Nordamerikanischer Ochsenfrosch

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Nordamerikanischer Ochsenfrosch mit bräunlichem Rücken, gelber Kehle und großem Trommelfell sitzt auf einem grauen Felsen
Paul Harrison / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kurz erklärt

Der Nordamerikanische Ochsenfrosch ist der größte Echte Frosch Nordamerikas und stammt aus dem Osten des Kontinents. Große Tiere werden rund 20 Zentimeter lang und bis zu ein halbes Kilogramm schwer. Er frisst fast alles, was er überwältigen kann, sogar andere Frösche, Schlangen und kleine Vögel. Menschen haben ihn in viele Länder gebracht, auch nach Deutschland, wo er bei Karlsruhe heimische Amphibien bedroht.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameLithobates catesbeianus (auch Aquarana catesbeianus; früher Rana catesbeiana)
Abstammung
  • Klasse: Amphibien
  • Ordnung: Froschlurche (Anura)
  • Unterordnung: Neobatrachia
  • Familie: Echte Frösche (Ranidae)
  • Gattung: Lithobates (je nach Einteilung auch Aquarana oder Rana)
  • Art: Nordamerikanischer Ochsenfrosch
KörpergrößeKopf-Rumpf-Länge meist 9 bis 15 cm, große Tiere bis gut 20 cm; Kaulquappen bis etwa 15 cm
KörpergewichtGroße Tiere bis etwa 500 g
ErnährungFleischfresser: Insekten, Krebstiere, Würmer, Fische, andere Frösche und Kaulquappen, Schlangen, Schildkröten, Kleinsäuger und Vögel; Kaulquappen fressen vor allem Wasserpflanzen und Algen
LebenserwartungIm Freiland meist 7 bis 9 Jahre; Rekord in Menschenobhut 16 Jahre (Animal Diversity Web)
SozialverhaltenMännchen verteidigen zur Paarungszeit ein 3 bis 25 m langes Uferstück gegen Rivalen
HerkunftÖstliches Nordamerika
Verbreitung Ursprünglich vom Südosten Kanadas über den Osten der USA bis Veracruz (Mexiko); eingeführt im Westen der USA, in der Karibik, auf Hawaii, in Südamerika, in Europa (unter anderem Italien, Belgien, Frankreich und Deutschland) und in Asien AsienEuropaNordamerikaSüdamerika
EntdeckungErstbeschreibung 1802 durch Shaw (als Rana catesbeiana)
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2022)
SonstigesInvasive Art: Seit 2016 auf der Unionsliste invasiver gebietsfremder Arten der EU. In Deutschland lebt ein etablierter Bestand nördlich von Karlsruhe.

Ein Riesenfrosch aus Nordamerika

Der Nordamerikanische Ochsenfrosch ist der größte Echte Frosch Nordamerikas. Er stammt aus dem Osten des Kontinents. Auf Englisch heißt er „American Bullfrog“. Typisch ist der tiefe, brummende Ruf der Männchen, der über einen Kilometer weit zu hören ist.

Menschen haben den Ochsenfrosch in viele Länder gebracht, vor allem, um ihn als Speisefrosch zu züchten. Entkommene oder ausgesetzte Tiere haben sich in Amerika, Europa und Asien ausgebreitet. Der Ochsenfrosch gilt als eine der 100 schlimmsten invasiven Arten der Welt. Auch in Deutschland gibt es einen festen Bestand: nördlich von Karlsruhe am Oberrhein.

Welcher wissenschaftliche Name ist richtig?

Lange hieß der Ochsenfrosch Rana catesbeiana. 2006 stellten Forschende um D. Frost die amerikanischen Echten Frösche in eine eigene Gattung, Lithobates. Unter dem Namen Lithobates catesbeianus führen ihn die Rote Liste der IUCN von 2022 und die Liste invasiver Arten der EU, dort mit dem Zusatz „(Rana)“. Im Datensatz der Roten Liste, wie ihn die Biodiversitäts-Datenbank GBIF wiedergibt, steht er inzwischen als Aquarana catesbeianus. Gemeint ist immer dieselbe Art.

Aussehen und Körperbau

Größe: Erwachsene Ochsenfrösche haben eine Kopf-Rumpf-Länge von meist 9 bis 15 cm. Große Tiere werden bis etwa 20 cm lang und bis zu 500 g schwer. In ihrer Heimat im Südosten der USA sind sie die einzige Froschart, bei der die Männchen größer werden als die Weibchen.

