Lisztaffe
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Kurz erklärt
Der Lisztaffe ist ein kleiner Affe aus der Familie der Krallenaffen, der nur im Nordwesten Kolumbiens lebt. Er wiegt nicht einmal ein halbes Kilo und trägt eine lange weiße Haarmähne, die an die Frisur des Komponisten Franz Liszt erinnert. Lisztaffen leben in Familiengruppen, in denen alle beim Tragen der Babys helfen. Die Art ist vom Aussterben bedroht.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Saguinus oedipus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 18 bis 26 cm |
| Körpergewicht | 260 bis 500 g |
| Ernährung | Allesfresser: Insekten, Früchte, Baumsäfte und Pflanzengummi, Nektar, gelegentlich kleine Wirbeltiere |
| Lebenserwartung | Etwa 10 bis 12 Jahre, in Menschenobhut bis 24 Jahre |
| Sozialverhalten | Familiengruppen mit meist 2 bis 10 Tieren |
| Herkunft | Kolumbien |
| Verbreitung | Nordwesten Kolumbiens; außerhalb davon nur in Zoos und Tierparks Südamerika |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | CR Vom Aussterben bedroht (Rote Liste der IUCN, 2021) |
| Sonstiges | Körpergröße ohne Schwanz, der Schwanz ist 25 bis 41 cm lang. Die IUCN führt die Art inzwischen unter dem Namen Oedipomidas oedipus. |
Aussehen und Körperbau
Der Lisztaffe ist ein kleiner Affe mit einem auffälligen Kopfschmuck. Von der Stirn über den Scheitel bis in den Nacken wachsen ihm lange weiße Haare, die wie eine Mähne über die Schultern fallen. Im Deutschen hat ihm diese Frisur seinen Namen eingebracht: Sie erinnert an die langen Haare des Komponisten Franz Liszt. Auf Englisch heißt er „Cotton-top Tamarin“, also Tamarin mit dem Baumwollschopf.
Das Gesicht ist fast nackt und dunkelgrau bis schwarz. Brust, Bauch, Arme und Beine sind weiß, der Rücken ist braun gefärbt. Wie alle Krallenaffen hat der Lisztaffe an Fingern und Zehen keine flachen Nägel wie wir, sondern spitze Krallen.
Größe und Gewicht: Ohne Schwanz ist ein Lisztaffe etwa 18 bis 26 cm lang. Der Schwanz kommt mit 25 bis 41 cm noch einmal dazu und ist damit länger als der Körper. Ein ausgewachsenes Tier wiegt je nach Quelle 260 bis 500 g, im Durchschnitt gut 400 g. Das ist ungefähr so viel wie ein Päckchen Butter und ein Apfel zusammen. Männchen und Weibchen sind etwa gleich groß.
Verbreitung und Lebensraum
Lisztaffen gibt es in freier Natur nur im Nordwesten Kolumbiens. Ihr Gebiet liegt im Tiefland nahe der Karibikküste, westlich des Río Magdalena. Es verteilt sich auf die Provinzen (Departamentos) Córdoba, Sucre, Antioquia, Atlántico und Bolívar. Außerhalb Kolumbiens leben Lisztaffen nur in Zoos und Tierparks.
Die Tiere bewohnen tropische Trockenwälder und feuchtere Tieflandwälder. Sie leben sowohl in ursprünglichem Wald als auch in Wald, der nach einer Rodung wieder nachgewachsen ist. Meist findet man sie unterhalb von 400 Metern Höhe, höchstens bis etwa 1.500 Meter.
Lisztaffen sind echte Baumbewohner. Auf Nahrungssuche gehen sie vor allem im mittleren Stockwerk des Waldes, etwa 5 bis 15 Meter über dem Boden. Dort klettern sie auf allen vieren über Äste und springen von Baum zu Baum. Ein Sprung kann über 4,5 Meter weit sein.
Ernährung
Der Lisztaffe ist ein Allesfresser. In einer Untersuchung bestand seine Nahrung zu etwa 40 Prozent aus Insekten, zu 38 Prozent aus Früchten und zu 14 Prozent aus Baumsäften und Pflanzengummi. Auf seinem Speiseplan stehen:
- Insekten
- Früchte
- Pflanzengummi und Baumsäfte
- Nektar und Nüsse
- gelegentlich kleine Wirbeltiere wie Eidechsen, Mäuse oder Vögel
Verhalten und Lebensweise
Lisztaffen sind tagaktiv. Frühaufsteher sind sie allerdings nicht: Morgens werden sie erst etwa eine Stunde und zwanzig Minuten nach Sonnenaufgang aktiv. Auf der Suche nach Futter legt eine Gruppe am Tag etwa 1,5 bis 1,9 Kilometer zurück, mit gemächlichen 0,12 bis 0,24 Kilometern pro Stunde.
