Schakal
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Kurz erklärt
Schakale sind mittelgroße Wildhunde aus Afrika, Asien und Südosteuropa. Heute zählen drei Arten dazu: der Goldschakal, der Schabrackenschakal und der Streifenschakal. Schakale fressen fast alles, von Mäusen und Insekten bis zu Früchten und Aas. Der Goldschakal breitet sich seit Jahrzehnten nach Norden aus und wurde 1997 zum ersten Mal in Deutschland nachgewiesen.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Canis aureus, Lupulella mesomelas, Lupulella adusta |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Goldschakal etwas größer als ein Rotfuchs; Schabrackenschakal etwa 38 cm Schulterhöhe und knapp 1 m lang |
| Körpergewicht | Goldschakal: Weibchen etwa 10 kg, Männchen etwa 11 kg, einzelne bis 15 kg; Schabrackenschakal 5 bis 10 kg; Streifenschakal 7 bis 12 kg |
| Ernährung | Allesfresser: kleine Säugetiere, Vögel und Eier, Reptilien, Insekten, Aas, Früchte und Abfälle |
| Lebenserwartung | Goldschakal 8 bis 9 Jahre; Schabrackenschakal in freier Natur höchstens etwa 8, in Menschenobhut bis 14 Jahre |
| Sozialverhalten | Leben meist als Paar, beim Goldschakal ein Leben lang; Junge aus dem Vorjahr helfen manchmal bei der Aufzucht |
| Herkunft | Afrika, Asien und Südosteuropa |
| Verbreitung | Goldschakal von Südosteuropa, zunehmend auch Mitteleuropa, über Vorderasien bis Südostasien; Schabracken- und Streifenschakal nur in Afrika südlich der Sahara AfrikaAsienEuropa |
| Entdeckung | Goldschakal 1758 von Carl von Linné beschrieben, Schabrackenschakal 1775 von Schreber, Streifenschakal 1847 von Sundevall |
| Sonstiges | Sammelbegriff für drei Arten aus zwei Gattungen: Goldschakal (Canis aureus), Schabrackenschakal (Lupulella mesomelas) und Streifenschakal (Lupulella adusta). Alle drei gelten laut IUCN als nicht gefährdet (LC; Goldschakal 2018, Schabracken- und Streifenschakal 2014). Der Afrikanische Goldwolf (Canis lupaster) galt früher als Goldschakal. |
Was ist ein Schakal?
„Schakal“ ist kein Name für eine einzelne Tierart. Das Wort ist ein Sammelbegriff für mittelgroße Wildhunde aus Afrika, Asien und Südosteuropa. Heute zählen drei Arten dazu:
- Goldschakal (Canis aureus): lebt in Südosteuropa, Vorderasien, auf dem indischen Subkontinent und in Teilen Südostasiens. Er breitet sich seit Jahrzehnten nach Mittel- und Nordeuropa aus.
- Schabrackenschakal (Lupulella mesomelas): lebt in zwei getrennten Gebieten im Osten und im Süden Afrikas. Ihn zeigt das Bild oben.
- Streifenschakal (Lupulella adusta): lebt im tropischen Afrika südlich der Sahara.
Trotz des gemeinsamen Namens ist der Goldschakal mit den beiden afrikanischen Schakalen nicht besonders eng verwandt. Der Goldschakal gehört zur Gattung Canis, zu der auch der Wolf zählt. Schabracken- und Streifenschakal wurden früher ebenfalls zu Canis gestellt. Im Stammbaum der Hunde liegen sie aber außerhalb dieser Gruppe, ebenso wie der Afrikanische Wildhund. Deshalb führen Fachleute sie heute in einer eigenen Gattung, Lupulella.
Der Afrikanische Goldwolf ist kein Schakal
Lange hielt man auch die goldfarbenen Wildhunde Nord- und Ostafrikas für Goldschakale. Eine große Erbgut-Studie von Koepfli und Kollegen zeigte 2015 jedoch, dass die afrikanischen und die eurasischen Tiere seit mehr als einer Million Jahren getrennte Wege gehen. Sie sind deshalb zwei verschiedene Arten. Die afrikanische Art ist näher mit dem Wolf verwandt als mit dem Goldschakal und wird heute als Afrikanischer Goldwolf (Canis lupaster) bezeichnet. Sie ist größer als der eurasische Goldschakal.
Dass die beiden so lange verwechselt wurden, hat einen Grund: Die Tiere in Ostafrika sehen den Goldschakalen Eurasiens auffallend ähnlich. Nach heutigem Wissen entspricht das Gebiet, das man früher für das afrikanische Verbreitungsgebiet des Goldschakals hielt, dem des Afrikanischen Goldwolfs. Ob es auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel auch echte Goldschakale gibt, ist noch nicht geklärt.
