Jaguarundi

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Grauer Jaguarundi mit langgestrecktem Körper und kleinem Kopf schleicht durch grüne Pflanzen neben rotem Erdboden
Hugo Hulsberg / Wikimedia Commons / CC0

Kurz erklärt

Der Jaguarundi ist eine kleine Wildkatze aus Mittel- und Südamerika. Mit seinem langen, niedrigen Körper, den kurzen Beinen und dem kleinen Kopf erinnert er eher an einen Marder oder Otter als an eine Katze. Sein Fell ist einfarbig grau, schwarzbraun oder rötlich. Anders als die meisten Katzen jagt er am Tag, und seit 2026 gilt er als potenziell gefährdet.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameHerpailurus yagouaroundi (früher auch Puma yagouaroundi)
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
  • Unterordnung: Katzenartige (Feliformia)
  • Familie: Katzen (Felidae)
  • Unterfamilie: Kleinkatzen (Felinae)
  • Gattung: Herpailurus
  • Art: Jaguarundi
KörpergrößeKopf-Rumpf-Länge 48,8 bis 77,5 cm, Schwanz 27,5 bis 59 cm, Schulterhöhe etwa 35 cm
Körpergewicht2,5 bis 7,6 kg; Männchen etwas größer und schwerer als Weibchen
ErnährungFleischfresser: vor allem kleine Säugetiere unter 1 kg wie Mäuse und Ratten, dazu Vögel, Eidechsen, Schlangen und Insekten
Lebenserwartung10 bis 20 Jahre (Cat Specialist Group); in Menschenobhut bis 15 Jahre belegt (Animal Diversity Web)
SozialverhaltenEinzelgänger, manchmal paarweise unterwegs
HerkunftMittel- und Südamerika
Verbreitung Von Mexiko über Mittelamerika, Kolumbien, Ecuador und Peru bis Zentralargentinien, Paraguay, Brasilien und Uruguay; im Süden der USA vielleicht einzelne Tiere NordamerikaSüdamerika
EntdeckungErstbeschreibung 1803 durch É. Geoffroy Saint-Hilaire
GefährdungNT Potenziell gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2026)
SonstigesBis 2026 galt der Jaguarundi als nicht gefährdet (LC), im Juli 2026 stufte die IUCN ihn auf potenziell gefährdet (NT) hoch.

Eine Katze, die aussieht wie ein Marder

Der Jaguarundi (Herpailurus yagouaroundi) ist eine kleine Wildkatze aus Mittel- und Südamerika. Auf den ersten Blick hält man ihn kaum für eine Katze: Er hat einen langen, niedrigen Körper, kurze Beine, einen kleinen Kopf und einen sehr langen Schwanz. Frühe deutsche Zoologen nannten ihn deshalb Wieselkatze, auf Englisch heißt er manchmal „otter cat“, also Otterkatze.

Auch sonst ist der Jaguarundi eine ungewöhnliche Katze. Er ist am Tag aktiv, hat ein einfarbiges Fell ohne Flecken und verständigt sich mit vielen verschiedenen Lauten, darunter ein Zwitschern wie von einem Vogel.

Verwandtschaft: Ein kleiner Verwandter des Pumas

Obwohl er so anders aussieht, ist der Jaguarundi eng mit dem Puma verwandt. Er gehört zur Puma-Linie und ist mit Puma und Gepard näher verwandt als mit den anderen Katzen Süd- und Mittelamerikas wie dem Ozelot. Wie der Gepard kann er die Krallen seiner Hinterpfoten nicht ganz einziehen, und in seinem Verhalten ähnelt er eher dem Puma als anderen mittelgroßen Katzen.

Manche Fachleute stellen den Jaguarundi deshalb in die Gattung der Pumas (Puma yagouaroundi). Die Katzen-Expertengruppe der IUCN behält in ihrer Einteilung von 2017 vorläufig die eigene Gattung Herpailurus bei, weil Jaguarundi und Puma sich in Körperbau und Verhalten deutlich unterscheiden und die Frage noch nicht geklärt ist. Unterarten werden heute nicht mehr unterschieden.

Aussehen und Körperbau

Der Jaguarundi ist nur etwas größer als eine Hauskatze. Sein Kopf ist klein, schmal und lang gestreckt. Die kleinen Augen sitzen eng beieinander, die runden Ohren dagegen weit auseinander. Der Körper ist schlank und niedrig, die Beine sind kurz, der Schwanz ist sehr lang.

Die Maße laut der Katzen-Expertengruppe der IUCN (Cat Specialist Group):

  • Kopf-Rumpf-Länge: 48,8 bis 77,5 cm
  • Schwanz: 27,5 bis 59 cm
  • Gewicht: 2,5 bis 7,6 kg
  • Schulterhöhe: etwa 35 cm (Animal Diversity Web)

Männchen sind etwas größer und schwerer als Weibchen aus demselben Gebiet.

