Jägerliest

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Jägerliest mit cremeweißem Bauch, braunem Augenstreif und blau schimmernden Flügelfedern sitzt auf einem Ast
JJ Harrison / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Der Jägerliest, auch Lachender Hans oder Kookaburra genannt, ist ein großer Eisvogel aus dem Osten Australiens. Berühmt ist er für seinen lauten Ruf, der wie schallendes Gelächter klingt. Damit zeigen die Vögel anderen Gruppen, wem das Revier gehört. Jägerlieste leben in Familien und fressen Insekten, Würmer, Eidechsen und sogar Schlangen.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameDacelo novaeguineae
Abstammung
  • Klasse: Vögel
  • Ordnung: Rackenvögel (Coraciiformes)
  • Familie: Eisvögel (Alcedinidae)
  • Unterfamilie: Lieste (Halcyoninae)
  • Gattung: Jägerlieste (Dacelo)
  • Art: Jägerliest (Lachender Hans)
Körpergröße39 bis 45 cm, im Durchschnitt etwa 42 cm; Weibchen meist etwas größer als Männchen
KörpergewichtMännchen 310 bis 345 g, Weibchen 355 bis 480 g (New Zealand Birds Online); der San Diego Zoo nennt eine Spanne von etwa 190 bis 465 g
ErnährungFleischfresser: vor allem Insekten, Würmer und Krebstiere, außerdem Tausendfüßer, Spinnen, Eidechsen, Schlangen, Frösche, Fische, kleine Säugetiere und Vögel
LebenserwartungIn freier Natur etwa 12 bis 13 Jahre, in Zoos im Mittel etwa 18 Jahre (San Diego Zoo Wildlife Alliance)
SozialverhaltenFamiliengruppen mit ganzjährigem Revier; ein Brutpaar wird von bis zu sechs Helfern unterstützt, meist älteren Jungvögeln
HerkunftOsten Australiens
Verbreitung Ostaustralien von der Kap-York-Halbinsel bis Victoria und zur Flinderskette in Südaustralien; eingeführt in Tasmanien, im Südwesten Westaustraliens, auf Kangaroo Island und in Neuseeland (Raum Auckland) Australien
EntdeckungErstbeschreibung 1783 durch Hermann (als Alcedo novae Guineae)
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2024)
SonstigesEnglisch Laughing Kookaburra, in Australien auch „Buschmann-Uhr“ genannt, weil er bei Tagesanbruch ruft. Maskottchen der Olympischen Sommerspiele 2000 in Sydney.

Was ist ein Jägerliest?

Der Jägerliest (Dacelo novaeguineae) ist ein großer Eisvogel aus Australien. Auf Deutsch heißt er auch Lachender Hans, auf Englisch Laughing Kookaburra. Er ist einer der größten Vertreter der Eisvogelfamilie und damit ein Verwandter unseres heimischen Eisvogels. Seine Beute fängt der Jägerliest aber meist am Boden.

Weil der Jägerliest schon vor Sonnenaufgang ruft, nennen ihn Australier auch „bushman's clock“ (Buschmann-Uhr) oder „breakfast bird“ (Frühstücksvogel). Der Gattungsname Dacelo ist übrigens ein Buchstabenrätsel: Es ist ein Anagramm von Alcedo, dem Gattungsnamen des Eisvogels.

Der Ruf: Lachen im Chor

Der laute Ruf ist überall im Verbreitungsgebiet ein vertrautes Geräusch. Er beginnt mit einem glucksenden „koo-koo-koo“ und steigert sich zu einem schallenden „kaa-kaa-kaa“, das wie Gelächter klingt. Meist rufen mehrere Vögel einer Familie gemeinsam im Chor.

Kein echtes Lachen: Der Jägerliest lacht natürlich nicht. Der Ruf ist ein Reviergesang: Die Familie zeigt damit anderen Jägerliesten, dass das Gebiet besetzt ist. Am häufigsten ist der Chor in der Dämmerung am Morgen und am Abend zu hören, oft als Antwort auf eine benachbarte Gruppe. Manchmal rufen die Vögel auch in mondhellen Nächten. Jeder Vogel hält seinen Ruf etwa 5 bis 8 Sekunden durch. Eine größere Gruppe ruft lauter, was vielleicht einen stärkeren Anspruch auf das Revier signalisiert.

