Flunder
Zuletzt aktualisiert:

Kurz erklärt
Die Flunder ist ein Plattfisch aus der Nordsee, der Ostsee und von den Küsten Europas. Sie liegt flach auf dem Meeresgrund, beide Augen sitzen auf einer Körperseite. Als Larve schwimmt sie noch aufrecht wie ein gewöhnlicher Fisch, dann wandert ein Auge auf die andere Seite. Anders als die Scholle schwimmt die Flunder oft weit die Flüsse hinauf.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Platichthys flesus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Bis etwa 50 cm, höchstens 60 cm; geschlechtsreif mit 14 bis 30 cm |
| Körpergewicht | Höchstes gemeldetes Gewicht 2,9 kg |
| Ernährung | Bodentiere: dünnschalige Muscheln, Borstenwürmer, Krebstiere und kleine Fische; junge Flundern im ersten Jahr Plankton und Insektenlarven |
| Lebenserwartung | Bis 15 Jahre |
| Sozialverhalten | Lebt am Grund und ist nachts aktiv; tagsüber graben sich vor allem große Tiere im Sand ein |
| Herkunft | Nordostatlantik, Ostsee, Mittelmeer und Schwarzes Meer |
| Verbreitung | Küstennahe Gewässer des Nordostatlantiks vom Weißen Meer bis Nordafrika, fast die ganze Ostsee, Mittelmeer und Schwarzes Meer; dringt oft weit in Flüsse vor; mit Ballastwasser von Schiffen nach Nordamerika verschleppt AfrikaAsienEuropa |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2024) |
| Sonstiges | Rote Liste Deutschland (Meeresfische, 2025): ungefährdet. In der Ostsee lebt zusätzlich die 2018 beschriebene Ostsee-Flunder (Platichthys solemdali), die sich äußerlich kaum von der Flunder unterscheiden lässt. |
Was ist eine Flunder?
Die Flunder (Platichthys flesus) ist ein Plattfisch aus der Familie der Schollen. Sie lebt am Grund küstennaher Meere, zum Beispiel in der Nordsee und der Ostsee. Ihr Körper ist platt und oval, sie liegt auf einer Seite auf dem Boden. Beide Augen sitzen auf der oberen Körperseite.
Das Besondere an der Flunder: Sie hält es auch in Flussmündungen und Flüssen aus, wo das Wasser kaum oder gar nicht salzig ist. Im Sommer schwimmt sie oft weit flussaufwärts. Damit unterscheidet sie sich von ihrer nahen Verwandten, der Scholle, die nur im Meer und im Brackwasser lebt.
Aussehen und Körperbau
Form: Der Körper ist flach und oval. Das Maul ist klein, die Schnauze spitz.
Färbung: Die obere Seite, die Augenseite, ist bräunlich bis olivgrün und trägt oft unregelmäßige rote oder orangefarbene Flecken. Die untere Seite, die Blindseite, ist weiß.
Augen: Etwa 70 Prozent der Flundern sind rechtsäugig, ihre Augen liegen also auf der rechten Körperseite. Es gibt aber auch sogenannte „Linksflundern“, bei denen beide Augen links sitzen. Das macht die Bestimmung manchmal schwierig.
Haut: Die Haut fühlt sich rau an. Entlang der Seitenlinie und am Ansatz von Rücken- und Afterflosse sitzen dornige Hautwarzen. Die Seitenlinie macht über der Brustflosse einen leichten Bogen.
Größe und Gewicht: Flundern werden bis etwa 50 Zentimeter lang. Die größte gemeldete Länge beträgt 60 Zentimeter, das höchste Gewicht 2,9 Kilogramm. Geschlechtsreif werden sie bei einer Länge von 14 bis 30 Zentimetern. Flundern können bis zu 15 Jahre alt werden.
Wie unterscheidet man Flunder und Scholle?
Form und Färbung von Flunder und Scholle sind sich sehr ähnlich. Diese Merkmale helfen bei der Unterscheidung:
- Fühltest: Die Flunder fühlt sich rau an, vor allem an der Seitenlinie und am Flossenansatz. Die Scholle ist dagegen völlig glatt, weil ihre Schuppen auffallend klein sind.
- Kopf: Die Scholle hat zwischen den Augen eine Leiste aus knöchernen Höckern.
- Flecken: Die Scholle trägt hell- bis dunkelrote Flecken, die bei laichreifen Tieren zusätzlich hell gesäumt sind. Die Flecken der Flunder sind unregelmäßig und nicht immer vorhanden.
- Größe und Alter: Die Scholle wird größer und älter, bis 100 Zentimeter, 7 Kilogramm und 50 Jahre.
