Fleckenmusang
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Kurz erklärt
Der Fleckenmusang ist eine etwa 3 kg schwere Schleichkatze aus Süd- und Südostasien. Er klettert nachts durch die Bäume und frisst am liebsten reife Früchte. Bekannt ist er durch den teuren Kaffee Kopi Luwak, für den Kaffeebohnen aus seinem Kot gesammelt werden. Dafür werden heute viele wilde Fleckenmusangs gefangen und in engen Käfigen gehalten.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Paradoxurus hermaphroditus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Körperlänge 43 bis 71 cm, im Durchschnitt etwa 50 cm; dazu ein etwa 48 cm langer Schwanz |
| Körpergewicht | 1,3 bis 5 kg, im Durchschnitt etwa 3 kg |
| Ernährung | Allesfresser, vor allem reife Früchte wie Feigen, Mangos, Bananen, Rambutan und Papayas; dazu Palmsaft, Nektar, Insekten, Würmer, Schnecken, Eier, kleine Säugetiere, Vögel und Reptilien |
| Lebenserwartung | In freier Natur meist 15 bis 20 Jahre; in Menschenobhut bis 24 Jahre und 5 Monate (Animal Diversity Web) |
| Sozialverhalten | Einzelgänger, nachtaktiv; Männchen haben deutlich größere Streifgebiete als Weibchen |
| Herkunft | Süd- und Südostasien |
| Verbreitung | Von Kaschmir im Westen bis zu den Philippinen im Osten: Nepal, Bhutan, Indien, Sri Lanka, Südchina, das südostasiatische Festland, Sumatra, Java, Borneo und weitere Sundainseln Asien |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1777 durch Peter Simon Pallas |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2024) |
| Sonstiges | In Malaysia, in der chinesischen Provinz Sichuan und in Indien gesetzlich geschützt; in der Roten Liste Chinas wegen starker Bejagung als gefährdet eingestuft. |
Was ist ein Fleckenmusang?
Der Fleckenmusang (Paradoxurus hermaphroditus) ist eine Schleichkatze aus Süd- und Südostasien. Trotz des Namens ist er keine echte Katze. Schleichkatzen bilden eine eigene Familie innerhalb der Raubtiere, zu ihr gehören auch die Zibetkatzen. Im Englischen heißt der Fleckenmusang „Asian palm civet“, also Asiatische Palmenzibetkatze.
Er lebt vor allem in Bäumen, ist nachts unterwegs und frisst am liebsten reife Früchte. Weltweit bekannt wurde er durch einen besonderen Kaffee: Kopi Luwak.
Woher kommen seine Namen? Ein weiterer englischer Name ist „toddy cat“. Toddy ist ein Getränk, das aus dem vergorenen Saft der Zuckerpalme hergestellt wird, und genau diesen süßen Saft trinkt der Fleckenmusang sehr gern. Der wissenschaftliche Name hermaphroditus bedeutet Zwitter. Er geht auf eine Duftdrüse unter dem Schwanz zurück, die Männchen und Weibchen gleichermaßen haben und die an Hoden erinnert.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht: Ein Fleckenmusang wiegt etwa 3 Kilogramm, die Spanne reicht von 1,3 bis 5 Kilogramm. Sein Körper ist 43 bis 71 Zentimeter lang, im Durchschnitt etwa 50 Zentimeter. Dazu kommt ein Schwanz von rund 48 Zentimetern, der fast so lang ist wie Kopf und Rumpf zusammen. Männchen und Weibchen sehen gleich aus.
Körperform: Der Körper ist lang gestreckt, die Beine sind kurz. Das Gesicht erinnert an eine Katze, der Schädel ist aber länger und flacher. Die Nase ist spitz, die dunklen Augen und die spitzen Ohren sind im Verhältnis zum Kopf groß.
Fell: Das Fell ist kurz und rau, meist schwarz oder grau. Die langen Deckhaare haben schwarze Spitzen. Über den Rücken laufen dunkle Streifen, an jeder Körperseite sitzen drei Reihen schwarzer Flecken, die auch die Beine bedecken. Bei Jungtieren ist das Muster weniger deutlich.
Gesichtsmaske: Wie ein Waschbär trägt der Fleckenmusang eine Art Maske. Über und unter den Augen und an beiden Seiten der Nase sitzen weiße Fellflecken.
Schwanz: Anders als bei vielen anderen Schleichkatzen hat der Schwanz keine schwarzen Ringe, nur die Spitze ist schwarz. Greifen kann er mit dem Schwanz nicht.
