Großer Emu
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Kurz erklärt
Der Große Emu ist nach dem Afrikanischen Strauß der zweitgrößte Vogel der Welt und der größte Vogel Australiens. Er wird bis zu 2 Meter hoch, kann nicht fliegen und rennt bis zu 48 Kilometer pro Stunde schnell. Die dunkelgrünen Eier brütet allein das Männchen aus: acht Wochen lang, ohne zu fressen und zu trinken.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Dromaius novaehollandiae |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 1,6 bis 2 m |
| Körpergewicht | 30 bis 55 kg |
| Ernährung | Allesfresser: Samen, Früchte, frische Triebe, Insekten und kleine Tiere |
| Lebenserwartung | In freier Natur 10 bis 20 Jahre, in Zoos bis zu 35 Jahre |
| Sozialverhalten | Meist einzeln, auf Wanderungen große Trupps |
| Herkunft | Australien |
| Verbreitung | Fast ganz Australien, nicht in Tasmanien Australien |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1790 durch Latham |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2018) |
| Sonstiges | Die Körpergröße ist hier die Höhe im Stehen, nicht die Körperlänge. Weibchen sind größer und schwerer als Männchen. |
Aussehen und Körperbau
Der Große Emu ist der größte Vogel Australiens und nach dem Afrikanischen Strauß der zweitgrößte Vogel der Welt. Das Australian Museum gibt seine Größe mit 160 bis 200 Zentimetern an, aufgerichtet stehend misst ein Emu 1,6 bis 1,9 Meter. Weil bei Laufvögeln die Höhe im Stehen gemessen wird und nicht die Körperlänge, steht der Emu auch in unserer Rangliste der größten Vögel mit seiner Höhe.
Ein Emu wiegt 30 bis 55 Kilogramm, im Durchschnitt 36 bis 40 Kilogramm. Weibchen werden größer und schwerer als Männchen, sonst sehen sich beide Geschlechter sehr ähnlich.
Der Körper steckt in einem zottigen, graubraunen Gefieder. Hals und Kopf sind fast nackt und bläulich-schwarz. Die Federn sehen aus wie Haare, und das hat einen Grund: Aus jedem Federbalg wachsen beim Emu zwei Federschäfte statt nur einem, und die feinen Äste der Feder haken sich nicht ineinander, sondern hängen lose herab. Frisch gewachsene Federn sind fast schwarz und bleichen in der Sonne zu Graubraun aus. Die steifen Schwanzfedern kann der Emu rasseln lassen, um Feinde zu verscheuchen.
Die Flügel sind winzig und helfen nicht bei der Fortbewegung. Dafür sind die Beine lang und kräftig. Jeder Fuß hat drei nach vorn gerichtete Zehen, eine Hinterzehe fehlt. Der Emu ist der einzige Vogel mit Wadenmuskeln, und diese Muskeln machen ihn zu einem Ausdauer- und Sprintläufer.
Wie schnell ist ein Emu?
Im Sprint erreicht ein Emu 48 Kilometer pro Stunde und hält dieses Tempo über eine gute Strecke durch. Seine Schritte sind dabei fast drei Meter lang. Auch ein Standsprung von 2,1 Metern in die Höhe ist für ihn kein Problem.
Seine Beine sind außerdem eine Waffe. Mit einem Tritt kann ein Emu Zäune durchbrechen und Angreifer schwer verletzen. Schwimmen kann er ebenfalls gut und geht dafür freiwillig ins Wasser.
Verbreitung und Lebensraum
Emus leben ausschließlich in Australien und kommen fast auf dem gesamten Kontinent vor, von der Küste bis hinauf in die Snowy Mountains. Ihre wichtigsten Lebensräume sind Hartlaubwälder und Savannenwälder. Regenwald und sehr trockene Wüstengebiete meiden sie, ebenso große Städte. Der Bestand schwankt mit den Regenfällen und wird auf etwa 700.000 Tiere geschätzt.
In Tasmanien gab es früher ebenfalls Emus, doch sie wurden nach der Ankunft der Europäer ausgerottet. Auch zwei Zwergformen auf Kangaroo Island und King Island sind ausgestorben.
Emus sind Nomaden. Sie ziehen dorthin, wo es Futter und Wasser gibt, und legen dabei mehrere hundert Kilometer zurück, an manchen Tagen 15 bis 25 Kilometer. Nur wenn in einem Gebiet dauerhaft genug zu fressen ist, bleiben sie an einem Ort. In Westaustralien wandern sie im Sommer nach Norden und im Winter nach Süden.
Ernährung
Emus sind Allesfresser und suchen tagsüber nach Nahrung. Sie fressen Früchte, Samen, frische Pflanzentriebe, Insekten und kleine Tiere, sogar Kot anderer Tiere. Welche Nahrung gerade auf dem Speiseplan steht, hängt von der Jahreszeit ab: Akaziensamen bis zum Einsetzen des Regens, danach junge Grastriebe und Raupen, im Winter Blätter und Hülsen, im Frühling Käfer, Heuschrecken und Früchte. Dazu kommen Grillen, Ameisen, Motten und Eidechsen.