Drei Fellfarben

Das Fell ist kurz und einfarbig, Flecken oder Streifen hat es nicht. Kopf und Bauch sind oft etwas heller als der Rest des Körpers. Es gibt drei Farbvarianten:

  • schwarzbraun
  • grau
  • gelblich-rot

Früher hielt man die Farbvarianten sogar für zwei verschiedene Arten: Die dunklen Tiere nannte man „Eyra“, die roten „Jaguarundi“. Heute weiß man, dass sich verschieden gefärbte Tiere miteinander paaren und in einem Wurf Junge beider Farben vorkommen können.

Welche Farbe häufiger ist, hängt vom Lebensraum ab. Rote Tiere sieht man eher in offenen, trockenen Landschaften, im trockenen Buschland Caatinga in Brasilien sind sie die häufigste Farbe. Dunkle Tiere findet man eher in Regenwäldern und anderen dichten Wäldern. Grundsätzlich können aber alle Farben überall vorkommen.

Die seltenen hellen Flecken, die man bei manchen Jaguarundis sieht, sind meist Narben. Weil die Tiere sonst kaum Erkennungsmerkmale haben, ist es schwer, einzelne Jaguarundis auf Fotos von Kamerafallen zu unterscheiden.

Verbreitung und Lebensraum

Der Jaguarundi ist die am weitesten verbreitete Kleinkatze Amerikas. Unter allen Raubtieren des Kontinents hat nur der Puma ein größeres Verbreitungsgebiet. Es reicht von Mexiko über Mittelamerika, Kolumbien, Ecuador und Peru bis nach Zentralargentinien, Paraguay, Brasilien und Uruguay. Im Süden der USA gibt es vielleicht noch einzelne Tiere, neuere Nachweise fehlen aber.

Meist lebt der Jaguarundi im Tiefland bis etwa 2.000 Meter Höhe. In Kolumbien wurde er bis in 3.200 Meter Höhe beobachtet.

Er kommt mit sehr vielen Lebensräumen zurecht: Trockenbusch, Dornwälder, Sümpfe, Savannen, feuchtes Grasland, Bergwälder und Regenwälder. Offene Landschaften mag er lieber als andere Kleinkatzen, hält sich aber meist in der Nähe von dichter Deckung auf, etwa an Waldrändern und in Gebüsch. Oft sieht man ihn in der Nähe von Gewässern. In dichten Regenwäldern ist er selten.

Ernährung

Der Jaguarundi ist ein vielseitiger Jäger, der vor allem kleine Tiere unter 1 Kilogramm frisst:

  • kleine Säugetiere wie Mäuse, Ratten und kleine Beuteltiere, sie machen den größten Teil der Nahrung aus
  • Vögel
  • Eidechsen und Schlangen
  • Insekten und andere Gliederfüßer

Manchmal erbeutet er auch größere Tiere wie Kaninchen, Opossums und Gürteltiere. Im Durchschnitt wiegt ein Beutetier etwa 380 Gramm. Man hat sogar beobachtet, wie Jaguarundis Fische aus Pfützen fischten, in denen die Tiere festsaßen. Insgesamt sind über 400 Beutearten bekannt. In seinem Magen findet man außerdem manchmal etwas Pflanzenmaterial.

Verhalten und Lebensweise

Die meisten Katzen jagen nachts. Der Jaguarundi ist dagegen tagaktiv. Laut Kamerafallen-Studien ist er vor allem zwischen 8 und 12 Uhr und zwischen 16 und 20 Uhr unterwegs. So geht er dem nachtaktiven Ozelot, dem vor allem in der Dämmerung und nachts jagenden Puma und der Margay (Leopardus wiedii) aus dem Weg.

Er jagt vor allem am Boden, ist aber ein geschickter Kletterer und Schwimmer. Um Vögel zu fangen, kann er bis zu 2 Meter hoch springen. Man hat ihn auch dabei beobachtet, wie er Krallenäffchen in die Bäume verfolgte. Beim Klettern hilft ihm sein langer Schwanz.

Jaguarundis leben meist als Einzelgänger, werden aber auch zu zweit gesehen. Dabei könnte es sich allerdings um Mütter mit älteren Jungen handeln. Ein Jaguarundi legt bis zu 7 Kilometer am Tag zurück. Seine Reviergröße ist sehr unterschiedlich: In Brasilien wurden 1,4 bis 40 Quadratkilometer gemessen, in Belize nutzten zwei Männchen sogar 88 und 100 Quadratkilometer.

Ein Katzenchor: Der Jaguarundi kennt mindestens 13 verschiedene Rufe. Er schnurrt, pfeift, schnattert und zwitschert wie ein Vogel. Das ist für Katzen sehr ungewöhnlich.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Jaguarundis haben keine feste Paarungszeit, die Weibchen können mehrmals im Jahr paarungsbereit sein. Ein Zyklus dauert 51 bis 56 Tage, paarungsbereit ist das Weibchen davon nur 2,4 bis 3,9 Tage. Die Jungen kommen in hohlen Baumstämmen oder dichtem Gebüsch zur Welt.