Daneben haben Jägerlieste mehrere kürzere Rufe, zum Beispiel ein kurzes „koooaa“, wenn die Familie zusammen ist, sowie Rufe bei der Balz, beim Füttern und bei Gefahr. Junge Jägerlieste beginnen mit etwa sechs Wochen zu lachen und beherrschen den Ruf mit etwa drei Monaten.

Berühmter Vogel: Der Jägerliest ist in Australien sehr beliebt. Ein Kookaburra-Gedicht von Marion Sinclair aus dem Jahr 1932 wurde zu einem Kinderlied, das bis heute im Kanon gesungen wird. 2011 verlor die Band Men at Work einen Rechtsstreit, weil eine Flötenmelodie in ihrem Hit „Down Under“ aus diesem Lied stammte. Für die Olympischen Sommerspiele 2000 in Sydney wählten die Australier den Kookaburra als Maskottchen.

Aussehen und Körperbau

Größe und Gewicht: Der Jägerliest wird 39 bis 45 cm groß, im Durchschnitt etwa 42 cm. Die Weibchen sind meist etwas größer und schwerer. Männchen wiegen etwa 310 bis 345 g, Weibchen 355 bis 480 g.

Körperform: Typisch sind der große Kopf und der lange, kräftige, spitze Schnabel. Körper und Schwanz wirken dagegen eher klein. Die Füße sind relativ schwach.

Gefieder:

  • Kopf und Unterseite sind cremeweiß, die Unterseite ist fein braun gebändert.
  • Durch das Gesicht zieht sich ein auffälliger dunkelbrauner Augenstreif.
  • Rücken und Flügel sind braun, auf den Flügeln und am Bürzel glänzen blaue Federn.
  • Der Schwanz ist rotbraun mit breiten schwarzen Querbinden.

Männchen und Weibchen sehen sehr ähnlich aus.

Verbreitung und Lebensraum

Ursprüngliche Heimat: Der Jägerliest stammt aus dem Osten Australiens. Sein Gebiet reicht von der Kap-York-Halbinsel im Norden bis in den Süden des Kontinents, zur Flinderskette in Südaustralien und bis zum Wilsons Promontory in Victoria. Im Norden und Nordwesten Australiens lebt stattdessen sein naher Verwandter, der Blauflügel-Kookaburra.

Eingeführte Bestände: Menschen haben den Jägerliest in andere Gebiete gebracht:

  • Tasmanien: Anfang des 20. Jahrhunderts eingeführt, heute fest etabliert.
  • Westaustralien: Im äußersten Südwesten eingeführt und heute fest etabliert.
  • Kangaroo Island: 1926 eingeführt, dort lebt eine kleine Population.
  • Neuseeland: Sir George Grey setzte 1866 Jägerlieste auf Kawau Island bei Auckland aus. Versuche in Wellington, Nelson und Otago bis 1880 scheiterten. Nur die Vögel von Kawau Island hielten sich und besiedelten von dort das nahe Festland nördlich von Auckland. Heute leben in Neuseeland vermutlich weniger als 500 Jägerlieste.

Probleme in neuen Gebieten: In Tasmanien und Westaustralien brüten Jägerlieste in Baumhöhlen, die sonst Papageien und Eulen nutzen würden. Außerdem fressen sie kleine Reptilien, Säugetiere und junge Vögel. Das setzt dort heimische Arten unter Druck. In Neuseeland ist der Bestand zu klein für große Schäden, örtlich könnten Jägerlieste aber kleine Singvögel und seltene Geckos gefährden.

Lebensraum: Der Jägerliest lebt fast überall, wo es passende Bäume gibt: in Eukalyptuswäldern und lichten Wäldern, auf Farmland mit Bäumen, in Stadtparks und in Gärten. Zum Brüten braucht er große, alte Bäume mit Höhlen.

