Siamesischer Kampffisch

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Siamesischer Kampffisch
Marcel Burkhard / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0 de

Kurz erklärt

Der Siamesische Kampffisch ist ein kleiner Süßwasserfisch aus Thailand und dem Mekong-Gebiet. Mit einem besonderen Organ, dem Labyrinth, kann er Luft von der Wasseroberfläche atmen. Die Männchen bauen Nester aus Schaumbläschen und kämpfen heftig gegeneinander. Als bunter Zierfisch mit langen Flossen ist er weltweit beliebt, in der Natur gilt er dagegen als gefährdet.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameBetta splendens
Abstammung
  • Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
  • Ordnung: Anabantiformes
  • Familie: Osphronemidae
  • Unterfamilie: Macropodusinae
  • Gattung: Betta
  • Art: Siamesischer Kampffisch
KörpergrößeWildfische etwa 3,7 bis 4 cm Gesamtlänge; größte gemessene Länge 6,5 cm (FishBase). Zuchtformen können länger werden
KörpergewichtKeine gesicherten Angaben in Fachquellen
ErnährungFleischfresser: Zooplankton, Mückenlarven und andere Insektenlarven, Wasserflöhe
LebenserwartungEtwa 2 Jahre (FishBase nennt 2 Jahre als Höchstalter, im Labor leben Kampffische rund 2 Jahre)
SozialverhaltenRevierbildend; Männchen sind sehr angriffslustig und kämpfen gegeneinander, im Aquarium werden sie einzeln gehalten
HerkunftSüdostasien
Verbreitung Thailand (Ebenen im Norden und in der Mitte, Westen und oberer Süden) und Mekong-Becken; als Zuchtform weltweit in Aquarien Asien
EntdeckungErstbeschreibung 1910 durch Regan
GefährdungVU Gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2011)
SonstigesKann mit dem Labyrinthorgan Luft atmen. Männchen bauen Schaumnester und pflegen die Brut. Seit 2019 nationales Wassertier Thailands.

Was ist ein Siamesischer Kampffisch?

Der Siamesische Kampffisch (Betta splendens) ist ein kleiner Süßwasserfisch aus Südostasien. Er gehört zur Gattung Betta, in der es noch viele weitere Kampffisch-Arten gibt, und zur Familie Osphronemidae. Im Zoohandel heißt er oft einfach "Betta".

Name: Seinen deutschen Namen verdankt er den Männchen, die sehr angriffslustig sind und miteinander kämpfen. Der Gattungsname Betta geht laut FishBase auf den einheimischen Namen eines Fisches auf der Insel Java zurück. Beschrieben hat die Art der Zoologe Regan im Jahr 1910.

Nationaltier: 2019 erklärte das Parlament von Thailand den Siamesischen Kampffisch zum "nationalen Wassertier" des Landes.

Aussehen und Körperbau

Größe: Wild lebende Kampffische sind klein. Mit Schwanzflosse werden sie etwa 3,7 bis 4 cm lang. Die Fischdatenbank FishBase nennt als größte gemessene Länge 6,5 cm. Gezüchtete Tiere können länger werden als ihre wilden Verwandten.

Wildform: Wilde Kampffische haben kurze Flossen. Auf dem Kiemendeckel tragen sie rötliche Streifen.

Imponieren: Wenn ein Männchen einen Rivalen bedroht oder ein Weibchen umwirbt, verändert es sich sichtbar: Der Körper wird dunkler, die Farben leuchten kräftiger, die Flossen sind weit gespreizt und die Kiemendeckel abgespreizt.

Männchen und Weibchen: Etwa zwei Monate nach dem Schlüpfen kann man Männchen und Weibchen am Aussehen unterscheiden. Die Weibchen sind blasser gefärbt und imponieren weniger. In Thailand werden sie deshalb meist in großer Zahl für wenig Geld verkauft, nur einige behält man für die Zucht.

Das Labyrinthorgan: ein Fisch, der Luft atmet

Wie andere Fische atmet der Kampffisch mit Kiemen. Zusätzlich hat er ein besonderes Atemorgan im Kopf: das Labyrinthorgan. Der Fisch schwimmt an die Wasseroberfläche, schnappt Luft und füllt damit das Labyrinth. Aus dieser Luft nimmt er Sauerstoff auf. Fachleute sprechen von fakultativer Luftatmung: Der Fisch kann Luft atmen, wenn er sie braucht.

