Garnele
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Kurz erklärt
Garnelen sind Krebstiere mit langem, schlankem Körper und langen Fühlern. Es gibt rund 4.000 Arten, sie leben in allen Meeren und viele auch im Süßwasser. Die Nordseekrabbe, die man an der Küste kaufen kann, ist in Wirklichkeit eine Garnele. Die meisten Garnelenweibchen tragen ihre Eier unter dem Bauch mit sich herum.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Caridea und Dendrobranchiata |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Je nach Art sehr verschieden: Nordseegarnele bis etwa 9,5 cm, Pandalus borealis bis 16,5 cm, Penaeus monodon bis 35 cm |
| Körpergewicht | Nordseegarnele im Mittel etwa 1 g, Penaeus monodon bis 250 g |
| Ernährung | Je nach Art verschieden; die Nordseegarnele frisst kleine Muscheln, Schnecken, Würmer und Krebse sowie Reste toter Pflanzen und Tiere |
| Lebenserwartung | Nordseegarnele meist höchstens 1 Jahr, nur wenige Tiere werden 2 oder vielleicht 3 Jahre alt |
| Verbreitung | In allen Meeren von den Tropen bis zu den Polargebieten, viele Arten auch im Süßwasser Meer |
| Sonstiges | Garnelen bilden keine einheitliche Verwandtschaftsgruppe. Der Name umfasst vor allem zwei Gruppen der Zehnfußkrebse, die Caridea und die Dendrobranchiata. Die Nordseegarnele wird im Handel auch Krabbe oder Granat genannt. |
Was sind Garnelen?
Garnelen sind Krebstiere mit einem langen, schlanken Körper und langen Fühlern. Sie gehören zu den Zehnfußkrebsen (Decapoda), so wie auch Hummer, Langusten und Krabben. Insgesamt sind über 14.000 lebende Arten von Zehnfußkrebsen bekannt.
"Garnele" ist allerdings kein wissenschaftlicher Gruppenname. Fachleute fassen unter diesem Begriff vor allem zwei Gruppen zusammen, die sogar zu verschiedenen Unterordnungen der Zehnfußkrebse gehören:
| Gruppe | Anzahl Arten | Typische Vertreter | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Caridea | etwa 3.300 bis 3.800 | Nordseegarnele, Pandalus borealis, viele Süßwassergarnelen | Weibchen tragen die Eier unter dem Hinterleib |
| Dendrobranchiata | etwa 530 bis 540 | Penaeus monodon und andere große Speisegarnelen aus warmen Meeren | Weibchen geben die Eier frei ins Wasser ab |
Dazu kommt eine kleine dritte Gruppe, die Stenopodidea mit rund 70 bis 100 Arten. Zu ihnen gehören Garnelen, die in tropischen Korallenriffen leben, und Arten, die paarweise in Glasschwämmen der Tiefsee wohnen.
Die Zahlen stammen aus der großen Übersicht über alle Zehnfußkrebse von De Grave und Kollegen (2009) und aus Angaben des Garnelenforschers Raymond Bauer. Zusammengenommen gibt es also rund 4.000 Garnelenarten, je nach Zählung etwa 3.900 bis 4.400. Die Caridea sind biologisch viel vielfältiger, die Dendrobranchiata aber für Fischerei und Garnelenzucht am wichtigsten.
Garnele oder Krabbe?
Wer an der Nordsee "Krabben" kauft, bekommt Garnelen. Die Nordseegarnele (Crangon crangon) wird an der Küste und im Handel auch "Krabbe" oder "Granat" genannt. Daher kommen Namen wie Krabbenbrötchen oder Krabbenkutter. Auf Englisch heißt sie "brown shrimp", auf Französisch "crevette grise", also "graue Garnele".
Echte Krabben sind dagegen eine ganz andere Gruppe der Zehnfußkrebse, die Brachyura, mit rund 6.800 Arten. Sie bilden eine eigene Teilordnung. Mehr dazu steht auf der Seite Krabbe.
Auch die Wörter "Shrimps" und "Prawns" bezeichnen keine eigenen Tiergruppen. Im Englischen werden beide Wörter für Garnelen verwendet. Vorsicht: Auch manche andere Krebse mit langem Hinterleib heißen auf Englisch "shrimp", zum Beispiel die Fangschreckenkrebse ("mantis shrimps"). Sie gehören aber nicht zu den Garnelen.
Aussehen und Körperbau
Garnelen haben einen langgestreckten Körper mit langen Fühlern. Die Nordseegarnele zum Beispiel ist lang und schmal, im Querschnitt fast rund und hat lange Antennen. An den Seiten des Hinterleibs sitzen Seitenplatten, die Pleuren.
