Erdferkel
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Kurz erklärt
Das Erdferkel lebt in Afrika südlich der Sahara und ist die einzige lebende Art einer ganzen Säugetierordnung, der Röhrchenzähner. Es hat lange Ohren, eine Rüsselschnauze und kräftige Grabkrallen. Nachts sucht es mit seiner feinen Nase nach Ameisen und Termiten und schleckt sie mit der klebrigen Zunge auf. Seine Erdbauten bieten vielen anderen Tieren ein Zuhause.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Orycteropus afer |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Kopf-Rumpf-Länge 94 bis 142 cm, Schwanz 44 bis 63 cm |
| Körpergewicht | Meist 40 bis 65 kg; manche Angaben reichen bis 82 kg |
| Ernährung | Fast ausschließlich Ameisen und Termiten, gelegentlich unterirdisch lebende Käferlarven |
| Lebenserwartung | In freier Natur bis etwa 18 Jahre, in Zoos etwa 23 Jahre |
| Sozialverhalten | Einzelgänger; das Jungtier bleibt etwa ein halbes Jahr bei der Mutter |
| Herkunft | Afrika |
| Verbreitung | Afrika südlich der Sahara in fast allen Lebensräumen mit tiefem, grabbarem Boden: Grasland, Savannen, Halbwüsten, Buschland und Wälder bis 3.200 m Höhe; fehlt in Wüsten und auf steinigem Boden Afrika |
| Entdeckung | 1766 von Pallas als Myrmecophaga afra wissenschaftlich beschrieben |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2015) |
| Sonstiges | Einzige lebende Art der Ordnung Röhrchenzähner (Tubulidentata). Genaue Bestandszahlen gibt es nicht. |
Ein Tier mit eigener Ordnung
Das Erdferkel (Orycteropus afer) ist ein ganz besonderes Säugetier: Es ist die einzige lebende Art der Ordnung der Röhrchenzähner (Tubulidentata). Keine andere Säugetierordnung besteht heute nur aus einer einzigen Art.
Trotz seines Namens ist das Erdferkel kein Schwein. Es ist etwa so groß wie ein kleines Schwein und hat eine Rüsselschnauze, damit enden die Gemeinsamkeiten aber schon. Erbgutuntersuchungen haben gezeigt, dass es zu den Afrotheria gehört, einer Gruppe von Säugetieren, die vermutlich in Afrika entstanden ist. Zu ihr zählen auch die Elefanten, die Schliefer und die Seekühe. Mit den Ameisenbären Südamerikas, die ebenfalls Ameisen und Termiten fressen, ist das Erdferkel also nicht näher verwandt.
Die Röhrchenzähne: Seinen Ordnungsnamen verdankt das Erdferkel seinen ungewöhnlichen Zähnen. Erwachsene Tiere haben keine Schneide- und Eckzähne, sondern nur 20 stiftförmige Backenzähne. Diese haben keinen Zahnschmelz. Sie bestehen aus vielen dicht gepackten, feinen Röhrchen aus einer besonderen Form von Zahnbein, umgeben von Zahnzement. Ungeborene und junge Erdferkel besitzen dagegen noch ein vollständiges Milchgebiss mit Eckzähnen.
Beschrieben wurden 18 Unterarten. Ob sie alle berechtigt sind, ist aber unklar, denn es gibt zu wenig Vergleichsmaterial. Viele davon gehören vermutlich zu ein und derselben Form.
Aussehen und Körperbau
- Größe und Gewicht: Kopf und Rumpf messen 94 bis 142 cm, der Schwanz 44 bis 63 cm. Erdferkel wiegen meist 40 bis 65 kg, manche Angaben reichen bis 82 kg.
- Körper: Der Körper ist schwer und massig, der Rücken stark gewölbt. Die Haut ist sehr dick, eine Fettschicht darunter fehlt.
- Kopf: Der Kopf ist lang gestreckt und endet in einer langen Nase mit flacher, beweglicher Schnauze. Um die Nasenlöcher wächst ein Kranz aus Haaren. Die Ohren sind lang und erinnern an die eines Kaninchens.
- Beine und Krallen: Die Beine sind dick und sehr muskulös. Vorne hat das Erdferkel vier Zehen, hinten fünf. Alle tragen lange, kräftige Krallen, die wie kleine Spaten aussehen.