Einen Kropf zum Speichern hat der Emu nicht. Stattdessen kann er in seiner erweiterten Speiseröhre Nahrung bis zu 30 Minuten zwischenlagern. Weil Emus wochenlang hungern müssen, wenn es trocken wird, legen sie große Fettreserven an. Sie können dabei mehr als die Hälfte ihres Körpergewichts verlieren.
Für die australische Pflanzenwelt sind Emus wichtig. Sie schlucken viele Samen im Ganzen, wandern weiter und scheiden sie mit dem Kot wieder aus. So verbreiten sie Pflanzen über weite Strecken. Bei manchen Samen erhöht die Reise durch den Emu-Darm sogar die Chance zu keimen.
Verhalten und Stimme
Emus sind tagaktiv und meist allein unterwegs. Wenn viele Tiere gleichzeitig zu einer neuen Futterquelle ziehen, entstehen aber riesige Trupps. Am Straßenrand oder an Zäunen sieht man oft mehrere Emus nebeneinander, wirklich gesellig sind sie deshalb nicht.
Auffällig ist ihre Stimme. Im Hals sitzt ein aufblasbarer Sack, der zur Luftröhre gehört. Damit erzeugen Emus dumpfe, trommelnde und grunzende Laute, die bis zu zwei Kilometer weit zu hören sind. Bei Gefahr fauchen sie zusätzlich.
Woher der Name "Emu" kommt, ist nicht sicher geklärt. Das Animal Diversity Web schreibt, er ähnele dem Ruf des Vogels, der wie "e-muh" klingt. Das Australian Museum hält dagegen: Das Wort stamme nicht aus einer Aborigine-Sprache, sondern gehe vermutlich auf ein arabisches Wort für "großer Vogel" zurück, das portugiesische Seefahrer übernahmen.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Beim Emu ist die Rollenverteilung umgedreht. Im australischen Sommer finden sich Paare zusammen und bleiben etwa fünf Monate zusammen. In dieser Zeit balzen sie, bauen ein Nest und legen Eier. Bei der Balz stolzieren beide Vögel und bewegen den Kopf schlangenartig. Macht das Männchen dabei die falschen Bewegungen, kann das Weibchen aggressiv werden.
Das Nest ist eine flache Plattform aus Gras, etwa 10 Zentimeter dick und 1 bis 2 Meter breit. Zwischen April und Juni legt das Weibchen im Abstand von zwei bis vier Tagen 5 bis 15 Eier. Ein Ei misst rund 130 mal 90 Millimeter und wiegt 450 bis 650 Gramm, so viel wie 10 bis 12 Hühnereier. Frisch gelegt sind die Eier dunkel blaugrün und glänzend, in der Sonne werden sie heller.
Sobald die Brut beginnt, verschwindet das Weibchen. Es sucht sich oft einen zweiten Partner und legt noch ein Gelege, in guten Jahren bis zu drei. Das Brüten übernimmt allein das Männchen. Etwa acht Wochen lang, nach Angaben des Australian Museum rund 55 Tage, sitzt es auf den Eiern, ohne zu fressen, zu trinken oder das Nest zu verlassen. Es steht nur auf, um die Eier zu wenden und herausgerollte Eier zurückzuholen. Dabei verliert es bis zu einem Drittel seines Körpergewichts und lebt von seinen Fettreserven. Gegenüber allen anderen Emus wird es in dieser Zeit aggressiv, auch gegenüber der eigenen Partnerin.
Die Küken sind cremefarben mit dunkelbraunen Längsstreifen, die sie im trockenen Gras tarnen. Schon wenige Minuten nach dem Schlüpfen können sie laufen. Wann sie das Nest verlassen, geben die Quellen etwas unterschiedlich an: der San Diego Zoo nach rund drei Tagen, das Australian Museum nach etwa einer Woche. Der Vater führt sie, zeigt ihnen, wo es Futter gibt, und verteidigt sie gegen Dingos und Füchse. Wie lange die Jungen bei ihm bleiben, geben die Quellen unterschiedlich an: Das Australian Museum nennt vier bis sechs Monate, der San Diego Zoo rund 18 Monate. Ausgewachsen sind Emus nach etwa einem Jahr. Geschlechtsreif werden sie nach Angaben des Australian Museum mit rund 20 Monaten, nach Angaben des San Diego Zoo erst mit 2 bis 3 Jahren.
