Luchs
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Kurz erklärt
Luchse sind Wildkatzen mit Pinselohren, Backenbart und kurzem Stummelschwanz. Es gibt vier Arten in Europa, Asien und Nordamerika. In Deutschland lebt der Eurasische Luchs, die größte Art: Er wird bis 25 Kilogramm schwer und jagt vor allem Rehe. Nach seiner Ausrottung ist er heute im Harz, in Ostbayern und in Rheinland-Pfalz wieder zu Hause.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Lynx (Gattung mit vier Arten) |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Kopf-Rumpf-Länge: Eurasischer Luchs 90 bis 120 cm, Lynx pardinus 65 bis 92 cm, Lynx canadensis 73 bis 106 cm, Lynx rufus 50 bis 120 cm; Schwanz nur 9 bis 25 cm |
| Körpergewicht | Eurasischer Luchs 17 bis 25 kg, Lynx pardinus 8 bis 16 kg, Lynx canadensis 8 bis 12 kg, Lynx rufus 6 bis 20 kg; Männchen schwerer als Weibchen |
| Ernährung | Fleischfresser: Eurasischer Luchs vor allem kleine bis mittelgroße Huftiere wie Rehe und Gämsen; die anderen Arten vor allem Kaninchen und Hasen |
| Lebenserwartung | Je nach Art: Eurasischer Luchs 17 bis 24 Jahre, Lynx rufus 10 bis 17 Jahre, Lynx canadensis bis 16 Jahre, Lynx pardinus bis 14 Jahre |
| Sozialverhalten | Einzelgänger mit Revier; beim Eurasischen Luchs umfasst ein Männchenrevier meist die Reviere von ein bis zwei Weibchen |
| Herkunft | Europa, Asien und Nordamerika |
| Verbreitung | Eurasischer Luchs von Westeuropa bis zum Pazifik und in Zentralasien bis zum Himalaya; Lynx pardinus nur in Spanien und Portugal; Lynx canadensis in Kanada, Alaska und im Norden der USA; Lynx rufus von Südkanada bis Mexiko AsienEuropaNordamerika |
| Entdeckung | Eurasischer Luchs 1758 von Linné, Lynx rufus 1777 von Schreber, Lynx canadensis 1792 von Kerr, Lynx pardinus 1827 von Temminck beschrieben |
| Sonstiges | Gattung mit vier Arten: Eurasischer Luchs (Lynx lynx; IUCN: nicht gefährdet, LC 2015), Iberischer Luchs (Lynx pardinus; gefährdet, VU 2024), Kanadischer Luchs (Lynx canadensis; LC 2025) und Rotluchs (Lynx rufus; LC 2016). In Deutschland lebt nur der Eurasische Luchs; im Monitoringjahr 2022/2023 wurden mindestens 189 Tiere nachgewiesen. |
Was ist ein Luchs?
„Luchs“ ist der Name für eine ganze Gattung von Wildkatzen mit dem wissenschaftlichen Namen Lynx. Zu ihr gehören vier Arten:
- Eurasischer Luchs (Lynx lynx): die größte Art, lebt in Europa und Asien. Er ist auch der Luchs, der in Deutschland vorkommt. Ihn zeigt das Bild oben.
- Iberischer Luchs (Lynx pardinus): lebt nur in Spanien und Portugal und war vor gut 20 Jahren fast ausgestorben
- Kanadischer Luchs (Lynx canadensis): lebt in den nördlichen Wäldern Kanadas und Alaskas
- Rotluchs (Lynx rufus): lebt in Nordamerika von Südkanada bis Mexiko
Der Iberische Luchs galt früher als Unterart des Eurasischen Luchses. Wegen deutlicher Unterschiede im Erbgut und im Körperbau gilt er heute als eigene Art. In der Eiszeit lebten beide Arten in denselben Gegenden.
Woran erkennt man einen Luchs?
Alle Luchse haben einige gemeinsame Merkmale, an denen man sie leicht erkennt:
- Pinselohren: An den Ohrspitzen sitzen lange, schwarze Haarbüschel. Beim Eurasischen Luchs sind die Ohren hinten schwarz und tragen einen weißen Fleck. Beim Rotluchs sind die Pinsel kürzer als bei den anderen Arten.
- Backenbart: Ein Kranz aus längeren Haaren umrahmt das Gesicht. Besonders auffällig ist er beim Iberischen Luchs, vor allem bei erwachsenen Tieren. Auch Kanadischer Luchs und Rotluchs tragen einen solchen Haarkranz.
