Mondfisch
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Kurz erklärt
Der Mondfisch sieht aus wie ein riesiger schwimmender Kopf: Er ist fast rund, flach und hat keine richtige Schwanzflosse. Er wird über 3 Meter lang und ist einer der schwersten Knochenfische der Welt. Mondfische leben in allen warmen und gemäßigten Ozeanen und fressen vor allem Quallen und quallenähnliche Tiere. Für Menschen sind sie harmlos.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Mola mola |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Bis etwa 3,3 m Gesamtlänge; mit Rücken- und Afterflosse ist der Fisch oft höher als lang |
| Körpergewicht | Höchstes veröffentlichtes Gewicht laut FishBase etwa 1,3 t; Rekordtiere über 2 t waren fast alle der verwandte Mola alexandrini (Rekord: 2.744 kg) |
| Ernährung | Vor allem Quallen, Staatsquallen, Salpen und Rippenquallen, dazu kleine Krebstiere, Fische, Weichtiere und Schlangensterne |
| Lebenserwartung | Nicht bekannt |
| Herkunft | Weltmeere |
| Verbreitung | Tropische und gemäßigte Meere aller Ozeane, meist im offenen Meer Meer |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | VU Gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2015) |
| Sonstiges | Laut FishBase im Guinness-Buch als Fisch mit den meisten Eiern eingetragen (rund 300 Millionen in einem Weibchen); das Fleisch kann dasselbe Gift enthalten wie Kugelfische. |
Ein Fisch, der aussieht wie ein Kopf
Der Mondfisch (Mola mola) ist einer der seltsamsten Fische im Meer. Sein Körper ist hoch, rundlich und seitlich flach gedrückt, und hinten scheint er einfach abgeschnitten. Viele Menschen finden, er sehe aus wie ein riesiger Kopf, an dem der Rest des Körpers fehlt.
Der Mondfisch gehört zur Ordnung der Kugelfischartigen, zu der auch der Kugelfisch zählt. Innerhalb dieser Ordnung bildet er mit einigen Verwandten die Familie der Mondfische (Molidae). Beschrieben hat ihn Carl von Linné im Jahr 1758.
Woher kommt der Name? Der wissenschaftliche Name Mola ist lateinisch und bedeutet „Mühlstein“, weil der Fisch rund und flach ist wie ein Mahlstein. Im Englischen heißt er „ocean sunfish“, also „Meeres-Sonnenfisch“.
Aussehen und Körperbau
Form: Der Körper ist kurz und sehr hoch. Rücken- und Afterflosse sind lang und schmal und stehen weit hinten oben und unten am Körper. Die Brustflossen sind dagegen klein und rund.
Keine echte Schwanzflosse: Statt einer Schwanzflosse hat der Mondfisch einen breiten Saum am hinteren Körperende. Fachleute nennen ihn Clavus, lateinisch für „Ruder“. Er ersetzt die Schwanzflosse, deren Teile beim Mondfisch zurückgebildet und miteinander verwachsen sind.
Haut: Mondfische haben keine richtigen Schuppen. Ihr Körper ist von einer extrem dicken, elastischen Haut bedeckt.
Maul und Zähne: Das Maul ist im Vergleich zum riesigen Körper winzig. Die Zähne sind zu einer Art Schnabel verwachsen, ähnlich wie bei einem Papagei. Die Kiemenöffnung ist nur ein kleines Loch am Ansatz der Brustflosse.
Innen: Erwachsene Mondfische haben keine Schwimmblase. Ihr Skelett ist zurückgebildet und knorpelig.
Größe: Mondfische werden bis etwa 3,3 Meter lang, vielleicht sogar größer. Weil die Rücken- und Afterflosse so lang sind, ist ein Mondfisch oft höher als lang. 1908 verfing sich vor Sydney ein Mondfisch in der Schiffsschraube eines Dampfers. Er war 3,1 Meter lang und 4,1 Meter hoch. Weil vor Australien mehrere Mondfisch-Arten vorkommen, ist nicht sicher, zu welcher Art er gehörte. Weibchen werden größer als Männchen.
Wie schwer ist ein Mondfisch?
Der Mondfisch gilt oft als schwerster Knochenfisch der Welt, und so steht es auch in älteren Rekordbüchern. Neuere Untersuchungen zeigen aber, dass das nicht ganz stimmt.
Die Fischdatenbank FishBase nennt für Mola mola ein höchstes veröffentlichtes Gewicht von etwa 1,3 Tonnen. Der lange gültige Weltrekord von 2.300 Kilogramm stammt von einem Weibchen, das 1996 vor Japan gefangen wurde. Eine genaue Prüfung ergab: Dieses Tier war gar kein Mola mola, sondern ein Mola alexandrini, eine eng verwandte Art, die auf Englisch „bump-head sunfish“ heißt, etwa „Beulenkopf-Mondfisch“. Von 15 Mondfischen, für die mehr als 2 Tonnen angegeben wurden, gehörten 14 zu Mola alexandrini und nur einer zu Mola mola. Nur fünf dieser Tiere waren überhaupt gewogen worden.
Inzwischen gibt es einen neuen Rekord: Im Dezember 2021 wurde vor der Azoreninsel Faial ein toter Mola alexandrini gefunden. Er war 3,25 Meter lang und wog 2.744 Kilogramm. Laut Guinness World Records ist er der schwerste bekannte Knochenfisch. Den Rekord als schwerster Knochenfisch hält damit nach heutigem Wissen Mola alexandrini. Der Mondfisch Mola mola gehört aber trotzdem zu den schwersten Knochenfischen der Welt.
Drei Mondfisch-Arten
Lange hielt man fast alle großen Mondfische für eine einzige Art. Heute unterscheiden Fachleute in der Gattung Mola drei Arten:
| Art | Besonderheiten |
|---|---|
| Mondfisch (Mola mola) | Rand des Clavus gewellt, mit 11 bis 14 Flossenstrahlen; bis etwa 3,3 m |
| Mola alexandrini (englisch „bump-head sunfish“) | Clavus rund ohne Einbuchtung; einzige sicher belegte Knochenfischart mit Tieren über 2 t |
| Mola tecta (englisch „Hoodwinker Sunfish“) | Clavus rund mit Einbuchtung; erst 2017 beschrieben, lebt vermutlich vor allem in gemäßigten Meeren der Südhalbkugel |
Mola alexandrini war früher unter dem Namen Mola ramsayi bekannt. Mola tecta wurde erst 2017 mit Hilfe von Erbgut- und Körpermerkmalen als eigene Art erkannt. Die Studie trug den passenden Titel „Hiding in broad daylight“, auf Deutsch „Versteckt am helllichten Tag“. Weil die Arten sich so ähneln, werden sie noch heute oft verwechselt. Viele ältere Angaben zum „Mondfisch“ könnten deshalb auch eine der anderen Arten betreffen.
Verbreitung und Lebensraum
Mondfische leben in den tropischen und gemäßigten Zonen aller Ozeane. Meist halten sie sich im offenen Meer auf, gelegentlich kommen sie in Küstennähe.
Zwischen Oberfläche und Tiefe: Man sieht Mondfische oft an der Wasseroberfläche. Sie tauchen aber auch tief. FishBase gibt einen Tiefenbereich bis etwa 1.500 Meter an. In einer Studie im Nordwestatlantik verbrachten Mondfische mehr als 30 Prozent ihrer Zeit in den obersten 10 Metern und über 80 Prozent in den obersten 200 Metern. Der tiefste gemessene Tauchgang ging bis 844 Meter.
Putzstationen: Erwachsene Mondfische kommen an Hänge in der Nähe tiefer Meeresgebiete, um sich dort von Putzerfischen säubern zu lassen.
Ernährung
Mondfische fressen vor allem weiche, gallertartige Tiere: Quallen, Salpen und Rippenquallen. Auf ihrem Speiseplan stehen außerdem kleine Krebstiere, Fische, Weichtiere, Zooplankton und Schlangensterne.
Jagd in der Tiefe: Forschende haben Mondfischen kleine Kameras und Bewegungsmesser angeheftet. Dabei zeigte sich, dass die Fische tagsüber aktiv jagen, meist in 100 bis 200 Metern Tiefe. Ihre häufigste Beute waren Staatsquallen, das sind Kolonien aus vielen kleinen, quallenähnlichen Tieren. In dieser Tiefe ist das Wasser oft kälter als 12 °C.
Verhalten und Lebensweise
Das „Sonnenbad“: Mondfische treiben oft seitlich an der Wasseroberfläche. Früher hielt man sie deshalb für träge Tiere. Die Untersuchung mit den Kameras maß auch die Körpertemperatur der Fische: Sie sank bei den Tauchgängen in das kalte Tiefenwasser und stieg an der Oberfläche wieder an. Die Forschenden schließen daraus, dass sich die Mondfische an der warmen Oberfläche aufwärmen, um danach wieder länger in der kalten Tiefe jagen zu können. Ob das überall so ist, ist noch nicht sicher: Eine Studie im Nordwestatlantik fand keinen klaren Zusammenhang zwischen der Zeit im kalten Wasser und der Zeit an der Oberfläche.
Schwimmen: Obwohl Mondfische plump aussehen, können sie gezielt und überraschend schnell schwimmen. Dazu schlagen sie Rücken- und Afterflosse gleichzeitig von einer Seite zur anderen. Wenn ein Mondfisch nahe der Oberfläche schwimmt, ragt die Rückenflosse oft aus dem Wasser. Dann wird er manchmal mit einem Hai verwechselt.
Scheu: Mondfische sind meist scheu. An manchen Orten gewöhnen sie sich aber an Taucher.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Mondfische sind wahre Rekord-Eierleger. In einem 1,5 Meter langen Weibchen fanden Forschende rund 300 Millionen Eier. Laut FishBase ist der Mondfisch deshalb im Guinness-Buch der Rekorde als Fisch mit den meisten Eiern eingetragen. Die Eier sind winzig. Weibchen und Männchen geben Eier und Samen ins freie Wasser ab, wo die Eier befruchtet werden und im Wasser treiben.
In den Eierstöcken reifen die Eier in verschiedenen Stadien heran. Das spricht dafür, dass ein Weibchen mehrmals ablaicht. Über die ersten Lebenswochen ist nur wenig bekannt. Die Larven der verschiedenen Mola-Arten sehen sich so ähnlich, dass man sie ohne Erbgut-Untersuchung kaum unterscheiden kann.
Wie alt werden Mondfische? Das ist nicht bekannt. Die Datenbank FishBase nimmt für ihre Berechnungen an, dass sie älter als 15 Jahre werden können, belegt ist das aber nicht.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Junge Mondfische werden zum Beispiel von Kalifornischen Seelöwen gefressen.
Beifang: Eine große Gefahr für Mondfische ist die Fischerei. Gezielt gefangen werden sie selten, sie geraten aber als ungewollter Beifang in Treibnetze, Langleinen und Schleppnetze.
Zusammenstöße mit Schiffen: Viele Mondfische sterben, weil sie von Schiffen gerammt werden.
Langsame Erholung: Nach FishBase kann sich ein Bestand nur langsam erholen. Bis sich eine Population verdoppelt, dauert es geschätzt 4,5 bis 14 Jahre.
Rote Liste: Die IUCN stuft den Mondfisch weltweit als gefährdet (Vulnerable) ein. Die Einstufung wurde 2015 veröffentlicht. Grundlage ist ein Rückgang der Bestände über einen Zeitraum, der Vergangenheit und Zukunft umfasst. Er wurde aus Häufigkeitsdaten und dem Ausmaß der Befischung abgeleitet (Kriterium A4bd).
Mondfische und Menschen
Harmlos: Mondfische sind für Menschen ungefährlich. Sie haben ein winziges Maul und fressen weiche Tiere wie Quallen.
