Kegelrobbe
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Kurz erklärt
Die Kegelrobbe ist das größte Raubtier Deutschlands. Männchen werden bis zu 3 Meter lang und bis zu 400 Kilogramm schwer. Kegelrobben leben an den Küsten des Nordatlantiks und der Ostsee und fressen vor allem Fisch. Nachdem sie an deutschen Küsten ausgerottet waren, sind sie zurückgekehrt: Auf Helgoland kommen heute jeden Winter Hunderte Jungtiere mit weißem Fell zur Welt.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Halichoerus grypus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Weibchen etwa 2,3 m, Männchen bis etwa 3 m lang |
| Körpergewicht | Weibchen etwa 250 kg, Männchen bis etwa 400 kg; Jungtiere bei der Geburt etwa 16 kg |
| Ernährung | Fleischfresser: vor allem Fische wie Sandaale, Dorsch, Hering und Plattfische, außerdem Krebstiere, Tintenfische und gelegentlich Seevögel |
| Lebenserwartung | 25 bis 35 Jahre (NOAA) |
| Sozialverhalten | Zur Wurf-, Paarungs- und Fellwechselzeit in großen Gruppen an Land, sonst allein oder in kleinen Gruppen |
| Herkunft | Nordatlantik und Ostsee |
| Verbreitung | Küsten des Nordatlantiks von Ostkanada und dem Nordosten der USA über Island, Großbritannien, Norwegen, die Färöer und Dänemark bis Russland sowie die Ostsee; in Deutschland auf Helgoland, im Wattenmeer und an der Ostseeküste um Rügen EuropaNordamerikaMeer |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1791 durch Fabricius |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2026) |
Das größte Raubtier Deutschlands
Die Kegelrobbe (Halichoerus grypus) ist eine Robbe aus der Familie der Hundsrobben, die man auch Echte Robben nennt. Sie gehört zur Ordnung der Raubtiere. Mit bis zu 3 m Länge und bis zu 400 kg Gewicht ist sie das größte Raubtier Deutschlands. Auch an der Wattenmeerküste ist sie das größte Raubtier.
Name: Ihren deutschen Namen verdankt die Kegelrobbe ihrer typischen Schnauze. Der wissenschaftliche Name Halichoerus grypus bedeutet „hakennasiges Meeresschwein“. Im Englischen nennt man vor allem die Männchen wegen ihres großen Kopfes auch „Pferdeköpfe“.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht: Männchen und Weibchen unterscheiden sich deutlich. Weibchen sind etwa 2,3 m lang und wiegen rund 250 kg. Männchen, auch Bullen genannt, werden bis zu 3 m lang und bis zu 400 kg schwer. Der Naturschutzbund NABU nennt für die Bullen auf Helgoland bis zu 300 kg.
Kopf: Kegelrobben haben eine große, gebogene Nase. Bei den Männchen ist sie länger als bei den Weibchen. Die Seehunde, die oft an denselben Stränden liegen, sind sehr viel kleiner.
Fell: Weibchen haben ein silbergraues oder braunes Fell, oft mit dunklen Flecken. Männchen sind meist dunkelgrau oder braun und haben manchmal silbergraue Flecken.
Echte Robbe: Kegelrobben haben keine äußeren Ohrmuscheln und nur kurze Flossen. An Land bewegen sie sich deshalb auf dem Bauch vorwärts, ähnlich wie eine Raupe. Unter der Haut liegt eine Fettschicht, der Blubber.
Verbreitung und Lebensraum
Kegelrobben leben an den Küsten des Nordatlantiks. Es gibt drei große Bestände:
- Westatlantik: an der Küste Ostkanadas und im Nordosten der USA
- Ostatlantik: unter anderem an den Küsten Großbritanniens, Islands, Norwegens, Dänemarks, der Färöer und Russlands, dazu die Nordsee mit dem Wattenmeer und Helgoland
- Ostsee: ein eigener Bestand mit einer eigenen Unterart
Lebensraum: Kegelrobben ruhen an felsigen Küsten, auf Inseln, Sandbänken und Eis. Zur Welt kommen die Jungen je nach Gebiet auf Eis, an Sandstränden oder auf felsigen Inseln. Oft teilen sich Kegelrobben ihren Lebensraum mit Seehunden.