Das Labyrinth passt zu seinem Lebensraum. In flachen, stehenden Gewässern enthält das Wasser oft wenig Sauerstoff. Manche Kampffisch-Arten überleben sogar in Wasser, das fast keinen gelösten Sauerstoff mehr enthält.

Auch die Jungen brauchen Luft: Frisch geschlüpfte Kampffische sinken leicht nach unten, müssen aber zum Atmen an die Oberfläche kommen. Thailändische Fachleute empfehlen deshalb, im Zuchtbecken höchstens 15 cm Wasser einzufüllen.

Transport im Beutel: Weil sie Luft atmen können, überstehen Kampffische sogar den Versand in kleinen Plastikbeuteln. In Thailand werden die Männchen einzeln verpackt und manchmal bis zu fünf Tage lang transportiert. Dabei leiden sie oft unter Sauerstoffmangel.

Verbreitung und Lebensraum

Heimat: FishBase gibt als natürliche Verbreitung das Mekong-Becken in Südostasien an. In Thailand ist der Siamesische Kampffisch die bekannteste Kampffisch-Art, in der Zentralebene ist er auch die häufigste. Er lebt dort vor allem in den Ebenen im Norden und in der Mitte des Landes, im Westen und im oberen Süden. Andere Betta-Arten kommen auch in Kambodscha, Laos, Vietnam, Malaysia und Indonesien vor.

Lebensraum: Kampffische leben in kleinen, flachen Gewässern mit wenig Strömung: in Reisfeldern, Teichen, Lagunen, Sümpfen und Kanälen sowie auf Flächen, die in der Regenzeit überschwemmt werden. FishBase nennt außerdem mittelgroße bis große Flüsse.

Wasser: Der Kampffisch ist ein tropischer Fisch. FishBase nennt Wassertemperaturen von 24 bis 30 °C und einen pH-Wert von 6 bis 8. Kälte verträgt er schlecht, weil er dann leichter krank wird.

Ernährung

Kampffische sind Fleischfresser. In der Natur fressen sie vor allem:

  • Zooplankton, also winzige Tiere, die im Wasser schweben
  • Mückenlarven und andere Insektenlarven

Auch in Menschenobhut mögen sie am liebsten lebende Beute, die sich bewegt: Wasserflöhe, rote Mückenlarven und vor allem Larven von Stechmücken. Frisch geschlüpfte Jungfische fressen winzige Wimpertierchen. Ältere Fische lassen sich an Trockenfutter gewöhnen. In einem Forschungslabor zeigte sich aber: Bekamen die Fische nur Trockenfutter, klappte die Paarung deutlich seltener. Der Zuchterfolg sank auf etwa 30 Prozent.

Verhalten: Warum heißen sie Kampffische?

Kampffische besetzen Reviere und verteidigen sie. Besonders die Männchen sind sehr angriffslustig. Treffen zwei Männchen aufeinander, drohen sie sich zuerst: Sie färben sich kräftiger, spreizen die Flossen und klappen die Kiemendeckel ab. Gibt keiner nach, kommt es zum Kampf. Genau diese Drohgebärden gefallen übrigens auch den Weibchen.

Zucht hat sie aggressiver gemacht: Gezüchtete Kampffische sind heute deutlich angriffslustiger als wilde. Das ist eine Folge der jahrhundertelangen Zucht auf Kampfkraft.

Nicht immer Einzelgänger: Kampffische können in Gruppen mit einer Rangordnung leben oder allein. Jungfische, die zusammen aufwachsen, lassen sich meist gemeinsam halten. Wurde ein Männchen aber einmal einzeln gehalten, kann man es wegen seiner Angriffslust nicht mehr zurück in eine Gruppe setzen.

Fischkämpfe: In Thailand ließ man im 18. und 19. Jahrhundert Männchen gegeneinander kämpfen, das war ein beliebter Zeitvertreib. Auch heute noch schauen Menschen zu und wetten auf den Sieger. Manchmal endet ein solcher Kampf mit dem Tod eines Fisches. Thailändische Biologen empfehlen deshalb, Kampffische lieber als Zierfische zu züchten, auch aus ethischen Gründen.

