Eisvogel
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Kurz erklärt
Der Eisvogel ist ein kleiner Vogel mit schillernd blauem Rücken und orangefarbenem Bauch. Er lebt an sauberen Bächen, Flüssen und Seen und fängt kleine Fische, indem er kopfüber ins Wasser stößt. Sein Nest liegt am Ende einer fast meterlangen Röhre, die er selbst in eine steile Uferwand gräbt. Sein Blau entsteht nicht durch Farbstoff, sondern durch winzige Strukturen in den Federn.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Alcedo atthis |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Körperlänge 17 bis 19,5 cm, davon etwa 4 cm Schnabel |
| Körpergewicht | Meist 34 bis 46 g, im Schnitt knapp 40 g |
| Ernährung | Vor allem kleine Fische von 4 bis 7 cm Länge, im Sommer auch Insekten, Kaulquappen und kleine Frösche |
| Lebenserwartung | Wer das Brutalter erreicht, lebt im Schnitt etwa 2 Jahre; ein in Großbritannien beringter Vogel wurde gut 4,5 Jahre alt |
| Sozialverhalten | Paare finden sich jedes Frühjahr neu; die Männchen halten ihr Revier auch im Winter, solange das Wasser offen bleibt |
| Herkunft | Europa, Asien und Nordafrika |
| Verbreitung | Europa, Nordwestafrika und weite Teile Asiens bis Japan und Südostasien, außerdem indonesische Inseln, Neuguinea und die Salomonen AfrikaAsienEuropaAustralien |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2024) |
| Sonstiges | In Deutschland brüten etwa 9.500 bis 15.500 Paare, die Art ist hier nicht gefährdet. |
Was ist ein Eisvogel?
Der Eisvogel (Alcedo atthis) ist einer der farbenprächtigsten Vögel Europas. Er gehört zur Ordnung der Rackenvögel und zur Familie der Eisvögel, zu der weltweit viele Arten zählen, darunter auch der australische Jägerliest.
Woher sein Name kommt, ist nicht ganz sicher. Er könnte auf das alte Wort „eisan“ zurückgehen, das „glänzen“ oder „schillern“ bedeutet. Andere Deutungen verbinden ihn mit Eis oder mit Eisen, weil der Rücken stahlblau und der Bauch rostrot ist.
Aussehen und Körperbau
Größe: Der Eisvogel ist nur 17 bis 19,5 cm lang. Davon entfallen etwa 4 cm auf den Schnabel.
Gewicht: Er wiegt meist 34 bis 46 g, im Schnitt knapp 40 g. Die Weibchen sind im Durchschnitt etwa zwei Gramm schwerer als die Männchen.
Körperbau: Der Körper ist gedrungen und kompakt, die Beine sind sehr kurz. Auffällig ist der lange, kräftige Schnabel.
Gefieder: Oberkopf, Flügel und Rücken schillern azur- bis kobaltblau, der Rücken ist dabei heller als die Flügel. Brust, Bauch und Wangen sind rostbraun bis orange. An der Kehle und an den Halsseiten sitzt je ein kreideweißer Fleck.
Männchen oder Weibchen? Beide sehen fast gleich aus. Man unterscheidet sie am Schnabel: Beim Männchen ist er ganz dunkel, beim Weibchen ist die Unterseite des Schnabels orange.
Warum ist der Eisvogel so blau?
Das Erstaunliche: In den blauen Federn steckt kein blauer Farbstoff. Forscher haben die Federn unter dem Elektronenmikroskop untersucht. In den blauen und türkisen Federästen fanden sie winzige, schwammartige Strukturen. Diese werfen vor allem blaues Licht zurück, deshalb schillert das Gefieder je nach Blickwinkel unterschiedlich. Solche Farben heißen Strukturfarben. Das Orange der Brust entsteht dagegen durch winzige Farbstoffkörnchen, also durch Pigmente.
Bunt und trotzdem getarnt: Von oben betrachtet verschwimmt das blaue Gefieder mit dem bewegten Wasser eines Baches. Von unten gesehen passt der orange Bauch zum Lehm des Ufers. So ist der Eisvogel für Feinde über ihm und für Fische unter ihm schwer zu erkennen.
Verbreitung und Lebensraum
Verbreitung: Der Eisvogel hat ein riesiges Verbreitungsgebiet. Er brütet in fast ganz Europa, in Nordwestafrika und in weiten Teilen Asiens, von Sibirien über China bis nach Japan und nach Süden bis Indien, Sri Lanka und Südostasien. Weitere Vorkommen gibt es auf indonesischen Inseln, auf Neuguinea und auf den Salomonen. Fachleute unterscheiden sieben Unterarten. In Mitteleuropa lebt die Unterart Alcedo atthis ispida.
Standvogel und Zugvogel: In Deutschland sind Eisvögel überwiegend Standvögel. Die Männchen bleiben in ihrem Revier, bis die Gewässer ganz zugefroren sind. Weibchen und Jungvögel ziehen manchmal früher weg, entfernen sich aber nicht weit. Ein Teil der europäischen Eisvögel zieht im Winter nach Süden, zum Beispiel bis Südportugal, Nordafrika, Zypern oder in den Irak.