Kletterfüße: Der Fleckenmusang tritt wie ein Bär mit der ganzen Sohle auf. Die Sohlen sind nackt, die Krallen lassen sich teilweise einziehen, und die dritte und vierte Zehe sind teilweise verwachsen. Das macht ihn zu einem sehr guten Kletterer.
Zähne: Seine Zähne sind schwächer und spitzer als die von Schleichkatzen, die vor allem Fleisch fressen. Die Reißzähne zum Zerschneiden von Fleisch sind weniger stark ausgebildet. Das passt zu seiner Ernährung mit viel Obst.
Verbreitung und Lebensraum
Das Verbreitungsgebiet reicht von Kaschmir im Westen bis zu den Philippinen im Osten. Fleckenmusangs leben unter anderem in Nepal, Bhutan, Indien, Sri Lanka, Südchina, Thailand, Laos, Kambodscha, Vietnam, Malaysia, Singapur und Indonesien, etwa auf Sumatra, Java und Borneo.
Sie besiedeln tropische Wälder und Wälder gemäßigter Gebiete und kommen vom Tiefland bis in etwa 2.200 Meter Höhe vor. Fleckenmusangs passen sich gut an Menschen an. Man findet sie auch in Parks, Gärten am Stadtrand, Plantagen und Obstgärten. Manche wohnen sogar in Dachböden und Scheunen, wo sie nachts mit ihren Geräuschen die Bewohner stören.
Wo sie leben, hängt vor allem vom Nahrungsangebot und von guten Ruheplätzen ab. Am liebsten halten sie sich in hohen Bäumen mit dichtem Blätterdach und vielen Lianen auf.
Ernährung
Der Fleckenmusang ist ein Allesfresser, frisst aber vor allem Früchte. Er bevorzugt Beeren und weiches, saftiges Obst. Auf Java fressen Fleckenmusangs Früchte von mehr als 35 verschiedenen Bäumen, Sträuchern und Kletterpflanzen. Besonders gern mögen sie Feigen, Mangos, Bananen, Rambutan und Papayas. Dabei sucht sich der Fleckenmusang gezielt die reifsten Früchte aus und lässt die anderen hängen.
Außerdem trinkt er den süßen Saft aus den Blüten der Zuckerpalme und den Nektar des Kapokbaums.
Zu den tierischen Beutetieren gehören Ratten, Spitzmäuse und Mäuse, Vögel und ihre Eier, Reptilien, Insekten, Würmer, Schnecken und sogar Skorpione. Beim Jagen schleicht er sich wie eine Katze aus einem Versteck an und springt dann zu.
Gärtner des Waldes: Fleckenmusangs fressen die Früchte vieler Bäume, darunter Palmen. Die Samen scheiden sie oft mehrere hundert Meter vom Fressbaum entfernt wieder aus. Das hilft den Samen beim Keimen und dem Wald beim Nachwachsen.
Verhalten und Lebensweise
Fleckenmusangs sind nachtaktive Einzelgänger. Sie werden in der Abenddämmerung aktiv und suchen zuerst nach Futter. In dunklen Nächten sind sie aktiver als bei hellem Mondlicht. Gegen Morgen suchen sie einen Schlafplatz in einer Baumhöhle, einer Felsspalte oder zwischen Lianen. Gibt es genug Futter, schlafen sie jeden Tag im selben Baum.
In den Bäumen bewegen sie sich eher langsam. Weil ihr Schwanz nicht greifen kann, springen sie nicht von Baum zu Baum, sondern halten sich an den Ästen fest und klettern hinüber.
Streifgebiete: Männchen nutzen ein Gebiet von etwa 17 Quadratkilometern, Weibchen nur etwa 2 Quadratkilometer. Männchen sind insgesamt aktiver und laufen pro Nacht weitere Strecken.
Verständigung: Meist sind Fleckenmusangs still. Manchmal geben sie miauende Laute von sich, bei Gefahr fauchen, knurren und spucken sie. Viel wichtiger sind Duftmarken: Mit ihrer Duftdrüse unter dem Schwanz reiben sie über Äste und den Boden. Der Geruch verrät anderen Tieren Alter, Geschlecht und Paarungsbereitschaft. Männchen markieren deutlich häufiger als Weibchen.
Feinde: Zu den Feinden gehören Tiger und Leoparden, große Schlangen und Krokodile. Vermutlich ist der Fleckenmusang auch deshalb nachts aktiv, weil er so tagaktiven Räubern ausweicht.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Fleckenmusangs können sich das ganze Jahr über paaren. Zur Paarung treffen sich die sonst einzeln lebenden Tiere für 1 bis 15 Tage im selben Baum. Ein Weibchen kann bis zu zwei Würfe im Jahr bekommen.
