Meerschweinchen
Zuletzt aktualisiert:

Kurz erklärt
Das Meerschweinchen ist ein kleines Nagetier ohne Schwanz, das ursprünglich aus den Anden in Südamerika stammt. Menschen haben es dort vor Tausenden Jahren gezähmt, heute lebt es auf der ganzen Welt als Haustier. Meerschweinchen sind sehr gesellig und dürfen nie allein gehalten werden. Sie fressen nur Pflanzen und brauchen jeden Tag Heu, frisches Grünfutter und Vitamin C.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Cavia porcellus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 25 bis 35 cm |
| Körpergewicht | Weibchen 700 bis 900 g, Männchen 900 bis 1.200 g; schwere Zuchtformen (Cuy) wiegen mehr als 1,5 kg |
| Ernährung | Reiner Pflanzenfresser: Heu, Gräser, Kräuter, Blattgemüse, wenig Obst; braucht Vitamin C aus dem Futter |
| Lebenserwartung | 6 bis 8 Jahre, selten bis 12 Jahre |
| Sozialverhalten | Gesellig, lebt in Gruppen; Einzelhaltung ist nicht tiergerecht |
| Herkunft | Anden in Südamerika, gezähmt wahrscheinlich aus dem Wildmeerschweinchen Cavia tschudii |
| Verbreitung | Als Haustier weltweit, in den Anden auch als Nutztier; keine wild lebenden Bestände der Hausform Südamerika |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Sonstiges | Das Hausmeerschweinchen ist ein Haustier und wird von der Roten Liste der IUCN nicht bewertet. Seine wilden Verwandten Cavia tschudii und Cavia aperea gelten als nicht gefährdet (IUCN, 2016). |
Was ist ein Meerschweinchen?
Das Meerschweinchen (Cavia porcellus) ist ein Nagetier aus Südamerika. Genauer heißt es Hausmeerschweinchen, denn es ist ein Haustier, das der Mensch aus wilden Meerschweinchen gezüchtet hat. Es gehört zur Familie der Meerschweinchen (Caviidae). In dieser Familie gibt es auch mehrere wild lebende Arten.
Woher kommt der Name? Mit dem Meer oder mit Schweinen hat das Tier nichts zu tun. Nach dem Duden bekam es seinen Namen, weil es quiekende Laute von sich gibt und weil es von jenseits des Meeres nach Europa kam. Im Englischen heißt es übrigens „guinea pig“.
Heute ist das Meerschweinchen ein beliebtes Heimtier. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) betont aber: Die Haltung ist aufwendig und erfordert viel Wissen. Weiter unten steht, was ein Meerschweinchen zum Leben braucht.
Herkunft: Vom Wildtier zum Haustier
Die Vorfahren unserer Hausmeerschweinchen leben in den Anden, einem Hochgebirge in Südamerika. Genetische Untersuchungen zeigen, dass das Hausmeerschweinchen sehr wahrscheinlich vom Wildmeerschweinchen Cavia tschudii abstammt. Gezähmt wurde es wohl in den zentralen Anden im Süden Perus oder im Norden Chiles. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass dies irgendwann zwischen 6000 und 2000 vor Christus geschah. Schon viel früher, vor rund 10.000 Jahren, jagten Menschen in Südamerika wilde Meerschweinchen als Nahrung.
In den zentralen Anden haben Meerschweinchen bis heute große Bedeutung als Nutztier, das Fleisch liefert. Für den südamerikanischen Fleischmarkt wurden eigene, leistungsfähigere Rassen gezüchtet. Nach Europa kamen die ersten Tiere mit Seefahrern im 16. Jahrhundert. Die ältesten Knochenfunde in Europa stammen aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, und die Tiere kamen wahrscheinlich aus Peru. Zuerst hielten sich vor allem reiche Leute die ungewöhnlichen Tiere, später wurden sie in allen Schichten beliebt.
Die wilden Verwandten: Neben Cavia tschudii gibt es weitere wilde Meerschweinchen, zum Beispiel Cavia aperea. Diese Art lebt in weiten Teilen Südamerikas von Kolumbien und Venezuela bis nach Argentinien und Uruguay. Sie bewohnt Grasland, Buschland und Savannen, aber keine Regenwälder. Diese Wildmeerschweinchen haben meist ein braunes Fell, das am Rücken am dunkelsten ist. Cavia aperea wiegt im Schnitt etwa 640 g und damit weniger als die meisten Hausmeerschweinchen.
