Sepien
Zuletzt aktualisiert:

Kurz erklärt
Sepien sind Tintenfische mit einem breiten, leicht abgeflachten Körper, acht Armen und zwei Fangarmen. In ihrem Inneren tragen sie eine poröse Kalkschale, den Schulp, mit dem sie im Wasser schweben. Sepien können blitzschnell Farbe und Muster ihrer Haut ändern und sich so fast unsichtbar machen. Die meisten Arten leben nur ein bis drei Jahre.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Sepiida |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Gemessen wird die Mantellänge: beim Gemeinen Tintenfisch meist 15 bis 25 cm, höchstens 49 cm, ein einzelnes Tier 60 cm; die Australische Riesensepia erreicht bis 50 cm |
| Körpergewicht | Gemeiner Tintenfisch in gemäßigten Meeren bis 4 kg, in subtropischen bis 2 kg; Australische Riesensepia über 5 kg |
| Ernährung | Fleischfresser: Krebse wie Krabben und Garnelen, kleine Fische und Weichtiere, oft auch andere Sepien |
| Lebenserwartung | 1 bis 3 Jahre; beim Gemeinen Tintenfisch in freier Natur meist 12 bis 24 Monate |
| Sozialverhalten | Meist Einzelgänger, bilden in freier Natur keine Schwärme |
| Herkunft | Küstenmeere der Alten Welt |
| Verbreitung | Warme und gemäßigte Küstenmeere Europas, Afrikas, Asiens und Australiens, nicht an den Küsten Amerikas; der Gemeine Tintenfisch lebt im Ostatlantik von Südnorwegen bis Afrika, in der Nordsee und im Mittelmeer AfrikaAsienEuropaAustralienMeer |
| Entdeckung | Die Ordnung wurde 1849 von Gray benannt; den Gemeinen Tintenfisch beschrieb Carl von Linné 1758 |
| Sonstiges | Gruppenseite ohne eigene Gefährdungseinstufung. Die Rote Liste der IUCN bewertet einzelne Arten, zum Beispiel den Gemeinen Tintenfisch als nicht gefährdet (LC) und die Australische Riesensepia als potenziell gefährdet (NT), beide 2012. |
Was sind Sepien?
Sepien sind Tintenfische. Wie alle Tintenfische gehören sie zu den Kopffüßern, also zu den Weichtieren, bei denen die Arme direkt am Kopf sitzen. Fachleute nennen die Ordnung der Sepien Sepiida. Weltweit gibt es rund 120 Arten.
Zusammen mit den Kalmaren bilden die Sepien die Zehnarmigen Tintenfische. Die Kraken gehören dagegen zu einer anderen Gruppe.
Der Gemeine Tintenfisch: Die bekannteste Art in Europa ist der Gemeine Tintenfisch (Sepia officinalis). Er lebt im Ostatlantik, in der Nordsee und im Mittelmeer und ist eine der wichtigsten Kopffüßer-Arten für die Fischerei. Viele Angaben auf dieser Seite beziehen sich auf ihn. Wo eine andere Art gemeint ist, steht ihr Name dabei.
Aussehen und Körperbau
Körper: Sepien haben einen breiten, kräftigen, sackartigen Körper, der von oben nach unten leicht abgeflacht ist. Diesen Körper nennt man Mantel. Darin liegen die inneren Organe.
Flossensaum: An beiden Seiten des Mantels verläuft ein schmaler Flossensaum, der fast so lang ist wie der Mantel selbst. Mit wellenförmigen Bewegungen dieses Saums steuern und manövrieren Sepien sehr genau. Für schnelle Flucht nutzen sie den Rückstoß: Sie füllen ihre Mantelhöhle mit Wasser und stoßen es kräftig aus. So schießen sie rückwärts davon.
Arme und Fangarme: Um den Mund sitzen acht Arme und zwei lange Fangarme. Die Fangarme können die Sepien blitzschnell ausstrecken und in Taschen an der Seite des Kopfes zurückziehen. An ihrem Ende sitzt eine Keule mit Saugnäpfen, mit der die Sepie Beute packt. Die acht kürzeren Arme halten die Beute anschließend fest. Beim Männchen ist ein Arm umgebaut, mit dem es Samenpakete an das Weibchen weitergibt.
Schnabel und Gift: Zwischen den Armen liegt ein harter Schnabel, scharf genug, um Krabbenpanzer zu knacken. Der Speichel enthält ein Gift, das die Beute lähmt.