Lebensraum: Eisvögel leben an langsam fließenden, klaren und fischreichen Bächen und Flüssen, aber auch an Seen, Baggerseen und Teichen in Parks, manchmal sogar mitten in der Stadt. Vier Dinge müssen stimmen:
- Klares Wasser, damit der Eisvogel die Fische von oben sehen kann
- Viele kleine Fische
- Sitzplätze am Ufer, zum Beispiel Äste über dem Wasser
- Steile Uferwände aus Sand oder Lehm für die Brutröhre, ersatzweise auch die Wurzelteller umgestürzter Bäume
Bestand: In Deutschland brüten nach Angaben des NABU etwa 9.500 bis 15.500 Paare. Der Eisvogel ist hier weit verbreitet, aber nicht wirklich häufig.
Ernährung
Der Eisvogel ernährt sich fast nur von Tieren, die im Wasser leben:
- Fische: vor allem kleine Fische von 4 bis 7 cm Länge
- Im Sommer außerdem: Insekten, Kaulquappen und kleine Frösche
Tagesbedarf: Ein Eisvogel braucht jeden Tag mindestens 15 bis 30 g Fisch. Das sind etwa 5 bis 10 Fische und bis zu drei Viertel seines eigenen Körpergewichts.
So jagt der Eisvogel: Er sitzt oft im Schatten auf einem Ast am Ufer und beobachtet das Wasser. Entdeckt er einen Fisch, stößt er blitzschnell und steil ins Wasser. Dabei kann er bis zu 60 cm tief tauchen. Den Fisch packt er mit dem Schnabel, nicht mit den Füßen. Damit das klappt, muss das Wasser ruhig und klar sein. In trübem Wasser findet er keine Beute.
Verhalten und Lebensweise
Stimme: Meist hört man den Eisvogel, bevor man ihn sieht. Sein Ruf ist ein scharfes, hohes Pfeifen, das wie „ziii“ oder „ZII-ti“ klingt. Oft folgt darauf ein blauer Blitz, der geradlinig dicht über dem Wasser vorbeischießt. Einen Gesang hat der Eisvogel auch: eine einfache, etwas stammelnde Strophe aus abgewandelten Rufen.
Paare: Die Paare finden sich jedes Frühjahr neu, sie bleiben also nicht ihr Leben lang zusammen. Ein Männchen kann sich auch mit mehreren Weibchen paaren.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Die Brutröhre: Eisvögel graben ihr Nest meist selbst: eine knapp einen Meter lange, waagerechte Röhre in einer steilen Uferwand aus Sand oder Lehm. Am Ende liegt die Brutkammer.
Brut in Zahlen:
- Brutbeginn: ab Ende März
- Gelege: meist 5 bis 7 Eier
- Eier: etwa 22 mm lang und rund 4,3 g schwer
- Brutdauer: etwa 20 bis 21 Tage, Männchen und Weibchen wechseln sich ab
- Nestlingszeit: etwa 23 bis 27 Tage
- Bruten: zwei pro Jahr sind die Regel, drei sind möglich
Die Küken schlüpfen nackt in der dunklen Brutkammer.
Das Futterkarussell: In der Brutkammer sitzen die Jungen im Kreis. Gefüttert wird immer das Junge, das dem Eingang am nächsten sitzt. Danach rücken alle ein Stück weiter. So bekommt jedes Junge gleich viel Futter.
Schachtelbrut: Eisvögel haben einen besonderen Trick, um viele Junge großzuziehen. Während das Männchen noch die Jungen der ersten Brut füttert, legt das Weibchen schon die Eier für die nächste Brut und brütet sie aus. Das Männchen versorgt dann auch das Weibchen mit Futter. Auf diese Weise kann ein Paar in einem Jahr bei drei Bruten bis zu 21 Junge aufziehen.
Lebenserwartung: Eisvögel leben nicht lange. Nach britischen Beringungsdaten überlebt nur etwa jeder fünfte junge Eisvogel sein erstes Jahr, und auch von den erwachsenen Vögeln überleben weniger als ein Drittel von einem Jahr zum nächsten. Wer das Brutalter erreicht, lebt im Schnitt nur noch etwa zwei Jahre. Ein in Großbritannien beringter Vogel erreichte ein Alter von gut 4,5 Jahren.
Feinde und Gefährdung
Harte Winter: Die größte natürliche Gefahr sind lange Frostperioden. Frieren die Gewässer zu, kommt der Eisvogel nicht mehr an die Fische. In sehr kalten Wintern sterben viele Eisvögel. Meist erholen sich die Bestände aber innerhalb weniger Jahre wieder.
Weltweit: Der Eisvogel ist weit verbreitet. Auf der Roten Liste der IUCN gilt er als nicht gefährdet (IUCN, 2024).
