Eistaucher

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Eistaucher im Prachtkleid mit schwarzem Kopf, gestreiftem Halsring und weiß gewürfeltem Rücken schwimmt auf dem Wasser
Jens Freitag / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kurz erklärt

Der Eistaucher ist ein großer Wasservogel aus Nordamerika, Grönland und Island. Er taucht hervorragend und jagt unter Wasser nach Fischen. Berühmt ist sein lauter Ruf, der wie ein Jodeln oder ein irres Lachen klingt. Im Winter kommen einige Eistaucher als seltene Gäste an die Küsten Europas, auch an die Nordsee.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameGavia immer
Abstammung
  • Klasse: Vögel
  • Ordnung: Gaviiformes
  • Familie: Seetaucher (Gaviidae)
  • Gattung: Gavia
  • Art: Eistaucher
KörpergrößeKörperlänge 73 bis 88 cm (andere Angaben: 66 bis 91 cm), Flügelspannweite 122 bis 148 cm
KörpergewichtMeist 2,5 bis 6,4 kg, im Durchschnitt etwa 4 kg; Männchen etwas größer als Weibchen
ErnährungVor allem kleine Fische; außerdem Krebstiere, Weichtiere, Wasserinsekten, Egel und Frösche, selten Wasserpflanzen
LebenserwartungGilt als langlebig; verlässliche Daten aus freier Natur gibt es kaum
SozialverhaltenZur Brutzeit paarweise mit eigenem Revier; im Winter jagt jeder für sich, nachts sammeln sich die Vögel oft in lockeren Gruppen
HerkunftNordamerika, Grönland und Island
Verbreitung Brütet an Seen in Kanada, Alaska, im Norden der USA, auf Grönland und Island; überwintert an den Küsten Nordamerikas und Westeuropas, sehr selten an der deutschen Nord- und Ostseeküste EuropaNordamerika
EntdeckungErstbeschreibung 1764 durch Brünnich
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2018)
SonstigesIn Großbritannien und Irland überwintern etwa 4.000 Eistaucher, in Deutschland nur etwa 100. Der Vogel ist auf der kanadischen Ein-Dollar-Münze abgebildet, die deshalb "Loonie" heißt.

Was ist ein Eistaucher?

Der Eistaucher (Gavia immer) ist ein großer Wasservogel aus der Familie der Seetaucher. Er brütet an einsamen Seen im Norden Nordamerikas, auf Grönland und auf Island. Im Englischen heißt er Common Loon oder Great Northern Diver. Wissenschaftlich beschrieben wurde er 1764 von Brünnich.

Eistaucher sind wahre Tauchprofis. Sie jagen Fische unter Wasser und können dabei viele Meter tief tauchen. Bekannt sind sie aber vor allem für ihre unheimlich klingenden Rufe, die nachts weit über die Seen schallen. Für viele Menschen in Nordamerika sind Eistaucher deshalb ein Sinnbild für unberührte Wildnis. In Kanada ist ein Eistaucher sogar auf der Ein-Dollar-Münze abgebildet. Nach dem englischen Namen "Loon" heißt die Münze dort "Loonie".

Aussehen und Körperbau

Größe: Eistaucher sind etwa so groß wie Kormorane. Der NABU gibt eine Körperlänge von 73 bis 88 Zentimetern und eine Flügelspannweite von 122 bis 148 Zentimetern an. Andere Quellen nennen 66 bis 91 Zentimeter. Unter den Seetauchern ist nur der Gelbschnabeltaucher (Gavia adamsii) noch größer.

Gewicht: Eistaucher wiegen meist 2,5 bis 6,4 Kilogramm, im Durchschnitt etwa 4 Kilogramm. Männchen und Weibchen sehen gleich aus, die Männchen sind aber etwas größer.

Körperbau: Der Eistaucher hat einen langen Körper, der tief im Wasser liegt, und einen geraden, dicken, dolchartigen Schnabel. Die Stirn ist relativ steil. Seine Beine sitzen sehr weit hinten am Körper. Dadurch kann er unter Wasser kraftvoll schwimmen, an Land aber nur mühsam laufen.