- Tragzeit: etwa 60 Tage.
- Wurf: 2 bis 5 Junge, im Durchschnitt 3,4. Sie kommen gut versteckt in einer Baumhöhle oder Felsspalte zur Welt.
- Neugeborene: Sie wiegen nur etwa 80 Gramm, haben schon Fell und noch geschlossene Augen. Mit 11 Tagen öffnen sie die Augen.
- Entwicklung: Mit 2 Monaten werden sie entwöhnt, mit etwa 3 Monaten sind sie ausgewachsen. Um die Jungen kümmert sich vermutlich allein die Mutter.
- Geschlechtsreife: Männchen mit 9 bis 11 Monaten, Weibchen mit 11 bis 12 Monaten.
In freier Natur werden Fleckenmusangs meist 15 bis 20 Jahre alt. In Menschenobhut wurde ein Tier 24 Jahre und 5 Monate alt.
Kopi Luwak: Kaffee aus dem Kot
Kopi Luwak heißt auf Indonesisch „Zibetkatzen-Kaffee“. Er gehört zu den teuersten Kaffeesorten der Welt. So entsteht er:
- Fleckenmusangs fressen reife Kaffeekirschen, also die Früchte des Kaffeestrauchs.
- Das Fruchtfleisch wird verdaut, die harten Kaffeebohnen kommen mit dem Kot wieder heraus.
- Die Bohnen werden aus dem Kot gesammelt und zu Kaffee verarbeitet.
Die Verdauungssäfte sollen die Bohnen leicht fermentieren und ihnen einen nussigen Geschmack geben. Das wird zumindest behauptet. Der Fleckenmusang ist eine der wichtigsten Arten für diesen Kaffee. Hauptproduzent ist Indonesien, Kopi Luwak wird aber zum Beispiel auch in Osttimor, auf den Philippinen, in Thailand, Vietnam und Äthiopien hergestellt.
Das Tierschutzproblem
Traditionell wird Kopi Luwak aus dem Kot wilder Tiere gewonnen, den Arbeiter in den Plantagen einsammeln. Das schadet den Fleckenmusangs nicht, denn sie leben dabei frei.
Weil die Nachfrage gestiegen ist, werden heute immer mehr wilde Fleckenmusangs gefangen und in Käfigen gehalten. Für den Kaffee wird dann ihr Kot verwendet. Auf der Insel Bali sind solche Kaffeeplantagen zu Ausflugszielen für Touristen geworden.
Fachleute der Tierschutzorganisation World Animal Protection und der Universität Oxford veröffentlichten 2016 eine Untersuchung von sechzehn solcher Plantagen auf Bali mit 48 Fleckenmusangs. Das Ergebnis:
- Viele Tiere lebten in kleinen Transportkäfigen mit Drahtboden, die größten etwa 50 × 50 × 50 Zentimeter groß. Andere saßen in Holzverschlägen mit Lattenboden. Solche Böden können die Pfoten schmerzhaft verletzen.
- Die Käfige waren meist leer: kein natürlicher Boden, keine Äste, keine Beschäftigung, obwohl Fleckenmusangs klettern und am Boden nach Futter suchen.
- In allen Plantagen hatten die Tiere kein oder nur wenig sauberes Wasser. Das Futter war meist einseitig und zu knapp.
- Die nachtaktiven Tiere waren dem Lärm der Besucher ausgesetzt.
- Alle Tiere waren Wildfänge, Nachwuchs gab es nirgends.
Eine größere Studie von 2023 untersuchte 29 Plantagen auf Bali mit 99 Schleichkatzen sowie acht Wildtiermärkte, auf denen die Tiere gekauft werden. Kein einziges Tier lebte unter Bedingungen, die alle Grundbedürfnisse erfüllten. Die Haltung verstößt gegen indonesische Gesetze. Auf diesen Märkten werden pro Jahr schätzungsweise 400 bis 800 Schleichkatzen verkauft.
Die Fachleute der Studie von 2016 halten es nicht für ausreichend, die Käfige zu verbessern. Wildtiere wie der Fleckenmusang leiden in Gefangenschaft auch unter besseren Bedingungen. Sie fordern, die Käfighaltung für Kaffee zu verbieten und bestehende Gesetze durchzusetzen. Touristen sollen erfahren, unter welchen Bedingungen die Tiere leben, damit sie entscheiden können, ob sie solche Plantagen besuchen. Einige Siegel für nachhaltigen Kaffee schließen Kaffee aus Käfighaltung bereits aus.
