Jaguar
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Kurz erklärt
Der Jaguar ist die größte Katze Amerikas. Er wird ohne Schwanz bis 1,85 Meter lang und meist 57 bis 113 Kilogramm schwer. Sein Fell trägt große Rosetten mit dunklen Punkten in der Mitte, manche Jaguare sind fast ganz schwarz. Jaguare leben von Mexiko bis Argentinien, am liebsten in dichten Wäldern nahe am Wasser, und sind hervorragende Schwimmer.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Panthera onca |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Kopf-Rumpf-Länge 112 bis 185 cm, dazu ein 45 bis 75 cm langer Schwanz; Schulterhöhe bis etwa 75 cm |
| Körpergewicht | Meist 57 bis 113 kg; Weibchen meist 10 bis 20 Prozent kleiner als Männchen; die schwersten Jaguare leben in offenen Überschwemmungsgebieten wie dem Pantanal und den Llanos (Männchen dort im Mittel etwa 100 kg) |
| Ernährung | Fleischfresser: über 85 Beutearten, vor allem größere Säugetiere wie Capybaras, Hirsche, Pekaris und Tapire, außerdem Kaimane, Schildkröten, Schlangen, Fische und Vögel |
| Lebenserwartung | In freier Natur im Mittel etwa 13 bis 14 Jahre, in Zoos im Median etwa 18 Jahre |
| Sozialverhalten | Einzelgänger; Männchen und Weibchen sind nur zur Paarung kurz zusammen, die Mutter zieht die Jungen allein auf |
| Herkunft | Mittel- und Südamerika |
| Verbreitung | Von Mexiko über Mittelamerika bis in den Norden Argentiniens, Schwerpunkt im Amazonasbecken; einzelne Männchen wandern bis in den Südwesten der USA NordamerikaSüdamerika |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | NT Potenziell gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2017) |
| Sonstiges | Weltweit leben nach einer Schätzung von 2018 etwa 173.000 Jaguare, rund die Hälfte davon in Brasilien. Der internationale Handel mit Jaguaren und ihren Körperteilen ist verboten (CITES Anhang I). |
Die größte Katze Amerikas
Der Jaguar (Panthera onca) ist die größte Katze auf dem amerikanischen Doppelkontinent und die einzige Großkatze der Gattung Panthera in Amerika. Zur selben Gattung gehören Löwe, Tiger und Leopard.
Jaguare sind kräftig gebaut, haben einen massigen Kopf und kurze, muskulöse Beine. Sie sind nicht auf Tempo ausgelegt, sondern auf Kraft: Sie schleichen sich an ihre Beute heran und überwältigen sie mit einem Sprung aus dem Hinterhalt.
Woher kommt der Name? Das Wort „Jaguar“ stammt vermutlich von „yaguara“ ab, einem Wort aus einer Sprache der Ureinwohner Südamerikas, das für ein größeres Raubtier stand. In Lateinamerika heißt der Jaguar oft einfach „el tigre“. Wissenschaftlich beschrieben hat ihn Carl von Linné im Jahr 1758.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht: Ein Jaguar ist ohne Schwanz 112 bis 185 cm lang, dazu kommt ein 45 bis 75 cm langer Schwanz. An der Schulter misst er bis etwa 75 cm. Die meisten Jaguare wiegen 57 bis 113 kg. Weibchen sind meist 10 bis 20 Prozent kleiner als Männchen.
Wie groß ein Jaguar wird, hängt stark davon ab, wo er lebt. Die schwersten Tiere leben in offenen Überschwemmungsgebieten wie dem Pantanal in Brasilien und den Llanos in Venezuela: In einer Studie wogen Männchen dort im Durchschnitt etwa 100 kg, Weibchen im Pantanal etwa 77 kg. Jaguare aus den Wäldern Mittelamerikas sind deutlich kleiner, dort wogen Männchen im Schnitt nur etwa 56 kg. Wahrscheinlich hängt das mit der Größe der Beutetiere zusammen.
Fell: Die Grundfarbe reicht von hellgelb über ockerfarben bis rötlich braun. Kehle, Bauch und die Innenseiten der Beine sind weißlich. Auf dem Fell sitzen große Rosetten: schwarze, unterbrochene Ringe, die meist einen oder mehrere dunkle Punkte umschließen. Der Schwanz hat zwei bis drei schwarze Ringe und eine schwarze Spitze.