Aussehen und Körperbau
Schakale sehen aus wie mittelgroße Hunde. Die drei Arten lassen sich aber gut unterscheiden:
Goldschakal: Er ist etwas größer als ein Rotfuchs, aber deutlich kleiner als ein Wolf. Seine Beine sind etwas länger als beim Fuchs, sein Schwanz ist im Verhältnis zum Körper viel kürzer. Der Kopf wirkt klein, die spitzen Ohren stehen weit auseinander. Das Fell ist gelblich-grau, manchmal rötlich, an Rücken und Schwanzspitze dunkler und an den Seiten und Beinen gelb bis golden. Unter der braunen Gesichtsmaske verläuft eine weiße Zeichnung um Schnauze, Kinn und Kehle. Weibchen wiegen etwa 10 kg, Männchen etwa 11 kg, einzelne Tiere bis 15 kg. Im Winter ist das Fell länger und dichter.
Schabrackenschakal: Typisch ist schwarzes Haar, das vom Nacken bis zum Schwanz über den Rücken reicht und ihm seinen Namen gibt. Brust und Bauch sind weiß bis rostig-weiß, der übrige Körper ist rotbraun bis ingwerfarben. Erwachsene Tiere sind an der Schulter etwa 38 cm hoch, knapp einen Meter lang und wiegen 5 bis 10 kg. Männchen sind etwas größer als Weibchen.
Streifenschakal: Er ist schlichter gefärbt, hellgrau bis gelbbraun, und hat kürzere Beine und Ohren als die anderen Schakale. Auf den Flanken verläuft ein weißer Streifen vom Ellbogen bis zur Hüfte, dazu kommen dunkle Seitenstreifen, die nicht immer deutlich zu sehen sind. Sein Schwanz ist dunkel mit weißer Spitze. Männchen wiegen 7,3 bis 12 kg, Weibchen selten mehr als 10 kg.
Verbreitung und Lebensraum
Goldschakal: In Europa lebte er ursprünglich nur an den Küsten des Mittelmeers und des Schwarzen Meers. Im 19. Jahrhundert begann er, sich in Südosteuropa auszubreiten, und im 20. Jahrhundert drang er immer weiter nach Norden und Westen vor. Nach Osten reicht sein Gebiet über die Türkei, den Iran und Zentralasien bis nach Indien, Sri Lanka, Myanmar und in Teile Indochinas. Er kommt mit sehr verschiedenen Lebensräumen zurecht, von Halbwüsten über Wälder und Mangroven bis zu Feldern und Dörfern, in Höhen von über 2.000 Metern. In Europa mag er vor allem Agrarland und Feuchtgebiete im Tiefland, solange es dort genug Deckung gibt, etwa Wälder, Gehölze oder Riedflächen.
Schabrackenschakal: Er lebt in zwei voneinander getrennten Gebieten, die rund 900 km auseinanderliegen: im Süden Afrikas, unter anderem in Südafrika, Namibia, Botswana und Simbabwe, und im Osten, etwa in Kenia, Somalia und Äthiopien. Er bevorzugt offenes Gelände, von der Namib-Wüste bis zu den Vororten großer Städte, und meidet Wälder und dichtes Gebüsch.
Streifenschakal: Er lebt im tropischen Afrika und bevorzugt feuchtere Lebensräume: Buschland, Savannen mit Bäumen, Sümpfe, Grasland und Berggebiete bis 2.700 Meter Höhe. Den Regenwald meidet er. Auch auf Feldern und anderen landwirtschaftlich genutzten Flächen ist er häufig.
Der Goldschakal in Deutschland
In Deutschland wurde der erste Goldschakal 1997 in Brandenburg nachgewiesen. 2021 zeigte sich in Baden-Württemberg zum ersten Mal, dass sich Goldschakale auch bei uns fortpflanzen. Ein Jahr später wurden Jungtiere in der Lüneburger Heide in Niedersachsen gesehen.
Deutschland ist kein Einzelfall. 2016 tappte ein Goldschakal im Naturschutzgebiet Veluwe in den Niederlanden in eine Fotofalle, seit 2015 gab es Nachweise in Dänemark und 2017 einen in Frankreich. Für ganz Europa wurde der Bestand grob auf 70.000 Goldschakale geschätzt. Fachleute erwarten, dass sich die Art weiter nach Westen und Norden ausbreitet.
Warum breitet er sich aus? Als ein wichtiger Grund gilt, dass Wölfe in weiten Teilen Europas ausgerottet wurden. Wölfe töten Goldschakale, und wo Wölfe fehlen, haben Schakale es leichter. Kehren Wölfe zurück, können örtliche Schakalbestände wieder verschwinden oder abwandern. Außerdem vermuten Forscher, dass mildere Winter mit weniger Schnee die Ausbreitung erleichtern.
