Skorpion
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Kurz erklärt
Skorpione sind Spinnentiere mit zwei Scheren und einem beweglichen Schwanz, an dessen Ende ein Giftstachel sitzt. Sie leben auf allen Kontinenten außer der Antarktis, vor allem in warmen, trockenen Gegenden, und jagen nachts Insekten und andere Kleintiere. Von den rund 2.500 bekannten Arten sind nur etwa 25 für Menschen wirklich gefährlich.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Scorpiones |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 9 mm bis 21 cm |
| Körpergewicht | Keine verlässlichen Angaben für die ganze Ordnung |
| Ernährung | Fleischfresser: Insekten und andere Spinnentiere, selten kleine Wirbeltiere |
| Lebenserwartung | Meist 2 bis 10 Jahre, einzelne Tiere bis 25 Jahre |
| Sozialverhalten | Überwiegend Einzelgänger, einzelne Arten bilden Familiengruppen |
| Herkunft | Unbekannt |
| Verbreitung | Alle Kontinente außer der Antarktis, Schwerpunkt in Tropen, Subtropen und Wüsten AfrikaAsienEuropaNordamerikaSüdamerikaAustralien |
| Entdeckung | Ordnung 1837 durch Carl Ludwig Koch benannt |
| Gefährdung | NE Nicht bewertet |
| Sonstiges | Die Rote Liste bewertet nur einzelne Arten: Derzeit stehen drei Skorpionarten auf der Liste. Die Körpergröße reicht von 9 Millimetern bei Typhlochactas mitchelli bis 21 Zentimetern beim Kaiserskorpion. |
Was ist ein Skorpion?
Skorpione (Scorpiones) bilden eine Ordnung der Spinnentiere. Sie sind also mit Webspinnen, Weberknechten, Milben und Zecken verwandt, nicht mit Insekten. Je nach Quelle sind zwischen 1.750 und 2.500 Arten beschrieben, die Fachdatenbank The Scorpion Files nennt im Jahr 2026 sogar 2.952 Arten.
Von allen Spinnentieren gelten Skorpione traditionell als die urtümlichste Gruppe. Ihre Fächerlungen sind aus den Kiemen meeresbewohnender Vorfahren hervorgegangen, die auch mit den Pfeilschwanzkrebsen und den ausgestorbenen Seeskorpionen verwandt waren.
Aussehen und Körperbau
Der Körper eines Skorpions besteht aus zwei Abschnitten:
- Vorderkörper (Prosoma): sechs Segmente mit allen Gliedmaßen. Vorn sitzen die kleinen dreigliedrigen Kieferklauen (Cheliceren), dahinter die großen Fangarme (Pedipalpen), die in den auffälligen Scheren enden. Danach folgen vier Laufbeinpaare, also acht Beine wie bei allen Spinnentieren.
- Hinterleib (Opisthosoma): 13 Segmente. Der breite vordere Teil heißt Mesosoma, die fünf schmalen hinteren Ringe bilden das schwanzartige Metasoma. An dessen Ende sitzt das Telson mit Giftblase und Stachel.
Größe: Die kleinste bekannte Art, Typhlochactas mitchelli, misst nur 9 Millimeter. Die größten Arten, der Kaiserskorpion (Pandinus imperator) und Hadogenes troglodytes, werden bis zu 21 Zentimeter lang. Die meisten Arten liegen deutlich darunter.
Sinne: Skorpione sehen schlecht. Sie haben ein größeres mittleres Augenpaar und bis zu fünf kleinere Punktaugenpaare, die im Wesentlichen Helligkeit wahrnehmen. Viel wichtiger sind Erschütterungen: Mit Spaltsinnesorganen an den Beinen bemerkt ein Skorpion eine grabende Schabe noch aus 50 Zentimetern Entfernung. Am zweiten Hinterleibssegment trägt er außerdem die Kammorgane (Pectines). Diese kammartigen Anhänge streichen über den Boden und prüfen dessen Beschaffenheit, unter anderem bei der Partnersuche.
Innen: Als Speicherorgan dient ein großes Hepatopankreas, das bis zu 20 Prozent des Körpergewichts ausmachen kann. Zusammen mit einem sehr niedrigen Ruhestoffwechsel erlaubt das lange Hungerphasen. Manche Arten überstehen so bis zu 12 Monate ohne Nahrung.