Gefährdung und Schutz
Die Rote Liste der IUCN stuft den Fleckenmusang seit 2024 als nicht gefährdet (LC) ein. Er ist weit verbreitet, häufig und kommt gut mit Veränderungen zurecht.
Probleme gibt es trotzdem. Wälder werden abgeholzt oder in Ölpalmplantagen umgewandelt. Obstbauern töten Fleckenmusangs, weil sie Früchte aus ihren Plantagen fressen. Außerdem werden die Tiere für den Kaffee und als Heimtiere gefangen. Auch ihr Duftstoff wird für Parfüm genutzt, dafür fangen Fallensteller wilde Tiere. Den Duftstoff aus der Drüse zu kratzen, ist für das Tier schmerzhaft, wenn es nicht richtig gemacht wird.
In mehreren Ländern ist der Fleckenmusang gesetzlich geschützt, etwa in Malaysia, in Indien und in der chinesischen Provinz Sichuan. In China steht er wegen starker Bejagung als gefährdet auf der nationalen Roten Liste.
Für Menschen ist der Fleckenmusang auch nützlich: Er frisst Ratten und Mäuse.
Häufige Fragen zum Fleckenmusang
Was ist Kopi Luwak?
Kopi Luwak ist ein sehr teurer Kaffee aus Indonesien. Fleckenmusangs fressen Kaffeekirschen, die Bohnen werden aus ihrem Kot gesammelt und geröstet. Die Verdauung soll dem Kaffee einen besonderen Geschmack geben.
Ist Kopi Luwak Tierquälerei?
Kaffee aus dem Kot wilder, frei lebender Tiere schadet den Fleckenmusangs nicht. Heute stammt aber viel Kopi Luwak von gefangenen Tieren in engen, kahlen Käfigen. Studien auf Bali zeigen, dass diese Tiere stark leiden.
Ist der Fleckenmusang eine Katze?
Nein. Er gehört zu den Schleichkatzen, einer eigenen Familie der Raubtiere. Mit Hauskatzen ist er nur entfernt verwandt, auch wenn sein Gesicht katzenähnlich aussieht.
Was frisst ein Fleckenmusang?
Vor allem reife Früchte wie Feigen, Mangos und Bananen, dazu Palmsaft und Nektar. Er frisst aber auch Insekten, Würmer, Schnecken, Eier, Vögel und kleine Säugetiere wie Ratten.
Wie groß wird ein Fleckenmusang?
Sein Körper ist 43 bis 71 Zentimeter lang, dazu kommt ein fast ebenso langer Schwanz von rund 48 Zentimetern. Er wiegt meist um die 3 Kilogramm.
Ist der Fleckenmusang gefährdet?
Nein. Die IUCN stuft ihn seit 2024 als nicht gefährdet ein. Er verliert aber Lebensraum und wird für den Kaffeehandel gefangen.
Ähnliche Tiere
- Malaiische Zibetkatze - eine weitere Schleichkatze aus Südostasien
- Larvenroller - ein naher Verwandter, ebenfalls ein Palmenroller
- Binturong - ein Palmenroller mit Greifschwanz
- Afrikanische Zibetkatze - wird in Afrika wegen ihres Duftstoffs gehalten
- Waschbär - trägt eine ähnliche Gesichtsmaske und lebt ebenso anpassungsfähig
Quellen
- Duckworth, J. W. et al. (2024): Paradoxurus hermaphroditus. The IUCN Red List of Threatened Species 2024
- Paradoxurus hermaphroditus (Asian palm civet) - Animal Diversity Web, University of Michigan
- Carder, G. et al. (2016): The animal welfare implications of civet coffee tourism in Bali. Animal Welfare 25, 199-205
- Lewis-Whelan, R. et al. (2023): Welfare and Management of Civets in Civet Coffee Tourism Plantations. Journal of Applied Animal Welfare Science 27, 561-574
Größenvergleich
Der Fleckenmusang wird 43 bis 71 cm groß - eher kompakt. Auf unserer Größenskala liegt er zwischen einem Fußball (22 cm) und einem Kind (1,2 m). Im direkten Vergleich ist der Fleckenmusang rund 3-mal so groß wie ein Fußball.
Gewichtsvergleich
Ein Fleckenmusang bringt 1,3 bis 5 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Der Fleckenmusang wiegt so viel wie etwa 7 Fußbälle.