Schwarze Jaguare: Manche Jaguare sind fast ganz schwarz. Ihre Flecken sind trotzdem da und bei gutem Licht schwach zu erkennen. Solche Tiere kommen vor allem in dichten Wäldern vor. Man nennt sie oft Schwarzer Panther, doch das ist keine eigene Art: Der Name wird für schwarze Jaguare, Leoparden und Pumas verwendet.
Jaguar oder Leopard?
Jaguar und Leopard sehen sich ähnlich, leben aber auf verschiedenen Kontinenten: Der Leopard kommt in Afrika und Asien vor, der Jaguar nur in Amerika. Den Unterschied erkennt man auch am Fell. Die Rosetten des Jaguars sind größer und haben Punkte in der Mitte, beim Leoparden fehlen diese inneren Punkte. Außerdem ist der Jaguar gedrungener und schwerer, hat einen breiteren Kopf, größere Pfoten und einen kürzeren Schwanz.
Verbreitung und Lebensraum
Jaguare leben in 18 Ländern Lateinamerikas, von Mexiko über Mittelamerika bis in den Norden Argentiniens. Das größte zusammenhängende Vorkommen liegt im Amazonasbecken. Von dort reicht es nach Süden bis ins Pantanal und in den Gran Chaco, nach Norden bis an die Karibikküste Venezuelas und Guayanas.
Früher war das Verbreitungsgebiet viel größer. Nach Angaben der Wildkatzen-Schutzorganisation Panthera ist der Jaguar aus fast der Hälfte seines ursprünglichen Gebiets verschwunden. In El Salvador gibt es keine Jaguare mehr. Im Südwesten der USA tauchen gelegentlich einzelne Männchen auf, die aus Mexiko einwandern. Weibchen oder eine Fortpflanzung wurden dort seit fast 100 Jahren nicht mehr nachgewiesen.
Lebensraum: Am liebsten leben Jaguare in dichten, feuchten Tieflandwäldern, die viel Deckung bieten. Sie kommen aber auch in Buschland, Sümpfen, Grasland und trockenen Wäldern vor. Wichtig sind drei Dinge: Wasser, dichte Deckung und genug Beute. Jaguare leben fast immer in der Nähe von Flüssen, Seen oder Sümpfen. Meist halten sie sich unterhalb von 2.000 Metern Höhe auf.
Ernährung
Jaguare sind reine Fleischfresser. Forschende haben über 85 verschiedene Beutearten gezählt. Am liebsten jagen Jaguare große Säugetiere wie Capybaras, Hirsche, Pekaris, Tapire, Gürteltiere und Große Ameisenbären. Außerdem fressen sie Kaimane, Schildkröten, Leguane, Schlangen bis hin zur Anakonda, Fische und Vögel. Auch Affen und Faultiere, die in den Bäumen leben, gehören zu ihrer Beute.
Der kräftigste Biss: Der Kopf des Jaguars ist so massig, dass sein Umfang meist größer ist als die Schulterhöhe. Entsprechend kräftig sind die Kiefer. Nach Angaben des San Diego Zoos ist sein Biss stärker als der anderer Großkatzen. Große Beutetiere tötet er wie Löwe und Tiger mit einem Biss in die Kehle. Kleinere Tiere erlegt er oft mit einem Biss durch den Schädel, dabei durchbohren seine Eckzähne den Knochen. Mit seinem Gebiss kann er sogar Schildkrötenpanzer knacken, Kaimane tötet er mit einem Biss in den Nacken.
So jagt der Jaguar: Er pirscht sich im Schutz der Vegetation an oder lauert der Beute auf, oft am Ufer. Dann springt er aus kurzer Entfernung an. Lange Verfolgungsjagden liegen ihm nicht, denn er ermüdet schnell. Die erlegte Beute schleift er oft an einen geschützten Ort, bevor er frisst.
Konflikte mit Menschen: Manchmal reißen Jaguare Rinder und anderes Vieh. Das führt zu Konflikten mit Viehzüchtern.
Verhalten und Lebensweise
Einzelgänger: Jaguare leben allein. Nur zur Paarung kommen Männchen und Weibchen für kurze Zeit zusammen, und eine Mutter bleibt mit ihren Jungen etwa anderthalb Jahre beisammen.
Aktivität: Jaguare jagen vor allem nachts und in der Dämmerung, sind aber auch tagsüber unterwegs. Wann sie aktiv sind, hängt davon ab, wann ihre Beute aktiv ist und wie viele Menschen in der Nähe leben.