- Stummelschwanz: Der Schwanz ist kurz. Beim Eurasischen und beim Iberischen Luchs hat er eine schwarze Spitze. Der Rotluchs hat dunkle Querbinden auf dem Schwanz, und die Unterseite ist weiß statt schwarz.
- Lange Beine und große Pfoten: Beim Eurasischen Luchs sind die Pfoten im Winter dicht behaart und wirken wie Schneeschuhe. Beim Kanadischen Luchs tragen sie das Körpergewicht im Schnee doppelt so gut wie die Pfoten des Rotluchses.
Das Fell des Eurasischen Luchses ist grau bis rötlich oder gelblich. Manche Tiere sind fast ungefleckt, andere tragen kleine oder große Flecken oder sogar Rosetten. Bauch, Brust und Unterseite sind hell.
Die vier Luchsarten im Vergleich
| Art | Gewicht | Kopf-Rumpf-Länge | Schwanz |
|---|---|---|---|
| Eurasischer Luchs | 17 bis 25 kg | 90 bis 120 cm | 19 bis 23 cm |
| Iberischer Luchs | 8 bis 16 kg | 65 bis 92 cm | 11 bis 16 cm |
| Kanadischer Luchs | 8 bis 12 kg | 73 bis 106 cm | 10 bis 15 cm |
| Rotluchs | 6 bis 20 kg | 50 bis 120 cm | 9 bis 25 cm |
Bei allen Arten sind die Männchen schwerer als die Weibchen, beim Eurasischen Luchs um 25 bis 30 Prozent.
Eurasischer Luchs
Der Eurasische Luchs ist die größte und hochbeinigste Luchsart. Tiere aus dem Norden und Osten seines Verbreitungsgebiets sind größer als die aus dem Süden und Westen. Er lebt in Wäldern vom Atlantik in Westeuropa bis an die Pazifikküste im Fernen Osten Russlands. In Zentralasien kommt er auch in lichten Wäldern, Steppen und im Hochgebirge vor, nachgewiesen bis in 5.500 Meter Höhe. Weltweit gilt er als nicht gefährdet. In Europa ohne Russland und Belarus leben schätzungsweise 9.000 bis 10.000 Eurasische Luchse.
Iberischer Luchs
Der Iberische Luchs ist etwa halb so groß wie der Eurasische Luchs. Er ist ein Spezialist: 80 bis 100 Prozent seiner Beute sind Wildkaninchen. Daneben fängt er Nagetiere, Rebhühner, Enten und junge Hirsche. Er lebt in mediterranem Buschland in Spanien und Portugal. Seine Geschichte ist eine der großen Erfolgsgeschichten des Artenschutzes (mehr dazu unten).
Kanadischer Luchs
Der Kanadische Luchs ist etwa halb so schwer wie der Eurasische Luchs. Keine andere Katze hängt so stark von einem einzigen Beutetier ab wie er vom Schneeschuhhasen. Die Zahl der Hasen schwankt in einem Rhythmus von acht bis elf Jahren gewaltig. Die Luchse folgen diesem Auf und Ab mit ein bis zwei Jahren Verzögerung. In guten Jahren bekommen fast alle Weibchen Junge, im Mittel vier bis fünf pro Wurf. In schlechten Jahren pflanzt sich kaum ein Weibchen fort, und viele Luchse wandern auf der Suche nach Hasen weit umher, manche bis zu 1.200 Kilometer.
Rotluchs
Der Rotluchs hat seinen englischen Namen „Bobcat“ von seinem kurzen Schwanz, der im Durchschnitt nur 14 Zentimeter misst. Er hat kürzere Beine und kleinere Pfoten als der Kanadische Luchs und wirkt stämmiger. Er lebt in Wäldern, Sümpfen, Buschland und Wüsten und kommt sogar in Städten vor, zum Beispiel in Tucson in Arizona. Am häufigsten frisst er Kaninchen und Hasen. Wo er mit dem Kanadischen Luchs zusammentrifft, verdrängt der angriffslustigere Rotluchs meist den Kanadischen Luchs.
Ernährung: Was frisst ein Luchs?
Luchse sind reine Fleischfresser. Der Eurasische Luchs jagt vor allem kleine bis mittelgroße Huftiere wie Rehe, Gämsen, Rentiere und Moschustiere. Er kann Tiere erlegen, die drei- bis viermal so groß sind wie er selbst. In der Schweiz machen Rehe und Gämsen 88 Prozent seiner Beute aus. Rothirsche erbeutet er nur gelegentlich, und dann meist junge Tiere.