Fortpflanzung: das Schaumnest

Nestbau: Vor der Paarung baut das Männchen an der Wasseroberfläche ein Schaumnest. Dafür bläst es Luftbläschen, die mit Schleim überzogen sind. Die Bläschen kleben aneinander und bilden ein flaches Floß, das wie eine gewölbte Linse aussieht. Manche Männchen bauen ihr Nest unter einem Pflanzenblatt. Warmes Wasser von etwa 28 °C ist ideal für den Nestbau. Kampffische, die Schaumnester bauen, bevorzugen stehendes Wasser.

Paarung: Bei der Paarung umschlingt das Männchen das Weibchen. Bei jeder dieser Umarmungen gibt das Weibchen ein paar Eier ab, die das Männchen sofort befruchtet. Die Befruchtung findet also außerhalb des Körpers statt. Das Ablaichen dauert mehrere Stunden.

Eier einsammeln: Die Eier sinken nach unten. Das Männchen sammelt etwa 90 Prozent davon mit dem Maul auf und bringt sie ins Schaumnest. Das Weibchen hilft dabei kaum.

Viele Eier: In einem Forschungslabor legten die Weibchen bei einer Paarung zwischen 12 und 492 Eier, im Durchschnitt 252. Ein Wurf kann bis zu 500 Jungfische umfassen.

Vater als Babysitter: Das Männchen bewacht das Nest. Eier und frisch geschlüpfte Larven bleiben bis zu drei Tage im Schaumnest. Fällt ein Ei oder eine Larve heraus, holt das Männchen es mit dem Maul zurück.

Schnelle Entwicklung: Die Larven schlüpfen 29 bis 44 Stunden nach der Befruchtung. Nach etwa drei Tagen schwimmen sie frei. In den ersten Tagen leben sie von ihrem Dottervorrat. Unter guten Laborbedingungen werden Kampffische schon mit 10 Wochen geschlechtsreif.

Andere Kampffische tragen ihre Brut im Maul: In der Gattung Betta gibt es zwei Arten der Brutpflege. Die einen bauen Schaumnester wie der Siamesische Kampffisch. Bei den anderen, den Maulbrütern, trägt das Männchen die befruchteten Eier im Maul, bis die Jungen schlüpfen. Maulbrüter leben eher in fließendem Wasser.

Zuchtformen und Wildform

Ein uraltes Haustier: Der Siamesische Kampffisch gehört zu den ältesten Haustieren unter den Fischen. In Südostasien wird er seit Jahrhunderten für Kämpfe gezüchtet. Berichte aus Thailand reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Erbgut-Untersuchungen sprechen dafür, dass die Zucht vor mindestens 400 Jahren begann.

Kämpfer: Für Kämpfe züchtet man Fische mit kräftigem Körper, harten Schuppen, scharfen Zähnen und kurzen Flossen. Lange Flossen wären ein leichtes Ziel für Bisse. Die Farbe spielt hier kaum eine Rolle.

Zierfische: Seit Anfang des 20. Jahrhunderts wird der Kampffisch auch als Zierfisch gezüchtet. Damals kam er nach Europa und in die USA und wurde zu einem der beliebtesten Aquarienfische der Welt. Züchter achten auf Farbe, Muster, schillernde Schuppen, Körperform und Flossengröße. So entstanden sehr viele Zuchtformen mit unterschiedlichen Farben und Flossen, zum Beispiel Schleierschwänze, Halbmond-Formen ("Halfmoon"), Kronenschwänze ("Crowntail"), Doppelschwänze und besonders große "Giant"-Kampffische.

In Thailand gehörten Kampffische in den Jahren 2000 bis 2005 zu den beiden wichtigsten Zierfischen, gemessen an Stückzahl und Einnahmen.

Woher stammen die Zuchtformen? Erbgut-Analysen zeigen: Die Zuchtformen stammen vom Siamesischen Kampffisch ab. Bei etwa drei von vier untersuchten Zuchtfischen fanden Forschende aber auch kleine Anteile im Erbgut, die von verwandten Arten wie Betta imbellis und Betta mahachaiensis kommen.