- Schwanz: Der dicke Schwanz wird zur Spitze hin dünner und hängt immer dicht über dem Boden oder schleift darauf.
- Fell: Das Fell ist spärlich und gelblich grau, an den Beinen länger und oft schwarz. Die graubraune Haut ist häufig von der Farbe des Bodens gefärbt, in dem das Tier gräbt. Bei erwachsenen Tieren ist das Fell oft abgewetzt.
Sinne: Erdferkel sehen schlecht. Ihre Netzhaut hat nur Stäbchen, sie sehen also nachts gut, aber keine Farben. Umso besser hören und riechen sie. Die langen Ohren lassen sich einzeln bewegen und beim Graben nach hinten klappen und verschließen. In der Nase vergrößern besondere Strukturen die Riechfläche, und der Riechbereich des Gehirns ist stark entwickelt.
Verbreitung und Lebensraum
Erdferkel leben in Afrika südlich der Sahara. Sie sind dort weit verbreitet, kommen aber nur dort vor, wo der Lebensraum passt.
Lebensraum: Das Erdferkel kommt mit vielen Lebensräumen zurecht: Grasland, Savanne, Halbwüste, Dickicht, Trockenwald und sogar Regenwald. Im äthiopischen Hochland lebt es bis in 3.200 m Höhe. Entscheidend sind zwei Dinge: genug Ameisen und Termiten und tiefer Boden, in dem es graben kann. In Wüsten und auf sehr hartem oder steinigem Boden fehlt es.
Ernährung
Das Erdferkel ist ein Spezialist: Es frisst fast ausschließlich Ameisen und Termiten. Nur gelegentlich nimmt es auch Käferlarven aus dem Boden. Ob es, wie manchmal berichtet, auch eine unterirdisch reifende Wildgurke frisst, ist nicht bestätigt.
Was genau? Genaue Untersuchungen gibt es nur aus Südafrika. Meist machen Ameisen den größten Teil der Nahrung aus. In der Karoo war die wichtigste Beute eine einzige Ameisenart, bei manchen Tieren machte sie bis zu 70 Prozent der Nahrung aus. Danach folgten zwei Termitenarten. Insgesamt bilden meist nur zwei oder drei häufige Arten den Hauptteil der Nahrung.
Wie frisst es? Das Erdferkel spürt die Insekten unter der Erde mit seiner feinen Nase auf. Dann gräbt es blitzschnell ein Loch in das Nest oder den Hügel und schleckt die Tiere mit seiner langen, klebrigen Zunge auf. Es schluckt sie fast ohne zu kauen. Zerkleinert wird die Nahrung in einem muskulösen Magen, der ähnlich arbeitet wie der Muskelmagen von Vögeln. Bisse, Stiche und Abwehrstoffe der Ameisen und Termiten scheinen dem Erdferkel nichts auszumachen. Die Insektenvölker überleben den Besuch meistens und bauen ihr Nest wieder auf.
Lange Wege: Auf der Nahrungssuche legt ein Erdferkel jede Nacht 2 bis 5 km zurück. Wo es wenig Beute gibt, können es deutlich mehr sein: In Uganda wurden Strecken von bis zu 14 km in einer Nacht gemessen.
Verhalten und Lebensweise
Nachtaktiv: Erdferkel sind fast nur nachts unterwegs. In Südafrika sind sie im Sommer bis zu neun Stunden aktiv, im Winter etwa sieben. In kalten Winternächten kommen manche schon am Nachmittag vor Sonnenuntergang heraus. Den Tag verschlafen sie in tiefen Bauten.
Einzelgänger: Erdferkel leben allein. Sie sind sehr scheu und werden selten gesehen. Meist verraten nur Spuren, Baue und Kratzspuren ihrer Krallen, dass sie in der Nähe sind. In einer Untersuchung in Südafrika waren ihre Streifgebiete 133 bis 302 Hektar groß. Die Gebiete von Männchen und Weibchen überlappten sich. Auf 1.000 Hektar lebten nur etwa acht Erdferkel.
Vorsichtiger Aufbruch: Bevor ein Erdferkel nachts losläuft, bleibt es am Eingang stehen und hält nach Feinden Ausschau. Dann rennt es heraus, springt mehrmals, sieht sich um und springt wieder, bevor es zur Nahrungssuche aufbricht.