- Salzgehalt: Die Scholle lebt nur im Meer und im Brackwasser. Die Flunder schwimmt weit in die Flüsse hinein.
Wo Flundern und Schollen gemeinsam laichen, etwa in der südlichen Beltsee in der Ostsee, entstehen auch Mischlinge. Sie haben eine etwas glattere Haut und nur undeutliche rote Flecken.
Die Ostsee-Flunder
Im Jahr 2018 beschrieben Forschende eine zweite Flunderart aus der Ostsee, die Ostsee-Flunder (Platichthys solemdali). Äußerlich lässt sie sich kaum von der Flunder unterscheiden, nur Fachleute können die beiden in Fängen auseinanderhalten. Die Ostsee-Flunder bleibt mit höchstens 26,7 Zentimetern kleiner. Je weiter man nach Osten kommt, desto größer scheint ihr Anteil zu werden. Der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) trennt die beiden Arten in seinen Bestandsberechnungen bisher nicht.
Verbreitung und Lebensraum
Die Flunder lebt in küstennahen Gewässern des Nordostatlantiks, vom Weißen Meer im Norden bis nach Nordafrika. Sie kommt fast in der ganzen Ostsee vor, nur nicht im nördlichen Bottnischen Meerbusen und im östlichen Finnischen Meerbusen. Außerdem lebt sie im Mittelmeer und im Schwarzen Meer. An den Küsten Großbritanniens und Irlands ist sie überall häufig. Mit dem Ballastwasser von Schiffen gelangte sie versehentlich bis nach Nordamerika.
Lebensraum im Jahreslauf:
- Sommer: Erwachsene Flundern halten sich in Flussmündungen, Lagunen und Fjorden auf. Oft dringen sie dabei weit in die Flüsse vor und gehen auch ins Süßwasser.
- Winter: Die erwachsenen Tiere ziehen in tieferes, wärmeres und salzigeres Wasser.
- Jungtiere leben in flachen Gewässern nahe der Küste und in Flussmündungen.
Flundern leben auf Schlamm- und Sandböden. Meist bleiben sie in flachem Wasser, man findet sie aber bis in etwa 100 Meter Tiefe. Sie kommen mit Wassertemperaturen zwischen etwa 5 und 25 °C zurecht. FishBase bezeichnet die Flunder als katadrom: Sie wächst in Flussmündungen und Flüssen heran und zieht zum Laichen ins Meer.
Ernährung
Flundern fressen Tiere, die am oder im Boden leben:
- dünnschalige Muscheln
- Borstenwürmer
- Krebstiere
- kleine Fische
Junge Flundern unter einem Jahr fressen vor allem Plankton und Insektenlarven. Erst ältere Tiere stellen sich auf Bodentiere um.
Verhalten und Lebensweise
Flundern sind vor allem nachts aktiv. Besonders große Flundern liegen tagsüber im Sand vergraben. Nachts schwimmen sie in flacheres Wasser, um dort zu fressen.
Fortpflanzung und Augenwanderung
Laichen: Im Winter ziehen die erwachsenen Flundern in tieferes und wärmeres Wasser. Dort laichen sie im Frühjahr. In der Nordsee liegen die Laichplätze in etwa 20 bis 40 Metern Tiefe. Die Flunder gibt ihre Eier ins freie Wasser ab. In der Ostsee laicht sie weit vor der Küste, die Ostsee-Flunder dagegen eher küstennah am Boden.
Eier: Ein Weibchen produziert 400.000 bis 2 Millionen Eier.
Larven: Beim Schlupf sind die Larven nur etwa 3 Millimeter lang. Sie sehen aus wie gewöhnliche kleine Fische und schwimmen aufrecht.
Die Augenwanderung: Ab einer Länge von etwa 10 Millimetern beginnt die Umwandlung zum Plattfisch. Am auffälligsten ist, dass ein Auge über den Kopf auf die andere Seite wandert. Diese Seite wird später zur Oberseite, meist ist es die rechte. Aus dem aufrecht schwimmenden Fischchen wird so ein Plattfisch.
Wanderung in die Flüsse: Die heranwachsenden Larven treiben zur Küste. Larven und junge Flundern lassen sich von der Flut flussaufwärts tragen und wandern so in die Flüsse ein. Dabei reagieren sie auf Salzgehalt, Nahrungsangebot und Wassertemperatur. Flache Küstengewässer und Flussmündungen dienen den Jungtieren als Kinderstube und den Erwachsenen im Sommer als Fressgebiet.
