Silberfischchen
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Kurz erklärt
Das Silberfischchen ist ein kleines, flügelloses Urinsekt mit silbrig glänzenden Schuppen. Es wird etwa 1 cm lang, ist nachtaktiv und lebt vor allem in feuchten Räumen wie Bad, Küche und Keller. Dort frisst es stärke- und zuckerhaltige Reste, Hautschuppen und Haare. Für Menschen ist es nach Angaben des Umweltbundesamts keine unmittelbare Gesundheitsgefahr, zeigt aber oft zu hohe Luftfeuchtigkeit an.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Lepisma saccharinum (oft auch Lepisma saccharina) |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Etwa 7 bis 12 mm ohne Fühler und Schwanzfäden, meist 9 bis 11 mm |
| Ernährung | Stärke- und zuckerhaltige Stoffe, Papier, Kleister und Leim, Textilfasern, Haare, Hautschuppen, Hausstaubmilben und tote Insekten |
| Lebenserwartung | Etwa 2 bis 5 Jahre (Angaben je nach Quelle verschieden) |
| Verbreitung | Weltweit, vor allem in Gebäuden; im Freien unter Steinen, in Laubstreu, Höhlen, Ameisen- und Vogelnestern |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | NE Nicht bewertet |
| Sonstiges | Gilt als Feuchteanzeiger; laut Umweltbundesamt geht von Silberfischchen keine unmittelbare Gesundheitsgefahr aus. |
Was ist ein Silberfischchen?
Das Silberfischchen ist kein Fisch, sondern ein Insekt. Seinen Namen hat es von den winzigen, silbrig glänzenden Schuppen, die seinen ganzen Körper bedecken. Diese Schuppen werden oft mit Fischschuppen verglichen.
Silberfischchen gehören zu den Urinsekten. So nennt man sehr ursprüngliche Insekten ohne Flügel. Sie bilden mit ihren Verwandten die Ordnung der Fischchen (Zygentoma). Früher wurde diese Gruppe unter dem Namen Thysanura geführt.
Der wissenschaftliche Name: Carl von Linné beschrieb das Silberfischchen 1758 als Lepisma saccharinum. In vielen Büchern und auf Seiten von Behörden steht auch die Schreibweise Lepisma saccharina. Gemeint ist dieselbe Art.
Im Haus leben neben dem Silberfischchen noch zwei nahe Verwandte aus derselben Familie, das Papierfischchen und das Ofenfischchen (mehr dazu weiter unten).
Aussehen und Körperbau
Größe: Ein erwachsenes Silberfischchen ist etwa 7 bis 12 mm lang, meist 9 bis 11 mm. Fühler und Schwanzfäden sind dabei nicht mitgerechnet.
Körperform: Der Körper ist länglich und flach. Vorn im Brustbereich ist er am breitesten und wird nach hinten immer schmaler. Dadurch wirkt das Tier fast wie ein Tropfen.
Farbe: Die Grundfarbe reicht von silbergrau bis schwarzbraun. Die dicht liegenden Schuppen glänzen silbrig bis perlmuttfarben, weil sie das Licht spiegeln.
Fühler und Schwanzfäden: Am Kopf sitzen zwei lange, fadenförmige Fühler. Am Hinterende trägt das Silberfischchen drei lange Anhänge: zwei seitliche Schwanzfäden (Cerci) und einen mittleren Endfaden. Die Schwanzfäden sind mit feinen Borsten besetzt. Verliert ein Silberfischchen einen Fühler oder Schwanzfaden, kann er innerhalb von zwei bis vier Wochen nachwachsen.
Keine Flügel: Anders als die meisten Insekten hat das Silberfischchen keine Flügel. Es läuft aber sehr schnell.
Verbreitung und Lebensraum
Weltweit zu Hause: Wie viele andere Insekten, die in Häusern leben, kommen Silberfischchen auf der ganzen Welt vor.
Im Haus: In Mitteleuropa lebt das Silberfischchen fast nur in beheizten Gebäuden. Es ist an den Menschen und seine Wohnungen angepasst. Am liebsten hält es sich in feuchten Räumen mit vielen Ritzen auf: in Küche und Bad, in Waschküchen und Kellern, aber auch hinter lockeren Tapeten. Man findet Silberfischchen auch in Lebensmittelbetrieben, Gewächshäusern, Museen und Bibliotheken.
Im Freien: Draußen leben Silberfischchen unter Steinen, in der Laubstreu, in Höhlen, in Ameisennestern und in Vogelnestern.
Feucht und warm: Silberfischchen brauchen ein feuchtwarmes Klima mit 75 bis 97 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit. Am besten entwickeln sie sich bei 25 bis 30 °C und 80 bis 90 Prozent Luftfeuchtigkeit. Unter 10 °C sind sie nicht mehr aktiv, über 35 °C sterben sie. Bei Trockenheit unter 30 Prozent Luftfeuchtigkeit können sie sich nicht mehr vermehren.