Laute und Düfte: Erdferkel grunzen, bei großer Angst blöken sie. Sie besitzen Duftdrüsen. Ob sie damit ihr Streifgebiet markieren, ist umstritten: Manche Fachquellen beschreiben Duftmarken, andere haben sie nie beobachtet.
Meister im Graben: Die Bauten des Erdferkels
Das Erdferkel ist ein hervorragender Gräber. Es baut zwei Arten von Höhlen:
- Kurze Unterschlüpfe von wenigen Metern Länge, die es nur vorübergehend nutzt.
- Große Baue mit acht oder mehr Eingängen, die bis zu 6 m tief unter die Erde reichen.
Oft verschließt es den Eingang hinter sich und lässt oben nur eine kleine Öffnung frei. In einer Studie nutzten Erdferkel einen Bau im Schnitt fünf bis neun Tage hintereinander. Manche Baue gaben sie schon nach einem Tag auf, einen nutzte ein Tier 38 Tage lang.
Ein Zuhause für viele: Erdferkelbaue sind für andere Tiere sehr wertvoll. Hyänen, Warzenschweine, Hörnchen, Igel, Mangusten, Fledermäuse, Vögel und Reptilien suchen darin Schutz. Forschende bezeichnen das Erdferkel deshalb als Ökosystem-Ingenieur. Verschwindet es aus einer Gegend, kann das ganze Lebensgemeinschaften durcheinanderbringen.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Über die Fortpflanzung in freier Natur weiß man wenig. Vermutlich paart sich ein Männchen mit mehreren Weibchen. Die Geburtszeit hängt von der Region ab: Für das südliche Afrika nennen Fachquellen unterschiedliche Zeiträume, von Mai bis Juli oder von Juli bis November. In Äthiopien wurden Geburten im Mai und Juni beobachtet.
Tragzeit: In Zoos dauert die Tragzeit im Durchschnitt 243 Tage, also etwa acht Monate. Meist kommt ein einziges Junges zur Welt, es wiegt 1,3 bis 1,9 kg.
Aufwachsen: Das Junge wird im Bau geboren. Mit etwa zwei Wochen beginnt es, der Mutter zu folgen. Bis zum Alter von etwa drei Monaten trinkt es Milch, dann beginnt es, Insekten zu fressen. Mit etwa sechs Monaten wird es selbstständig und gräbt sich einen eigenen Bau. Geschlechtsreif werden Erdferkel mit etwa zwei Jahren. Aus freier Natur gibt es dazu kaum Beobachtungen: Wie lange Junge dort bei der Mutter bleiben und wann sie entwöhnt werden, ist nicht untersucht.
Lebenserwartung: In freier Natur werden Erdferkel nach Angaben des Animal Diversity Web bis zu etwa 18 Jahre alt, in Zoos etwa 23 Jahre.
Feinde und Gefährdung
Feinde: Der wichtigste Feind ist der Mensch. Auch Löwen, Hyänen und Leoparden töten Erdferkel. Bei Gefahr gräbt sich das Erdferkel blitzschnell ein, in etwa zehn Minuten ist es komplett unter der Erde verschwunden. Schafft es das nicht, stellt es sich auf Hinterbeine und Schwanz oder legt sich auf den Rücken und wehrt sich mit seinen großen Vorderkrallen.
Gefährdungsstatus: Die IUCN stuft das Erdferkel als nicht gefährdet (Least Concern) ein (Taylor & Lehmann, 2015). Es ist in Afrika südlich der Sahara weit verbreitet. Wie viele Erdferkel es gibt, weiß aber niemand genau. Im südlichen Afrika scheint der Bestand ungefähr stabil zu sein, in anderen Teilen Afrikas geht er vielleicht zurück.
Bedrohungen:
- Lebensraumverlust: Wo sich Siedlungen und Felder ausbreiten, verschwinden Erdferkel. In vielen landwirtschaftlich genutzten Gebieten wurden sie ausgerottet.
- Jagd: Erdferkel werden wegen ihres Fleisches gejagt, Körperteile werden als Glücksbringer und in der traditionellen Medizin verwendet. Manche Farmer töten sie, weil ihre Baue stören oder für Fahrzeuge gefährlich sind.
- Gifte: Durch Ackerbau und Insektengifte verschwinden in manchen Gegenden Ameisen und Termiten, die Nahrung der Erdferkel.
