Goldhamster
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Kurz erklärt
Der Goldhamster ist ein kleiner Nager aus Syrien und eines der bekanntesten Haustiere. Er lebt als Einzelgänger, gräbt tiefe Baue und trägt Futter in seinen Backentaschen. Alle Goldhamster in Zoohandlungen und Laboren stammen von wenigen Tieren ab, die 1930 bei Aleppo gefangen wurden. Der langhaarige Teddyhamster ist eine Zuchtform des Goldhamsters.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Mesocricetus auratus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 12 bis 17 cm |
| Körpergewicht | 80 bis 150 g |
| Ernährung | Allesfresser: Samen, Getreide, Kräuter, Früchte und Insekten |
| Lebenserwartung | 2 bis 3 Jahre |
| Sozialverhalten | Einzelgänger |
| Herkunft | Nordsyrien und Südtürkei |
| Verbreitung | Wild nur in einem kleinen Gebiet in Nordsyrien und der Südtürkei; als Haustier weltweit Asien |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1839 durch George Robert Waterhouse |
| Gefährdung | EN Stark gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2022) |
| Sonstiges | Die Körpergröße ist die Kopf-Rumpf-Länge, der Schwanz ist nur 1,3 bis 1,5 cm lang. Der Teddyhamster ist eine langhaarige Zuchtform des Goldhamsters. |
Körperliche Merkmale
Der Goldhamster erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 12 bis 16,5 Zentimetern. Der Schwanz ist mit 1,3 bis 1,5 Zentimetern winzig. Erwachsene Tiere wiegen 80 bis 150 Gramm.
Die Wildform hat ein dichtes, weiches Fell, das auf dem Rücken leuchtend rotbraun ist. Unterhalb der Ohren verläuft ein schwarzer Streifen, die Brust ist dunkelbraun mit einem schmalen weißen Band in der Mitte, der Bauch cremeweiß. Durch die Zucht gibt es heute viele weitere Farben und Fellformen. Typisch sind die großen, runden Ohren, die dunklen Knopfaugen und die dehnbaren Backentaschen, in denen der Hamster Futter transportiert.
Verbreitung und Lebensraum
Wilde Goldhamster leben nur in einem sehr kleinen Gebiet im Grenzgebiet von Syrien und der Türkei, vor allem auf der Hochebene von Aleppo. Ursprünglich bewohnten sie Steppen, heute leben sie vor allem auf Äckern, auf denen Weizen und Gerste angebaut werden.
Jeder Goldhamster gräbt sich einen eigenen Bau mit Gängen und mehreren Kammern. Die Baue reichen bis etwa einen Meter tief. Darin schläft der Hamster, zieht seine Jungen auf und legt Vorräte an. Bei Kälte zieht er sich in den Bau zurück, lebt von seinen Vorräten und hält zeitweise Winterschlaf.
Tagaktiv oder nachtaktiv?
In Gefangenschaft sind Goldhamster vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv. Tagsüber schlafen sie und sollten nicht gestört werden. Eine Freilandstudie im natürlichen Verbreitungsgebiet zeigte aber, dass wilde Goldhamster-Weibchen fast nur am Tag unterwegs waren, vor allem früh am Morgen und am späten Nachmittag. Warum sich Hamster in der Natur anders verhalten als im Käfig, ist noch nicht geklärt.
Ernährung
Goldhamster sind Allesfresser. In der Natur fressen sie Samen, Getreidekörner, Kräuter, Früchte und Insekten. Einen Teil des Futters tragen sie in den Backentaschen in ihren Bau und legen dort Vorräte an. Daher kommt auch das Wort "hamstern".
Als Haustier bekommt ein Goldhamster eine Körnermischung aus dem Fachhandel, etwa zwei Teelöffel am Tag. Dazu kommen Gemüse wie Karotten, Gurken oder Zucchini, Wildkräuter und immer etwas Heu. Drei- bis viermal pro Woche braucht er ein wenig tierisches Eiweiß, zum Beispiel Insekten oder etwas Quark. Obst gibt man nur selten. Ungeeignet sind zuckerhaltige Knabberstangen, Steinobst, exotische Früchte und Zwiebelgewächse. Zum Nagen eignen sich Zweige von ungiftigen Bäumen wie Hasel, Weide oder Buche. Hartes Brot ist dafür nicht geeignet.