Ernährung

Der Jägerliest ist ein Fleischfresser. Er fängt Tiere, die auf dem Boden oder knapp darüber leben. Was er frisst, hängt davon ab, was es in seinem Revier gibt:

  • oft: Insekten, Tausendfüßer, Spinnen und kleine Eidechsen
  • außerdem: Würmer, Krebstiere wie Krabben und Flusskrebse, Frösche und Fische
  • seltener: Schlangen, kleine Säugetiere wie Mäuse und Ratten sowie Vögel

Schlangenjäger: Erwachsene Jägerlieste können sogar Giftschlangen von fast einem Meter Länge erbeuten. Nach New Zealand Birds Online machen Schlangen und andere Reptilien in Australien etwa ein Drittel der Nahrung aus. In Neuseeland gibt es keine Schlangen, was die Ausbreitung dort vielleicht bremst.

So jagt er: Der Jägerliest ist ein Ansitzjäger. Er sitzt oft lange still auf einem Ast und beobachtet mit seinen guten Augen den Boden. Entdeckt er ein Beutetier, stürzt er sich hinab und packt es mit dem Schnabel. Dann fliegt er zurück auf seinen Ast. Größere Beute schlägt er so lange gegen den Ast oder auf den Boden, bis sie sich nicht mehr bewegt. Schlangen lässt er manchmal aus der Höhe fallen. Danach schluckt er die Beute im Ganzen. Unverdauliche Reste wie Knochen, Fell und Insektenpanzer würgt er als Gewölle wieder aus.

Trinken muss der Jägerliest meist nicht, er bekommt genug Wasser aus seiner Beute. Er badet aber gern. In der Nähe von Menschen werden Jägerlieste oft zahm und nehmen Fleischstücke an. Auch dieses Fleisch schlagen sie vor dem Schlucken gegen ihren Sitzplatz.

Verhalten und Lebensweise

Familienleben: Jägerlieste leben in Familiengruppen. Sie bleiben tagsüber in Sicht- und Rufkontakt und schlafen nachts gemeinsam auf einem Baum. Anders als viele andere Eisvögel verteidigen sie ihr Revier das ganze Jahr über und ziehen nicht weg. Ein Revier ist 16 bis 244 Hektar groß, größere Gruppen haben größere Reviere. Die Grenzen zu den Nachbarn respektieren sie genau.

Tagaktiv: Jägerlieste sind am Tag aktiv und verbringen die Nacht im Durchschnitt etwa zwölf Stunden auf ihrem Schlafplatz. Nachts sparen sie Energie: Ihr Stoffwechsel wird langsamer und ihre Körpertemperatur sinkt um bis zu 9,1 °C. Außerdem kuscheln sie sich beim Schlafen aneinander.

Fliegen: Jägerlieste fliegen eher langsam. Wenn sie an Straßen nach überfahrenen Tieren suchen, werden sie deshalb leicht selbst von Autos erfasst.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Paare fürs Leben: Ein Brutpaar bleibt meist viele Jahre zusammen, oft bis einer der Partner stirbt. Bei der Balz bringt das Männchen dem Weibchen Futter.

Helfer in der Familie: Jägerlieste sind kooperative Brüter. Dem Brutpaar helfen bis zu sechs Helfer, meist die Jungen aus den ein bis zwei Jahren davor. In Australien kann diese Helferzeit bis zu vier Jahre dauern. Alle Vögel der Gruppe teilen sich die Aufgaben bei der Aufzucht.

Nest: Als Nest dient eine natürliche Baumhöhle oder eine Höhle, die die Vögel in ein Termitennest in einem Baum graben. Ausgepolstert wird sie kaum. Die Nesthöhe reicht von 20 cm bis 60 m. Eine gute Höhle nutzen Jägerlieste oft viele Jahre lang.

Eier: Die Brutzeit dauert von August bis Januar. Das Weibchen legt meist zwei bis drei weiße Eier, selten eines oder bis zu fünf. Nach etwa 25 Tagen schlüpfen die Küken. Nachts brütet das Weibchen, tagsüber helfen das Männchen und die Helfer.