Ein Feuchteanzeiger: Weil Silberfischchen so viel Feuchtigkeit brauchen, gelten sie als Feuchteanzeiger. Viele Silberfischchen in einer Wohnung sind ein Hinweis darauf, dass es dort zu feucht ist.
Ernährung
Silberfischchen sind wenig wählerisch. Sie fressen vor allem stärke- und zuckerhaltige Stoffe, zum Beispiel:
- Vorräte wie Mehl, Grieß oder Haferflocken und Zucker
- Papier, besonders gestrichenes, glänzendes Papier, Pappe und Tapetenkleister
- Leim in Bucheinbänden, an Tapeten und Möbelbezügen
- Textilfasern wie Leinen, Seide und Baumwolle
In Wohnungen fressen sie außerdem Haare, Hautschuppen und Hausstaubmilben. Auch tote Insekten und sogar andere Silberfischchen stehen auf ihrem Speiseplan. Silberfischchen können auch Cellulose verdauen, den Hauptbestandteil von Papier und Pflanzenfasern.
Hungerkünstler: Silberfischchen halten erstaunlich lange ohne Nahrung durch. Nach Angaben der Universität Florida können sie bis zu ein Jahr lang hungern. In einer Untersuchung überlebten einzelne Tiere 307 Tage ohne Futter.
Verhalten und Lebensweise
Nachtaktiv und lichtscheu: Silberfischchen sind nachtaktiv und meiden Licht. Tagsüber verstecken sie sich in Ritzen, Fugen und Spalten. Nur nachts kommen sie heraus, um Nahrung zu suchen und sich zu paaren. Schaltet man das Licht an, sieht man sie meist nur noch davonhuschen.
Häuten ein Leben lang: Silberfischchen machen keine Verwandlung durch wie Schmetterlinge oder Käfer. Schon die frisch geschlüpften Jungtiere sehen aus wie kleine Erwachsene. Bis sie erwachsen sind, häuten sie sich sechs- bis siebenmal. Anders als die meisten Insekten häuten sie sich danach weiter, ihr ganzes Leben lang. Das Institut für Schädlingskunde nennt 20 bis 40 Häutungen in einem Leben, die Universität Florida 25 bis 66.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Balz: Bei der Paarung berühren sich Männchen und Weibchen zuerst gegenseitig mit den Fühlern. Dann spinnt das Männchen ein kleines Gespinst in Y-Form und setzt daneben ein Samenpaket ab, eine Spermatophore. Das Weibchen findet das Gespinst und nimmt das Samenpaket mit seinem Legeapparat auf. Eine direkte Paarung wie bei vielen anderen Insekten gibt es also nicht.
Eier: Das Weibchen legt seine Eier in kleinen Gelegen von etwa 7 bis 12 Eiern, höchstens etwa 30 auf einmal. Es legt sie in Ritzen, Spalten und Falten, manchmal auch offen auf Oberflächen. Die Eier sind für die Größe der Tiere recht groß und bräunlich bis rötlich. Im ganzen Leben legt ein Weibchen etwa 50 bis 150 Eier.
Schlupf: Wie lange die Eier brauchen, hängt von der Temperatur ab. Bei etwa 32 °C schlüpfen die Jungen nach weniger als 20 Tagen, bei 22 °C kann es bis zu 40 Tage dauern.
Jungtiere: Frisch geschlüpfte Silberfischchen sind hell und noch ohne Schuppen. Ihr silbriges Schuppenkleid bekommen sie erst ab dem vierten Jugendstadium. Bis sie erwachsen sind, vergeht meist etwa ein Jahr.
Lebensdauer: Silberfischchen werden erstaunlich alt. Das Institut für Schädlingskunde nennt zwei bis fünf Jahre, die Universität Florida bis zu vier Jahre unter guten Bedingungen.
Sind Silberfischchen schädlich?
Für die Gesundheit: Nach Angaben des Umweltbundesamts geht von Silberfischchen keine unmittelbare Gesundheitsgefahr aus. Sie gehören nicht zu den Gesundheitsschädlingen wie Schaben oder Bettwanzen, die Krankheiten übertragen können. Lästig sind sie trotzdem. Das Institut für Schädlingskunde weist darauf hin, dass sie an Vorräten fressen und Lebensmittel dabei mit Keimen verunreinigen können.
Für Bücher und Papier: Bei einem normalen Befall richten Silberfischchen laut Umweltbundesamt in der Regel keine Schäden an. Massenhaft vermehren können sie sich nur bei einer Luftfeuchtigkeit von über 75 Prozent. Dann können sie an Papier, Tapeten und Bucheinbänden fressen. In Museen und Bibliotheken, in denen wertvolle alte Schriften lagern, gelten sie deshalb als Schädlinge.