- Klimawandel: In der Kalahari beobachteten Forschende Erdferkel mit Messgeräten im Körper. Nach einem besonders heißen und trockenen Sommer starben fünf der sechs Tiere und elf weitere Erdferkel im Gebiet, vermutlich weil sie verhungerten. Vor ihrem Tod suchten sie ihre Nahrung zunehmend am Tag statt nachts, und ihre Körpertemperatur sank bis auf 25 °C. Hitze und Dürre könnten Erdferkel deshalb in Zukunft stärker bedrohen.
Häufige Fragen zum Erdferkel
Ist das Erdferkel mit dem Schwein verwandt?
Nein. Das Erdferkel ist nur etwa so groß wie ein kleines Schwein. Es gehört zu den Afrotheria, zusammen mit Elefanten, Schliefern und Seekühen, und bildet als einzige lebende Art eine eigene Ordnung, die Röhrchenzähner.
Was frisst ein Erdferkel?
Fast nur Ameisen und Termiten. Es spürt sie mit der Nase im Boden auf, gräbt sie aus und schleckt sie mit seiner langen, klebrigen Zunge auf. Ab und zu frisst es auch Käferlarven.
Wie groß und schwer wird ein Erdferkel?
Kopf und Rumpf messen 94 bis 142 cm, dazu kommt ein 44 bis 63 cm langer Schwanz. Erdferkel wiegen meist 40 bis 65 kg.
Wo lebt das Erdferkel?
In Afrika südlich der Sahara. Es lebt in Savannen, Grasland, Buschland und Wäldern, überall dort, wo es genug Ameisen und Termiten und tiefen Boden zum Graben gibt.
Warum ist das Erdferkel für andere Tiere wichtig?
Seine Baue werden von vielen anderen Tieren als Unterschlupf genutzt, zum Beispiel von Hyänen, Warzenschweinen, Mangusten, Fledermäusen, Vögeln und Reptilien. Forschende zählen es deshalb zu den Ökosystem-Ingenieuren.
Warum heißt die Ordnung Röhrchenzähner?
Die Backenzähne des Erdferkels haben keinen Zahnschmelz. Sie bestehen aus vielen feinen, dicht gepackten Röhrchen aus Zahnbein. Schneide- und Eckzähne fehlen erwachsenen Tieren.
Ähnliche Tiere
- Großer Ameisenbär - lebt ähnlich, ist aber nicht verwandt
- Klippschliefer - ebenfalls ein Mitglied der Afrotheria
- Afrikanischer Elefant - überraschend ein Verwandter des Erdferkels
- Warzenschwein - nutzt gern verlassene Erdferkelbaue
- Termiten - die wichtigste Nahrung neben Ameisen
- Hyäne - Feind des Erdferkels und Nachmieter in seinen Bauen
Quellen
- Taylor, A. & Lehmann, T. (2015): Orycteropus afer. The IUCN Red List of Threatened Species 2015
- Wilson, D.E. & Mittermeier, R.A. (Hrsg.) (2011): Orycteropus afer. Handbook of the Mammals of the World, Band 2, Lynx Edicions (via Plazi)
- Orycteropus afer - Animal Diversity Web, University of Michigan
- Taylor, W.A., Lindsey, P.A. & Skinner, J.D. (2002): The feeding ecology of the aardvark Orycteropus afer. Journal of Arid Environments 50, 135-152
- Taylor, W.A. & Skinner, J.D. (2003): Activity patterns, home ranges and burrow use of aardvarks (Orycteropus afer) in the Karoo. Journal of Zoology 261, 291-297
- Rey, B. et al. (2017): Drought-induced starvation of aardvarks in the Kalahari: an indirect effect of climate change. Biology Letters 13, 20170301
Größenvergleich
Mit 94 cm bis 1,42 m gehört das Erdferkel zu den mittelgroßen Tieren in unserem Lexikon. Ein Fußball (22 cm) ist dagegen deutlich kleiner, während ein Erwachsener mit 1,8 m noch etwas an Größe drauflegt. Stell dir vor: Das Erdferkel ist ungefähr 5-mal so lang wie ein Fußball!
Gewichtsvergleich
Ein Erdferkel bringt 40 bis 65 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Kind (25 kg), aber leichter als ein Erwachsener (75 kg).