Streit im Nest: Die Küken sind von Anfang an aggressiv. Mit einem scharfen Haken an der Schnabelspitze greifen sie ihre Geschwister an. In einer Studie bei Canberra starb in einem Drittel der Nester mit zwei oder drei Jungen ein Küken durch seine Geschwister. Der Haken verschwindet, bevor die Jungen flügge werden.

Ausfliegen: Mit 33 bis 39 Tagen verlassen die Jungen die Bruthöhle und können dann schon gut fliegen. Danach werden sie noch mehrere Monate gefüttert. Brüten können Jägerlieste schon mit einem Jahr, die meisten warten aber mehrere Jahre, oft bis zu vier.

Feinde: Die Küken werden manchmal von Beutelmardern, Waranen und Pythons gefressen. Erwachsene Vögel werden von Greifvögeln wie Milanen und Habichten erbeutet.

Alter: In freier Natur werden Jägerlieste etwa 12 bis 13 Jahre alt. In Zoos liegt die mittlere Lebenserwartung bei etwa 18 Jahren.

Gefährdung

Auf der Roten Liste der IUCN ist der Jägerliest in der Einstufung von 2024 als nicht gefährdet (Least Concern) geführt. Die Art ist weit verbreitet. Der San Diego Zoo gibt den Bestandstrend unter Berufung auf diese Einstufung aber als abnehmend an. Ein Problem ist das Abholzen von Eukalyptuswäldern, denn dabei verschwinden die alten Bäume mit den Bruthöhlen. BirdLife Australia nennt außerdem den Klimawandel und eingeschleppte Tiere als Gefahren.

Häufige Fragen zum Jägerliest

Warum lacht der Jägerliest?

Der Ruf klingt nur wie Lachen. In Wahrheit ist er ein Reviergesang: Die Familie ruft im Chor, um anderen Jägerliesten zu zeigen, dass das Revier besetzt ist. Am meisten rufen sie in der Morgen- und Abenddämmerung.

Ist der Jägerliest ein Eisvogel?

Ja, der Jägerliest gehört zur Familie der Eisvögel und ist einer ihrer größten Vertreter. Innerhalb der Familie zählt er zu den Liesten. Seine Beute fängt er meist am Boden.

Wo lebt der Jägerliest?

Er stammt aus dem Osten Australiens und lebt dort in Wäldern, auf Farmland, in Parks und Gärten. Eingeführt wurde er in Tasmanien, im Südwesten Westaustraliens, auf Kangaroo Island und in Neuseeland.

Was frisst ein Jägerliest?

Vor allem Insekten, Würmer, Krebstiere, Spinnen und Eidechsen. Er fängt aber auch Frösche, Mäuse, kleine Vögel und sogar Giftschlangen.

Wie groß wird ein Jägerliest?

Er wird 39 bis 45 cm groß und wiegt etwa 310 bis 480 g. Weibchen sind meist etwas größer und schwerer als Männchen.

Wie alt wird ein Jägerliest?

In freier Natur etwa 12 bis 13 Jahre, in Zoos im Mittel etwa 18 Jahre.

Ähnliche Tiere

  • Eisvogel - unser heimischer Verwandter aus derselben Familie
  • Bienenfresser - ebenfalls ein farbenfroher Rackenvogel
  • Kakadu - australischer Vogel, der wie der Jägerliest in Baumhöhlen brütet
  • Koala - lebt in denselben Eukalyptuswäldern Ostaustraliens
  • Wellensittich - ein weiterer bekannter Vogel aus Australien

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Jägerliest
39 bis 45 cm

Der Jägerliest wird 39 bis 45 cm groß - eher kompakt. Auf unserer Größenskala liegt er zwischen einem Fußball (22 cm) und einem Kind (1,2 m). Ein Kind übertrifft den Jägerliest aber noch um das 3-Fache.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Jägerliest
310 bis 480 g

Ein Jägerliest bringt 310 bis 480 g auf die Waage. Das ist schwerer als eine Tafel Schokolade (100 g), aber leichter als eine Hauskatze (4 kg). Anders ausgedrückt: Der Jägerliest wiegt so viel wie etwa 4 Tafeln Schokolade.