Reviere: Jeder Jaguar hat ein Streifgebiet, das er mit Duftmarken kennzeichnet: Er versprüht Urin, kratzt an Bäumen, scharrt den Boden auf und reibt den Kopf an Gegenständen. Wie groß ein Streifgebiet ist, schwankt enorm, je nachdem, wie viel Beute es gibt. In Mexiko wurden Gebiete von nur 2 bis 5 km² gemessen, in Brasilien bis zu 390 km². Junge Männchen wandern oft weit umher, bis sie ein eigenes Gebiet finden.
Rufe: Wie andere Großkatzen können Jaguare brüllen. Ihr typischer Ruf ist eine Folge von heiseren, hustenden Grunzlauten, die weit zu hören sind. Die Rufe der Männchen klingen lauter und kräftiger als die der Weibchen.
Schwimmer und Kletterer: Jaguare meiden Wasser nicht, im Gegenteil: Sie sind ausgezeichnete Schwimmer und bewegen sich oft entlang von Flüssen. In überfluteten Wäldern schwimmen sie von Baum zu Baum. Sie klettern auch gut und ruhen gern auf Ästen über dem Wasser.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Paarung: Jaguare können sich das ganze Jahr über fortpflanzen. Viele Junge kommen aber in der Regenzeit zur Welt, wenn es besonders viel Beute gibt. Ein paarungsbereites Weibchen macht mit lauten Rufen auf sich aufmerksam. Männchen und Weibchen ziehen dann eine Zeit lang gemeinsam umher und fressen zusammen, danach trennen sie sich wieder.
Geburt: Nach einer Tragzeit von etwa 100 Tagen bringt das Weibchen meist zwei Junge zur Welt, manchmal eins, höchstens vier. Die Jungen wiegen bei der Geburt etwa 800 g und sind zunächst blind. Die Mutter versteckt sie in dichtem Gestrüpp, in Höhlen, unter umgestürzten Bäumen oder unter einem Flussufer.
Aufwachsen: Nach etwa acht Tagen bis zwei Wochen öffnen die Jungen die Augen. Mit rund sechs Wochen folgen sie der Mutter, mit 10 bis 11 Wochen fressen sie das erste Fleisch. Gesäugt werden sie 5 bis 6 Monate lang. Die Mutter zieht die Jungen allein auf. Mit etwa anderthalb Jahren werden die jungen Jaguare selbstständig, manche halten noch bis zum Alter von etwa zwei Jahren Kontakt.
Geschlechtsreife: Weibchen werden mit etwa zwei bis drei Jahren geschlechtsreif, Männchen mit drei bis vier Jahren.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Ein erwachsener Jaguar steht an der Spitze der Nahrungskette und hat außer dem Menschen keine Feinde. Verletzungen durch wehrhafte Beutetiere wie Capybaras oder Pekaris können aber gefährlich werden.
Wie viele Jaguare gibt es? Eine Studie aus dem Jahr 2018 schätzt die Zahl der Jaguare weltweit auf etwa 173.000 Tiere. Die Unsicherheit ist groß, die Schätzung reicht von 138.000 bis 208.000. Rund die Hälfte davon, etwa 86.800 Jaguare, lebt vermutlich in Brasilien, danach folgt Peru. In Mexiko leben nach dieser Studie etwa 4.300 Jaguare. Außerhalb des Amazonasbeckens sind die Vorkommen oft klein und voneinander getrennt.
Gefährdungsstatus: Auf der Roten Liste der IUCN gilt der Jaguar als potenziell gefährdet (Near Threatened) (Quigley et al., 2017). Der Bestand nimmt insgesamt ab.
Die größten Gefahren:
- Verlust des Lebensraums: Wälder werden abgeholzt und in Weiden, Äcker und Siedlungen umgewandelt. Jaguare brauchen aber große, zusammenhängende Gebiete.
- Verfolgung: Viehzüchter töten Jaguare, weil sie Rinder reißen oder weil man es ihnen zutraut. Das geschieht oft trotz gesetzlicher Verbote.
- Wilderei: Jaguare werden illegal gejagt, ihr Fell, ihre Zähne und Pfoten werden verkauft.
- Weniger Beute: Menschen jagen dieselben Tiere wie der Jaguar, zum Beispiel Pekaris und Hirsche.
Schutz: Der Jaguar ist im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) in Anhang I aufgeführt. Damit ist der internationale Handel mit Jaguaren und ihren Körperteilen verboten. In vielen Ländern ist die Jagd verboten oder stark eingeschränkt. Schutzorganisationen arbeiten daran, die Lebensräume von Mexiko bis Argentinien durch Korridore miteinander zu verbinden, damit Jaguare zwischen den Gebieten wandern können.