Färbung: Die glatte Haut ist grün, oliv oder bräunlich, oft mit dunklen Flecken auf dem Rücken. Der Bauch ist weiß bis cremefarben und dunkel gesprenkelt. Auf der Rückseite der Oberschenkel sitzen kleine helle Pünktchen.

Trommelfell: Hinter dem Auge liegt ein großes, rundes Trommelfell. Daran lassen sich die Geschlechter gut unterscheiden: Beim Männchen ist es etwa doppelt so groß wie das Auge, beim Weibchen etwa so groß wie das Auge. Zur Paarungszeit ist die Kehle der Männchen gelb, die der Weibchen weiß.

Hinterbeine: Zwischen den Zehen der kräftigen Hinterbeine sitzen Schwimmhäute. Die längste Zehe ragt über die Schwimmhaut hinaus. Ochsenfrösche gehören zu den besten Springern unter den Fröschen.

Unterschied zu heimischen Fröschen

Den Ochsenfrosch erkennt man an mehreren Merkmalen:

  • Keine Drüsenleiste: Dem Ochsenfrosch fehlt die Hautleiste, die bei vielen anderen Fröschen hinter dem Trommelfell beginnt und am Rücken entlangläuft.
  • Größe: Er wird auffallend größer als heimische Frösche.
  • Kaulquappen: Die Kaulquappen werden bis etwa 15 cm lang, sind olivgrün und mit schwarzen Punkten übersät.

Verbreitung und Lebensraum

Ursprüngliche Heimat: Der Ochsenfrosch lebt von Nova Scotia und New Brunswick im Südosten Kanadas über den Osten der USA bis nach Veracruz in Mexiko. Im Süden Floridas fehlt er von Natur aus.

Eingeführt: Schon in den 1850er-Jahren brachten Menschen den Ochsenfrosch als Nahrungsquelle an die Westküste der USA. Heute kommt er unter anderem hier vor:

  • Amerika: im Westen der USA, in Mexiko, auf Hawaii, in Kuba, Puerto Rico, der Dominikanischen Republik und Jamaika sowie in Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru, Brasilien, Uruguay und Argentinien
  • Europa: Der größte Bestand lebt in der Po-Ebene in Italien, wo bis mindestens 1937 Tiere ausgesetzt wurden. Weitere Vorkommen gibt es in Belgien, den Niederlanden, Frankreich, Deutschland, Spanien und auf Kreta.
  • Asien: unter anderem in China, Taiwan, Japan, Malaysia, Indonesien und auf den Philippinen

Lebensraum: Ochsenfrösche besiedeln Teiche, Seen, Stauseen, Sümpfe, Gräben und ruhige Uferbereiche von Flüssen. Am liebsten mögen sie warmes, stilles und flaches Wasser mit vielen Wasserpflanzen. Von Menschen veränderte Gewässer kommen ihnen oft entgegen: Sie vertragen höhere Wassertemperaturen als die meisten anderen Frösche. Für Laich und Kaulquappen brauchen sie Gewässer, die das ganze Jahr über Wasser führen. Den Winter verbringen sie im Schlamm am Gewässergrund, manche Tiere auch in Höhlen an Land.

Ernährung

Der Ochsenfrosch ist ein Lauerjäger. Er sitzt regungslos am Ufer oder im Wasser und schnappt blitzschnell zu, wenn ein Beutetier vorbeikommt. Er frisst fast alles, was er überwältigen und herunterschlucken kann:

  • Insekten, Würmer, Blutegel, Krebstiere, Hundertfüßer und Skorpione
  • Fische sowie der Laich von Fischen, Fröschen und Salamandern
  • andere Frösche und Kaulquappen
  • Schlangen, Schildkröten und sogar kleine Alligatoren
  • Nagetiere, Fledermäuse und Vögel

Wo viele Ochsenfrösche leben, fressen sie auch Artgenossen. Die Kaulquappen ernähren sich dagegen vor allem von Wasserpflanzen und Algen.

Verhalten und Lebensweise

Ochsenfrösche sind vor allem nachts aktiv, jagen aber auch tagsüber, besonders bei feuchtwarmem Wetter. Erwachsene Männchen sind sehr angriffslustig. Zur Paarungszeit verteidigen sie ein Stück Ufer von 3 bis 25 m Länge und ringen mit Rivalen, die eindringen.

Der Ruf: Die Männchen rufen mit einem tiefen, brummenden Laut, der auf Englisch oft als „jug-o-rum“ beschrieben wird. Er ist über einen Kilometer weit zu hören.

Wanderungen: Jungfrösche können weite Strecken über Land wandern. Bei feuchtem Wetter verlassen auch erwachsene Tiere das Wasser. Manchmal findet man Ochsenfrösche in vorübergehenden Gewässern, die Hunderte Meter vom nächsten Teich entfernt sind.