Was hilft? Das Umweltbundesamt rät, zuerst die Ursache zu beheben:
- regelmäßig stoßlüften und Feuchträume ausreichend heizen, damit die Luft trockener wird
- feuchte Stellen, etwa nach einem Wasserschaden, baulich beseitigen
- Ritzen und Fugen absaugen oder am besten abdichten
In den meisten Fällen gehen die Silberfischchen schon zurück, wenn das Raumklima besser wird. Lässt sich ein starker Befall so nicht eindämmen, empfiehlt das Umweltbundesamt, eine Fachfirma für Schädlingsbekämpfung zu fragen.
Silberfischchen, Papierfischchen und Ofenfischchen
In Wohnungen können drei ähnliche Fischchen-Arten vorkommen. So unterscheidet man sie:
| Merkmal | Silberfischchen | Papierfischchen | Ofenfischchen |
|---|---|---|---|
| Größe | meist 9 bis 11 mm | etwa 15 mm | bis 12 mm |
| Farbe | silbergrau bis schwarzbraun, silbrig glänzend | eher braun als silbrig | schwarz-gelbe Schuppen |
| Lieblingsklima | feucht und warm | eher trocken und warm, 20 bis 25 °C | sehr warm, 30 bis 40 °C |
| Typischer Fundort | Bad, Küche, Keller | Wohnräume | Bäckereien, Großküchen, Heizungskeller |
| Schaden | meist gering | kann Bücher und Tapeten stark schädigen | Massenvermehrung bei uns sehr selten |
Das Papierfischchen (Ctenolepisma longicaudatum) tritt seit einigen Jahren immer häufiger auf. Es frisst besonders gern Papier und Karton und kann, anders als das Silberfischchen, erhebliche Schäden anrichten. Verbreitet wird es unter anderem mit Kartons aus Wellpappe aus dem Versandhandel.
Häufige Fragen zum Silberfischchen
Sind Silberfischchen gefährlich?
Nach Angaben des Umweltbundesamts geht von Silberfischchen keine unmittelbare Gesundheitsgefahr aus. Sie zählen nicht zu den Tieren, die Krankheiten übertragen. Lästig sind sie aber, und an Vorräten können sie Lebensmittel verunreinigen.
Woher kommen Silberfischchen in der Wohnung?
Silberfischchen leben dort, wo es feucht und warm ist und es viele Verstecke gibt, etwa in Bad, Küche oder Keller. Viele Silberfischchen sind oft ein Hinweis auf zu hohe Luftfeuchtigkeit, zum Beispiel durch zu wenig Lüften oder einen Wasserschaden.
Was fressen Silberfischchen?
Vor allem stärke- und zuckerhaltige Stoffe wie Mehl, Zucker, Papier und Kleister. In Wohnungen fressen sie auch Haare, Hautschuppen, Hausstaubmilben und tote Insekten.
Wie groß werden Silberfischchen?
Erwachsene Silberfischchen sind etwa 7 bis 12 mm lang, meist 9 bis 11 mm. Dazu kommen die langen Fühler und die drei Schwanzfäden.
Wie alt werden Silberfischchen?
Für ein so kleines Insekt werden sie erstaunlich alt: je nach Quelle etwa zwei bis fünf Jahre. Bis sie erwachsen sind, dauert es meist ein Jahr.
Was ist der Unterschied zwischen Silberfischchen und Papierfischchen?
Papierfischchen sind mit etwa 15 mm größer, eher braun als silbrig und mögen es trockener. Sie fressen gern Papier und Karton und können Bücher und Tapeten viel stärker schädigen als Silberfischchen.
Ähnliche Tiere
- Kleidermotte - ein Falter, dessen Raupen Wolle und andere Textilien fressen
- Lebensmittelmotte - ein Vorratsschädling in Küche und Speisekammer
- Schabe - ein Insekt im Haus, das anders als das Silberfischchen als Gesundheitsschädling gilt
- Landassel - ein kleiner Krebs, der wie das Silberfischchen feuchte Orte liebt
- Milben - winzige Spinnentiere, zu denen auch die Hausstaubmilbe gehört
Quellen
- Silber-, Ofen- und Papierfischchen - Umweltbundesamt
- Motten, Schaben, Silberfischchen … - Umweltbundesamt
- Silberfischchen (Lepisma saccharina) - Institut für Schädlingskunde
- Phillips, E. F. & Gillett-Kaufman, J. L. (2018): Silverfish Lepisma saccharina Linnaeus (Insecta: Zygentoma: Lepismatidae). EDIS, University of Florida
- Lepisma saccharinum Linnaeus, 1758 - GBIF (Global Biodiversity Information Facility)
Größenvergleich
Das Silberfischchen ist mit 7 mm bis 1,2 cm ein echtes Leichtgewicht auf der Größenskala. Selbst eine Biene (1,5 cm) überragt es. Dafür passt das Silberfischchen bequem auf eine Handfläche - oder sogar auf einen Fingernagel!