Prachtkleid und Schlichtkleid

  • Prachtkleid (Sommer): Kopf und Hals sind schwarz. Um den Hals liegt ein Ring aus weißen Strichen, auf dem schwarzen Rücken leuchtet ein weißes Würfelmuster. Der Schnabel ist schwarz.
  • Schlichtkleid (Winter): Der Vogel ist dann unauffällig graubraun mit weißer Brust und weißem Vorderhals. Der Schnabel ist grau statt schwarz.
  • Jungvögel: Sie sehen ähnlich aus wie die Altvögel im Winter, haben aber ein helles, schuppenartiges Muster auf dem Rücken.

Verbreitung und Lebensraum

Brutgebiete: Eistaucher brüten an Seen und anderen Gewässern von den Aleuten über Alaska und ganz Kanada bis in den Norden der USA und nach Grönland. In Europa gibt es nur auf Island einen Brutbestand.

Lebensraum im Sommer: Zur Brutzeit leben Eistaucher an großen Binnenseen in der Tundra und Taiga, also in den nördlichen Nadelwäldern und darüber hinaus. Sie wählen Seen mit viel Platz zum Starten und mit vielen kleinen Fischen. Auf zugefrorenen Seen können sie nicht brüten.

Lebensraum im Winter: Im Winter leben Eistaucher vor allem auf dem Meer, meist in flachem Wasser nahe der Küste. Manche überwintern auch auf großen Seen und Stauseen, die nicht zufrieren. In Nordamerika ziehen sie dazu an die Atlantik- und die Pazifikküste, im Süden bis Baja California und Texas.

Wintergast an Europas Küsten

Eistaucher sind regelmäßige Wintergäste an den Küsten Westeuropas. Die isländischen Eistaucher überwintern zum Beispiel an der Nordsee oder ziehen hier durch. In Großbritannien und Irland verbringen jedes Jahr etwa 4.000 Eistaucher den Winter. Sie kommen im Oktober und November an und ziehen im April zurück in ihre Brutgebiete. Die meisten halten sich im Nordwesten auf, zum Beispiel an den geschützten Meeresarmen Westschottlands, auf den Orkney- und Shetlandinseln und in Nordirland.

In Deutschland ist der Eistaucher ein äußerst seltener Wintergast. Laut NABU überwintern hier nur etwa 100 Tiere, vor allem an der Nordseeküste, seltener an der Ostsee. Seit den 1970er Jahren tauchen einzelne Eistaucher auch immer wieder am Bodensee und an anderen Binnenseen auf. Wer einen sehen will, braucht also viel Glück.

Ernährung

Eistaucher fressen vor allem kleine Fische, die bis etwa 25 Zentimeter lang sein können. Dazu kommen:

  • Krebstiere wie Flusskrebse und Garnelen
  • Schnecken und andere Weichtiere
  • Wasserinsekten und Egel
  • Frösche
  • selten Wasserpflanzen und Algen

So jagt der Eistaucher: Er ist ein Augenjäger. Bevor er abtaucht, schwimmt er oft mit dem Kopf halb unter Wasser und späht nach Beute. Diese Haltung nennt man "Wasserlugen". Dann taucht er in elegantem Bogen ab und rudert vor allem mit den Füßen. Kleine Fische verschluckt er direkt unter Wasser, größere bringt er an die Oberfläche. Weil er seine Beute sieht und nicht ertastet, braucht er klares Wasser.

Wie tief taucht ein Eistaucher? Meist jagt er in flachem Wasser von 2 bis 4 Metern und taucht bei der Nahrungssuche bis etwa 10 Meter tief. Er schafft aber auch deutlich mehr: Der NABU nennt bis zu 60 Meter, das Animal Diversity Web der University of Michigan gibt Tauchtiefen bis 80 Meter an.

Ruf und Verhalten

Der Ruf des Eistauchers

Der Eistaucher hat einige der bekanntesten Vogelstimmen Nordamerikas. Er ruft am Tag und in der Nacht, manchmal auch auf dem Zug.

  • Jodeln: Mit einem lauten, jodelnden Ruf zeigt das Männchen an, dass ein Revier besetzt ist.
  • Klageruf: ein langgezogener, klagender Ruf, mit dem die Partner Kontakt halten
  • Lachen: ein lautes, wie irre klingendes Lachen, vom NABU als "ho-wüwüwüwüwüa" beschrieben
  • Im Flug: ein kurzes, bellendes "kwök"

Im Winter sind Eistaucher dagegen meist still.

Leben im Revier und auf dem Zug

Brutzeit: Die Paare besetzen ein Revier von etwa 0,24 bis 0,81 Quadratkilometern, das sie regelmäßig kontrollieren und mit Rufen und Drohgebärden verteidigen. Ihr Revier kennzeichnen sie auch, indem sie mit lauten Rufen darüber kreisen. Einige Eistaucher ohne Partner bilden im Sommer kleine Gruppen.

Zug: Ab September verlassen die Eistaucher ihre Brutgebiete. Sie ziehen am Tag, allein oder in kleinen Trupps von bis zu 15 Vögeln. Über Land fliegen sie meist höher als über dem Meer. Auf großen Seen rasten nachts manchmal mehrere Hundert Eistaucher gemeinsam.

Winter: Im Winterquartier jagt jeder Eistaucher für sich. Tagsüber verteidigen die Vögel kleine Jagdreviere, nachts sammeln sie sich in lockeren Gruppen.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Eistaucher gelten als treue Partner, vermutlich bleiben die Paare ein Leben lang zusammen. Im Frühjahr kommen Männchen und Weibchen gemeinsam im Brutgebiet an, sobald das Eis auf den Seen aufbricht.

  1. Balz: Die Partner tauchen immer wieder gemeinsam den Schnabel ins Wasser. Sie richten sich steil auf, breiten die Flügel halb aus oder rasen Seite an Seite über das Wasser.
  2. Nest: Beide Partner bauen das Nest aus Gras, Zweigen, Schilf, Moos oder Erde. Es liegt immer direkt am Wasser, oft auf einer kleinen Insel oder einer Halbinsel, wo weniger Feinde hinkommen. Von dort können die Altvögel unbemerkt ins Wasser gleiten. Häufig nutzen sie dasselbe Nest mehrere Jahre lang.
  3. Eier: Das Weibchen legt meist 2 Eier, seltener nur eines oder drei. Sie sind olivgrün bis braun mit dunklen Flecken.
  4. Brüten:Beide Eltern brüten abwechselnd, etwa 26 bis 29 Tage lang.
  5. Küken: Schon ein bis zwei Tage nach dem Schlüpfen verlassen die Küken das Nest und schwimmen mit den Eltern. Mit zwei bis drei Tagen können sie kurz tauchen. In den ersten Wochen reiten die Küken oft auf dem Rücken von Mutter oder Vater. Beide Eltern füttern sie mit ganzen Beutetieren.
  6. Flügge: Mit etwa 12 bis 13 Wochen können die Jungen fliegen und werden selbstständig.

Eistaucher ziehen nur eine Brut im Jahr groß. Wann sie zum ersten Mal brüten, ist nicht genau geklärt: Nordamerikanische Quellen nennen ein Alter von 2 bis 3 Jahren, der British Trust for Ornithology gibt typischerweise 6 Jahre an.

Feinde und Gefährdung

Natürliche Feinde: Erwachsene Eistaucher haben wenige Feinde, zum Beispiel große Greifvögel wie Weißkopfseeadler. Eier und Küken werden von Möwen, Krähen, Raben, Weißkopfseeadlern, Waschbären und großen Fischen erbeutet. Nähert sich ein Feind, greifen Eistaucher ihn manchmal sogar an.

Bedrohungen durch den Menschen:

  • Bleivergiftung: Eistaucher verschlucken immer wieder Angelblei, also Senkbleie und Bleiköder. Eine Langzeitstudie aus New Hampshire (USA) hat tote Eistaucher von 1989 bis 2012 untersucht. Fast die Hälfte der tot gefundenen erwachsenen Vögel (48,6 Prozent) war an einer Bleivergiftung durch verschluckte Angelgeräte gestorben. Bleivergiftung durch Angelblei gilt als häufigste Todesursache erwachsener Eistaucher. Nach Berechnungen der Forscher war der Bestand in New Hampshire dadurch um 43 Prozent kleiner, als er ohne Blei gewesen wäre. Die meisten Bleistücke stammten vom aktuellen Angeln, nicht von altem Blei am Seegrund. Die Forscher empfehlen, Senkbleie und Bleiköder bis 28,4 Gramm durch ungiftige Alternativen zu ersetzen.
  • Störungen: An manchen früher einsamen Seen sind Eistaucher verschwunden, weil dort im Sommer Freizeitbetrieb und Bebauung zugenommen haben.
  • Umweltgifte: Quecksilber und andere Schwermetalle reichern sich im Körper an. Saurer Regen kann das Futterangebot in den Seen verringern.
  • Öl und Netze: Verölte Eistaucher können weder fliegen noch tauchen. Andere verfangen sich in Fischernetzen.
  • Klimawandel: Fachleute erwarten, dass der Eistaucher durch den Klimawandel einen großen Teil seines Brutgebiets verliert.

Gefährdungsstatus: Weltweit ist der Eistaucher nicht gefährdet. Die Rote Liste der IUCN stuft ihn als Least Concern ein (BirdLife International, 2018). Er ist weit verbreitet, und sein Bestand nimmt zu. In den US-Bundesstaaten Michigan und New Hampshire gilt er aber als bedroht. Im Nordosten der USA schützen freiwillige "Loon Ranger" Brutplätze und klären die Menschen auf. Für Deutschland stuft der NABU den Eistaucher als nicht gefährdet ein.

Lebensdauer: Eistaucher gelten als langlebige Vögel. Verlässliche Angaben aus freier Natur gibt es aber kaum.

Häufige Fragen zum Eistaucher

Wie klingt der Ruf eines Eistauchers?

Der Eistaucher jodelt, heult und lacht. Das Jodeln zeigt an, dass ein Revier besetzt ist, das laute, irre klingende Lachen hört man vor allem zur Balzzeit. Die Rufe sind oft nachts zu hören und klingen sehr unheimlich.

Wie tief kann ein Eistaucher tauchen?

Meist jagt er in 2 bis 10 Metern Tiefe. Er kann aber bis zu 60 Meter tief tauchen, manche Quellen nennen sogar 80 Meter. Dabei rudert er vor allem mit den Füßen.

Wo kann man in Deutschland Eistaucher sehen?

Eistaucher sind bei uns äußerst seltene Wintergäste. Die besten Chancen hat man im Winter an der Nordseeküste. Gelegentlich tauchen einzelne Vögel auch am Bodensee oder auf anderen großen Seen auf.

Was frisst ein Eistaucher?

Er frisst vor allem kleine Fische. Dazu kommen Krebstiere, Schnecken, Wasserinsekten, Egel und Frösche. Seine Beute sucht er mit den Augen, deshalb braucht er klares Wasser.

Warum ist Angelblei für Eistaucher gefährlich?

Eistaucher verschlucken Senkbleie und Bleiköder, oft zusammen mit Haken und Angelschnur. Das Blei vergiftet sie. In einer Studie aus New Hampshire war fast die Hälfte der tot gefundenen erwachsenen Eistaucher an einer solchen Bleivergiftung gestorben.

Tragen Eistaucher ihre Küken auf dem Rücken?

Ja, in den ersten Wochen reiten die Küken oft auf dem Rücken der Eltern. Wird es ihnen zu kalt, kehrt ein Elternteil mit ihnen ans Ufer zurück und wärmt sie unter dem Flügel.

Ähnliche Tiere

  • Papageitaucher - ein Seevogel, der ebenfalls nach Fischen taucht
  • Kaiserpinguin - ein Vogel, der ebenfalls tief taucht
  • Ente - Schwimmvögel an Seen und Küsten
  • Schwan - ein anderer großer Wasservogel nördlicher Seen
  • Weißkopfseeadler - ein Feind von Eistaucher-Küken in Nordamerika

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Eistaucher
73 bis 88 cm

Wie groß ist der Eistaucher wirklich? Mit 73 bis 88 cm überragt er einen Fußball (22 cm) deutlich, kommt aber noch nicht an ein Kind (1,2 m) heran. Anschaulich gesprochen: Man müsste etwa 4 Fußbälle übereinander stapeln, um so groß wie ein Eistaucher zu werden. Selbst eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) wirkt daneben noch winzig.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Eistaucher
2,5 bis 6,4 kg

Ein Eistaucher bringt 2,5 bis 6,4 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Der Eistaucher wiegt so viel wie etwa 10 Fußbälle.