Augen: Sepien haben große Augen mit einer W-förmigen Pupille. Damit sehen sie fast bis nach hinten. Farben können sie nicht unterscheiden. Dafür erkennen sie polarisiertes Licht, also die Richtung, in der Lichtwellen schwingen, und das sehr genau.
Herz und Blut: Wie Kraken besitzen Sepien drei Herzen und blaues Blut.
Größe: Beim Gemeinen Tintenfisch misst man die Länge des Mantels ohne Arme. Sie beträgt meist 15 bis 25 cm. In gemäßigten Meeren erreicht er höchstens 49 cm und 4 kg, in subtropischen Meeren 30 cm und 2 kg. Das größte gemessene Tier war 60 cm lang. Männchen werden größer als Weibchen. Zu den größten Sepien gehört die Australische Riesensepia (Sepia apama, nach neuerer Einteilung Ascarosepion apama) mit bis zu 50 cm Mantellänge und über 5 kg Gewicht.
Der Schulp: Schwimmkörper aus Kalk
Im Inneren des Körpers tragen Sepien eine flache Schale aus Kalk, den Schulp. Er ist porös und aus vielen feinen Schichten aufgebaut.
Auf- und Abtauchen: Der Schulp funktioniert wie ein Schwimmkörper. Die Sepie kann in die winzigen Hohlräume mehr oder weniger Flüssigkeit oder Gas einlagern. So steigt sie im Wasser auf oder sinkt ab, ohne dafür viel Kraft zu brauchen.
Grenze in der Tiefe: Der Schulp hält dem Wasserdruck nur bis zu einer bestimmten Tiefe stand. Beim Gemeinen Tintenfisch bricht er unterhalb von etwa 200 m ein. Bei frisch geschlüpften Jungtieren liegt diese Grenze schon bei 50 bis 100 m. Deshalb leben die Jungen in flachem Küstenwasser.
Meister der Tarnung: der Farbwechsel
In der Haut der Sepien liegen unzählige Farbzellen (Chromatophoren). Das sind kleine, mit Farbstoff gefüllte Säckchen, die von Muskeln und Nerven gesteuert werden. Zieht die Sepie sie auseinander oder zusammen, ändert sich die Hautfarbe sehr schnell.
Muster und Oberfläche: Sepien ändern nicht nur die Farbe, sondern auch Muster und Oberfläche ihrer Haut. Sie passen sich so dem Untergrund an. Manchmal formen sie mit ihren Armen zusätzlich Umrisse nach, um noch besser mit dem Hintergrund zu verschmelzen.
Wozu der Farbwechsel dient: Die Tarnung schützt vor Feinden und hilft beim Anschleichen an Beute. Sepien verständigen sich aber auch mit Farbmustern. Bei einem Männchen wurde beobachtet, wie es auf der einen Körperseite einem Weibchen Balzfarben zeigte und auf der anderen Seite wie ein Weibchen aussah, um einen Rivalen zu täuschen.
Gegenschattierung: Dreht man einen Gemeinen Tintenfisch zur Seite, färbt er die neue Oberseite dunkel und die neue Unterseite hell. So bleibt er gut getarnt.
Verbreitung und Lebensraum
Sepien leben nur in den Meeren der Alten Welt, also an den Küsten Europas, Afrikas, Asiens und Australiens. An den Küsten Nord- und Südamerikas kommen sie nicht vor. Sie bewohnen vor allem warme und gemäßigte Küstenmeere und die flachen Schelfgebiete vor den Kontinenten. Die meisten Arten leben im flachen Wasser, einige Arten wurden aber in über 900 m Tiefe gefunden.
Am Boden: Sepien schwimmen gut, halten sich aber meist am Meeresboden auf. Sie leben über Fels, Sand und Schlamm, auf Seegraswiesen, zwischen Algen und an Korallenriffen.
Der Gemeine Tintenfisch kommt im Ostatlantik von den Shetlandinseln und Südnorwegen bis nach Afrika vor, außerdem in der Nordsee und im Mittelmeer. Einzelne Tiere verirren sich bis in die Ostsee. Meist lebt er über Sand- und Schlammböden zwischen der Küste und 200 m Tiefe. Im Frühjahr und Sommer zieht er in flache Küstengewässer, im Herbst und Winter wandert er in Tiefen um 100 m. Die Strecke pro Wanderung kann mehr als 100 km betragen.
Ernährung
Sepien sind Räuber. Sie fressen vor allem Krebse wie Krabben und Garnelen sowie kleine Fische, die am Boden leben, zum Beispiel Grundeln. Auch kleine Weichtiere stehen auf dem Speiseplan.