Feinde und Gefährdung
Der wichtigste Feind ist der Dingo. Meist hat er es auf Eier und Küken abgesehen. Manchmal lenkt ein Dingo das brütende Männchen ab, während ein zweiter ans Nest geht. Gegen einen Angriff wehren sich Emus mit Sprüngen und kräftigen Tritten, die für einen Dingo tödlich enden können. Schwerer haben sie es mit dem Keilschwanzadler, der aus der Luft angreift.
Die IUCN führt den Großen Emu als nicht gefährdet (LC), die Einstufung stammt aus dem Jahr 2018. Auf dem australischen Festland ist er häufig, und seine Zahl ist seit der europäischen Besiedlung womöglich sogar gestiegen: Viehtränken haben ihm trockene Gebiete erschlossen, in denen er früher nicht überleben konnte. An der dicht besiedelten Ostküste ist er dagegen verschwunden. Dürren und Buschfeuer bleiben eine Gefahr.
Besonderheiten
Der Emu-Krieg: In den frühen 1930er Jahren zogen große Emu-Trupps in eine Ackerbauregion Westaustraliens und fraßen die Weizenfelder kahl. Die Regierung schickte Soldaten, um sie zu vertreiben. Der Einsatz scheiterte, weil die Vögel gut getarnt waren und schnell flüchteten.
Wappentier: Auf dem australischen Staatswappen stehen ein Emu und ein Känguru. Nach Angaben des San Diego Zoo wurden die beiden gewählt, weil sie als Tiere gelten, die nicht rückwärts gehen können. Über 600 Orte in Australien sind nach dem Emu benannt.
Emu-Öl: Im Körper eines Emus stecken rund 13,6 Liter Öl. Es wird zu Cremes, Seifen und Pflegeprodukten verarbeitet. Emus werden außerdem für Fleisch, Leder und Federn gehalten.
Das erste Exemplar: Der erste Emu, den Europäer 1788 sammelten, stammte aus Redfern, heute ein innerer Stadtteil von Sydney.
Häufige Fragen zum Großen Emu
Wie groß und wie schwer wird ein Emu?
Das Australian Museum gibt 160 bis 200 Zentimeter an, aufrecht stehend misst ein Emu 1,6 bis 1,9 Meter. Damit ist er der größte Vogel Australiens. Er wiegt 30 bis 55 Kilogramm, im Schnitt 36 bis 40 Kilogramm. Weibchen sind größer als Männchen.
Kann ein Emu fliegen?
Nein. Seine Flügel sind winzig und zum Fliegen unbrauchbar. Dafür läuft er sehr gut: Er sprintet mit 48 Kilometern pro Stunde und macht dabei fast drei Meter lange Schritte.
Wer brütet die Eier aus?
Allein das Männchen. Es sitzt etwa acht Wochen auf dem Gelege, ohne zu fressen, zu trinken oder das Nest zu verlassen, und verliert dabei bis zu einem Drittel seines Gewichts. Das Weibchen sucht sich in dieser Zeit oft einen neuen Partner.
Wie sehen Emu-Eier aus?
Sie sind dunkel blaugrün und glänzend, etwa 13 mal 9 Zentimeter groß und 450 bis 650 Gramm schwer. Ein Emu-Ei wiegt so viel wie 10 bis 12 Hühnereier. Ein Gelege umfasst 5 bis 15 Eier.
Was frisst ein Emu?
Früchte, Samen, frische Pflanzentriebe, Insekten und kleine Tiere, je nach Jahreszeit. Einen Kropf hat er nicht, dafür kann er Nahrung bis zu 30 Minuten in der Speiseröhre zwischenlagern.
Ist der Emu der größte Vogel der Welt?
Nein, der zweitgrößte. Größer wird nur der Afrikanische Strauß. In Australien ist der Emu allerdings der größte heimische Vogel.
Ist der Große Emu gefährdet?
Nein. Die IUCN stuft ihn seit 2018 als nicht gefährdet (LC) ein. In Tasmanien wurde er allerdings ausgerottet, ebenso die Zwergformen auf Kangaroo Island und King Island.
Ähnliche Tiere
- Afrikanischer Strauß - der einzige Vogel, der größer wird als der Emu
- Kasuar - naher Verwandter aus den Regenwäldern Australiens und Neuguineas
- Nandu - der große Laufvogel Südamerikas
- Kiwi - der kleinste Laufvogel, lebt in Neuseeland
- Känguru - teilt sich mit dem Emu das australische Staatswappen
- Dingo - der wichtigste Feind von Emu-Küken
- Vögel - alle Vögel im Lexikon
- Tiere mit G - weitere Tiere, die mit G beginnen
Quellen
Größenvergleich
Ein Großer Emu erreicht eine Körpergröße von 1,6 bis 2 m. Damit passt er bequem zwischen ein Kind (1,2 m) und einen Elefanten (3,5 m) auf unserer Vergleichsskala.
Gewichtsvergleich
Ein Großer Emu bringt 30 bis 55 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Kind (25 kg), aber leichter als ein Erwachsener (75 kg).