Wo Huftiere selten sind, frisst er kleinere Beute: Hasen, Füchse, Murmeltiere, Vögel oder auch Schafe und Ziegen. Im europäischen Teil Russlands und in Westsibirien, wo es keine Rehe gibt, sind Schneehasen und Raufußhühner seine Hauptbeute.
Die anderen drei Luchsarten jagen vor allem kleinere Tiere wie Kaninchen und Hasen.
Verhalten und Lebensweise
Luchse sind Einzelgänger und verteidigen ein Revier. Der Eurasische Luchs ist vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung aktiv. Er hört ausgezeichnet und sieht sehr gut. Seine Beute beschleicht er oder lauert ihr auf und tötet sie mit einem gezielten Biss in die Kehle. Wird er nicht gestört, frisst er mehrere Nächte lang an einem erlegten Huftier.
Die Reviere sind riesig. Bei Männchen können sie 100 bis 1.000 Quadratkilometer groß sein. In der Schweiz waren Weibchenreviere im Durchschnitt 90 Quadratkilometer groß, Männchenreviere 150 Quadratkilometer. Das Revier eines Männchens umfasst meist die Reviere von ein oder zwei Weibchen. Luchse verständigen sich über Duftmarken und Rufe.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Die Paarungszeit des Eurasischen Luchses dauert von Februar bis Anfang April und hat ihren Höhepunkt in der zweiten Märzhälfte. In dieser Zeit sind Luchse häufiger auch tagsüber unterwegs und rufen viel.
- Tragzeit: 68 bis 73 Tage
- Geburt: meist Ende Mai bis Anfang Juni
- Wurfgröße: 1 bis 4 Junge
- Abstand zwischen zwei Würfen: in der Regel ein Jahr
Mit etwa zwei Monaten folgen die Jungen ihrer Mutter zur Beute. Mit rund zehn Monaten, in der nächsten Paarungszeit, trennt sich die Mutter von ihnen. Das Leben junger Luchse ist gefährlich: Im ersten Jahr stirbt die Hälfte, im zweiten Jahr, wenn sie ein eigenes Revier suchen, noch einmal die Hälfte. Weibchen können sich ab einem Alter von zwei Jahren fortpflanzen, Männchen meist ab drei Jahren.
Der Luchs in Deutschland
In Deutschland lebt nur der Eurasische Luchs. In weiten Teilen Westeuropas war er ausgerottet. Seine Wälder wurden abgeholzt, Beutetiere waren selten, und für jeden getöteten Luchs gab es eine Belohnung. Heute lebt er wieder bei uns, weil Luchse in mehreren Ländern ausgewildert wurden, auch in Deutschland.
Es gibt drei Vorkommen:
- Harz: Die Harz-Population nimmt die größte Fläche ein. Sie erstreckt sich über Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Hessen.
- Ostbayern: im Bayerischen Wald und im südlichen Oberpfälzer Wald. Diese Luchse gehören zur Böhmisch-Bayerischen Population.
- Rheinland-Pfalz: Diese Luchse gehören zur Population in den Vogesen und der Pfalz.
Im Monitoringjahr 2022/2023 wiesen die Bundesländer mindestens 189 Luchse aller Altersgruppen nach. Die meisten eindeutigen Nachweise kamen aus Niedersachsen (622) und Bayern (474). Außerdem dokumentierten die Länder 34 Fälle von Nachwuchs und 17 tote Luchse.
Alle wieder angesiedelten Luchsbestände in Europa sind klein, meist voneinander getrennt und gelten als stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Gefährlich werden den Luchsen vor allem:
- Straßenverkehr
- illegale Tötungen, oft wegen Konflikten mit Jägern und Nutztierhaltern
- die Zerschneidung der Landschaft durch Straßen und Siedlungen
- Inzucht, weil die kleinen Bestände kaum Kontakt zueinander haben
Im Schweizer Jura waren Wilderei und Verkehrsunfälle für 70 Prozent der Todesfälle verantwortlich. Der Eurasische Luchs ist in Deutschland geschützt, die Jagd auf ihn ist verboten. In der EU steht er in den Anhängen II und IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie.
Das Comeback des Iberischen Luchses
Seine wichtigste Beute, das Wildkaninchen, wurde im 20. Jahrhundert immer seltener. Noch 1987/88 schätzte man 1.136 Luchse in Spanien. Im Jahr 2002 gab es nur noch zwei kleine, getrennte Bestände mit zusammen weniger als 100 Tieren: in der östlichen Sierra Morena und in Doñana im Südwesten Spaniens. Die IUCN stufte die Art damals als vom Aussterben bedroht ein.