Jagd aus dem Hinterhalt: Der Gemeine Tintenfisch gräbt sich tagsüber meist in den Sand ein und lauert dort auf Beute. Kommt ein Tier nahe genug, schnellen die beiden Fangarme hervor und packen es. Junge Gemeine Tintenfische fangen Garnelen sogar in völliger Dunkelheit.
Kannibalen: Größere Sepien fressen auch kleinere Artgenossen. Fachleute deuten das als Möglichkeit, Zeiten mit wenig passender Nahrung zu überstehen.
Verhalten und Lebensweise
Einzelgänger: Sepien leben meist allein. Der Gemeine Tintenfisch bildet in freier Natur keine Schwärme.
Verstecken und Flucht: Sepien verbringen viel Zeit gut getarnt oder versteckt. Werden sie entdeckt, stoßen sie eine Tintenwolke aus. Manchmal mischen sie Schleim hinein, sodass eine dunkle Wolke in Form ihres eigenen Körpers entsteht. Während der Angreifer die Attrappe verfolgt, flieht die Sepie.
Tricks gegen Haie: Haie spüren die schwachen elektrischen Signale ihrer Beute. Bei Gefahr erstarren Sepien deshalb, bedecken ihren Körper mit den Armen und atmen langsamer, damit sie weniger Signale aussenden.
Großes Gehirn: Im Verhältnis zur Körpergröße haben Sepien eines der größten Gehirne aller wirbellosen Tiere. In Versuchen konnten sie zählen und sich merken, was, wo und wann sie zuletzt gefressen hatten. In einer Studie von 2021 verzichteten Sepien auf sofortiges Futter, wenn sie dafür später eine Garnele als Belohnung bekamen.
Schlafähnlicher Zustand: Beim Gemeinen Tintenfisch beobachteten Forschende in Ruhephasen einen schlafähnlichen Zustand. Dabei zuckten die Arme, die Farbe änderte sich und die Augen bewegten sich schnell.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Balz: Zur Paarung wandern Gemeine Tintenfische im Frühjahr in flaches Küstenwasser. Die Männchen werben mit auffälligen Farbmustern um die Weibchen und kämpfen heftig mit Rivalen. Nach der Paarung bewacht das Männchen oft sein Weibchen.
Paarung: Das Männchen übergibt mit seinem umgebauten Arm Samenpakete, die das Weibchen in einer Tasche nahe dem Mund aufbewahrt. Ein Weibchen kann sich mit mehreren Männchen paaren und deren Samen speichern. Es entscheidet dann selbst, welchen es zur Befruchtung nutzt.
Eier: Die Weibchen kleben ihre Eier in Trauben an Algen, Seegras, Muschelschalen oder andere feste Gegenstände. Jedes Ei ist mit Tinte schwarz gefärbt, deshalb nennt man sie im Englischen „sea grapes“, Meerestrauben. Im Ärmelkanal legt ein Weibchen je nach Größe etwa 200 bis 550 Eier. Eier werden kaum tiefer als 30 bis 40 m abgelegt.
Schlüpfen: Je nach Wassertemperatur schlüpfen die Jungen nach 30 bis 90 Tagen. Sie sind nur 7 bis 8 mm lang, sehen aber schon aus wie kleine Erwachsene. Um die Jungen kümmert sich niemand. Schon wenige Stunden nach dem Schlüpfen jagen sie selbst.
Kurzes Leben: Sepien werden meist nur 1 bis 3 Jahre alt. Der Gemeine Tintenfisch lebt in freier Natur meist 12 bis 24 Monate. Männchen und Weibchen sterben in der Regel kurz nach der Fortpflanzung. In warmem Wasser werden die Tiere schneller erwachsen, ihr Leben ist dort oft nur ein Jahr lang.
Feinde und Gefährdung
Feinde: Sepien werden von Delfinen, Haien, großen Fischen, Seelöwen und anderen Sepien gefressen. Ihre Eier fressen unter anderem Schnecken, Krabben, Hummer und Seeigel.
Gefährdung: Die Rote Liste der IUCN bewertet nicht die ganze Gruppe, sondern einzelne Arten. Der Gemeine Tintenfisch gilt als nicht gefährdet (LC), die Australische Riesensepia als potenziell gefährdet (NT) (beide IUCN, 2012). Die meisten Sepienarten sind nicht bedroht.