Wattenmeer und Helgoland: Die Kegelrobben im Wattenmeer und auf Helgoland gehören zu einer größeren Nordsee-Population. Viele Tiere wandern zwischen den Liegeplätzen hin und her. Zum Fellwechsel im Frühjahr kommen besonders viele Kegelrobben aus Großbritannien ins Wattenmeer.
Ernährung
Kegelrobben sind Fleischfresser und jagen vor allem Fische. Nach Angaben der US-Meeresbehörde NOAA fressen sie vor allem Sandaale, Seehechte, Wittlinge, Dorsche, Schellfische, Seelachse und Plattfische. Dazu kommen Krebstiere, Tintenfische, Kraken und manchmal sogar Seevögel.
In der Ostsee: Vor Mecklenburg-Vorpommern bestand die Beute in einer Untersuchung zu etwa 46 bis 63 Prozent aus Hering, zu 25 bis 36 Prozent aus Plötzen und zu 8 bis 15 Prozent aus Dorsch.
Wie viel? Eine Kegelrobbe frisst pro Tag etwa 4 bis 6 Prozent ihres Körpergewichts. Die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern rechnet mit etwa 4,8 kg Fisch pro Tag. Während der Wurf- und Paarungszeit und während des Fellwechsels fressen Kegelrobben dagegen nichts.
Gute Jäger: Kegelrobben sehen und hören sehr gut. Sie jagen oft in Gruppen. Sie können bis zu 475 m tief tauchen und bis zu eine Stunde unter Wasser bleiben.
Verhalten und Lebensweise
Gesellig zu bestimmten Zeiten: Zur Wurf- und Paarungszeit und zum Fellwechsel versammeln sich Kegelrobben in großen Gruppen an Land. Den Rest des Jahres leben sie allein, in kleinen Gruppen oder auch in großen Ansammlungen an Land oder im Meer.
Fellwechsel: Einmal im Jahr wechseln Kegelrobben ihr Fell. Im Wattenmeer geschieht das meist im März und April. Dann liegen die Tiere viel an Land, vermutlich weil sie so weniger Wärme verlieren.
Kämpfe: Etwa zwei Wochen nach der Geburt ihres Jungen sind die Weibchen wieder paarungsbereit. In dieser Zeit verteidigen die Bullen ihren Strandabschnitt und tragen heftige Kämpfe aus, oft mit blutigen Bisswunden. Ein Männchen kann sich in einer Saison mit vielen Weibchen paaren.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Tragzeit: Ein Weibchen ist etwa 11 Monate trächtig und bekommt ein einziges Junges.
Geburtszeit: Wann die Jungen geboren werden, hängt vom Gebiet ab. Im Ostatlantik kommen sie meist zwischen September und November zur Welt, im Westatlantik zwischen Dezember und Februar und in der Ostsee im März. Im Wattenmeer und auf Helgoland liegt die Wurfzeit zwischen November und Januar. Die Weibchen wählen dafür Plätze, die bei Flut nicht überspült werden.
Weißes Babyfell: Neugeborene Kegelrobben wiegen etwa 16 kg und tragen ein dichtes, weißes Fell, das Lanugo. Es hält sie warm, ist aber nicht zum Schwimmen geeignet. Die Jungen bleiben deshalb an Land.
Fettreiche Milch: Die Mutter säugt ihr Junges etwa drei bis vier Wochen lang mit sehr fetter Milch. Sie kehrt dafür mehrmals am Tag zu ihm zurück. Das Junge nimmt in dieser Zeit etwa 1,4 kg pro Tag zu und legt eine dicke Fettschicht an. Auf Helgoland wiegen Jungtiere nach etwa zwei Wochen bis zu 50 kg. Die Mutter selbst frisst während der Stillzeit nichts.