In Deutschland ist der Goldschakal kein jagdbares Wild nach dem Bundesjagdgesetz. In Niedersachsen steht er zwar auf der Liste jagdbarer Arten, hat dort aber das ganze Jahr Schonzeit. Er ist außerdem im Anhang V der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie aufgeführt.
Ernährung
Schakale sind Allesfresser und Gelegenheitsjäger. Sie fressen, was sie gerade finden.
Der Goldschakal jagt ähnlich wie ein Fuchs: Er lauert seiner Beute auf und springt sie überraschend an. Seine Hauptnahrung sind kleine Tiere wie Mäuse, Wühlmäuse und Hasen, außerdem Eier und Junge von Vögeln, die am Boden brüten, Amphibien, Reptilien, größere Insekten und Aas. Rehe oder Schafe erbeutet er nur selten und dann meist junge Tiere. Für ein Raubtier frisst er ungewöhnlich viel Pflanzliches: Beeren, Fallobst, Weintrauben oder Maiskörner. In Siedlungen nutzt er Abfälle und Komposthaufen. In Europa machen Schlachtabfälle und andere tierische Reste etwa 40 Prozent seiner Nahrung aus. Damit räumt er auf und frisst nebenbei auch viele Nagetiere, die auf Feldern Schaden anrichten.
Der Schabrackenschakal frisst vor allem kleine Säugetiere wie Nagetiere, Hasen und kleine Antilopen, aber auch viele Insekten. Manchmal jagen mehrere Tiere gemeinsam, um größere Beute zu überwältigen. Oft bedient er sich an den Resten von Löwen- oder Leopardenrissen. Gelegentlich tötet er Geflügel oder junge Schafe.
Der Streifenschakal ist von allen Schakalen der vielseitigste Allesfresser. Er frisst Insekten, Früchte, kleine Wirbeltiere, Aas und Pflanzen. Beute hetzt er nicht, sondern schnappt sie mit einem kurzen Sprung oder frisst die Reste, die schnellere Jäger übrig lassen.
Verhalten und Lebensweise
Schakale leben meist als Paar. Beim Goldschakal bleiben Männchen und Weibchen ein Leben lang zusammen. Gemeinsam markieren sie ein Territorium von etwa 5 bis 15 Quadratkilometern und gehen oft zusammen auf die Jagd. Im Frühjahr und Sommer, wenn Junge da sind, lebt die Familie zusammen, den Rest des Jahres nur das Paar. Goldschakale sind vor allem in der Dämmerung und nachts unterwegs.
Wie andere Hunde verständigen sich Schakale stark über Gerüche. Goldschakale setzen Kot und Urin gern auf Steine oder kleine Erhebungen. Dazu kommen Rufe, Heulen und heiseres Bellen. Der Streifenschakal hat eine Besonderheit: Statt zu heulen, stößt er einen Ruf aus, der an den einer Eule erinnert.
Der Schabrackenschakal ist tags und nachts aktiv, in der Nähe von Städten aber vor allem nachts. Er hat sehr gute Ohren und eine feine Nase. Paare haben deutlich kleinere Streifgebiete als Einzeltiere, die noch einen Partner suchen. Der Streifenschakal ist streng nachtaktiv und lebt allein oder als Paar, manchmal auch in Gruppen von bis zu sechs Tieren.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Beim Goldschakal ist Paarungszeit im Januar und Februar. Nach einer Tragzeit von 60 bis 63 Tagen bringt das Weibchen Ende April oder Anfang Mai drei bis fünf Welpen zur Welt, selten mehr. Als Kinderstube dienen oft verlassene Fuchs- oder Dachsbaue. Die Welpen werden etwa acht Wochen gesäugt und bleiben bis zum nächsten Frühjahr bei den Eltern. Manche Jungtiere bleiben noch länger und helfen, ihre jüngeren Geschwister großzuziehen. Mit ein bis zwei Jahren sind Goldschakale geschlechtsreif. Sie werden etwa 8 bis 9 Jahre alt.
Beim Schabrackenschakal dauert die Tragzeit etwa 60 Tage. Im Schnitt kommen vier Welpen zur Welt, von denen oft nur einer bis drei überleben. Die Geburt findet meist in einem verlassenen Erdferkelbau mit mehreren Ausgängen statt. Beide Eltern füttern die Jungen. Nach etwa drei Monaten folgen die Welpen den Eltern aus dem Bau, innerhalb eines Jahres werden sie selbstständig. In freier Natur leben Schabrackenschakale höchstens etwa 8 Jahre, in Menschenobhut bis zu 14 Jahre.
Beim Streifenschakal bestehen die Würfe aus drei bis sechs Jungen, die Tragzeit dauert 57 bis 70 Tage.
Gefährdung
Keine der drei Schakalarten ist bedroht. Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft den Goldschakal als nicht gefährdet (LC) ein (2018), sein Bestand nimmt insgesamt zu. Er ist weit verbreitet und kommt mit vom Menschen veränderten Landschaften gut zurecht. In Laos und Vietnam halten Verfolgung und Schlingfallen die Bestände allerdings deutlich niedriger, als sie sein könnten, und in Teilen Südindiens ist er seltener geworden. Auch Schabracken- und Streifenschakal gelten als nicht gefährdet (LC, beide 2014).
Probleme gibt es vor allem mit Menschen: Schabrackenschakale gelten in Südafrika als Räuber von Geflügel und Lämmern. Streifenschakale werden bei Ausbrüchen von Tollwut oft gefangen oder vergiftet, weil sie die Krankheit übertragen können.
Häufige Fragen zum Schakal
Wie viele Schakalarten gibt es?
Heute zählt man drei Arten zu den Schakalen: den Goldschakal, den Schabrackenschakal und den Streifenschakal. Der Goldschakal gehört zur Gattung Canis, die beiden afrikanischen Arten zur Gattung Lupulella. Der frühere „Afrikanische Goldschakal“ gilt seit 2015 als eigene Art, der Afrikanische Goldwolf.
Gibt es Schakale in Deutschland?
Ja. Der Goldschakal wurde 1997 zum ersten Mal in Brandenburg nachgewiesen. Seit 2021 ist bekannt, dass er sich in Deutschland auch fortpflanzt, zuerst in Baden-Württemberg, ein Jahr später in Niedersachsen. Goldschakale sind vor allem in der Dämmerung und nachts unterwegs, deshalb bemerkt man sie nur selten.
Was ist der Unterschied zwischen Goldschakal und Fuchs?
Der Goldschakal ist etwas größer als ein Rotfuchs, hat längere Beine und einen deutlich kürzeren Schwanz. Sein Fell ist eher gelblich-grau als rot. Auch die Spuren unterscheiden sich: Beim Goldschakal sind die beiden mittleren Ballen der Pfote im unteren Teil zusammengewachsen.
Was frisst ein Schakal?
Schakale sind Allesfresser. Sie fressen Mäuse und andere kleine Säugetiere, Vögel und Eier, Reptilien, Insekten und Aas, dazu Beeren, Obst und andere Pflanzen. In der Nähe von Menschen fressen sie auch Abfälle.
Ist der Schakal mit dem Wolf verwandt?
Alle Schakale gehören wie der Wolf zur Familie der Hunde. Der Goldschakal steht dem Wolf am nächsten, denn beide gehören zur Gattung Canis. Schabracken- und Streifenschakal bilden dagegen eine eigene Linie im Stammbaum der Hunde.
Wie viele Junge bekommt ein Schakal?
Ein Goldschakal-Weibchen bringt meist drei bis fünf Welpen zur Welt, ein Streifenschakal drei bis sechs. Beim Schabrackenschakal sind es im Schnitt vier Welpen. Beide Eltern kümmern sich um den Nachwuchs.
Ähnliche Tiere
- Wolf - gehört wie der Goldschakal zur Gattung Canis und ist sein natürlicher Gegenspieler
- Fuchs - etwas kleiner als der Goldschakal und mit ähnlicher Jagdweise
- Afrikanischer Wildhund - wie Schabracken- und Streifenschakal ein afrikanischer Wildhund außerhalb der Gattung Canis
- Rothund - kann in Südostasien die Zahl der Goldschakale begrenzen
Quellen
- Hoffmann, M. et al. (2018): Canis aureus (errata version published in 2020). The IUCN Red List of Threatened Species 2018
- Koepfli, K.-P. et al. (2015): Genome-wide Evidence Reveals that African and Eurasian Golden Jackals Are Distinct Species. Current Biology 25, 2158-2165
- Viranta, S. et al. (2017): Rediscovering a forgotten canid species. BMC Zoology 2, 6
- Goldschakal - Deutsche Wildtier Stiftung
- Canis mesomelas (black-backed jackal) - Animal Diversity Web, University of Michigan
- Canis adustus (side-striped jackal) - Animal Diversity Web, University of Michigan
Gewichtsvergleich
Ein Schakal bringt 5 bis 15 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine Hauskatze (4 kg), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Der Schakal wiegt so viel wie etwa 3 Hauskatzen.