Aussehen und Körperbau
Meerschweinchen haben einen gedrungenen Körper. Ihr Schwanz ist so stark zurückgebildet, dass man ihn von außen nicht sieht. Beim Wildmeerschweinchen Cavia aperea tragen die Vorderfüße vier Zehen, die Hinterfüße nur drei.
Größe und Gewicht: Erwachsene Hausmeerschweinchen werden nach Angaben des Deutschen Tierschutzbunds etwa 25 bis 35 cm lang. Weibchen wiegen 700 bis 900 g, Männchen 900 bis 1.200 g. Männchen sind also meist größer. Übergewicht ist bei Meerschweinchen häufig. Schwerer als etwa 1,5 kg werden die Cuy-Meerschweinchen, Zuchtformen, die mehr Platz brauchen als normale Hausmeerschweinchen.
Zähne: Wie alle Nagetiere haben Meerschweinchen Zähne, die ein Leben lang wachsen. Sie nutzen sich nur ab, wenn das Tier viel kaut, vor allem Heu und Gras.
Fell und Farben: Durch die Zucht sehen viele Hausmeerschweinchen heute ganz anders aus als ihre wilden Verwandten. Es gibt zum Beispiel kurzhaarige, langhaarige und gelockte Rassen in vielen Farben. Im Verhalten unterscheiden sie sich dagegen laut TVT nur wenig von der Wildform.
Zarte Knochen: Meerschweinchen haben eine geringe Knochendichte. Wenn man sie falsch anfasst oder fallen lässt, können Knochen brechen.
Ernährung: Was fressen Meerschweinchen?
Meerschweinchen sind reine Pflanzenfresser. Ihr Darm ist darauf eingestellt, faserreiche Pflanzen zu verwerten. Sie sind Dauerfresser: Über den ganzen Tag verteilt fressen sie viele kleine Portionen. Deshalb muss immer Futter da sein.
Grundfutter sind nach der TVT frischer Wiesenschnitt oder hochwertiges Heu. Wer vor allem Heu füttert, muss jeden Tag zusätzlich frisches Futter geben. Die TVT empfiehlt etwa 200 g Frischfutter pro Kilogramm Körpergewicht am Tag, davon:
- etwa 70 Prozent Grünfutter wie Gräser, Kräuter und Bittersalate
- etwa 20 Prozent Gemüse wie Fenchel und Paprika, nur wenig Wurzelgemüse
- höchstens 10 Prozent Obst
Vitamin C: Meerschweinchen können Vitamin C nicht selbst herstellen. Fehlt es im Futter, erkranken sie an Skorbut, einer Mangelkrankheit, unter der Meerschweinchen häufig leiden. Vitaminreiches Frischfutter ist deshalb Pflicht.
Was nicht in den Napf gehört: Viele Pellet-, Getreide- und Luzernemischungen, Leckerlis sowie Salz- und Lecksteine hält die TVT für ungeeignet. Sie enthalten zu viel Zucker und Energie oder zu viel Calcium und Salz. Futterwechsel, etwa von Heu auf frisches Gras, müssen langsam erfolgen, damit sich der Darm anpassen kann. Frisches Wasser muss immer bereitstehen.
Kot fressen ist normal: Meerschweinchen fressen einen Teil ihres Kots direkt vom After. Das ist keine Verhaltensstörung. Dieser besondere Blinddarmkot enthält Vitamine und Eiweiß, die Bakterien im Darm gebildet haben.
Verhalten und Lebensweise
Gesellig: Meerschweinchen sind Rudeltiere. Wildmeerschweinchen der Art Cavia aperea leben in kleinen Familiengruppen aus einem Männchen, ein bis zwei Weibchen und dem Nachwuchs. Sie graben keine eigenen Baue, sondern legen Wege und Tunnel durch dichtes Gras und Gestrüpp an.
Aktivität: Hausmeerschweinchen haben mehrere aktive Phasen über den Tag verteilt. Sie sind vor allem am Tag und in der Dämmerung unterwegs, aber auch nachts zeitweise aktiv.
Lautsprecher: Meerschweinchen verständigen sich mit vielen verschiedenen Lauten. Lautes Pfeifen zeigt Aufregung an, tiefe Töne gelten eher als Zeichen von Zufriedenheit. Wer droht, stellt das Fell im Nacken und am Rücken auf, geht hochbeinig und stellt sich schräg.
Bewegungsdrang: Meerschweinchen bewegen sich viel mehr, als man lange dachte. Die TVT nennt als typische Verhaltensweisen schnelles Sprinten und das sogenannte „Popcornen“. Gerade dieser Bewegungsdrang wurde nach Angaben der TVT viele Jahre unterschätzt.