Warum Skorpione im UV-Licht leuchten
Die Außenhaut (Cuticula) der Skorpione enthält β-Carboline und 7-Hydroxy-4-methylcoumarin. Diese Stoffe werden von ultraviolettem Licht angeregt und leuchten blaugrün. Mit einer UV-Lampe lassen sich Skorpione deshalb nachts leicht finden, das gehört zur Standardausrüstung von Forscherinnen und Forschern im Gelände. Der Effekt bleibt sogar an toten Tieren und an abgestreiften Häuten erhalten. Warum die Tiere leuchten, ist nicht sicher geklärt.
Verbreitung und Lebensraum
Skorpione kommen auf allen Kontinenten außer der Antarktis vor. In Amerika reicht ihr Gebiet von Südkanada bis ins südliche Südamerika, die größte Artenvielfalt findet sich in den Wüsten Mexikos. Nach Großbritannien und Neuseeland wurden Arten eingeschleppt.
In Europa liegt die Nordgrenze im Süden und Osten Österreichs, in der Schweiz und im Süden Tschechiens. Dort leben kleine, für Menschen harmlose Arten wie der Deutsche Skorpion (Alpiscorpius germanus) oder der Triestiner Skorpion (Euscorpius tergestinus). Ihr Stich fühlt sich etwa an wie ein Bienenstich, Todesfälle bei Erwachsenen sind nicht bekannt.
Die meisten Arten leben in Wüsten, Halbwüsten und Savannen, andere in tropischen Wäldern, in der Gezeitenzone an Küsten oder in Höhlen. Alacran tartarus wurde noch in 800 Metern Tiefe unter der Erdoberfläche gefunden. Manche Arten graben Röhren, andere klettern auf Bäume, wieder andere leben in Felsspalten. Trotz ihres Rufes als Wüstentiere brauchen viele Arten eine hohe Luftfeuchtigkeit.
Ernährung
Skorpione sind Fleischfresser. Sie erbeuten vor allem Insekten wie Käfer, Schaben und Heuschrecken sowie andere Spinnentiere, seltener Schnecken oder kleine Wirbeltiere wie Mäuse, Eidechsen und Schlangen. Die australische Art Isometroides vescus hat sich ganz auf grabende Spinnen spezialisiert und übernimmt oft deren Wohnröhren.
Die meisten Skorpione lauern in der Nähe ihres Verstecks auf Beute. Sie greifen zuerst mit den Scheren zu. Wehrt sich das Opfer, schlägt der Schwanz in weniger als einer Sekunde über den Rücken nach vorn und setzt den Stich. Anschließend zerkleinern die Kieferklauen die Beute, während Verdauungssäfte sie auflösen. Der flüssige Nahrungsbrei wird eingesaugt, harte Panzerteile bleiben liegen. Eine Mahlzeit kann mehrere Stunden dauern.
Verhalten und Lebensweise
Skorpione sind überwiegend nachtaktiv. Tagsüber verstecken sie sich unter Steinen, Rinde und Holz, in Ritzen oder in selbst gegrabenen Höhlen. Fast alle Arten leben als Einzelgänger. Einige überwintern jedoch gemeinsam, und beim Kaiserskorpion bleiben die Jungen eines Wurfes länger zusammen und jagen sogar gemeinsam.
Zur Verteidigung dienen Scheren und Stachel. Bei Gefahr nehmen viele Skorpione eine Drohhaltung mit hochgestelltem Schwanz ein. Die Flucht ins Versteck ist aber ihre häufigste Reaktion.
Gift und Stich: Wie gefährlich sind Skorpione?
Das Gift entsteht in der Drüse im letzten Körpersegment und besteht bei den meisten Arten aus zwei Bestandteilen: einem, der Gliederfüßer lähmt, und einem, der gegen Wirbeltiere wirkt. Für große Tiere und Menschen ist das Gift der allermeisten Arten kaum gefährlich. Etwa 25 der bekannten Arten gelten als potenziell tödlich, fast alle aus der Familie der Buthidae.
Typische Folgen eines Stiches sind starker Schmerz, Schwellung und Rötung. Schwere Vergiftungen sind die Ausnahme. Gefährdet sind vor allem Kleinkinder, alte und kranke Menschen. Regionen mit vielen schweren Fällen sind unter anderem Mexiko, Nordafrika, der Nahe Osten, der Iran und Indien. Weltweit kommt es jedes Jahr zu rund 1,5 Millionen Vergiftungen durch Skorpionstiche. Die Schätzungen zur Zahl der Todesfälle gehen weit auseinander: Sie reichen von etwa 1.000 bis 5.000 Menschen pro Jahr, neuere Übersichten nennen rund 2.600. Gegen die Gifte der gefährlichen Arten gibt es Gegenmittel.
