht Monaten Tragzeit vor allem Ende Mai und Anfang Juni zur Welt.
Ähnliche Tiere
- Hirsch - Überblick über die Familie der Hirsche
- Elch - der größte Hirsch, ebenfalls mit Schaufelgeweih
- Rentier - ein Hirsch, bei dem auch die Weibchen ein Geweih tragen
- Wildschwein - ein weiterer Paarhufer in heimischen Wäldern und Feldern
- Wolf - ein natürlicher Feind des Damhirschs
Quellen
- Masseti, M. & Mertzanidou, D. (2008): Dama dama. The IUCN Red List of Threatened Species
- Dama dama (fallow deer) - Animal Diversity Web, University of Michigan
- Wildtierbericht 2018, Kapitel Damhirsch - Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg
- Europäisches Damwild vor 120.000 Jahren - dem Verlust genetischer Vielfalt auf der Spur, Pressemitteilung vom 04.06.2026 - Universität Potsdam (Studie: Rocha-Méndez et al. 2026, iScience 29)
- Damwild im Gehege, Faltblatt (2016) - Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
- Dama dama (Fallow deer) - AnAge: The Animal Ageing and Longevity Database
Größenvergleich
Mit 1,3 bis 1,75 m gehört der Damhirsch zu den größeren Tieren in unserem Lexikon. Ein Kind (1,2 m) ist dagegen kleiner, während ein Erwachsener mit 1,8 m noch etwas an Größe drauflegt.
Gewichtsvergleich
Ein Damhirsch bringt 30 bis 90 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Kind (25 kg), aber leichter als ein Auto (1,5 t).