Familiengruppen: Lisztaffen leben in Gruppen von meist 2 bis 10 Tieren, manche Gruppen sind größer als 15. Eine Gruppe besteht aus einem erwachsenen Paar, das Nachwuchs bekommt, dessen Jungen und weiteren meist jüngeren Tieren. Jede Gruppe nutzt ein Streifgebiet von etwa 7 bis 10 Hektar. Das entspricht ungefähr 10 bis 14 Fußballfeldern.
Verständigung: Lisztaffen sind sehr gesprächig. Forschende haben mindestens 38 verschiedene Rufe unterschieden, darunter Zwitscherlaute, Schreie und lange Rufe, mit denen sich die Gruppe zusammenhält. Außerdem verständigen sie sich über Duftstoffe.
Fortpflanzung und Nachwuchs
In einer Gruppe bekommt normalerweise nur ein Weibchen Nachwuchs. Die anderen erwachsenen Weibchen pflanzen sich in dieser Zeit nicht fort. In freier Natur kommen die meisten Jungen zu Beginn der Regenzeit zur Welt, vor allem von April bis Juni.
Die Tragzeit dauert je nach Quelle etwa 140 bis 180 Tage, also rund fünf bis sechs Monate. Fast immer bringt das Weibchen Zwillinge zur Welt, die sich nicht gleichen, also zweieiige Zwillinge. Jedes Neugeborene wiegt etwa so viel wie ein Hühnerei.
Alle packen mit an: Im ersten Monat werden die Babys ständig getragen. Das übernehmen vor allem der Vater und andere Gruppenmitglieder, zum Beispiel ältere Geschwister. Die Mutter nimmt sie hauptsächlich zum Säugen. Nach etwa zehn Wochen bewegen sich die Jungen schon die Hälfte der Zeit selbst. Ab einem Alter von etwa 14 Wochen werden sie kaum noch getragen. Weibchen sind mit etwa 18 Monaten geschlechtsreif, Männchen mit etwa 24 Monaten.
Das Helfen ist für die Jungtiere auch eine wichtige Schule. Lisztaffen, die nie selbst Geschwister getragen haben, kümmern sich später oft schlecht um den eigenen Nachwuchs oder lehnen ihn ab.
Lebenserwartung: Lisztaffen werden etwa 10 bis 12 Jahre alt. In Menschenobhut wurde ein Tier 24 Jahre alt.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde der Lisztaffen sind Greifvögel, marderartige Raubtiere, Wildkatzen und Schlangen. Gefährlicher für die Art ist aber der Mensch.
Die Rote Liste der IUCN stuft den Lisztaffen als vom Aussterben bedroht ein (CR, Einstufung 2021). Dafür gibt es mehrere Gründe:
- Lebensraumverlust: Ein großer Teil der Wälder in seinem kleinen Verbreitungsgebiet wurde für Weiden, Felder und Siedlungen gerodet. Übrig sind oft nur einzelne Waldstücke.
- Tierhandel: Lisztaffen werden illegal gefangen und als Haustiere verkauft.
- Tierversuche früher: In den späten 1960er-Jahren wurden 20.000 bis 30.000 Lisztaffen für die medizinische Forschung gefangen. Seit den 1970er-Jahren steht die Art in Anhang I des Washingtoner Artenschutzabkommens. Damit ist der kommerzielle internationale Handel mit Lisztaffen verboten.
Eine Zählung im Jahr 2012 ergab rund 6.900 Lisztaffen in freier Natur. Im Vergleich zu einer ersten Zählung im Jahr 2005 war der Bestand im untersuchten Gebiet nur leicht gesunken. Die Forschenden führen das auf den Einsatz von Schutzprojekten wie „Proyecto Tití“, weiteren Naturschutzorganisationen und der kolumbianischen Regierung zurück. Dennoch ist die Art weiter stark bedroht.
Besonderheiten
- Nur in einem Land: Der Lisztaffe kommt in freier Natur ausschließlich in Kolumbien vor. Wird sein Lebensraum dort zerstört, gibt es keine anderen wilden Bestände.