Gefährdung und Fischerei
Die Rote Liste der IUCN stuft die Flunder seit 2024 als nicht gefährdet (LC) ein. Auch die Ostsee-Flunder gilt als nicht gefährdet. Im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) ist keine der beiden Arten aufgeführt.
In der Roten Liste der Meeresfische Deutschlands von 2025 gilt die Flunder ebenfalls als ungefährdet. Sie ist dort häufig, ihr Bestand ist lang- und kurzfristig stabil. Wie schnell sich ein Bestand erholen kann, schätzen die Quellen unterschiedlich ein: Das Thünen-Institut nennt eine Verdopplungszeit von mindestens 1,4 bis 4,4 Jahren, FishBase inzwischen 4,5 bis 14 Jahre.
Als Speisefisch: Flundern bringen den Fischern deutlich weniger Geld ein als Schollen, obwohl Fleischqualität und Geschmack sehr ähnlich sind. Auf dem Markt werden die Filets beider Arten immer wieder vermischt. In der Ostsee, wo die Flunder der häufigste große Plattfisch ist, spielt sie für die Fischerei zeitweise eine große Rolle. In Deutschland wurden 2022 nach vorläufigen Zahlen 722 Tonnen Flunder verzehrt. Sie kommt frisch als ganzer Fisch oder Filet, tiefgefroren oder geräuchert in den Handel. Angler fangen Flundern mit Würmern und Muscheln als Köder.
Häufige Fragen zur Flunder
Warum hat die Flunder beide Augen auf einer Seite?
Flunderlarven schwimmen zunächst aufrecht und haben auf jeder Seite ein Auge. Ab etwa 10 Millimetern Länge wandert ein Auge auf die andere Kopfseite. So kann die Flunder flach am Boden liegen und trotzdem mit beiden Augen nach oben schauen.
Wie unterscheidet man Flunder und Scholle?
Am einfachsten mit dem Fühltest: Die Flunder ist rau, die Scholle glatt. Die Scholle hat außerdem eine Leiste aus knöchernen Höckern zwischen den Augen und hell- bis dunkelrote Flecken.
Kann die Flunder im Süßwasser leben?
Ja. Flundern schwimmen im Sommer oft weit in die Flüsse hinein und vertragen dort auch Süßwasser. Zum Laichen ziehen sie aber zurück ins Meer.
Wie groß wird eine Flunder?
Bis etwa 50 Zentimeter, höchstens 60 Zentimeter. Das größte gemeldete Gewicht liegt bei 2,9 Kilogramm. Die nah verwandte Ostsee-Flunder bleibt mit höchstens 26,7 Zentimetern deutlich kleiner.
Was frisst eine Flunder?
Muscheln, Borstenwürmer, Krebstiere und kleine Fische. Sie jagt vor allem nachts, junge Flundern fressen Plankton und Insektenlarven.
Sind alle Flundern rechtsäugig?
Nein, aber die meisten. Bei etwa 70 Prozent liegen die Augen rechts. Die übrigen Tiere sind „Linksflundern“ mit den Augen auf der linken Seite.
Ähnliche Tiere
- Scholle - die nächste Verwandte, sieht sehr ähnlich aus, ist aber glatt
- Steinbutt - ein weiterer Plattfisch aus Nordsee und Ostsee
- Rochen - ebenfalls flach gebaut, gehört aber zu den Knorpelfischen
- Dorsch - ein bekannter Speisefisch der Ostsee
Quellen
- Flunder - Fischbestände Online, Thünen-Institut für Ostseefischerei
- Scholle - Fischbestände Online, Thünen-Institut für Ostseefischerei
- Platichthys flesus, European flounder - FishBase
- Flounder (Platichthys flesus) - MarLIN, The Marine Life Information Network, Marine Biological Association
- Platichthys flesus - Artensteckbrief, Rote Liste der Meeresfische Deutschlands (Thiel et al. 2025), Rote-Liste-Zentrum
- Ford, M. & Munroe, T. A. (2024): Platichthys flesus. The IUCN Red List of Threatened Species 2024
Größenvergleich
Die Flunder wird 14 bis 60 cm groß - eher kompakt. Auf unserer Größenskala liegt sie zwischen einer 1-Euro-Münze (2,3 cm) und einem Kind (1,2 m). Im direkten Vergleich ist die Flunder rund 16-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze, aber ein Kind übertrifft die Flunder noch um das 3-Fache.
Gewichtsvergleich
Eine Flunder bringt 2,9 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als eine Hauskatze (4 kg). Anders ausgedrückt: Die Flunder wiegt so viel wie etwa 7 Fußbälle.