Eoraptor

Zuletzt aktualisiert:

Skelett von Eoraptor in Seitenansicht, ein kleiner zweibeiniger Dinosaurier mit langem Schwanz
MWAK / Wikimedia Commons / Public domain

Kurz erklärt

Eoraptor war ein kleiner, leicht gebauter Dinosaurier aus der Obertrias. Er lief auf zwei Beinen, wurde etwa 1,2 bis 1,3 Meter lang und wog rund 10 Kilogramm. Alle bekannten Funde stammen aus dem Ischigualasto-Tal in Argentinien und sind rund 231 bis 228 Millionen Jahre alt. Damit gehört Eoraptor zu den ältesten bekannten Dinosauriern überhaupt.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameEoraptor lunensis
Abstammung
  • Klasse: Reptilien
  • Überordnung: Dinosaurier (Dinosauria)
  • Ordnung: Echsenbeckensaurier
  • Gattung: Eoraptor
  • Art: Eoraptor lunensis
Körpergröße1,2 bis 1,3 m
Körpergewicht10 kg
ErnährungVermutlich Allesfresser
LebenserwartungUnbekannt
SozialverhaltenUnbekannt
HerkunftSüdamerika
Verbreitung Nur Ischigualasto-Formation, Provinz San Juan, Argentinien Südamerika
EntdeckungGefunden 1991, beschrieben 1993 durch Sereno, Forster, Rogers und Monetta
SonstigesAusgestorben. Lebte vor rund 231 bis 228 Millionen Jahren in der Obertrias. Bekannt ist vor allem ein fast vollständiges Skelett, der Holotyp PVSJ 512.

Einer der ältesten Dinosaurier

Eoraptor lebte in der Obertrias vor etwa 231 bis 228 Millionen Jahren, also ganz am Anfang der Dinosaurierzeit. Zu dieser Zeit waren alle Kontinente noch zu einem einzigen Superkontinent verbunden. Das heutige Argentinien lag im Südwesten dieser Landmasse.

Damals waren Dinosaurier noch keineswegs die Herrscher der Erde. Im Gegenteil: Andere Wirbeltiere waren viel häufiger. Von allen Fossilien, die aus der Ischigualasto-Formation geborgen wurden, stammen nur rund 6 Prozent von Dinosauriern. Ihre große Zeit begann erst im Jura, mehr als 20 Millionen Jahre später.

Entdeckung und Name

Die Knochen wurden 1991 gefunden, und zwar vom Paläontologen Ricardo Martínez von der Universität San Juan und von Paul Sereno von der Universität Chicago. Beide Hochschulen führten damals gemeinsam Grabungen in Argentinien durch.

Das Fundstück, der sogenannte Holotyp mit der Sammlungsnummer PVSJ 512, steckte in schlammigem Siltstein im unteren Teil der Ischigualasto-Formation, dem Cancha-de-Bochas-Member. Zur Präparation wurde das Skelett an das Field Museum in Chicago geschickt. Nach der ersten Ausstellung dort kehrte es nach Argentinien zurück und ist heute im Naturkundemuseum von San Juan zu sehen.

Beschrieben und benannt wurde die Gattung 1993 in der Fachzeitschrift Nature von Paul Sereno, Catherine Forster, Raymond Rogers und Alfredo Monetta. Der Name setzt sich zusammen aus dem griechischen Wort eos für „Morgenröte“ und dem lateinischen raptor für „Räuber“. Der Artname lunensis verweist auf den Fundort: das Valle de la Luna, das „Mondtal“, das wegen seiner kahlen, zerklüfteten Landschaft so heißt. Übersetzt bedeutet der Name also ungefähr „Morgenröte-Räuber aus dem Mondtal“.

Aussehen und Körperbau

Eoraptor war klein und leicht gebaut. Die bekannten Skelette messen 1,2 bis 1,3 Meter von der Schnauze bis zur Schwanzspitze. Das Gewicht wird auf rund 10 Kilogramm oder weniger geschätzt, also ungefähr so viel wie ein mittelgroßer Hund. Einzelne Museumsangaben nennen bis zu 1,7 Meter Länge; die Spanne in der Fachliteratur ist also nicht einheitlich.

Der Schädel war zierlich gebaut und hatte eine leicht vergrößerte Nasenöffnung. Zwischen Zwischenkiefer und Oberkiefer saß ein kleiner Knick, wie man ihn auch von anderen frühen Dinosauriern kennt. Im Unterkiefer gab es ein zusätzliches Gelenk in der Mitte.