Jaguar und Mensch
Jaguare greifen Menschen sehr selten an. Nach Angaben des San Diego Zoos gilt der Jaguar sogar als die Großkatze, die am wenigsten dazu neigt. Gelegentlich folgen Jaguare Menschen ein Stück, vermutlich um sie aus ihrem Gebiet zu „begleiten“. Heute locken Jaguare Touristen an, zum Beispiel ins Pantanal, und bringen damit den Menschen vor Ort Einnahmen.
Häufige Fragen zum Jaguar
Wie groß und schwer wird ein Jaguar?
Ein Jaguar ist ohne Schwanz 112 bis 185 cm lang, der Schwanz misst noch einmal 45 bis 75 cm. Die meisten Tiere wiegen 57 bis 113 kg. Die schwersten Jaguare leben in Überschwemmungsgebieten wie dem Pantanal in Brasilien, wo Männchen im Durchschnitt etwa 100 kg wiegen.
Was frisst ein Jaguar?
Jaguare fressen nur Fleisch. Auf ihrem Speiseplan stehen über 85 Tierarten, vor allem große Säugetiere wie Capybaras, Hirsche, Pekaris und Tapire, dazu Kaimane, Schildkröten, Schlangen und Fische. Mit ihrem extrem kräftigen Biss können sie sogar Schildkrötenpanzer knacken.
Wo lebt der Jaguar?
Der Jaguar lebt in Mittel- und Südamerika, von Mexiko bis in den Norden Argentiniens. Die meisten Jaguare gibt es im Amazonasbecken. Er mag dichte Wälder und Feuchtgebiete in der Nähe von Wasser.
Was ist der Unterschied zwischen Jaguar und Leopard?
Der Jaguar lebt in Amerika, der Leopard in Afrika und Asien. Der Jaguar ist schwerer und kräftiger, hat einen breiteren Kopf und einen kürzeren Schwanz. In den Rosetten seines Fells sitzen dunkle Punkte, beim Leoparden fehlen sie.
Kann ein Jaguar schwimmen?
Ja, sehr gut. Jaguare leben fast immer in der Nähe von Wasser, jagen oft am Ufer und erbeuten sogar Kaimane und Fische. In überfluteten Wäldern schwimmen sie von Baum zu Baum.
Ist der Jaguar vom Aussterben bedroht?
Der Jaguar ist nicht unmittelbar vom Aussterben bedroht, gilt aber laut IUCN als potenziell gefährdet, und sein Bestand nimmt ab. Die größten Gefahren sind die Abholzung der Wälder, die Verfolgung durch Viehzüchter und die Wilderei.
Ähnliche Tiere
- Leopard - sieht dem Jaguar sehr ähnlich, lebt aber in Afrika und Asien
- Schwarzer Panther - so heißen schwarze Jaguare und Leoparden
- Puma - die zweite große Katze Amerikas, teilt oft den Lebensraum mit dem Jaguar
- Ozelot - eine kleinere gefleckte Katze aus Mittel- und Südamerika
- Tiger - die größte Katze der Welt und naher Verwandter
- Capybara - eines der wichtigsten Beutetiere des Jaguars
Quellen
- Jaguar (Panthera onca) Fact Sheet - San Diego Zoo Wildlife Alliance Library
- Quigley, H. et al. (2017): Panthera onca. The IUCN Red List of Threatened Species
- Jędrzejewski, W. et al. (2018): Estimating large carnivore populations at global scale based on spatial predictions of density and distribution - Application to the jaguar (Panthera onca). PLoS ONE 13
- Jaguar - Panthera
- Panthera onca - Animal Diversity Web, University of Michigan
- Hoogesteijn, R. & Mondolfi, E. (1996): Body mass and skull measurements in four jaguar populations and observations on their prey base. Bulletin of the Florida Museum of Natural History 39
Größenvergleich
Stell dir vor, du stellst einen Fußball (22 cm) neben einen Jaguar: Der Jaguar ist um einiges größer. Neben einem Elefanten (3,5 m) wirkt er mit seinen 1,12 bis 1,85 m aber wiederum etwas kleiner. Genauer gesagt ist der Jaguar etwa 7-mal so groß wie ein Fußball.
Gewichtsvergleich
Ein Jaguar bringt 57 bis 113 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Kind (25 kg), aber leichter als ein Auto (1,5 t). Anders ausgedrückt: Der Jaguar wiegt so viel wie etwa 3 Kinder.