Eisbär
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Kurz erklärt
Der Eisbär ist die größte Bärenart der Welt. Männchen wiegen meist 350 bis 650 Kilogramm, Weibchen etwa halb so viel. Eisbären leben rund um den Nordpol auf dem Meereis und jagen dort vor allem Robben. Weil das Meereis durch den Klimawandel schwindet, gilt der Eisbär als gefährdet.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Ursus maritimus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Kopf-Rumpf-Länge: Männchen 240 bis 260 cm, Weibchen 190 bis 210 cm; Schwanz 7 bis 12 cm; Schulterhöhe meist 1 bis 1,5 m |
| Körpergewicht | Männchen meist 350 bis 650 kg, sehr große bis etwa 800 kg; Weibchen meist 150 bis 350 kg; das Gewicht schwankt im Lauf des Jahres stark |
| Ernährung | Fleischfresser: vor allem Robben, besonders Ringelrobben und Bartrobben, deren Fettschicht er bevorzugt frisst; gelegentlich Walrosse, Weißwale, Aas, Vögel und Eier |
| Lebenserwartung | In freier Natur im Mittel 15 bis 18 Jahre, einzelne Tiere über 30 Jahre; in Zoos wurde ein Eisbär 42 Jahre alt |
| Sozialverhalten | Einzelgänger; Mütter bleiben etwa zweieinhalb Jahre mit ihren Jungen zusammen |
| Herkunft | Arktis |
| Verbreitung | Rund um den Nordpol auf dem Meereis und an den Küsten von Kanada, Alaska (USA), Grönland, Russland und Norwegen (Spitzbergen); 20 Teilpopulationen AsienEuropaNordamerika |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1774 durch Phipps in seinem Bericht über eine Reise in Richtung Nordpol |
| Gefährdung | VU Gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2015) |
| Sonstiges | Weltweit leben nach der jüngsten Gesamtschätzung etwa 26.000 Eisbären (Spanne 22.000 bis 31.000). Die größte Gefahr ist der Verlust des Meereises durch die Erderwärmung. |
Der größte Bär der Welt
Der Eisbär (Ursus maritimus) ist die größte lebende Bärenart. Sein wissenschaftlicher Name bedeutet „Meeresbär“, denn Eisbären verbringen den größten Teil ihres Lebens auf dem gefrorenen Meer der Arktis.
Der Eisbär ist eng mit dem Braunbären verwandt. Wann sich die beiden Arten getrennt haben, ist noch umstritten: Die Schätzungen reichen von etwa 150.000 bis 600.000 Jahren. Bis heute kommt es vereinzelt vor, dass sich Eisbären und Grizzlybären paaren und gemeinsame Junge bekommen.
Aussehen und Körperbau
Größe: Männliche Eisbären werden ohne Schwanz 240 bis 260 cm lang, Weibchen 190 bis 210 cm. Der Schwanz ist nur 7 bis 12 cm kurz. Auf allen vieren messen Eisbären an der Schulter meist 1 bis 1,5 m. Stellt sich ein großes Männchen auf die Hinterbeine, ist es über 3 m hoch.
Gewicht: Männchen wiegen meist 350 bis 650 kg, besonders große bis etwa 800 kg. Weibchen sind viel leichter und wiegen meist 150 bis 350 kg. Das Gewicht schwankt im Lauf des Jahres stark: Im Frühjahr und Frühsommer fressen sich Eisbären dick, in Zeiten ohne Beute zehren sie von ihren Fettreserven.
Fell und Haut: Das Fell eines Eisbären wirkt weiß, doch die langen Deckhaare sind in Wirklichkeit farblos und durchscheinend. Nach dem Fellwechsel wirkt der Bär am weißesten, im Sommer oft gelblich. Unter den bis zu 15 cm langen Deckhaaren liegt eine dichte, etwa 5 cm lange Unterwolle. Die Haut ist schwarz, ebenso Nase, Lippen und Krallen. Unter der Haut liegt eine 5 bis 10 cm dicke Fettschicht. Fell und Fett halten den Eisbären selbst bei eisigen Temperaturen warm. Laufen Eisbären schnell, überhitzen sie deshalb leicht.
Pfoten: Die Tatzen sind sehr breit und wirken wie Paddel. Die Sohlen sind mit kleinen Hautnoppen besetzt und im Winter sogar behaart. Das verhindert, dass der Bär auf dem Eis ausrutscht. Die Krallen sind 5 bis 7 cm lang und lassen sich nicht einziehen.