Der Körperbau zeigt einen Läufer:

  • Eoraptor lief auf den Zehen und aufrecht auf den Hinterbeinen.
  • Der Oberschenkelknochen des Holotyps ist 152 Millimeter lang, das Schienbein 157 Millimeter. Ein längeres Schienbein als Oberschenkel gilt als Merkmal schneller Läufer.
  • Die Vorderbeine waren nur halb so lang wie die Hinterbeine. Eoraptor lief also zweibeinig.
  • Alle Röhrenknochen hatten hohle Schäfte, auch die Wirbelkörper waren hohl. Das spart Gewicht.
  • Das Becken war über drei Kreuzbeinwirbel mit der Wirbelsäule verbunden. Beim gleichzeitig lebenden Herrerasaurus waren es nur zwei.

An jeder Hand saßen fünf Finger. Die drei längsten endeten in kräftigen Krallen und dienten vermutlich zum Greifen. Der vierte und fünfte Finger waren so klein, dass sie beim Zupacken kaum halfen.

Der lange Schwanz balancierte den Körper beim Laufen aus.

Ernährung

Das Gebiss von Eoraptor ist ungewöhnlich, weil darin zwei verschiedene Zahnformen stecken. Ein Teil der Zähne ist gesägt und nach hinten gebogen, so wie bei fleischfressenden Dinosauriern. Ein anderer Teil ist blattförmig, so wie bei den frühen Pflanzenfressern.

Wegen dieser Mischung halten Fachleute Eoraptor für einen Allesfresser. Sicher belegen lässt sich das nicht, denn Mageninhalte sind nicht erhalten. Klar ist aber: Ein spezialisierter Großwildjäger war er nicht. Ihm fehlte das bewegliche Schiebegelenk im Unterkiefer, mit dem spätere Raubdinosaurier große Beute festhalten konnten. Das Gelenk in der Mitte seines Unterkiefers war anders gebaut und ließ sich nicht verschieben. Als Nahrung kamen also eher kleine Wirbeltiere, Insekten und weiche Pflanzenteile infrage.

Wohin gehört Eoraptor im Stammbaum?

Diese Frage ist bis heute nicht endgültig geklärt, und das macht das Tier für die Forschung so spannend.

  • 1993 stuften Sereno und sein Team Eoraptor als sehr ursprünglichen Theropoden ein, also als frühen Verwandten der späteren Raubdinosaurier. Begründung waren unter anderem die greiffähige Hand und der leichte Bau.
  • 2011 kam ein Team um Ricardo Martínez in der Zeitschrift Science zu einem anderen Ergebnis. Bei der Beschreibung des ebenfalls sehr alten Dinosauriers Eodromaeus ordneten sie Eoraptor als frühen Sauropodomorphen ein, also als Urahn der späteren langhalsigen Riesen wie Diplodocus und Brachiosaurus.
  • Ebenfalls 2011 kam ein Team um Hans-Dieter Sues bei der Beschreibung von Daemonosaurus zum gegenteiligen Schluss: Für sie blieb Eoraptor ein früher Theropode.
  • 2013 bestätigte Sereno die Einordnung als Sauropodomorphen selbst, nachdem er den Holotyp gründlich neu beschrieben hatte. Die meisten Analysen seit 2012 kommen zum selben Ergebnis. Endgültig geklärt ist die Frage aber nicht.

Der Grund für dieses Hin und Her: Eoraptor lebte so früh, dass sich die großen Dinosauriergruppen gerade erst voneinander trennten. Er trägt deshalb Merkmale, die später bei ganz verschiedenen Gruppen auftauchen.

Ähnlich unsicher ist das Alter des Fundtiers. Die Erstbeschreiber hielten es für ausgewachsen, weil Nähte an der Wirbelsäule verwachsen sind. Andere Forschende verwiesen auf die großen Augenhöhlen und die kurze Schnauze, beides Kennzeichen von Jungtieren. In der Neubeschreibung von 2013 gilt das Exemplar als junges, fast ausgewachsenes Tier.

Lebensraum und Zeitgenossen

Die Ischigualasto-Formation war zur Lebenszeit von Eoraptor eine vulkanisch aktive Schwemmebene. Das Klima war warm und feucht, mit ausgeprägten Jahreszeiten und heftigen Regenfällen. Entlang der Flüsse wuchsen Wälder aus riesigen Nadelbäumen, am Boden Farne und Schachtelhalme.