Fortpflanzung und Entwicklung

Im Norden der Heimat paaren sich Ochsenfrösche von Mai bis Juli, im Süden von Februar bis Oktober.

  • Laich: Ein Weibchen legt 6.000 bis 20.000 Eier als schaumigen, schwimmenden Film auf die Wasseroberfläche. Das Männchen befruchtet die Eier dabei außerhalb des Körpers.
  • Schlupf: Nach 2 bis 5 Tagen schlüpfen die Kaulquappen.
  • Kaulquappen: Bis zur Verwandlung in einen Frosch vergehen je nach Gebiet vier Monate bis knapp drei Jahre. In Baden-Württemberg dauert das bis zu drei Jahre, die Kaulquappen überwintern dabei im Wasser.
  • Geschlechtsreife: mit 3 bis 5 Jahren

Um Eier und Kaulquappen kümmern sich die Eltern nicht. Viele Fische meiden die Eier und Kaulquappen, weil sie schlecht schmecken. Das ist ein Grund, warum Ochsenfrösche in fischreichen Gewässern gut zurechtkommen.

Im Freiland werden Ochsenfrösche meist 7 bis 9 Jahre alt. Der bekannte Rekord in Menschenobhut liegt bei 16 Jahren.

Der Ochsenfrosch in Deutschland

Am nördlichen Oberrhein bei Karlsruhe lebt der einzige bekannte etablierte Bestand Baden-Württembergs. Vermutlich wurden die ersten Tiere dort in den 1990er-Jahren ausgesetzt. Einige Gewässer sind schon seit über 20 Jahren besiedelt.

  • Verbreitung: Der Ochsenfrosch kommt im Landkreis und Stadtkreis Karlsruhe vor. Schwerpunkte sind Baggerseen und größere Gewässer in Eggenstein-Leopoldshafen, Linkenheim-Hochstetten und Dettenheim.
  • Bestand: 2023 ging das Umweltministerium von mehreren Tausend erwachsenen Tieren aus.
  • Gartenteiche: 2023 tauchten Ochsenfrösche in Gartenteichen in Ötigheim (Landkreis Rastatt) auf, weit entfernt vom bekannten Vorkommen. Die Tiere wurden entfernt, seitdem gibt es dort keine Hinweise mehr.
  • Feinde: In Nordamerika fressen unter anderem Reiher, Schildkröten, Wasserschlangen und Waschbären Ochsenfrösche.

Laut IUCN wurden Ochsenfrösche in Deutschland außerdem in der Gegend um Bonn nachgewiesen.

Warum ist er gefährlich?

Der Ochsenfrosch bedroht alle heimischen Amphibien, die im selben Gebiet leben. Er frisst sie, nimmt ihnen die Nahrung weg und kann Krankheiten übertragen. Besonders gefährdet sind am Oberrhein der Moorfrosch und die Knoblauchkröte, deren Bestände dort klein und isoliert sind. Daneben frisst er Fische, Vögel, Reptilien, Kleinsäuger und Insekten.

Wie wird er bekämpft?

Ziel ist vor allem, dass sich der Ochsenfrosch nicht weiter ausbreitet. Das Regierungspräsidium Karlsruhe koordiniert die Maßnahmen:

  • Abschuss: Ein beauftragtes Team fährt mit Booten auf die Seen und erlegt halbwüchsige und erwachsene Frösche mit Kleinkaliberwaffen.
  • Taucher: Ehrenamtliche Taucherinnen und Taucher fangen Kaulquappen mit Keschern. Weil die Kaulquappen im Wasser überwintern, geht das das ganze Jahr.
  • Laich: Der Laich lässt sich praktisch nicht entfernen. Er wird ins freie Wasser abgegeben, zerfasert sofort und verteilt sich in alle Richtungen.
  • Beobachtung: Die Ränder des Verbreitungsgebiets werden regelmäßig kontrolliert, damit neue Funde sofort entfernt werden können. Ein Forschungsprojekt testet Artenspürhunde und verfolgt einzelne Frösche mit Sendern.

Seit 2023 hat das Land rund 500.000 Euro für Beobachtung und Bekämpfung bereitgestellt. Wer einen ungewöhnlich großen Frosch oder eine sehr große Kaulquappe entdeckt, kann den Fund beim Regierungspräsidium Karlsruhe melden.