Scheu und vorsichtig: Meerschweinchen haben ein stark ausgeprägtes Rückzugsverhalten und sind anfangs meist sehr scheu. Es braucht viel Geduld, bis sie zutraulich werden. Hält ein Meerschweinchen auf dem Arm ganz still, ist das kein Zeichen von Wohlbefinden. Laut TVT und Tierschutzbund steckt dahinter meistens Angst, eine sogenannte Schreckstarre.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Meerschweinchen werden sehr früh geschlechtsreif. Weibchen können laut TVT schon mit weniger als einem Monat geschlechtsreif werden, wenn sie etwa 300 g wiegen. Männchen sind je nach Quelle mit drei bis acht Wochen geschlechtsreif. Der Tierschutzbund empfiehlt deshalb, Böcke kastrieren zu lassen. Das ist ab einem Alter von vier Wochen möglich.
- Tragzeit: 68 bis 72 Tage
- Wurfgröße: im Schnitt zwei bis drei Junge, in Ausnahmefällen bis zu 13
- Würfe: etwa vier pro Jahr möglich
Verglichen mit den meisten anderen Nagetieren ist die Tragzeit lang, und die Jungen kommen weit entwickelt zur Welt: Meerschweinchen sind Nestflüchter. Beim Wildmeerschweinchen Cavia aperea sind die Jungen bei der Geburt schon behaart, haben offene Augen und laufen wenige Stunden später umher. Schon mit drei Tagen fressen sie feste Nahrung, auch wenn sie noch bis zu etwa 25 Tage gesäugt werden.
Haltung: Was brauchen Meerschweinchen?
Die folgenden Punkte stützen sich auf das Merkblatt der TVT und den Steckbrief des Deutschen Tierschutzbunds.
Nie allein: Meerschweinchen sind soziale Tiere. Die Einzelhaltung lehnt die TVT grundsätzlich ab. Meerschweinchen müssen mindestens zu zweit, besser in einer Gruppe leben. Empfohlen werden ein kastriertes Männchen mit einem oder mehreren Weibchen oder reine Weibchengruppen.
Kein Ersatz durch Kaninchen: Ein Kaninchen ersetzt keinen Artgenossen. Beide Tierarten verhalten sich sehr unterschiedlich. Außerdem können Kaninchen Atemwegserkrankungen übertragen, die für Meerschweinchen tödlich sein können.
Viel Platz: Für zwei bis vier Meerschweinchen empfehlen TVT und Tierschutzbund eine Grundfläche von mindestens 2 m². Für jedes weitere Tier kommen mindestens 0,5 m² dazu. Die früher übliche reine Käfighaltung ist laut TVT nicht tiergerecht. Ein Käfig darf höchstens als ständig offener Rückzugsort im Gehege stehen. Der Tierschutzbund empfiehlt außerdem eine 2 m lange Rennstrecke.
Verstecke: Jedes Tier braucht mindestens ein eigenes Häuschen, am besten mit zwei Ausgängen. Dazu kommen weitere Unterschlüpfe wie Korkröhren.
Draußen oder drinnen: Meerschweinchen können im Zimmer oder ganzjährig draußen leben. Für die Außenhaltung brauchen sie einen frostfreien, gut isolierten Stall, Schutz vor Regen, Sonne und Fressfeinden wie Fuchs, Marder, Greifvögeln und Katzen. Sie vertragen Hitze schlecht: Ab etwa 28 °C droht ein Hitzschlag, der tödlich enden kann. Deshalb muss mindestens die Hälfte des Geheges ständig im Schatten liegen.
Keine Kuscheltiere: Meerschweinchen sollten nur gestreichelt werden, wenn sie selbst Kontakt suchen. Zum Hochheben legt man eine Hand unter den Brustkorb und stützt mit der anderen das Hinterteil. Kinder brauchen dabei die Anleitung von Erwachsenen. Leinen und Geschirre sind für Meerschweinchen ungeeignet.
Pflege und Gesundheit
Tägliche Pflege: Kot und Urin täglich entfernen, Wassernäpfe reinigen, nicht gefressenes Frischfutter und Heu austauschen. Dabei jedes Tier kurz ansehen.
Regelmäßig kontrollieren: Der Tierschutzbund rät, jedes Meerschweinchen einmal pro Woche zu wiegen und Krallen, Zähne, Fell und Afterbereich zu prüfen. Viele Krankheiten beginnen schleichend. Frisst ein Meerschweinchen nicht mehr, ist das laut TVT immer ein Notfall für den Tierarzt.