Laute Rufe: Kegelrobben-Babys rufen viel. Ihre Rufe klingen manchmal wie das Weinen eines Menschenbabys. So findet die Mutter ihr Junges am vollen Strand wieder.
Selbstständig: Nach der Stillzeit wechselt das Junge in ein bis vier Wochen sein weißes Fell gegen ein graues, das zum Schwimmen taugt. Danach verlässt es den Strand.
Lebensdauer: Kegelrobben können 25 bis 35 Jahre alt werden.
Rückkehr an die deutschen Küsten
Ausgerottet: Lange galten Kegelrobben als Konkurrenten der Fischer und wurden stark bejagt. Um 1910 waren sie im gesamten Wattenmeer ausgerottet. In der Ostsee lebten Anfang des 20. Jahrhunderts schätzungsweise 80.000 bis 100.000 Kegelrobben. In Deutschland begann ihre Bejagung 1885. Im August 1920 wurde die letzte Kegelrobbe in pommerschen Gewässern geschossen. Danach galt die Art an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns als ausgerottet.
Zurück in der Nordsee: Nach dem Jagdverbot in den 1970er-Jahren eroberten die Kegelrobben das Wattenmeer Stück für Stück zurück. Vermutlich kamen sie von den Farne-Inseln vor Nordengland, wo sich eine der größten Kolonien des Atlantiks gebildet hatte. Zuerst siedelten sie sich an der Küste von Amrum und auf der Kachelotplatte westlich von Juist an. Seit 1989 haben sie auch Helgoland wieder für sich entdeckt. Ende der 1990er-Jahre kam dort zum ersten Mal wieder ein Jungtier zur Welt.
Helgoland heute: Die Helgoländer Düne, eine kleine Nachbarinsel der Hauptinsel, ist heute ein wichtiger Wurfplatz. In der Wurfzeit 2024/2025 zählten Fachleute auf Helgoland 971 Jungtiere, 22 Prozent mehr als im Jahr davor. Im ganzen Wattenmeer und auf Helgoland waren es zusammen 3.051 Jungtiere. Beim Fellwechsel im Frühjahr 2025 wurden dort 12.064 Kegelrobben gezählt. In den letzten fünf Jahren wuchs die Zahl der Jungtiere im Schnitt um gut 12 Prozent pro Jahr.
Zurück in der Ostsee: Ab Mitte der 1980er-Jahre wurden Kegelrobben in der Ostsee geschützt, gleichzeitig gelangten weniger Schadstoffe ins Meer. Heute leben in der gesamten Ostsee wieder etwa 30.000 bis 40.000 Kegelrobben, deutlich weniger als früher. An der deutschen Ostseeküste sieht man sie vor allem rund um Rügen und im Greifswalder Bodden. Im Frühjahr 2021 hielten sich allein im Greifswalder Bodden 300 bis 350 Tiere auf. Im März 2018 und 2019 wurden erstmals wieder Geburten bei Kap Arkona auf Rügen und auf der Insel Poel nachgewiesen.
Gefährdung und Schutz
Die Rote Liste der IUCN stuft die Kegelrobbe weltweit als nicht gefährdet (LC) ein (IUCN, 2026). In Kanada und den USA leben zusammen etwa 450.000 Kegelrobben.
Gefahren: Kegelrobben verfangen sich in Stellnetzen, Schleppnetzen und anderem Fischereigerät oder in Müll im Meer. Sie können dabei ertrinken oder sich schwer verletzen. Weitere Gefahren sind Schadstoffe, die sich in ihrem Fett anreichern, Ölunfälle, Zusammenstöße mit Booten und Störungen durch Menschen.
Konflikte mit Fischern: An der Ostseeküste beschädigen Kegelrobben Stellnetze und Aalreusen und holen Fische heraus. Mecklenburg-Vorpommern ersetzt Fischern seit 2020 bis zu 80 Prozent solcher Schäden. Nach Einschätzung der Landesregierung hat das Fressen der Kegelrobben aber keine grundlegenden Auswirkungen auf den Heringsbestand der westlichen Ostsee.