Kopf und Sinne: Der Eisbär hat einen langen, sehr kräftigen Hals und kleine Ohren. Sein Geruchssinn ist ausgezeichnet: Die Atemlöcher von Ringelrobben kann er aus mindestens einem Kilometer Entfernung riechen.
Verbreitung und Lebensraum
Eisbären leben nur in der Arktis, rund um den Nordpol. Es gibt sie in fünf Staaten: Kanada, den USA (Alaska), Grönland (Dänemark), Russland und Norwegen (Spitzbergen). Einzelne Tiere erreichen gelegentlich Island. Fachleute unterscheiden 20 Teilpopulationen, die jeweils ein eigenes Gebiet bewohnen.
Lebensraum Meereis: Der wichtigste Lebensraum des Eisbären ist das Meereis. Am liebsten hält er sich dort auf, wo das Eis dicht ist, das Meer darunter flach über dem Festlandsockel liegt und es viele Robben gibt. Das Eis dient ihm als Plattform für die Jagd. Durch Risse und Löcher im Eis gelangt er an die Robben, die dort ruhen und im Wasser darunter fressen.
Sommer an Land: In manchen Gebieten, zum Beispiel an der Hudson Bay in Kanada, schmilzt das Meereis im Sommer vollständig. Die Eisbären müssen dann für mehrere Monate an Land gehen und dort warten, bis das Eis im Herbst zurückkehrt. Anderswo bleiben die meisten Eisbären das ganze Jahr auf dem Eis.
Ernährung
Eisbären sind fast reine Fleischfresser. Ihre wichtigste Beute sind Ringelrobben, die in den meisten Regionen der Arktis mehr als die Hälfte der Nahrung ausmachen. Daneben jagen sie Bartrobben, Sattelrobben, Klappmützen und Seehunde, gelegentlich auch Walrosse, Weißwale und Narwale.
Am liebsten Fett: Eisbären fressen von einer Robbe vor allem die kalorienreiche Fettschicht und die Haut. Das Fleisch lassen gut genährte Bären oft liegen. Davon profitieren Aasfresser wie Polarfüchse, Raben und Möwen. Der Magen eines Eisbären fasst mehr als 70 kg Nahrung.
So jagt der Eisbär: Meist lauert er geduldig an einem Atemloch im Eis, manchmal stundenlang, bis eine Robbe zum Luftholen auftaucht. Er spürt auch die Höhlen auf, in denen Ringelrobben ihre Jungen zur Welt bringen, und bricht in sie ein. Manchmal schwimmt er unter Wasser an Robben heran, die am Rand einer Eisscholle liegen. Die Jagd ist mühsam: Weniger als 2 Prozent der Jagdversuche sind erfolgreich. Ein erfahrener erwachsener Eisbär erbeutet etwa alle vier bis fünf Tage eine Robbe.
Andere Nahrung: Wenn keine Robben zu erreichen sind, fressen Eisbären auch Aas von Walen, Vögel und ihre Eier, Beeren, Seetang und andere Pflanzen. Diese Nahrung liefert aber viel zu wenig Energie, um einen so großen Körper auf Dauer zu versorgen.
Verhalten und Lebensweise
Einzelgänger: Eisbären leben allein. Nur Mütter mit ihren Jungen bleiben zusammen, und Männchen und Weibchen treffen sich zur Paarungszeit für bis zu zwei Wochen. An großen Nahrungsquellen, etwa einem angeschwemmten Walkadaver, fressen manchmal viele Eisbären gleichzeitig.
Energiesparer: Eisbären bewegen sich meist langsam und sparen so Energie. Kurzzeitig können sie bis etwa 40 km/h schnell sein. Weil sie beim Laufen schnell überhitzen, rennen sie aber fast nie.
Schwimmer: Eisbären sind gute Schwimmer. Sie paddeln mit den großen Vorderpfoten und steuern mit den Hinterbeinen. Normalerweise schwimmen sie etwa 2 km/h schnell und tauchen bis zu 14 m tief. Schwimmen kostet sie aber viel mehr Energie als Laufen. Eine Eisbärin schwamm nachweislich 687 km am Stück, neun Tage lang. Dabei verlor sie 22 Prozent ihres Körpergewichts und ihr Junges.
Kein Winterschlaf: Die meisten Eisbären halten keinen Winterschlaf. Nur trächtige Weibchen ziehen sich monatelang in eine Schneehöhle zurück. Bei schlechtem Wetter oder Nahrungsmangel suchen aber auch andere Eisbären vorübergehend Unterschlupf in einer Höhle.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Paarung: Die Paarungszeit reicht meist von März oder April bis Anfang Mai, manchmal bis in den Juni. Männchen folgen den Spuren der Weibchen oft über weite Strecken und kämpfen heftig miteinander. Nach der Paarung nistet sich die befruchtete Eizelle nicht sofort ein, sondern erst im Herbst. Ob das geschieht, hängt auch davon ab, wie gut genährt das Weibchen ist.
Die Geburtshöhle: Ende Oktober oder Anfang November gräbt das trächtige Weibchen eine Höhle in eine Schneewehe, meist an einem Hang an Land nicht weit von der Küste, manchmal auch auf dem Meereis. Drinnen ist es deutlich wärmer als draußen. In der Höhle frisst, trinkt und uriniert die Mutter nicht. In der westlichen Hudson Bay bleiben trächtige Weibchen bis zu acht Monate ohne Nahrung und verlieren bis zu 43 Prozent ihres Körpergewichts.
Winzige Babys: Zwischen Ende November und Anfang Januar, meist bis Mitte Dezember, kommen die Jungen zur Welt. Meist sind es zwei Junge, seltener eins oder drei. Ein neugeborener Eisbär ist nur 30 bis 35 cm lang und wiegt 600 bis 700 g. Er ist blind, zahnlos und nur mit kurzem, weichem Fell bedeckt. Die Mutter ist etwa 500-mal so schwer wie ihr Baby. Die Jungen trinken die sehr fettreiche Milch und wachsen schnell.
Raus aus der Höhle: Im März oder April verlassen Mutter und Junge die Höhle. Die Jungen wiegen dann etwa 10 bis 15 kg. Die Familie bleibt noch einige Tage an der Höhle, damit sich die Jungen an die Kälte gewöhnen, und wandert dann aufs Meereis.
Lange Kindheit: Die Jungen bleiben etwa zweieinhalb Jahre bei ihrer Mutter und lernen von ihr, wie man Robben jagt und wo man sie findet. Das erste Lebensjahr ist gefährlich: In einer Studie an der Hudson Bay überlebten nur 44 Prozent der Jungen ihr erstes Jahr. Weil die Jungen so lange bei ihr bleiben und sie sich erst danach wieder paart, bekommt ein Weibchen meist nur alle drei Jahre Nachwuchs. Weibchen werden mit durchschnittlich vier bis fünf Jahren geschlechtsreif, Männchen mit etwa sechs Jahren.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Ein erwachsener Eisbär hat außer dem Menschen keine Feinde. Junge Eisbären werden manchmal von erwachsenen Männchen getötet. Deshalb gehen Mütter mit Jungen den Männchen aus dem Weg und verteidigen ihren Nachwuchs, wenn nötig, auch gegen viel größere Bären.
Wie viele Eisbären gibt es? Die jüngste Gesamtschätzung, auf die sich die Eisbären-Fachgruppe der IUCN beruft, kommt auf etwa 26.000 Eisbären, mit einer Spanne von 22.000 bis 31.000. Genaue Zahlen gibt es nicht, weil Eisbären in riesigen, abgelegenen Gebieten leben. Für viele Teilpopulationen fehlen verlässliche Zählungen über längere Zeiträume.
Gefährdungsstatus: Die IUCN stuft den Eisbären auf der Roten Liste als gefährdet (Vulnerable) ein (Wiig et al., 2015). In den USA gilt er nach dem Artenschutzgesetz als bedroht, in Kanada als besonders schützenswert.
Klimawandel: Das Meereis schwindet
Die größte Gefahr für den Eisbären ist der Verlust des Meereises durch die Erderwärmung. Darin sind sich die Eisbären-Fachgruppe der IUCN (Polar Bear Specialist Group) und die Schutzorganisation Polar Bears International einig.
Was passiert? Das Meereis der Arktis geht seit Jahrzehnten zurück. Nach Satellitendaten schrumpft die Eisfläche im September, wenn am wenigsten Eis vorhanden ist, um 12,8 Prozent pro Jahrzehnt im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010. In vielen Gebieten bricht das Eis im Frühjahr früher auf und friert im Herbst später wieder zu.
Warum ist das ein Problem? Eisbären brauchen das Eis, um Robben zu jagen. Je länger die eisfreie Zeit dauert, desto länger müssen sie hungern. Nahrung an Land reicht nicht aus, um diesen Verlust auszugleichen. Die Folgen lassen sich in einigen Regionen schon beobachten:
- Eisbären sind in schlechterer körperlicher Verfassung und haben weniger Nachwuchs, junge und alte Tiere überleben seltener.
- Sie verbringen mehr Zeit an Land und müssen weitere Strecken schwimmen, was viel Energie kostet und für Jungtiere gefährlich ist.
- Weniger Weibchen finden geeignete Plätze für ihre Geburtshöhlen auf dem Eis.
- Sie kommen häufiger in die Nähe menschlicher Siedlungen, was zu Konflikten führen kann.
Beispiel Hudson Bay: In der westlichen Hudson Bay in Kanada ist der Bestand laut der IUCN-Fachgruppe sehr wahrscheinlich zurückgegangen. 2021 wurden dort etwa 618 Eisbären geschätzt, rund 27 Prozent weniger als 2016. Die Fachleute nennen als Sorgen die Jagd, die längere Zeit an Land, schlechtere Körperverfassung und weniger Nachwuchs. Auch in der südlichen Beaufortsee vor Alaska ist der Bestand wahrscheinlich gesunken. In anderen Gebieten, etwa in der Barentssee, gilt er als wahrscheinlich stabil, für viele Teilpopulationen reichen die Daten nicht für eine Aussage.
Wie geht es weiter? Polar Bears International schreibt, dass nach Vorhersagen von Forschenden bis zum Ende dieses Jahrhunderts zwei Drittel der Eisbären verschwinden könnten, wenn sich die Arktis weiter so erwärmt. Die Organisation betont aber auch: Wenn der Ausstoß von Treibhausgasen bald stark sinkt, gibt es Hoffnung für den Eisbären.
Weitere Gefahren: Dazu kommen Umweltgifte, die sich über die Nahrungskette im Körper der Eisbären anreichern, mögliche Ölunfälle, Schiffsverkehr und Industrie in der Arktis sowie die Jagd, wo sie nicht nachhaltig ist. In den USA, in Kanada und Grönland dürfen Einheimische Eisbären in begrenzter Zahl jagen. Seit 1973 regelt ein Abkommen der fünf Eisbärenstaaten den Schutz der Tiere.
Häufige Fragen zum Eisbären
Wie groß und schwer wird ein Eisbär?
Männliche Eisbären werden ohne Schwanz 240 bis 260 cm lang und wiegen meist 350 bis 650 kg, sehr große Männchen bis etwa 800 kg. Weibchen sind mit 190 bis 210 cm und meist 150 bis 350 kg deutlich kleiner. Auf den Hinterbeinen stehend kann ein Männchen über 3 m groß sein.
Warum ist der Eisbär weiß?
Eigentlich ist er es gar nicht: Die Haare seines Fells sind farblos und durchscheinend und wirken nur weiß. Darunter ist die Haut schwarz. Im Sommer sieht das Fell oft gelblich aus.
Was frisst ein Eisbär?
Vor allem Robben, besonders Ringelrobben und Bartrobben. Am liebsten frisst er ihre dicke Fettschicht, weil sie besonders viel Energie liefert. Wenn keine Robben zu bekommen sind, frisst er auch Aas, Vögel, Eier und Pflanzen, doch das reicht auf Dauer nicht zum Überleben.
Hält der Eisbär Winterschlaf?
Nein, die meisten Eisbären halten keinen Winterschlaf. Nur trächtige Weibchen ziehen sich für mehrere Monate in eine Schneehöhle zurück, in der sie ihre Jungen zur Welt bringen.
Ist der Eisbär vom Aussterben bedroht?
Die IUCN stuft den Eisbären als gefährdet ein. Die größte Gefahr ist der Klimawandel, weil das Meereis schwindet, auf dem er Robben jagt. In einigen Gebieten gehen die Bestände schon zurück, für andere fehlen verlässliche Daten.
Ähnliche Tiere
- Braunbär - der nächste Verwandte des Eisbären
- Grizzlybär - eine Form des Braunbären, mit der sich Eisbären selten sogar paaren
- Amerikanischer Schwarzbär - ein weiterer Bär Nordamerikas
- Polarfuchs - folgt dem Eisbären und frisst die Reste seiner Beute
- Walross - lebt ebenfalls auf dem arktischen Meereis und wird gelegentlich vom Eisbären erbeutet
- Robbe - die Hauptbeute des Eisbären
Quellen
Größenvergleich
Ein Eisbär erreicht eine Körpergröße von 1,9 bis 2,6 m. Damit passt er bequem zwischen einen Erwachsenen (1,8 m) und einen Elefanten (3,5 m) auf unserer Vergleichsskala.
Gewichtsvergleich
Ein Eisbär bringt 150 bis 800 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Erwachsener (75 kg), aber leichter als ein Auto (1,5 t). Anders ausgedrückt: Der Eisbär wiegt so viel wie etwa 6 Erwachsene.