Haltung im Aquarium

Die bunten Zuchtformen sind beliebte Aquarienfische. Wer einen Kampffisch halten möchte, sollte einige Regeln kennen:

  • Männchen einzeln halten: Männchen kämpfen gegeneinander. Zwei Männchen gehören deshalb nicht in dasselbe Becken. Auch Forschungslabore halten erwachsene Männchen einzeln. Züchter in Thailand trennen junge Männchen mit etwa vier Monaten.
  • Nicht in Mini-Gefäße: FishBase rät ausdrücklich davon ab, Männchen in sehr kleinen Behältern zu halten.
  • Weibchen nur zur Zucht dazusetzen: Laut FishBase hält man Männchen und Weibchen getrennt und setzt sie nur zur Paarung zusammen. Dann kommt nur ein Weibchen in ein Zuchtbecken von 20 bis 30 Litern.
  • Warmes Wasser: Der Kampffisch stammt aus den Tropen. FishBase nennt Wassertemperaturen von 24 bis 30 °C.
  • Deckel: Vor allem Wildformen springen gern. Das Becken sollte deshalb gut abgedeckt sein.
  • Futter: Lebendfutter wie Wasserflöhe und Mückenlarven entspricht der natürlichen Nahrung. Nur Trockenfutter reicht für Zuchttiere nicht aus.

Krankheiten erkennen: Kranke Kampffische legen oft die Flossen an. Bei manchen Krankheiten werden sie auch träge und hören auf zu fressen. Bei der Flossenfäule werden die Flossenränder ausgefranst, die Flossen wirken durchsichtiger und blasser.

Gefährdung

Die Rote Liste der IUCN stuft den Siamesischen Kampffisch in ihrer Einstufung von 2011 als gefährdet (Vulnerable, VU) ein. Er ist also einer der beliebtesten Aquarienfische der Welt und zugleich in der Natur bedroht.

Lebensraum geht verloren: In Thailand sind Teiche, Reisfelder und Sümpfe in den letzten Jahrzehnten durch wachsende Städte und Industrie immer seltener geworden.

Vermischung mit Zuchtfischen: Forschende fanden Erbgut von Zuchtformen in mehreren wilden Beständen. Vermutlich setzen Züchter überzählige Kampffische in der Natur aus. Diese Vermischung kann die wilden Kampffische zusätzlich gefährden.

Häufige Fragen zum Siamesischen Kampffisch

Wie groß wird ein Kampffisch?

Wilde Kampffische werden etwa 3,7 bis 4 cm lang. FishBase nennt als größte gemessene Länge 6,5 cm. Zuchtformen können etwas größer werden.

Warum darf man zwei Männchen nicht zusammen halten?

Kampffisch-Männchen verteidigen ihr Revier und greifen andere Männchen an. Zuchtformen sind durch jahrhundertelange Zucht auf Kampfkraft besonders aggressiv. Im selben Becken würden sie sich verletzen oder sogar töten.

Wozu baut der Kampffisch ein Schaumnest?

Das Männchen baut das Nest aus Schleimbläschen an der Wasseroberfläche. Dort hinein bringt es die befruchteten Eier. Eier und Larven bleiben bis zu drei Tage im Nest, und das Männchen bewacht sie.

Kann ein Kampffisch Luft atmen?

Ja. Mit seinem Labyrinthorgan im Kopf kann er Luft von der Wasseroberfläche atmen. So kommt er auch in flachen, sauerstoffarmen Gewässern zurecht.

Wie alt werden Kampffische?

Kampffische leben nicht lange. FishBase nennt ein Höchstalter von 2 Jahren, auch im Labor leben sie etwa 2 Jahre.

Ist der Siamesische Kampffisch gefährdet?

Ja. Die IUCN stuft ihn seit 2011 als gefährdet ein. Seine Lebensräume in Thailand schrumpfen, und ausgesetzte Zuchtfische vermischen sich mit den wilden Tieren.

Ähnliche Tiere

  • Guppy - ein weiterer beliebter Aquarienfisch mit vielen Zuchtformen
  • Spitzmaulkärpfling - der Molly, ebenfalls ein bekannter Zierfisch
  • Diskusfisch - farbenprächtiger Aquarienfisch aus Südamerika
  • Tetra - kleiner, bunter Schwarmfisch für das Aquarium
  • Clownfisch - bunter Meeresfisch, der auch im Aquarium gehalten wird

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Siamesischer Kampffisch
3,7 bis 6,5 cm

Ein Siamesischer Kampffisch erreicht eine Körpergröße von 3,7 bis 6,5 cm. Damit passt er bequem zwischen eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) und einen Fußball (22 cm) auf unserer Vergleichsskala. Ein Fußball wäre dagegen noch rund 4-mal so groß.