Fischerei: Sepien sind beliebte Speisetiere, vor allem in Südostasien und in den Ländern am Mittelmeer. Im Mittelmeer wird der Gemeine Tintenfisch inzwischen stark befischt. Weil die Tiere so kurz leben und meist nur einmal laichen, hängt die Größe des Bestands jedes Jahr fast vollständig vom Nachwuchs ab. Fangen Fischer viele Tiere vor dem Laichen, kann das den Bestand im folgenden Jahr stark verringern.
Meereswandel: National Geographic nennt die Versauerung der Meere durch steigendes Kohlendioxid als mögliche Gefahr für alle Sepien.
Sepie, Kalmar oder Krake?
Sepien, Kalmare und Kraken sind alle Tintenfische, unterscheiden sich aber deutlich:
- Sepien haben einen breiten, leicht abgeflachten Körper mit einem Flossensaum an den Seiten. Im Inneren liegt der kalkige, poröse Schulp. Sie haben acht Arme und zwei Fangarme, die sie in Taschen am Kopf zurückziehen können.
- Kalmare haben ebenfalls acht Arme und zwei Fangarme. Ihre innere Schale ist aber kein Kalkschulp, sondern ein feder- oder stabförmiger Stützstab aus Chitin. Ihre Fangarme können sie zusammenziehen, aber nicht in Taschen verstecken.
- Kraken haben nur acht Arme und keine Fangarme.
Häufige Fragen zu Sepien
Wie groß wird eine Sepie?
Das hängt von der Art ab. Der Gemeine Tintenfisch hat meist eine Mantellänge von 15 bis 25 cm, große Tiere erreichen 49 cm und 4 kg. Die Australische Riesensepia wird bis 50 cm lang und über 5 kg schwer.
Was ist ein Schulp?
Der Schulp ist eine flache, poröse Kalkschale im Inneren der Sepie. Er dient als Schwimmkörper: Indem die Sepie mehr oder weniger Flüssigkeit oder Gas in seine Hohlräume einlagert, kann sie im Wasser steigen oder sinken.
Wie wechseln Sepien ihre Farbe?
In ihrer Haut liegen unzählige Farbzellen, die von Muskeln und Nerven gesteuert werden. Durch Auseinanderziehen und Zusammenziehen dieser Zellen ändern Sepien sehr schnell Farbe und Muster. Sie können sogar die Oberfläche ihrer Haut verändern.
Was fressen Sepien?
Sepien fressen vor allem Krebse wie Krabben und Garnelen sowie kleine Bodenfische. Ihre Beute packen sie mit zwei blitzschnellen Fangarmen und lähmen sie mit giftigem Speichel. Größere Sepien fressen manchmal auch kleinere Artgenossen.
Wie alt werden Sepien?
Sepien leben nur kurz, meist 1 bis 3 Jahre. Der Gemeine Tintenfisch wird in freier Natur meist ein bis zwei Jahre alt. Nach der Fortpflanzung sterben die Tiere in der Regel.
Was ist der Unterschied zwischen Sepien und Kalmaren?
Sepien haben einen breiten Körper, einen Flossensaum an den Seiten und einen Kalkschulp im Inneren. Kalmare tragen statt des Schulps einen feder- oder stabförmigen Stützstab aus Chitin. Beide haben acht Arme und zwei Fangarme, doch nur Sepien können ihre Fangarme in Taschen am Kopf zurückziehen.
Ähnliche Tiere
- Kalmar - schlanke Zehnarmige Tintenfische, die nächsten Verwandten der Sepien
- Oktopus (Kraken) - Tintenfische mit acht Armen und ohne Fangarme
- Tintenfisch - die ganze Gruppe der Tintenfische im Überblick
- Seeohren - Meeresschnecken und damit wie die Sepien Weichtiere
- Meeresnacktschnecke - bunte Weichtiere des Meeres ohne Schale
Quellen
- Roper, C.F.E., Sweeney, M.J. & Nauen, C.E. (1984): FAO Species Catalogue Vol. 3. Cephalopods of the World (u. a. Glossar, Bestimmungsschlüssel, Familie Sepiidae). FAO, Rom
- Gibson-Hall, E. & Wilson, E. (2018): Sepia officinalis, Common cuttlefish - Marine Life Information Network (MarLIN), Marine Biological Association of the UK
- Sepia officinalis, Common cuttlefish - SeaLifeBase
- Cuttlefish - National Geographic
- Barratt, I. & Allcock, L. (2012): Sepia officinalis und Sepia apama. The IUCN Red List of Threatened Species 2012
- Sepiida Gray, 1849 - World Register of Marine Species (WoRMS)