Dodo
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Kurz erklärt
Der Dodo war ein großer Vogel, der nicht fliegen konnte und nur auf der Insel Mauritius im Indischen Ozean lebte. Er gehörte zur Familie der Tauben und war etwa 63 bis 75 cm groß. Nachdem niederländische Seefahrer 1598 auf der Insel landeten, starb er innerhalb von weniger als 100 Jahren aus. Heute ist er eines der bekanntesten Beispiele für ein vom Menschen ausgerottetes Tier.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Raphus cucullatus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 63 bis 75 cm |
| Körpergewicht | Nur aus Knochen geschätzt: neuere Studien etwa 10 bis 14 kg, ältere Angaben bis über 20 kg |
| Ernährung | Vermutlich heruntergefallene Früchte und Samen |
| Lebenserwartung | Unbekannt |
| Sozialverhalten | Wenig bekannt, verteidigte vermutlich ein Revier |
| Herkunft | Mauritius |
| Verbreitung | Nur auf Mauritius: Wälder von der Küste bis ins Bergland Afrika |
| Entdeckung | Erste Berichte 1598 durch niederländische Seefahrer; wissenschaftlich beschrieben 1758 von Carl von Linné |
| Gefährdung | EX Ausgestorben (Rote Liste der IUCN, 2024) |
| Sonstiges | Letzte glaubwürdige Sichtung 1662 |
Was war der Dodo?
Der Dodo (Raphus cucullatus) war ein großer, flugunfähiger Vogel. Er lebte nur auf Mauritius, einer Insel im Indischen Ozean östlich von Madagaskar. Im 17. Jahrhundert wurde er ausgerottet. Weil das so schnell ging und so früh geschah, weiß man bis heute erstaunlich wenig über ihn.
Eine riesige Taube: Auch wenn man es ihm nicht ansieht, gehörte der Dodo zur Familie der Tauben. Frühe Berichte hielten ihn für eine Ralle, einen Geier oder sogar einen Strauß. Erst im 19. Jahrhundert erkannten Forschende, dass er eine riesige, flugunfähige Taube war. Genetische Untersuchungen haben gezeigt, dass die Nikobartaube aus Südostasien sein nächster heute lebender Verwandter ist. Noch näher verwandt war der Rodrigues-Solitär, ein ebenfalls flugunfähiger Vogel von der Nachbarinsel Rodrigues. Auch er ist ausgestorben.
Wie wurde er so groß? Mauritius ist eine Vulkaninsel und etwa 10 Millionen Jahre alt. Irgendwann danach erreichte ein flugfähiger Vorfahr des Dodos die Insel. Es gab dort keine Raubtiere am Boden. Die Vögel verbrachten deshalb immer mehr Zeit am Boden, wurden größer und verloren schließlich die Fähigkeit zu fliegen.
Aussehen und Körperbau
Wie der Dodo genau aussah, ist schwer zu sagen. Es gibt keinen einzigen ausgestopften Dodo. Alle Dodos in Museen sind Nachbildungen. Man muss sich auf Knochen, alte Bilder und Beschreibungen von Seefahrern verlassen, und die widersprechen sich oft.
Größe: Nach Knochenfunden war der Dodo etwa 63 bis 75 Zentimeter groß. Das Natural History Museum in London geht von etwa 70 Zentimetern aus.
Gewicht: Wie schwer der Dodo war, wird seit Langem diskutiert. Ältere Angaben nennen rund 20 Kilogramm, zum Beispiel das Naturkundemuseum der Universität Oxford. Eine Studie aus dem Jahr 2016 hat das Gewicht mithilfe von Computertomografie an Skeletten neu berechnet und kam auf etwa 10,6 bis 14,3 Kilogramm. Das Natural History Museum nennt rund 12 Kilogramm. Vermutlich schwankte das Gewicht mit den Jahreszeiten.
Gefieder und Schnabel: Das Gefieder war nach heutigem Wissen vermutlich hellgrau bis dunkelbraun und damit dunkler als auf vielen Bildern. Die Flügel waren klein und zum Fliegen ungeeignet. Auffällig war der große, kräftige Schnabel.
Magenstein: Im Magen hatte der Dodo einen großen Stein, der beim Zerkleinern der Nahrung half.
Nicht dick und nicht dumm: Auf vielen alten Bildern sieht der Dodo plump und fett aus, so auch auf dem Gemälde oben. Heute weiß man, dass er deutlich schlanker und beweglicher war und aufrechter stand. Weil sein Gewicht mit den Jahreszeiten schwankte, haben Seefahrer ihn vielleicht gerade in einer fetten Phase gesehen. Manche Fachleute vermuten außerdem, dass Maler überfütterte Vögel aus Gefangenschaft als Vorbild hatten. Untersuchungen des Schädels ergaben, dass der Dodo etwa so klug war wie heutige Tauben. Sein Geruchssinn war gut entwickelt, wahrscheinlich hat er seine Nahrung eher erschnuppert als gesehen.
Verbreitung und Lebensraum
Der Dodo lebte ausschließlich auf Mauritius. Er kam an der Küste und auf kleinen vorgelagerten Inseln vor, aber auch im Tiefland und in den Bergen. Er lebte sowohl in trockenen als auch in feuchten Wäldern.
Ein Blick in die Vergangenheit: 1865 wurde auf Mauritius ein altes Sumpfgebiet namens Mare aux Songes entdeckt. Dort lagen Tausende Dodo-Knochen zusammen mit Resten vieler anderer Tiere und Pflanzen. Daraus konnten Forschende ablesen, wie die Insel vor der Ankunft der Menschen aussah: Seen, umgeben von Feuchtgebieten und hohen, dichten Wäldern mit Tambalacoque-Bäumen, Palmen und Schraubenbäumen. Die Seen waren in trockenen Gegenden wichtige Wasserstellen. Dort trafen sich Dodos, Riesenschildkröten, Flughunde, Papageien, Eulen und viele andere Tiere.
Ernährung
Der große Magenstein spricht dafür, dass der Dodo vor allem heruntergefallene Früchte und Samen fraß. Was er genau fraß, ist aber nicht sicher belegt.
Ein bekannter Irrtum: 1977 stellte ein Forscher die Behauptung auf, der Tambalacoque-Baum, auch Dodobaum genannt, könne nur keimen, wenn seine Samen vorher durch den Darm eines Dodos gewandert seien. Andere Fachleute widerlegten das später: Die Samen keimen zwar selten, aber auch ohne vorher von einem Dodo gefressen worden zu sein.
Verhalten und Fortpflanzung
Über das Verhalten des Dodos ist wenig bekannt. Aus Knochen und alten Berichten lassen sich aber einige Dinge ableiten:
- Revier: Dodos verteidigten ihr Revier offenbar heftig. Die Männchen kämpften vermutlich mit ihren großen Schnäbeln gegeneinander.
- Ein einziges Ei: Jedes Weibchen baute ein Nest und legte ein Ei.
- Jahreszeiten: Die Knochen zeigen, dass Dodos zu bestimmten Zeiten gebrütet haben. Brutzeit war vermutlich die kühle, trockene Jahreszeit von April bis September. In dieser Zeit waren die Vögel fetter. In der heißen Regenzeit von Oktober bis März waren sie schlanker.
- Zutraulich: Die Vögel kannten keine Feinde. Frühe Berichte beschreiben sie als zahm, man konnte sich ihnen leicht nähern.
Wie alt ein Dodo werden konnte, weiß niemand.
Wie ist der Dodo ausgestorben?
Vor den Niederländern hatten schon arabische und portugiesische Schiffe Mauritius besucht. Als erste ließen sich aber niederländische Seefahrer auf der Insel nieder, die 1598 dort ankamen.
Jagd: Die Seeleute jagten die zutraulichen Dodos, was ihre Zahl stark verringerte. Einige Dodos wurden sogar lebend verschifft. Mindestens elf Tiere erreichten Europa, andere kamen nach Indien und vielleicht sogar bis nach Japan.
Eingeschleppte Tiere: Noch schlimmer waren die Tiere, die mit den Menschen auf die Insel kamen: Hunde, Katzen, Schweine und Ratten. Sie töteten Dodos, fraßen wahrscheinlich ihre Eier und zerstörten ihren Lebensraum. Da der Dodo am Boden brütete und nur ein Ei legte, konnte sich sein Bestand vermutlich nur langsam erholen.
Wann starb der letzte Dodo? Das weiß niemand genau.
- 1662 gilt als letzte glaubwürdige Sichtung. Damals berichtete Volkert Evertsz von Dodos auf einer kleinen Insel vor Mauritius. Die Sichtung davor lag schon 24 Jahre zurück.
- Es gibt auch spätere Berichte. Ob damit wirklich Dodos gemeint waren, ist umstritten. Das Natural History Museum hält eine Sichtung bis etwa 1680 für möglich.
- Zwei Forscher haben 2003 mit einer statistischen Methode berechnet, dass der Dodo wahrscheinlich erst um 1690 ausstarb, also fast 30 Jahre nach der letzten sicheren Sichtung.
Nach der Ankunft der Niederländer dauerte es damit weniger als 100 Jahre, bis der Dodo verschwunden war. Auch der Rodrigues-Solitär und viele andere Tiere der beiden Inseln wurden vom Menschen ausgerottet.
Heute: Auf der Roten Liste der IUCN ist der Dodo als ausgestorben (Extinct) eingestuft (IUCN, 2024).
Was von ihm übrig ist
- Der Oxford-Dodo: Das Naturkundemuseum der Universität Oxford besitzt die einzigen erhaltenen Weichteile eines Dodos. Von dem Tier sind noch der Schädel mit Hautresten, das Skelett eines Fußes, ein aufgeschnittener Oberschenkelknochen und eine Feder übrig. Der Vogel stammt aus einer alten Sammlung und wird schon 1656 in einem Katalog als „Dodar“ von Mauritius erwähnt, der nicht fliegen kann. Untersuchungen haben gezeigt, dass dieser Dodo durch einen Schuss in den Hinterkopf starb.
- Skelette: Es gibt Tausende einzelne Knochen. Aber nur zwei fast vollständige Skelette stammen jeweils von einem einzigen Tier. Beide liegen im Naturkundemuseum in Port Louis auf Mauritius. Ein drittes, weniger vollständiges Skelett besitzt ein Museum in Durban in Südafrika. Alle anderen Dodo-Skelette sind aus Knochen verschiedener Tiere zusammengesetzt.
- Bilder: Aus dem 17. Jahrhundert gibt es Zeichnungen und Gemälde. Schon damals waren viele davon ungenau.
Besonderheiten
- Symbol des Aussterbens: Der Dodo ist weltweit eines der bekanntesten Beispiele für eine Tierart, die durch den Menschen ausgerottet wurde. Im Englischen sagt man „as dead as a dodo“, also „so tot wie ein Dodo“.
- Berühmt durch ein Buch: In „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll tritt ein Dodo auf.
- Pläne zur „Wiederbelebung“: Das Biotechnik-Unternehmen Colossal möchte aus Erbgut von Dodo-Knochen einen dodoähnlichen Vogel erschaffen. Dazu soll das Erbgut der Nikobartaube verändert werden. Ein echter Dodo wäre das nicht, denn über das Aussehen und Verhalten des Originals weiß man zu wenig.
Häufige Fragen zum Dodo
Wie groß war ein Dodo?
Nach Knochenfunden war der Dodo etwa 63 bis 75 Zentimeter groß. Sein Gewicht wird heute meist auf etwa 10 bis 14 Kilogramm geschätzt.
Wo lebte der Dodo?
Nur auf der Insel Mauritius im Indischen Ozean. Dort lebte er in Wäldern, von der Küste bis in die Berge, und kam auch an Seen und auf kleinen Inseln vor der Küste vor.
Warum ist der Dodo ausgestorben?
Seefahrer jagten ihn, doch vor allem die eingeschleppten Hunde, Katzen, Schweine und Ratten wurden ihm zum Verhängnis. Sie töteten die Vögel und fraßen vermutlich ihre Eier. Weil ein Weibchen nur ein Ei legte, konnte sich der Bestand kaum erholen.
Wann ist der Dodo ausgestorben?
Im 17. Jahrhundert. Die letzte glaubwürdige Sichtung stammt aus dem Jahr 1662. Nach statistischen Berechnungen starben die letzten Dodos wahrscheinlich um 1690.
Konnte der Dodo fliegen?
Nein. Seine Flügel waren viel zu klein. Seine Vorfahren konnten zwar fliegen, auf Mauritius gab es aber keine Raubtiere am Boden, sodass der Dodo das Fliegen nicht mehr brauchte.
War der Dodo wirklich dumm und dick?
Nein, das ist ein Mythos. Der Dodo war schlanker und beweglicher, als ihn alte Bilder zeigen, und etwa so klug wie heutige Tauben. Dass er Menschen nicht fürchtete, lag daran, dass er auf seiner Insel keine Feinde kannte.
Ähnliche Tiere
- Taube - der Dodo gehörte zur Familie der Tauben
- Kakapo - ein flugunfähiger Papagei aus Neuseeland
- Kiwi - ein weiterer flugunfähiger Vogel aus Neuseeland
- Stellers Seekuh - ebenfalls kurz nach ihrer Entdeckung vom Menschen ausgerottet
- Beutelwolf - ein anderes berühmtes ausgestorbenes Tier
Quellen
- The dodo bird: the real facts about this icon of extinction - Natural History Museum London
- BirdLife International (2024): Raphus cucullatus. The IUCN Red List of Threatened Species
- The Oxford Dodo - Oxford University Museum of Natural History
- Roberts, D. L. & Solow, A. R. (2003): When did the dodo become extinct? Nature 426, 245
- Brassey, C. A. et al. (2016): Convex-hull mass estimates of the dodo (Raphus cucullatus). PeerJ 4, e1432
- Witmer, M. C. & Cheke, A. S. (1991): The dodo and the tambalacoque tree: an obligate mutualism reconsidered. Oikos 61, 133
Größenvergleich
Stell dir vor, du stellst einen Fußball (22 cm) neben einen Dodo: Der Dodo ist um einiges größer. Neben einem Kind (1,2 m) wirkt er mit seinen 63 bis 75 cm aber wiederum etwas kleiner. Genauer gesagt ist der Dodo etwa 3-mal so groß wie ein Fußball.