- Wissenschaftlicher Name im Wandel: Lange hieß der Lisztaffe nur Saguinus oedipus. Einige Fachleute stellen ihn inzwischen in eine eigene Gattung Oedipomidas. Auch die IUCN führt die Art inzwischen unter diesem Namen.
- Helfer zählen: In freier Natur überleben etwa 86 Prozent der Jungen. In Gruppen mit fünf Tieren, also mit mehreren Helfern, überleben fast alle.
Häufige Fragen zum Lisztaffen
Warum heißt der Lisztaffe so?
Seinen Namen verdankt er der langen weißen Haarmähne auf Kopf und Schultern. Sie erinnert an die Frisur des ungarischen Komponisten und Pianisten Franz Liszt, der im 19. Jahrhundert lebte. Auf Englisch heißt der Affe dagegen „Cotton-top Tamarin“, weil der Schopf wie Baumwolle aussieht.
Wo lebt der Lisztaffe?
Nur im Nordwesten Kolumbiens in Südamerika, im Tiefland nahe der Karibikküste. Dort bewohnt er Trocken- und Feuchtwälder unterhalb von etwa 1.500 Meter Höhe. In Europa kann man Lisztaffen nur in Zoos sehen.
Was frisst ein Lisztaffe?
Er frisst vor allem Insekten und Früchte. Dazu kommen Baumsäfte, Pflanzengummi, Nektar und manchmal kleine Tiere wie Eidechsen. Er ist also ein Allesfresser.
Wie groß und schwer wird ein Lisztaffe?
Der Körper ist ohne Schwanz etwa 18 bis 26 cm lang, der Schwanz 25 bis 41 cm. Ein erwachsener Lisztaffe wiegt meist um die 400 g, also weniger als ein halbes Kilogramm.
Warum ist der Lisztaffe vom Aussterben bedroht?
Sein Lebensraum ist sehr klein, und viele Wälder dort wurden gerodet. Außerdem werden Lisztaffen illegal als Haustiere gefangen. Früher wurden zehntausende Tiere für Tierversuche exportiert. 2012 lebten nur noch rund 6.900 Lisztaffen in freier Natur.
Kann man einen Lisztaffen als Haustier halten?
Nein, davon ist dringend abzuraten. Lisztaffen sind streng geschützt, und der Fang für den Tierhandel ist einer der Gründe, warum die Art bedroht ist. Sie brauchen ihre Familiengruppe, viel Platz zum Klettern und besonderes Futter, was in einer Wohnung nicht möglich ist.
Ähnliche Tiere
- Zwergseidenäffchen - ein sehr kleiner Krallenaffe aus dem Amazonasgebiet
- Kaiserschnurrbarttamarin - ein Tamarin mit auffälligem Schnurrbart
- Rothandtamarin - ein weiterer Tamarin aus Südamerika
- Zweifarbentamarin - ein ebenfalls vom Aussterben bedrohter Tamarin aus Brasilien
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- Totenkopfaffe - ein anderer kleiner Affe aus Südamerika
Quellen
- Savage, A. et al. (2016): An Assessment of the Population of Cotton-Top Tamarins (Saguinus oedipus) and Their Habitat in Colombia. PLOS ONE 11 (12): e0168324
- Cotton-top tamarin - Primate Info Net, Wisconsin National Primate Research Center
- Cotton-top tamarin - Smithsonian's National Zoo
- Saguinus oedipus - Animal Diversity Web, University of Michigan
- Rodríguez, V. et al. (2021): Saguinus oedipus (heute Oedipomidas oedipus). The IUCN Red List of Threatened Species 2021
- Lisztaffe - Wikipedia
Größenvergleich
Der Lisztaffe wird 18 bis 26 cm groß - eher kompakt. Auf unserer Größenskala liegt er zwischen einer 1-Euro-Münze (2,3 cm) und einem Kind (1,2 m). Im direkten Vergleich ist der Lisztaffe rund 10-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze, aber ein Kind übertrifft den Lisztaffe noch um das 5-Fache.
Gewichtsvergleich
Ein Lisztaffe bringt 260 bis 500 g auf die Waage. Das ist schwerer als eine Tafel Schokolade (100 g), aber leichter als eine Hauskatze (4 kg). Anders ausgedrückt: Der Lisztaffe wiegt so viel wie etwa 4 Tafeln Schokolade.