In Deutschland: Auch hier ist er nicht gefährdet. Probleme machen ihm aber:
- Begradigte und verbaute Gewässer: An vielen Bächen und Flüssen fehlen die steilen Uferwände für die Brutröhren.
- Verschmutztes und trübes Wasser: Dort findet er keine Fische.
- Störungen: Menschen, die sich an naturnahen Ufern aufhalten, können Eisvögel so stören, dass sie ihre Jungen nicht mehr füttern.
Was hilft: Naturnahe Bäche und Flüsse, sauberes Wasser und Abstand zu Brutplätzen. Naturschützer legen außerdem künstliche Brutwände an.
Sagen und alter Aberglaube
Um den Eisvogel ranken sich viele Geschichten. Eine Sage aus Frankreich erzählt, er sei ursprünglich grau gewesen. Noah habe ihn von der Arche ausgesandt, um Land zu suchen. Bei einem Sturm sei er so hoch geflogen, dass das Himmelblau auf seinen Rücken abfärbte. Dann flog er der Sonne zu nah, und sein Bauch fing Feuer. Weil Noah inzwischen Land gefunden hatte, fand der Eisvogel die Arche nicht wieder. Seitdem, so heißt es, sucht er an den Flüssen nach ihr und ruft nach Noah.
Früher glaubte man außerdem, ein getrockneter Eisvogel halte Motten fern oder ein aufbewahrtes Eisvogelnest schütze ein Haus vor Blitzen. Dafür gibt es natürlich keine Belege.
Häufige Fragen zum Eisvogel
Wie sieht ein Eisvogel aus?
Der Eisvogel ist klein und gedrungen, etwa 17 bis 19,5 cm lang. Rücken, Flügel und Kopf schillern blau, Brust und Bauch sind orange. An Kehle und Hals hat er weiße Flecken, dazu einen langen, dunklen Schnabel und sehr kurze Beine.
Was frisst ein Eisvogel?
Vor allem kleine Fische von 4 bis 7 cm Länge, etwa 5 bis 10 Stück am Tag. Im Sommer fängt er auch Insekten, Kaulquappen und kleine Frösche.
Wo lebt der Eisvogel?
An klaren, fischreichen Bächen, Flüssen, Seen und Teichen, manchmal sogar in der Stadt. Er braucht Äste als Ansitz und steile Uferwände aus Sand oder Lehm für seine Brutröhre.
Ist der Eisvogel ein Zugvogel?
In Deutschland ist er überwiegend ein Standvogel. Wenn die Gewässer zufrieren, verlassen vor allem Weibchen und Jungvögel ihr Gebiet, ziehen aber nicht weit. Ein Teil der europäischen Eisvögel zieht im Winter bis nach Südeuropa oder Nordafrika.
Wie erkennt man ein Eisvogelweibchen?
Am Schnabel. Beim Weibchen ist die Unterseite des Schnabels orange, beim Männchen ist der ganze Schnabel dunkel. Im Gefieder unterscheiden sich die beiden kaum.
Ist der Eisvogel selten?
In Deutschland brüten etwa 9.500 bis 15.500 Paare. Er ist weit verbreitet, aber nicht häufig, weil er saubere Gewässer mit Steilufern braucht. Nach harten Wintern sind es oft deutlich weniger.
Ähnliche Tiere
- Jägerliest - ein großer Verwandter aus Australien, bekannt als Kookaburra
- Bienenfresser - ein bunter Vogel, der ebenfalls Brutröhren in Steilwände gräbt
- Smaragdspint - ein grüner Verwandter des Bienenfressers
- Reiher - fängt ebenfalls Fische, lauert aber im flachen Wasser stehend
Quellen
- Eisvogel - Vogelporträt des NABU
- Eisvogel - Artenporträt des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz (LBV)
- Kingfisher - BirdFacts des British Trust for Ornithology (BTO)
- Woodall, P. F. (2020): Common Kingfisher (Alcedo atthis). Birds of the World, Cornell Lab of Ornithology
- Stavenga, D. G. et al. (2011): Kingfisher feathers - colouration by pigments, spongy nanostructures and thin films. Journal of Experimental Biology 214
- BirdLife International (2024): Alcedo atthis. The IUCN Red List of Threatened Species
Größenvergleich
Mit 17 bis 19,5 cm gehört der Eisvogel zu den kleineren Tieren in unserem Lexikon. Eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) ist dagegen deutlich kleiner, während ein Fußball mit 22 cm noch etwas an Größe drauflegt. Stell dir vor: Der Eisvogel ist ungefähr 8-mal so lang wie eine 1-Euro-Münze!
Gewichtsvergleich
Ein Eisvogel bringt 34 bis 46 g auf die Waage. Das ist schwerer als eine 1-Euro-Münze (7,5 g), aber leichter als eine Tafel Schokolade (100 g). Anders ausgedrückt: Der Eisvogel wiegt so viel wie etwa 5 1-Euro-Münzen.