Wie man die Gruppen unterscheidet, beschreibt der Garnelenforscher Raymond Bauer so:
- Eier: Trägt eine Garnele Eier unter dem Hinterleib, ist es ein Weibchen der Caridea oder Stenopodidea. Die Dendrobranchiata tragen nie Eier mit sich.
- Scheren: Die Dendrobranchiata haben drei Paar kleine Scheren an den Beinen. Die Caridea haben meist zwei, aber nie drei Paar Scheren. Bei den Stenopodidea ist das dritte Scherenpaar besonders groß.
- Seitenplatten am Hinterleib: Bei den Caridea überdeckt die Seitenplatte des zweiten Hinterleibsrings die Platten davor und dahinter. Bei vielen Caridea ist diese Platte sattelförmig. Bei den Dendrobranchiata überlappen die Platten wie Dachziegel von vorne nach hinten.
- Kiemen: Der Name Dendrobranchiata bedeutet "Baumkiemer", weil ihre Kiemen verzweigt sind. Die Caridea haben blattartige Kiemen.
Größe: Garnelen sind sehr unterschiedlich groß. Die Nordseegarnele wird bis etwa 9,5 Zentimeter lang, nach Messungen des Thünen-Instituts bis 10,5 Zentimeter. Gefangene Tiere wiegen im Schnitt nur etwa ein Gramm. Weibchen von Pandalus borealis werden bis 16,5 Zentimeter lang. Deutlich größer wird Penaeus monodon aus dem Indopazifik, auf Englisch "giant tiger prawn": Weibchen erreichen bis 35 Zentimeter Länge, das höchste gemessene Gewicht liegt bei 250 Gramm.
Farbe: Die Nordseegarnele ist leicht gräulich bis bräunlich und wird erst beim Kochen rötlich-braun. Dabei krümmt sich ihr Körper zur typischen Tropfenform. Pandalus borealis ist lebend tiefrot und wird nach dem Kochen rosa.
Verbreitung und Lebensraum
Garnelen leben in allen Meeren, vom flachen Wattenmeer bis in die Tiefsee. Die Caridea kommen in allen Meereslebensräumen von den Tropen bis zu den Polargebieten vor, und viele Arten leben im Süßwasser. Die Dendrobranchiata leben vor allem in warmen, subtropischen und tropischen Meeren. Die meisten von ihnen leben am Boden auf weichem Grund, einige Arten schwimmen frei im offenen Wasser.
Drei Beispiele zeigen, wie verschieden die Lebensräume sind:
- Die Nordseegarnele lebt an den Küsten des Nordostatlantiks, in Nord- und Ostsee bis zum Rand der Arktis, im Mittelmeer und im Schwarzen Meer. Am häufigsten ist sie in Flussmündungen mit Gezeiten. Sie lebt vor allem über sandigem Grund und wird meist in weniger als 40 Metern Tiefe gefangen, vor allem im Wattenmeer und in der Deutschen Bucht.
- Pandalus borealis, die Art auf dem Foto oben, lebt in kalten Meeren rund um den Nordpol bei Wassertemperaturen von minus 2 bis plus 12 Grad. Man findet sie in 9 bis 1.450 Metern Tiefe, meist zwischen 50 und 500 Metern.
- Penaeus monodon lebt im tropischen Indopazifik von Pakistan bis Japan, im Malaiischen Archipel und in Australien, in Tiefen bis 150 Meter. Die Jungtiere wachsen in Flussmündungen und Mangrovenwäldern auf.
Ernährung
Was Garnelen fressen, hängt von der Art ab. Die Nordseegarnele ist ein Räuber: Sie frisst kleine Muscheln, Schnecken, Würmer und andere Krebse, die sie mit ihren nur 1 bis 2 Millimeter großen Scheren zerpflückt. Außerdem frisst sie Detritus, also Reste abgestorbener Pflanzen und Tiere. Ein Pflanzenfresser ist sie also nicht.
Fortpflanzung und Entwicklung
Bei der Fortpflanzung unterscheiden sich die beiden großen Gruppen deutlich:
- Dendrobranchiata: Die Weibchen geben die befruchteten Eier direkt ins Wasser ab. Daraus schlüpft eine sehr einfache, winzige Larve, der Nauplius. Sie treibt im Plankton und wächst dort heran.
- Caridea: Die Weibchen heften die befruchteten Eier unter ihrem Hinterleib an. Dort tragen sie die Eier mit sich herum, halten sie sauber und versorgen sie mit frischem, sauerstoffreichem Wasser. Erst wenn die Larven weiter entwickelt sind, schlüpfen sie als sogenannte Zoëa-Larven.