Als Speisefisch: Meist wird der Mondfisch nicht als Speisefisch genutzt, manche Menschen halten ihn aber für eine Delikatesse. Teile des Fisches werden in der chinesischen Medizin verwendet. Laut FishBase kann das Fleisch dasselbe Gift enthalten wie Kugelfische und Igelfische.
Im Aquarium: Mondfische lassen sich nur schwer in Gefangenschaft halten.
Häufige Fragen zum Mondfisch
Ist der Mondfisch gefährlich?
Nein, Mondfische sind für Menschen harmlos. Sie haben ein sehr kleines Maul und ernähren sich von Quallen und anderen weichen Tieren. Weil ihre Rückenflosse aus dem Wasser ragen kann, werden sie manchmal für einen Hai gehalten.
Wie groß und schwer wird ein Mondfisch?
Mondfische werden bis etwa 3,3 Meter lang und oft höher als lang. Das höchste veröffentlichte Gewicht für die Art Mola mola liegt laut FishBase bei etwa 1,3 Tonnen.
Ist der Mondfisch der schwerste Knochenfisch der Welt?
Nicht ganz. Die beiden schwersten gewogenen Knochenfische, einer mit 2.300 und einer mit 2.744 Kilogramm, waren Mola alexandrini, eine eng verwandte Art. Nach heutigem Wissen ist sie die einzige Knochenfischart, bei der Tiere mit über 2 Tonnen sicher belegt sind.
Was frisst ein Mondfisch?
Vor allem Quallen, Staatsquallen, Salpen und Rippenquallen. Dazu kommen kleine Krebstiere, Fische, Weichtiere und Schlangensterne. Seine Beute jagt er oft in 100 bis 200 Metern Tiefe.
Warum liegt der Mondfisch an der Wasseroberfläche?
Vermutlich wärmt er sich dort auf. Nach Tauchgängen in kaltes Tiefenwasser ist seine Körpertemperatur gesunken, an der warmen Oberfläche steigt sie wieder. Ganz geklärt ist das aber noch nicht.
Wie viele Eier legt ein Mondfisch?
In einem 1,5 Meter langen Weibchen fand man rund 300 Millionen Eier. Laut FishBase steht der Mondfisch deshalb im Guinness-Buch der Rekorde als Fisch mit den meisten Eiern.
Ähnliche Tiere
- Kugelfisch - ein Verwandter aus derselben Ordnung der Kugelfischartigen
- Riesenhai - ein riesiger Fisch, der ebenfalls oft an der Oberfläche schwimmt
- Walhai - der größte Fisch der Welt, allerdings ein Knorpelfisch
- Meeresschildkröte - einige Arten fressen wie der Mondfisch Quallen
- Qualle - die wichtigste Nahrung des Mondfischs
Quellen
- Mola mola, Ocean sunfish - FishBase
- Jing, L. et al. (2015): Mola mola. The IUCN Red List of Threatened Species
- Sawai, E. & Nyegaard, M. (2022): A review of giants: Examining the species identities of the world's heaviest extant bony fishes (ocean sunfishes, family Molidae). Journal of Fish Biology 100, 1345-1364
- Nakamura, I., Goto, Y. & Sato, K. (2015): Ocean sunfish rewarm at the surface after deep excursions to forage for siphonophores. Journal of Animal Ecology 84, 590-603
- Ocean Sunfish, Mola mola - Australian Museum
- Heaviest bony fish - Guinness World Records
Größenvergleich
Mit 3,33 m gehört der Mondfisch zu den größeren Tieren in unserem Lexikon. Ein Erwachsener (1,8 m) ist dagegen kleiner, während ein Elefant mit 3,5 m noch etwas an Größe drauflegt.
Gewichtsvergleich
Ein Mondfisch bringt 1,3 t auf die Waage. Das ist schwerer als ein Erwachsener (75 kg), aber leichter als ein Auto (1,5 t). Anders ausgedrückt: Der Mondfisch wiegt so viel wie etwa 17 Erwachsene.