Fortpflanzung und Lebenserwartung
Goldhamster vermehren sich sehr schnell. Weibchen können schon mit etwa vier Wochen geschlechtsreif sein, Männchen etwa zwei Wochen später. Die Weibchen sind etwa alle vier Tage paarungsbereit. Männchen und Weibchen treffen sich nur kurz zur Paarung.
Mit etwa 16 Tagen haben Goldhamster eine der kürzesten Tragzeiten aller Säugetiere. Ein Wurf besteht aus 3 bis 14 Jungen, die nackt und blind zur Welt kommen. Das Weibchen zieht sie allein auf. Kurz nach der Geburt kann es schon wieder trächtig werden. Weil es schwer ist, für so viele Jungtiere ein gutes Zuhause zu finden, raten Tierschutzorganisationen von der Hobbyzucht ab.
Goldhamster werden nur 2 bis 3 Jahre alt.
Vom Wildtier zum Haustier
Beschrieben wurde der Goldhamster schon 1839 von dem britischen Zoologen George Robert Waterhouse. Danach galt er lange als verschollen. 1930 grub der Zoologe Israel Aharoni bei Aleppo ein Weibchen mit elf Jungen aus. Nur vier der Tiere überlebten die ersten Wochen, doch sie vermehrten sich in Jerusalem rasch. Von diesen wenigen Tieren stammen fast alle Goldhamster ab, die heute in Laboren und als Haustiere auf der ganzen Welt leben.
Teddyhamster: die langhaarige Zuchtform
Der Teddyhamster ist keine eigene Hamsterart, sondern ein Goldhamster mit langem Fell. Der Name stammt aus dem Zoohandel. Man nennt ihn auch Langhaar-Goldhamster. In freier Natur gibt es keine Teddyhamster, sie leben nur in Menschenobhut.
Das lange Fell entsteht durch eine Veränderung im Erbgut. Sie wird rezessiv vererbt: Ein Hamster wird nur langhaarig, wenn er die Anlage von beiden Eltern bekommen hat. Forscher haben die Ursache in einem Gen namens Fgf5 gefunden, das das Haarwachstum bremst.
Bei den Männchen ist das Fell viel länger als bei den Weibchen. Männliche Teddyhamster tragen oft einen langen "Rock" aus Haaren, besonders am Hinterteil. Weibchen haben nur etwas längeres Fell und einzelne lange Büschel, zum Beispiel am Po. Grund dafür sind die männlichen Geschlechtshormone. Teddyhamster gibt es in fast allen Farben, die auch bei kurzhaarigen Goldhamstern vorkommen. In Größe, Gewicht, Verhalten und Ernährung unterscheiden sie sich nicht vom Goldhamster.
Das lange Fell hat Nachteile. Es verfilzt leicht, Einstreu und Futterreste bleiben darin hängen, und sehr lange Haare können den Hamster beim Laufen und Graben behindern. Der Schweizer Tierschutz STS zählt langhaarige Goldhamster deshalb zu den Extremzuchten und rät davon ab, sie zu züchten oder zu kaufen. Wer einen Teddyhamster hält, sollte das Fell regelmäßig auf Knoten und Verschmutzungen kontrollieren und ein Sandbad anbieten, in dem der Hamster sein Fell pflegen kann.
Haltung
Goldhamster sind Einzelgänger und verteidigen ihr Revier gegen Artgenossen. Erwachsene Tiere müssen deshalb immer einzeln gehalten werden, sonst kommt es zu schweren Kämpfen.
Goldhamster bewegen sich viel und graben gern. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) empfiehlt ein Gehege von mindestens 100 × 50 × 50 Zentimetern. Der Schweizer Tierschutz empfiehlt sogar eine Grundfläche von einem Quadratmeter und eine Einstreu von mindestens 40, besser 80 Zentimetern Höhe. In einer Studie der Universität Bern nagten Hamster bei so tiefer Einstreu viel seltener oder gar nicht mehr an den Gitterstäben. Dazu gehören Nestmaterial wie Heu, mehrere Unterschlüpfe und ein Sandbad. Ein Laufrad muss mindestens 30 Zentimeter Durchmesser und eine geschlossene Lauffläche haben. Ungeeignet sind Hamsterbälle und synthetische Watte, in der sich die Tiere die Beine abschnüren können.
Für kleine Kinder ist der Goldhamster meist kein passendes Haustier. Er schläft tagsüber, lässt sich nicht gern anfassen und kann sich beim Herunterfallen leicht verletzen.
Gefährdung
Obwohl Goldhamster als Haustiere weltweit verbreitet sind, ist die Wildform stark bedroht. Die IUCN stuft den Goldhamster als stark gefährdet ein (2022: EN). Sein Verbreitungsgebiet ist sehr klein, viele Bauern bekämpfen ihn als Schädling auf den Feldern, und die intensive Landwirtschaft zerstört seinen Lebensraum.
Häufige Fragen zum Goldhamster
Ist ein Teddyhamster ein Goldhamster?
Ja. Der Teddyhamster ist eine langhaarige Zuchtform des Goldhamsters und gehört zur selben Art. Er wird genauso groß, frisst dasselbe und ist ebenfalls ein Einzelgänger.
Können Goldhamster zu zweit gehalten werden?
Nein. Goldhamster sind Einzelgänger und verteidigen ihr Revier. Zwei erwachsene Tiere in einem Gehege kämpfen miteinander und können sich schwer verletzen.
Wie alt wird ein Goldhamster?
Goldhamster werden meist 2 bis 3 Jahre alt. Teddyhamster haben dieselbe Lebenserwartung.
Woher kommt der Goldhamster?
Der Goldhamster stammt aus Nordsyrien und der angrenzenden Südtürkei. Dort lebt er vor allem auf Feldern rund um die Stadt Aleppo.
Ist der Goldhamster nachtaktiv?
In Gefangenschaft ist er vor allem abends und nachts aktiv. Wilde Goldhamster sind nach einer Studie dagegen überwiegend tagsüber unterwegs.
Ähnliche Tiere
- Hamster - Überblick über die Unterfamilie der Hamster
- Dsungarischer Zwerghamster - kleinerer Hamster, der ebenfalls als Haustier gehalten wird
- Rennmaus - geselliges Nagetier, das in Gruppen gehalten wird
- Meerschweinchen - beliebtes Haustier, braucht aber Artgenossen
Quellen
- STS-Merkblatt Syrischer Goldhamster - Schweizer Tierschutz STS (PDF)
- Gattermann, R. et al. (2008): Golden hamsters are nocturnal in captivity but diurnal in nature. Biology Letters 4, 253-255
- Kennerley, R. & Middleton, K. (2022): Mesocricetus auratus. The IUCN Red List of Threatened Species 2022
- Yoshizawa, Y. et al. (2015): A 1-bp deletion in Fgf5 causes male-dominant long hair in the Syrian hamster. Mammalian Genome 26, 630-637
- The Untold Story of the Hamster, a.k.a. Mr. Saddlebags - Smithsonian Magazine
- Goldhamster - Wikipedia
Größenvergleich
Ein Goldhamster erreicht eine Körpergröße von 12 bis 17 cm. Damit passt er bequem zwischen eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) und einen Fußball (22 cm) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Goldhamster ist etwa 6-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze.
Gewichtsvergleich
Ein Goldhamster bringt 80 bis 150 g auf die Waage. Das ist schwerer als eine 1-Euro-Münze (7,5 g), aber leichter als ein Fußball (430 g). Anders ausgedrückt: Der Goldhamster wiegt so viel wie etwa 15 1-Euro-Münzen.