Beispiel Nordseegarnele: Ein Weibchen legt etwa dreimal im Jahr Eier, insgesamt etwa 8.000 bis 26.000 Stück, je nach Alter, Größe und Ernährungszustand. Die meisten Eier werden im Winter gelegt und vom Weibchen bis zum zeitigen Frühjahr getragen. Nach dem Schlüpfen durchlaufen die Larven mehrere Stadien im freien Wasser. Im späten Frühjahr lassen sich die jungen Garnelen an der Küste nieder, vor allem im Wattenmeer, und leben ab dann am Boden. Im warmen Sommerwasser wachsen sie mehr als einen halben Millimeter am Tag.
Garnelen leben meist nicht lange. Die meisten Nordseegarnelen sind höchstens ein Jahr alt, wenn sie gefangen werden. Nur wenige werden zwei oder vielleicht drei Jahre alt. Ihr Alter kann man nicht wie bei Fischen an Wachstumsringen ablesen.
Garnelen als Lebensmittel
Garnelen gehören zu den beliebtesten Meeresfrüchten. Nach Angaben des Thünen-Instituts wurden 2022 in Deutschland knapp 100.000 Tonnen Garnelen aller Arten verbraucht. Das waren 8,7 Prozent aller verzehrten Fische, Krebse und Weichtiere.
Der größte Teil der weltweit gefangenen und gezüchteten Garnelen gehört zu den Dendrobranchiata. Für die deutsche Küstenfischerei ist dagegen die Nordseegarnele besonders wichtig. In vielen Jahren ist sie nach dem Wert der Anlandungen sogar ihre wertvollste Art. Die Fischer kochen die Garnelen meist schon an Bord. Danach werden sie zum Schälen, dem sogenannten "Puhlen", oft weit transportiert und kommen als Krabbenfleisch in den Handel. Zu kleine Garnelen werden zu Fischfutter verarbeitet.
Gefährdung
Eine Einstufung für alle Garnelen gibt es nicht, weil es sich um Tausende Arten handelt. Die Nordseegarnele wurde von der Roten Liste der IUCN nicht bewertet. Ihr Bestand in der Nordsee wird von der Fischereiforschung regelmäßig beobachtet.
Häufige Fragen zur Garnele
Ist eine Krabbe eine Garnele?
Im Alltag ja, biologisch nein. Die "Krabben" aus der Nordsee sind Nordseegarnelen. Echte Krabben (Brachyura) sind eine eigene Gruppe der Zehnfußkrebse mit rund 6.800 Arten.
Wie viele Garnelenarten gibt es?
Rund 4.000, je nach Zählung etwa 3.900 bis 4.400. Die größte Gruppe sind die Caridea mit etwa 3.300 bis 3.800 Arten, dazu kommen rund 540 Arten der Dendrobranchiata und etwa 70 bis 100 Arten der Stenopodidea.
Was fressen Garnelen?
Viele Garnelen fressen kleine Tiere wie Würmer, Schnecken, Muscheln und Krebse sowie Reste abgestorbener Pflanzen und Tiere. Die Nordseegarnele zerpflückt ihre Beute mit winzigen Scheren.
Wie groß werden Garnelen?
Die Nordseegarnele wird nur bis etwa 10 Zentimeter lang. Große Arten wie Penaeus monodon erreichen bis 35 Zentimeter und wiegen bis 250 Gramm.
Ändern Garnelen beim Kochen die Farbe?
Ja. Die lebend graubraune Nordseegarnele wird beim Kochen rötlich-braun und krümmt sich zur typischen Tropfenform. Pandalus borealis ist lebend tiefrot und wird gekocht rosa.
Ähnliche Tiere
- Krabbe - echte Krabben, die man nicht mit "Nordseekrabben" verwechseln sollte
- Hummer - ein großer Zehnfußkrebs mit kräftigen Scheren
- Einsiedlerkrebs - ein Zehnfußkrebs, der in Schneckenhäusern lebt
- Königskrabbe - ein Riese unter den Zehnfußkrebsen
- Rankenfußkrebs - ebenfalls ein Krebstier, das aber festgewachsen lebt
- Pfeilschwanzkrebse - heißen Krebse, sind aber gar keine
Quellen
- De Grave, S. et al. (2009): A classification of living and fossil genera of decapod crustaceans. Raffles Bulletin of Zoology, Supplement 21: 1-109
- Bauer, R. T.: General Biology of Decapod Shrimps - University of Louisiana at Lafayette
- Nordseegarnele (Krabbe, Granat) - Crangon crangon. Fischbestände online, Thünen-Institut
- Penaeus monodon, Giant tiger prawn - SeaLifeBase
- Pandalus borealis, Northern shrimp - SeaLifeBase