Eoraptor teilte sich diese Landschaft mit vielen anderen Tieren:

  • Herrerasaurus, ein deutlich größerer Raubdinosaurier und der häufigste Fleischfresser der Fundstelle
  • Saurosuchus, ein großer, krokodilähnlicher Archosaurier
  • Pisanosaurus, ein weiterer sehr früher Dinosaurier
  • Rhynchosaurier wie Hyperodapedon, gedrungene Pflanzenfresser mit Hakenschnauze
  • Dicynodonten wie Ischigualastia und säugetierähnliche Cynodonten wie Chiniquodon und Exaeretodon
  • Aetosaurier, gepanzerte Pflanzenfresser

Auffällig ist, dass die Pflanzenfresser dieser Zeit fast alle keine Dinosaurier waren. Die Dinosaurier stellten damals vor allem kleine Raubtiere und kleine Pflanzenfresser.

Was wir nicht wissen

Über die Fortpflanzung von Eoraptor ist nichts bekannt. Es wurden weder Eier noch Nester noch Jungtiere in Gelegen gefunden, die sich der Gattung sicher zuordnen ließen. Alles, was man dazu lesen kann, sind Übertragungen von anderen Dinosauriergruppen. Genauso wenig weiß man, wie alt die Tiere wurden, welche Farbe sie hatten oder ob sie in Gruppen lebten.

Häufige Fragen zum Eoraptor

Wie groß war Eoraptor?

Die bekannten Skelette sind 1,2 bis 1,3 Meter lang, gemessen von der Schnauze bis zur Schwanzspitze. Das Gewicht wird auf rund 10 Kilogramm oder etwas weniger geschätzt. Aufgerichtet hätte das Tier einem Menschen etwa bis zur Hüfte gereicht. Manche Museumsangaben nennen bis zu 1,7 Meter Länge.

Wann und wo lebte Eoraptor?

In der Obertrias vor etwa 231 bis 228 Millionen Jahren. Alle Funde stammen aus der Ischigualasto-Formation in der argentinischen Provinz San Juan, dem sogenannten Mondtal. Damals lag dieses Gebiet im Südwesten des Superkontinents Pangäa.

Was fraß Eoraptor?

Vermutlich alles, was er bewältigen konnte. Sein Gebiss enthielt sowohl gesägte, gebogene Fangzähne als auch blattförmige Zähne, wie sie Pflanzenfresser haben. Deshalb gilt er als Allesfresser. Große Beute konnte er nicht festhalten, weil ihm das bewegliche Kiefergelenk späterer Raubdinosaurier fehlte.

War Eoraptor der erste Dinosaurier?

Er gehört zu den ältesten bekannten Dinosauriern, ist aber nicht sicher der allererste. Aus derselben Formation kennt man weitere sehr frühe Arten wie Eodromaeus und Herrerasaurus. Mit jedem neuen Fund kann sich das Bild verschieben.

War Eoraptor ein Raubsaurier?

Bei der Erstbeschreibung 1993 wurde er als früher Theropode geführt, also als Verwandter der Raubdinosaurier. Seit 2011 ordnen ihn die meisten Studien dagegen bei den Sauropodomorphen ein, den Vorfahren der Langhalssaurier. Einzelne Arbeiten halten dagegen weiter am Theropoden fest. Die Frage ist offen.

Woher kommt der Name Eoraptor?

Aus dem Griechischen und dem Lateinischen: eos heißt „Morgenröte“ und steht für seine frühe Stellung in der Dinosauriergeschichte, raptor heißt „Räuber“. Der Artname lunensis verweist auf das Valle de la Luna, das Mondtal, in dem das Skelett gefunden wurde.

Ähnliche Tiere

  • Velociraptor - viel späterer und deutlich spezialisierterer Raubdinosaurier
  • Brachiosaurus - riesiger Langhalssaurier, möglicherweise entfernter Nachfahre
  • Diplodocus - ebenfalls ein Sauropode mit langem Hals und Schwanz
  • Patagotitan - Riese aus Argentinien, rund 130 Millionen Jahre jünger
  • Tyrannosaurus Rex - lebte erst am Ende der Dinosaurierzeit

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Eoraptor
1,2 bis 1,3 m

Ein Eoraptor erreicht eine Körpergröße von 1,2 bis 1,3 m. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und einen Erwachsenen (1,8 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Eoraptor ist etwa 6-mal so groß wie ein Fußball.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Eoraptor
10 kg

Ein Eoraptor bringt 10 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine Hauskatze (4 kg), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Der Eoraptor wiegt so viel wie etwa 3 Hauskatzen.