  • Tragzeit: 72 bis 75 Tage
  • Wurfgröße: 1 bis 4 Junge
  • Augen öffnen sich: nach 6 bis 8 Tagen
  • Erster Ausflug aus dem Versteck: mit etwa 4 Wochen
  • Erste feste Nahrung: mit 4 bis 5 Wochen
  • Gesäugt: bis zu 60 Tage

Junge Jaguarundis können bei der Geburt gefleckt sein, erwachsene Tiere sind einfarbig. Weibchen werden mit 17 bis 26 Monaten geschlechtsreif. Die Cat Specialist Group nennt eine Lebenserwartung von 10 bis 20 Jahren, in Menschenobhut ist ein Alter von 15 Jahren belegt.

Gefährdung und Schutz

Lange galt der Jaguarundi als häufig, weil man ihn am Tag und in offenem Gelände leicht zu sehen bekommt. Neuere Untersuchungen zeigen aber, dass er überall eher selten ist. Meist leben nur 1 bis 5 Tiere auf 100 Quadratkilometern oder noch weniger.

Im Juli 2026 hat die IUCN den Jaguarundi von „nicht gefährdet“ auf „potenziell gefährdet“ (Near Threatened) hochgestuft.

Die wichtigsten Bedrohungen sind:

  • Verlust und Zerschneidung des Lebensraums, besonders in Brasilien, wo Savannen in große Ackerflächen umgewandelt werden
  • Verkehr: Viele Jaguarundis sterben auf Straßen.
  • Verfolgung: Weil er Hühner reißt, wird er getötet. Manche Menschen nutzen seine Körperteile als Heilmittel oder halten ihn als Haustier.
  • Krankheiten: Frei laufende Hunde können Krankheiten wie Staupe oder Parvovirose übertragen.
  • Weniger Beute: Rund ein Viertel seiner Beutearten ist selbst bedroht oder geht zurück.

Für sein Fell wurde der Jaguarundi nie im großen Stil gehandelt. Die Bestände in Nord- und Mittelamerika stehen seit 1987 in Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens, die übrigen in Anhang II. In vielen Ländern ist die Jagd verboten, in Brasilien, Ecuador, El Salvador, Guyana und Nicaragua ist er dagegen nicht gesetzlich geschützt.

Häufige Fragen zum Jaguarundi

Ist der Jaguarundi eine Katze?

Ja, auch wenn er mit seinem langen Körper und den kurzen Beinen eher wie ein Marder oder Otter aussieht. Er ist sogar ein naher Verwandter des Pumas.

Wie groß und schwer wird ein Jaguarundi?

Ein Jaguarundi ist 48,8 bis 77,5 Zentimeter lang, dazu kommt ein 27,5 bis 59 Zentimeter langer Schwanz. Er wiegt 2,5 bis 7,6 Kilogramm und ist damit nur etwas größer als eine Hauskatze.

Welche Farben hat ein Jaguarundi?

Sein Fell ist einfarbig schwarzbraun, grau oder gelblich-rot. Rote Tiere leben eher in trockenen, offenen Gebieten, dunkle eher in feuchten Wäldern.

Ist der Jaguarundi tagaktiv?

Ja. Anders als die meisten Katzen ist er vor allem am Vormittag sowie am späten Nachmittag und frühen Abend unterwegs. So kommt er dem nachtaktiven Ozelot nicht in die Quere.

Was frisst ein Jaguarundi?

Vor allem Mäuse, Ratten und andere kleine Säugetiere, außerdem Vögel, Eidechsen, Schlangen und Insekten. Ein Beutetier wiegt im Durchschnitt etwa 380 Gramm.

Ist der Jaguarundi gefährdet?

Seit Juli 2026 stuft die IUCN ihn als potenziell gefährdet ein. Er ist seltener als lange angenommen und leidet vor allem unter der Zerstörung seiner Lebensräume.

Ähnliche Tiere

  • Puma - sein naher Verwandter
  • Ozelot - teilt den Lebensraum, jagt aber nachts
  • Gepard - kann wie der Jaguarundi die Hinterkrallen nicht ganz einziehen
  • Jaguar - ein großer Konkurrent in denselben Lebensräumen
  • Otter - erinnert in der Körperform an den Jaguarundi

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Jaguarundi
48 bis 78 cm

Mit 48 bis 78 cm gehört der Jaguarundi zu den mittelgroßen Tieren in unserem Lexikon. Ein Fußball (22 cm) ist dagegen deutlich kleiner, während ein Kind mit 1,2 m noch etwas an Größe drauflegt.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Jaguarundi
2,5 bis 7,6 kg

Ein Jaguarundi bringt 2,5 bis 7,6 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Der Jaguarundi wiegt so viel wie etwa 12 Fußbälle.