Gefährdung und Rechtslage

Weltweit nicht gefährdet: Die IUCN stuft den Ochsenfrosch als nicht gefährdet (LC, 2022) ein. Er ist sehr weit verbreitet, häufig und nimmt weiter zu. In seiner Heimat gibt es keine größeren Bedrohungen. Aus den Gebieten, in die er eingeschleppt wurde, ihn wieder zu entfernen, nennt die IUCN dagegen als Ziel des Naturschutzes.

Unionsliste der EU: Seit 2016 steht der Ochsenfrosch auf der Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung. Damit gelten für ihn die Regeln der EU-Verordnung Nr. 1143/2014. Er darf unter anderem nicht gehalten, gezüchtet, gehandelt oder freigelassen werden. Weil er in Deutschland als etabliert gilt, ist hier ein Management vorgeschrieben, also Maßnahmen, die ihn eindämmen.

Chytridpilz: Der Pilz Batrachochytrium dendrobatidis wird mit dem weltweiten Rückgang von Amphibien und dem Aussterben zahlreicher Arten in Verbindung gebracht. Eine Studie von 2006 fand den Pilz bei eingeführten Ochsenfröschen in sieben von acht untersuchten Ländern. Weil Ochsenfrösche die am häufigsten gezüchteten Amphibien sind und immer wieder aus Farmen entkommen, sehen die Forschenden in ihnen eine erhebliche Gefahr für die Verbreitung des Pilzes. In Baden-Württemberg waren 2023 noch keine Chytridpilz-Infektionen bei Amphibien bekannt.

Ein Erfolg: Im Yosemite-Tal in Kalifornien gelang es, Ochsenfrösche über ein ganzes Gebiet hinweg vollständig zu entfernen. Danach konnte dort 2016 der bedrohte Kalifornische Rotbeinfrosch (Rana draytonii) wieder angesiedelt werden.

Häufige Fragen zum Ochsenfrosch

Wie groß wird ein Ochsenfrosch?

Erwachsene Ochsenfrösche messen von der Schnauze bis zum Hinterende meist 9 bis 15 cm. Große Tiere werden über 20 cm lang und bis zu 500 g schwer. Schon die Kaulquappen erreichen etwa 15 cm.

Wie lange ist ein Ochsenfrosch eine Kaulquappe?

Sehr lange: Je nach Gebiet dauert es vier Monate bis knapp drei Jahre, bis aus der Kaulquappe ein Frosch wird. In Baden-Württemberg sind es bis zu drei Jahre, die Kaulquappen überwintern im Wasser.

Was frisst ein Ochsenfrosch?

Fast alles, was er überwältigen kann: Insekten, Krebstiere, Fische, andere Frösche, Schlangen, Schildkröten, Nagetiere, Fledermäuse und Vögel. Die Kaulquappen fressen dagegen vor allem Wasserpflanzen und Algen.

Gibt es Ochsenfrösche in Deutschland?

Ja. Nördlich von Karlsruhe lebt ein fester Bestand mit mehreren Tausend erwachsenen Tieren. Er wird seit Jahren bekämpft, damit er sich nicht weiter ausbreitet.

Warum ist der Ochsenfrosch eine invasive Art?

Er wurde von Menschen in fremde Länder gebracht und breitet sich dort aus. Er frisst heimische Frösche, Fische und andere Tiere, konkurriert mit ihnen um Nahrung und kann den gefährlichen Chytridpilz übertragen. Deshalb steht er auf der Liste invasiver Arten der EU.

Darf man einen Ochsenfrosch halten?

In der EU grundsätzlich nicht. Arten der Unionsliste dürfen nicht gehalten, gezüchtet, gehandelt oder freigelassen werden. Ausnahmen gibt es nur mit Genehmigung, etwa für die Forschung, und für Heimtiere, die schon vor der Aufnahme in die Liste gehalten wurden: Sie dürfen bis zu ihrem Tod bleiben, wenn sie sich nicht vermehren und nicht entkommen können.

Ähnliche Tiere

  • Teichfrosch - ein heimischer Wasserfrosch, mit dem junge Ochsenfrösche verwechselt werden können
  • Seefrosch - ein weiterer heimischer Wasserfrosch
  • Grasfrosch - ein heimischer Frosch, der ebenfalls zu den Echten Fröschen gehört
  • Aga-Kröte - ebenfalls ein großer Froschlurch, der weltweit eingeschleppt wurde

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Nordamerikanischer Ochsenfrosch
9 bis 20 cm

Ein Nordamerikanischer Ochsenfrosch erreicht eine Körpergröße von 9 bis 20 cm. Damit passt er bequem zwischen eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) und einen Fußball (22 cm) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Nordamerikanische Ochsenfrosch ist etwa 6-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze.