Großer Fetzenfisch

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Großer Fetzenfisch mit blattförmigen Hautfortsätzen schwebt vor dunklem Wasser
Robb (Katzili at de.wikipedia) / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Der Große Fetzenfisch ist ein naher Verwandter der Seepferdchen und sieht aus wie ein Stück treibender Tang. Blattförmige Hautlappen am ganzen Körper tarnen ihn perfekt zwischen Seegras und Kelp. Er wird bis zu 35 cm lang und lebt nur an der Südküste Australiens. Die befruchteten Eier trägt nicht das Weibchen, sondern das Männchen unter dem Schwanz.

Steckbrief

Wissenschaftl. NamePhycodurus eques
Abstammung
  • Ordnung: Seenadelartige
  • Familie: Seenadeln (Syngnathidae)
  • Gattung: Phycodurus
  • Art: Großer Fetzenfisch
Körpergröße35 cm
KörpergewichtKeine verlässlichen Angaben
ErnährungFleischfresser: Schwebgarnelen und andere Kleinkrebse
LebenserwartungKeine gesicherten Angaben
SozialverhaltenMeist einzeln, im Spätwinter Paarbildung
HerkunftAustralien
Verbreitung Nur Südküste Australiens, von Victor Harbor bis Yanchep Beach AustralienMeer
EntdeckungErstbeschreibung 1865 durch Albert Günther
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2017)
SonstigesMeerestier-Wappen des australischen Bundesstaats South Australia. In ganz Australien gesetzlich geschützt.

Aussehen und Körperbau

Der Große Fetzenfisch heißt auf Englisch „leafy seadragon“, also Blattdrache. Der Name passt: Aus seinem Körper wachsen lange, blattförmige Hautfortsätze, die aussehen wie Tangwedel. Zusammen mit der Färbung ergibt das eine der besten Tarnungen im Meer.

Der Körper ist lang, schlank und mehrfach verdreht. Der Kopf steht fast im rechten Winkel dazu, die Schnauze ist zu einer langen Röhre ausgezogen. Statt Schuppen trägt er einen Panzer aus knöchernen Ringen: 18 am Rumpf und 41 bis 44 am Schwanz. Auf den Ringen sitzen lange Stacheln und die blattartigen Anhänge.

Die Grundfarbe ist grünlich, gelblich oder bräunlich-gelb, dazu kommen viele feine helle Linien mit dunklen Rändern auf den Körperseiten. Damit sieht das Tier aus wie Kelp oder eine andere Großalge.

Ein Großer Fetzenfisch wird bis zu 35 cm lang. Verlässliche Angaben zum Gewicht gibt es nicht. Angetrieben wird er von einer Rückenflosse mit 34 bis 38 Strahlen und zwei kleinen Brustflossen, die direkt hinter dem Kopf sitzen. Beide Flossen sind klein und unauffällig, deshalb sieht es aus, als würde der Fisch antriebslos durchs Wasser treiben. Die blattförmigen Anhänge dienen nicht dem Schwimmen, sondern der Tarnung.

Verbreitung und Lebensraum

Der Große Fetzenfisch lebt ausschließlich in den gemäßigt kühlen Küstengewässern Südaustraliens. Das Vorkommen reicht ungefähr von Victor Harbor in South Australia westwärts bis Yanchep Beach in Western Australia und schließt Kangaroo Island ein. Meldungen aus dem Bundesstaat Victoria sind nicht bestätigt. Weiter nördlich, in den warmen tropischen Korallenriffen Australiens, kommt die Art nicht vor.

Sein Lebensraum sind geschützte Buchten mit Seegraswiesen aus Posidonia und Felsriffe, auf denen Kelp (Ecklonia) und andere Großalgen wachsen. Gefunden wird er meist in Wassertiefen zwischen 3 und 50 Metern. Jungtiere halten sich in flacherem Wasser von 5 bis 7 Metern auf, über Sand, Algen und Geröll, und schwimmen dort manchmal in kleinen Gruppen.

Ernährung

Fetzenfische fressen Schwebgarnelen (Mysida) und andere winzige Krebstiere. Zähne besitzen sie nicht. Stattdessen funktioniert die lange Röhrenschnauze wie eine Pipette: Der Fisch nähert sich langsam an und saugt die Beute blitzschnell ein. Dieselbe Technik nutzen auch Seepferdchen und Seenadeln.

Weil die Beutetiere sehr klein sind, muss ein Fetzenfisch fast ununterbrochen fressen. Seine Tarnung hilft ihm dabei doppelt: Sie schützt ihn vor Fressfeinden und sorgt dafür, dass die Garnelen ihn zu spät bemerken.

Verhalten und Lebensweise

Der Große Fetzenfisch ist ein extrem langsames Tier. Vor West Island in South Australia haben Forschende neun erwachsene Fische mit Ultraschallsendern markiert und zwei bis zehn Tage lang verfolgt. Das Ergebnis:

  • Acht der neun Tiere blieben in einem festen Wohngebiet von höchstens 5 Hektar. Das entspricht ungefähr sieben Fußballfeldern.
  • Sie bewegten sich in kurzen Schüben mit durchschnittlich 2 bis 17 Metern pro Stunde.
  • Dazwischen lagen lange Ruhephasen. Eine dieser Pausen dauerte 68 Stunden, also fast drei Tage, ohne Ortswechsel.
  • Ein einziger Fisch verließ sein Gebiet und schwamm fast geradeaus davon, mit bis zu 146 Metern pro Stunde.
  • Einen festen Tagesrhythmus gab es nicht: Manche Tiere bewegten sich nachts mehr, andere tagsüber.

Am längsten hielten sich die Fische über Posidonia-Seegras auf, häufiger als es die Fläche dieses Lebensraums erwarten ließ. Kelpriffe und nackte Sandflächen nutzten sie wie erwartet, Amphibolis-Seegras und algenbewachsene Felsblöcke seltener.

Zur Tarnung kommt ein Trick: Der Fetzenfisch schaukelt im Rhythmus der Wellen hin und her und wirkt dadurch noch mehr wie ein treibender Tangwedel.

Fortpflanzung und Brutpflege

Im Spätwinter finden sich die Tiere zusammen und bilden Paare, die während der Fortpflanzungszeit zusammenbleiben. Gelaicht wird meist im Sommer.

Dann passiert etwas, das man sonst kaum im Tierreich findet: Das Männchen übernimmt die Brut. Das Weibchen legt seine Eier auf einem besonderen Bereich schwammiger Haut an der Unterseite des männlichen Schwanzes ab. Dort sinken die Eier während der Entwicklung teilweise in das Gewebe ein. Eine echte Bruttasche wie beim Seepferdchen besitzt der Fetzenfisch nicht, die Eier liegen frei sichtbar.

Ein Gelege umfasst 250 bis 300 birnenförmige Eier von etwa 4 mal 7 Millimetern. Ein Männchen kann in einer Saison zwei Gelege großziehen. Die Eier brauchen 6 bis 8 Wochen, bis der Nachwuchs schlüpft. Kurz vor dem Schlupf wandern viele Männchen in tieferes Wasser, bis etwa 25 Meter. Der Schlupf zieht sich über 6 bis 7 Tage hin, und das Männchen verteilt die Jungen dabei über ein großes Gebiet.

Frisch geschlüpfte Fetzenfische sind 30 bis 35 Millimeter lang, sehr dünn und schon weit entwickelt. Sie tragen noch einen kleinen Dottersack, ihr Kopf ist kleiner und die Schnauze kürzer als bei erwachsenen Tieren. Die blattförmigen Anhänge sind anfangs nur kurz und wachsen erst mit der Zeit zu ihrer vollen Form heran. In den ersten Monaten wachsen die Jungtiere schnell und erreichen fast die halbe Größe eines erwachsenen Fisches.

Gefährdung und Schutz

Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN gilt der Große Fetzenfisch als nicht gefährdet (LC, Einstufung von 2017). Trotzdem ist die Art empfindlich, denn sie lebt nur in einem schmalen Küstenstreifen und bewegt sich kaum.

In Australien steht der Fetzenfisch in seinem gesamten Verbreitungsgebiet unter gesetzlichem Schutz, zusätzlich durch Gesetze der Bundesstaaten South Australia und Western Australia. In South Australia ist er das offizielle Meerestier-Wappen des Bundesstaates.

Belastungen gibt es dennoch:

  • Aquarienhandel: Die Art ist bei Aquarianern sehr begehrt, gilt aber als äußerst schwer zu halten. In Australien werden Wildfänge und Jungtiere aus Wildfängen nachgezogen und teilweise exportiert.
  • Beifang: Gelegentlich geraten Fetzenfische in die Netze der Schleppnetzfischerei.
  • Ortstreue: Weil erwachsene Fetzenfische ihr kleines Wohngebiet praktisch nie verlassen, können sie einem gestörten Lebensraum nicht ausweichen.

Besonderheiten

  • Seedrachen gibt es nur in Australien. Seine nächsten Verwandten sind die beiden Arten der Gattung Phyllopteryx: der Gewöhnliche Seedrache (Phyllopteryx taeniolatus) und der erst 2015 beschriebene Rubinrote Seedrache (Phyllopteryx dewysea). Auch sie leben nur in australischen Gewässern.
  • Der Artnameeques stammt von Albert Günther, der die Art 1865 beschrieb - allerdings noch unter dem Namen Phyllopteryx eques. Die eigene Gattung Phycodurus bekam der Fetzenfisch erst später. Das Typusexemplar stammt aus Port Lincoln in South Australia.
  • Tarnung statt Panzer oder Flucht: Weil der Fisch so langsam ist, hat er keine Chance davonzuschwimmen. Sein ganzer Körperbau ist darauf ausgelegt, gar nicht erst entdeckt zu werden.

Häufige Fragen zum Großen Fetzenfisch

Wie groß wird ein Großer Fetzenfisch?

Er erreicht bis zu 35 cm Gesamtlänge. Frisch geschlüpfte Jungtiere sind erst 30 bis 35 Millimeter lang, wachsen in den ersten Monaten aber schnell auf fast die halbe Größe eines erwachsenen Tieres heran.

Wo lebt der Große Fetzenfisch?

Nur an der Südküste Australiens, etwa zwischen Victor Harbor in South Australia und Yanchep Beach in Western Australia, einschließlich Kangaroo Island. Er hält sich in geschützten Buchten über Seegraswiesen und an kelpbewachsenen Felsriffen auf, meist in 3 bis 50 Metern Tiefe.

Was frisst ein Fetzenfisch?

Schwebgarnelen und andere winzige Krebstiere. Zähne hat er keine. Er saugt seine Beute stattdessen mit der langen Röhrenschnauze ein, so wie ein Seepferdchen.

Warum sieht der Fetzenfisch aus wie eine Pflanze?

Die blattförmigen Hautfortsätze und die grüngelbe Färbung tarnen ihn zwischen Tang und Seegras. Weil er sehr langsam schwimmt, könnte er vor Feinden nicht fliehen. Zusätzlich schaukelt er mit der Wellenbewegung hin und her und wirkt dadurch wie ein treibender Algenwedel.

Trägt das Männchen wirklich die Eier?

Ja. Das Weibchen heftet 250 bis 300 Eier an eine schwammige Hautstelle an der Unterseite des männlichen Schwanzes. Dort entwickeln sie sich 6 bis 8 Wochen lang, teilweise ins Gewebe eingesunken. Eine geschlossene Bruttasche wie beim Seepferdchen hat der Fetzenfisch nicht.

Ist der Große Fetzenfisch gefährlich?

Nein. Er hat keine Zähne, keine Giftstacheln und keinerlei Interesse an Menschen. Umgekehrt ist er sehr empfindlich: Taucherinnen und Taucher sollten Abstand halten und die Tiere nicht anfassen oder aufscheuchen.

Ähnliche Tiere

  • Seepferdchen - nächster Verwandter, ebenfalls mit männlicher Brutpflege
  • Anglerfisch - anderer Meister der Tarnung am Meeresgrund
  • Feuerfisch - auffällige Flossenfortsätze, aber giftig
  • Clownfisch - Riffbewohner mit ungewöhnlicher Lebensweise
  • Kugelfisch - langsamer Schwimmer mit ganz anderer Abwehr

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Großer Fetzenfisch
35 cm

Ein Großer Fetzenfisch erreicht eine Körpergröße von 35 cm. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Ein Kind wäre dagegen noch rund 3-mal so groß.