Dann begann ein großes Schutzprogramm. Man vermehrte die Kaninchen, verbesserte die Lebensräume, baute Tunnel unter Straßen und züchtete Luchse in Zuchtstationen. Seit 2011 wurden 424 Luchse ausgewildert, ab 2014 auch in Portugal. Die Erfolge sind beeindruckend:
- 2015 wurde der Iberische Luchs auf „stark gefährdet“ zurückgestuft, 2024 auf „gefährdet“.
- 2021 wurden 1.365 Luchse gezählt.
- 2025 waren es 2.663 Luchse, davon 2.269 in Spanien und 394 in Portugal. Darunter waren 952 Jungtiere.
Ganz in Sicherheit ist der Iberische Luchs aber noch nicht. 2025 gab es 542 Weibchen mit eigenem Revier oder Nachwuchs. Als Ziel für einen günstigen Zustand gelten 750. Im selben Jahr wurden 273 tote Luchse gefunden, 212 davon wurden überfahren.
Häufige Fragen zum Luchs
Wie viele Luchse gibt es in Deutschland?
Im Monitoringjahr 2022/2023 wiesen die Bundesländer mindestens 189 Luchse aller Altersgruppen nach. Sie leben in drei Vorkommen: im Harz, in Ostbayern und in Rheinland-Pfalz.
Wie groß und schwer wird ein Luchs?
Das hängt von der Art ab. Der Eurasische Luchs, der in Deutschland lebt, ist 90 bis 120 Zentimeter lang und wiegt 17 bis 25 Kilogramm. Iberische und Kanadische Luchse sind nur etwa halb so schwer.
Welche Luchsarten gibt es?
Es gibt vier Arten: den Eurasischen Luchs in Europa und Asien, den Iberischen Luchs in Spanien und Portugal sowie den Kanadischen Luchs und den Rotluchs in Nordamerika. Alle haben Pinselohren und einen kurzen Schwanz.
Was frisst ein Luchs?
Der Eurasische Luchs jagt vor allem Rehe, Gämsen und andere kleine bis mittelgroße Huftiere. In der Schweiz machen Rehe und Gämsen zusammen 88 Prozent seiner Beute aus. Wo Huftiere selten sind, fängt er Hasen, Füchse und Vögel, manchmal auch Schafe oder Ziegen.
Wann bekommen Luchse Junge?
Eurasische Luchse paaren sich von Februar bis Anfang April. Nach 68 bis 73 Tagen kommen Ende Mai oder Anfang Juni ein bis vier Junge zur Welt. Sie bleiben etwa zehn Monate bei der Mutter.
Wie alt wird ein Luchs?
Die Katzenexperten der IUCN geben für den Eurasischen Luchs 17 bis 24 Jahre an. Iberische Luchse werden bis zu 14 Jahre alt, Kanadische Luchse bis zu 16 Jahre. Viele junge Luchse sterben aber schon in den ersten beiden Lebensjahren.
Ähnliche Tiere
- Rotluchs - der Luchs Nordamerikas mit dem kurzen, gebänderten Schwanz
- Karakal - wird wegen seiner Ohrpinsel auch Wüstenluchs genannt
- Puma - eine große Wildkatze aus Amerika
- Serval - eine hochbeinige Wildkatze aus Afrika
Quellen
- Eurasian Lynx (Lynx lynx) - IUCN SSC Cat Specialist Group
- Iberian Lynx (Lynx pardinus) - IUCN SSC Cat Specialist Group
- Canada Lynx (Lynx canadensis) - IUCN SSC Cat Specialist Group
- Bobcat (Lynx rufus) - IUCN SSC Cat Specialist Group
- Deutscher Bundestag (2024): Antwort der Bundesregierung - Der Luchs in Deutschland im Monitoringjahr 2022/2023, Drucksache 20/12224
- MITECO (2026): La población de lince ibérico alcanzó los 2.663 ejemplares en 2025 - Ministerio para la Transición Ecológica y el Reto Demográfico
Größenvergleich
Ein Luchs erreicht eine Körpergröße von 50 cm bis 1,2 m. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und einen Erwachsenen (1,8 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Luchs ist etwa 4-mal so groß wie ein Fußball.
Gewichtsvergleich
Ein Luchs bringt 6 bis 25 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine Hauskatze (4 kg), aber leichter als ein Erwachsener (75 kg). Anders ausgedrückt: Der Luchs wiegt so viel wie etwa 4 Hauskatzen.