Abstand halten: Auf der Helgoländer Düne weisen Schilder darauf hin, 30 m Abstand zu den Robben zu halten. Wer zwischen eine Mutter und ihr Junges gerät, riskiert einen Angriff. Scheue Mütter trauen sich dagegen manchmal nicht zu ihrem Jungen zurück. Wird ein Junges nicht rechtzeitig gesäugt, kann es verhungern.
Häufige Fragen zur Kegelrobbe
Wie groß und schwer wird eine Kegelrobbe?
Männchen werden bis zu 3 m lang und bis zu 400 kg schwer. Weibchen sind mit etwa 2,3 m und rund 250 kg deutlich kleiner. Damit ist die Kegelrobbe das größte Raubtier Deutschlands.
Was frisst eine Kegelrobbe?
Kegelrobben fressen vor allem Fische, zum Beispiel Sandaale, Dorsche, Heringe und Plattfische. Dazu kommen Krebstiere, Tintenfische und manchmal Seevögel. Pro Tag frisst eine Kegelrobbe etwa 4 bis 6 Prozent ihres Körpergewichts.
Wo kann man Kegelrobben in Deutschland sehen?
Am bekanntesten ist die Helgoländer Düne, wo im Winter Hunderte Jungtiere geboren werden. Kegelrobben leben außerdem im Wattenmeer, etwa vor Amrum und Juist, und an der Ostseeküste rund um Rügen und im Greifswalder Bodden.
Was ist der Unterschied zwischen Kegelrobbe und Seehund?
Die Kegelrobbe ist sehr viel größer als der Seehund und hat eine große, gebogene Nase. Im Wattenmeer bekommen Kegelrobben ihre Jungen im Winter, zwischen November und Januar. Die Jungen tragen zuerst ein weißes Babyfell und bleiben damit an Land.
Wann bekommen Kegelrobben ihre Jungen?
Im Wattenmeer und auf Helgoland zwischen November und Januar, in der Ostsee im März. Das Junge wird etwa drei bis vier Wochen gesäugt und bleibt in dieser Zeit an Land.
Ist die Kegelrobbe gefährlich?
Kegelrobben sind Raubtiere mit kräftigem Gebiss. Mütter verteidigen ihre Jungen, und Bullen kämpfen in der Paarungszeit heftig. Deshalb sollte man immer mindestens 30 m Abstand halten und die Tiere nie füttern.
Ähnliche Tiere
- Robbe - die ganze Gruppe der Robben im Überblick
- Walross - eine große Robbe mit langen Stoßzähnen aus dem hohen Norden
- Seeleopard - eine große Raubrobbe aus der Antarktis
- Seeotter - ein kleineres Raubtier, das ebenfalls im Meer lebt
- Eisbär - ein großes Raubtier der Arktis, das Robben jagt
Quellen
- Breed, A.C. (2026): Halichoerus grypus. The IUCN Red List of Threatened Species
- Gray Seal - NOAA Fisheries
- Schop, J. et al. (2025): Grey Seal Numbers in the Wadden Sea and Helgoland in 2024-2025. Common Wadden Sea Secretariat
- Grey seal numbers in Wadden Sea show continuous growth in 2024-2025 survey season - Common Wadden Sea Secretariat
- Bei den Kegelrobben auf Helgoland - NABU
- Landtag Mecklenburg-Vorpommern (2022): Populationsentwicklung der Kegelrobben. Antwort der Landesregierung, Drucksache 8/209
Größenvergleich
Eine Kegelrobbe erreicht eine Körpergröße von 2,3 bis 3 m. Damit passt sie bequem zwischen einen Erwachsenen (1,8 m) und einen Elefanten (3,5 m) auf unserer Vergleichsskala.
Gewichtsvergleich
Eine Kegelrobbe bringt 250 bis 400 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Erwachsener (75 kg), aber leichter als ein Auto (1,5 t). Anders ausgedrückt: Die Kegelrobbe wiegt so viel wie etwa 4 Erwachsene.