Typische Probleme: Zu lange Zähne, wenn die Tiere zu wenig Heu kauen. Hautpilze und Milben, die kahle Stellen und Schuppen verursachen. Hautpilze können auch auf Menschen übergehen. Langhaarige Meerschweinchen brauchen zusätzlich Fellpflege.
Qualzuchten: Einige Zuchtformen sieht die TVT als Qualzucht an, zum Beispiel Skinny- und Baldwin-Meerschweinchen, extreme Langhaarformen sowie Rex- und Alpaka-Meerschweinchen mit gekräuselten Tasthaaren. Bei manchen Satin-Meerschweinchen tritt häufiger eine schmerzhafte Knochenkrankheit auf.
Lebenserwartung: Meerschweinchen werden meist 6 bis 8 Jahre alt, selten bis zu 12 Jahre. Wer sich Meerschweinchen anschafft, übernimmt also für viele Jahre Verantwortung.
Häufige Fragen zum Meerschweinchen
Wie alt werden Meerschweinchen?
Meerschweinchen werden meist 6 bis 8 Jahre alt. Einzelne Tiere erreichen laut TVT bis zu 12 Jahre. Gutes Futter, genug Platz und regelmäßige Kontrollen helfen, dass die Tiere gesund alt werden.
Darf man ein Meerschweinchen allein halten?
Nein. Meerschweinchen sind gesellige Tiere und brauchen mindestens einen Artgenossen, besser eine kleine Gruppe. Ein Kaninchen oder der Mensch kann ein anderes Meerschweinchen nicht ersetzen.
Was fressen Meerschweinchen am liebsten?
Die Hauptnahrung sind Heu oder frisches Gras, dazu kommen Kräuter, Blattsalate und Gemüse wie Fenchel oder Paprika. Obst gibt es nur in kleinen Mengen. Weil Meerschweinchen Vitamin C nicht selbst bilden können, brauchen sie jeden Tag vitaminreiches Frischfutter.
Wie viel Platz brauchen Meerschweinchen?
Für zwei bis vier Tiere empfehlen Tierärzte und Tierschutzbund mindestens 2 m² Grundfläche, für jedes weitere Tier 0,5 m² mehr. Eine reine Käfighaltung halten TVT und Tierschutzbund für nicht tiergerecht.
Können Meerschweinchen draußen leben?
Ja, auch ganzjährig, wenn sie langsam daran gewöhnt werden. Sie brauchen dann einen frostfreien, isolierten Stall, Schatten und ein Gehege, das vor Fuchs, Marder, Katzen und Greifvögeln schützt. Für die Außenhaltung eignen sich vor allem kurzhaarige Rassen.
Gibt es Meerschweinchen in freier Natur?
Die Hausform lebt nicht wild. In Südamerika gibt es aber wilde Meerschweinchen-Arten wie Cavia tschudii in den Anden und Cavia aperea, die in großen Teilen des Kontinents vorkommt. Beide gelten laut Roter Liste der IUCN als nicht gefährdet (2016).
Ähnliche Tiere
- Capybara - das größte Nagetier der Welt gehört ebenfalls zur Familie der Meerschweinchen
- Chinchilla - ein weiteres Nagetier aus den Anden, das als Heimtier gehalten wird
- Kaninchen - ein beliebtes Heimtier, aber kein passender Partner für Meerschweinchen
- Goldhamster - ein anderes kleines Nagetier, das oft als Heimtier gehalten wird
- Aguti - ein südamerikanisches Nagetier aus der Verwandtschaft der Meerschweinchen
Quellen
- Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (2020): Merkblatt Nr. 159 - Heimtiere: Meerschweinchen
- Deutscher Tierschutzbund: Steckbrief Meerschweinchen (Cavia porcellus)
- Lord, E. et al. (2020): Ancient DNA of Guinea Pigs (Cavia spp.) Indicates a Probable New Center of Domestication and Pathways of Global Distribution. Scientific Reports 10, 8901
- Cavia aperea, Brazilian guinea pig - Animal Diversity Web, University of Michigan
- Dunnum, J. & Teta, P. (2016): Cavia tschudii; Bernal, N. (2016): Cavia aperea. The IUCN Red List of Threatened Species
- Herkunft von „Meerkatze“, „Meerrettich“, „Meerschweinchen“ - Duden
Größenvergleich
Ein Meerschweinchen erreicht eine Körpergröße von 25 bis 35 cm. Damit passt es bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Ein Kind wäre dagegen noch rund 4-mal so groß.
Gewichtsvergleich
Ein Meerschweinchen bringt 700 g bis 1,2 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als eine Hauskatze (4 kg).