Vorsicht im Urlaub: In warmen Ländern gilt die einfache Regel, Schuhe vor dem Anziehen auszuschütteln und nachts nicht barfuß zu laufen. Bei einem Stich hilft zunächst Kühlen, und man sollte ärztliche Hilfe suchen.
Fortpflanzung: Paarungstanz und lebende Junge
Zur Paarungszeit locken die Weibchen mit Duftstoffen. Findet ein Männchen ein Weibchen, versucht es zunächst, sie mit ruckartigen Bewegungen in Stimmung zu bringen. Dann greifen beide einander an den Scheren und beginnen den Paarungstanz, der Stunden dauern kann. Dabei ertastet das Männchen mit den Kammorganen einen geeigneten Untergrund, setzt dort ein Samenpaket (Spermatophore) ab und zieht das Weibchen darüber. Viele Männchen stechen ihre Partnerin dabei in den dünnhäutigen Scherenarm, vermutlich um sie zu beruhigen. Manchmal endet der Tanz damit, dass das Weibchen das Männchen frisst.
Skorpione sind lebendgebärend. Nach einigen, bei manchen Arten bis zu zwölf Monaten kommen je nach Art 2 bis über 100 Junge zur Welt. Sie sind zunächst weiß und weich und klettern sofort auf den Rücken der Mutter. Dort bleiben sie bis zur ersten Häutung, je nach Art zwischen einem und 51 Tagen. In dieser Zeit sind die Weibchen besonders wehrhaft. Danach gehen die Jungen eigene Wege. Über weitere Häutungen, im Schnitt etwa sechs, werden sie erwachsen. Danach häuten sie sich nicht mehr. Die meisten Skorpione leben 2 bis 10 Jahre, einzelne wurden bis zu 25 Jahre alt.
Feinde und Gefährdung
Skorpione stehen bei vielen Tieren auf dem Speiseplan: bei Eulen und anderen Vögeln, Echsen, Schlangen, großen Fröschen und Säugetieren. Auch Hundertfüßer, Walzenspinnen, Webspinnen und andere Skorpione jagen sie.
Die Rote Liste der Weltnaturschutzunion IUCN führt bisher nur drei Skorpionarten: einen Höhlenbewohner aus Vietnam und zwei Arten von den Seychellen. Der Kaiserskorpion und zwei weitere Arten der Gattung Pandinus stehen im Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens, ihr Export ist also kontrolliert. Sie werden häufig als Terrarientiere gehandelt.
Uralte Tiere
Skorpione gehören zu den ältesten Landtieren überhaupt. Die ersten sicheren Fossilien stammen aus dem späten Silur vor etwa 430 Millionen Jahren. Diese frühen Formen lebten wahrscheinlich noch am Meeresrand und atmeten mit Kiemen. Bis zum Karbon vor rund 325 Millionen Jahren waren fast alle heutigen Gruppen entstanden, und manche Arten dieser Zeit wurden viel größer als die heutigen. Zum Vergleich: Die ersten Dinosaurier tauchten erst rund 200 Millionen Jahre nach den ersten Skorpionen auf.
Häufige Fragen zum Skorpion
Wie groß wird ein Skorpion?
Die Spanne reicht von 9 Millimetern bei Typhlochactas mitchelli bis zu 21 Zentimetern beim Kaiserskorpion und bei Hadogenes troglodytes. Die meisten Arten sind nur wenige Zentimeter lang. In Australien werden die dort heimischen Arten 2 bis 12 Zentimeter groß.
Ist ein Skorpionstich tödlich?
Bei den allermeisten Arten nicht. Von rund 2.500 Arten gelten etwa 25 als potenziell tödlich, fast alle gehören zur Familie Buthidae. Ein Stich tut stark weh, schwillt an und rötet sich. Gefährlich wird es vor allem für Kleinkinder, alte und kranke Menschen. Nach einem Stich in warmen Ländern sollte man immer ärztliche Hilfe suchen.
Gibt es Skorpione in Europa?
Ja. In Südeuropa sind sie häufig, und ihr Gebiet reicht bis in den Süden und Osten Österreichs, in die Schweiz und nach Südtschechien. Die Arten dort sind klein und harmlos, ihr Stich ähnelt einem Bienenstich. In Deutschland gehören Skorpione nicht zur heimischen Tierwelt.
Warum leuchten Skorpione unter Schwarzlicht?
In ihrer Außenhaut stecken Stoffe wie β-Carboline, die ultraviolettes Licht aufnehmen und blaugrün zurückstrahlen. Forscherinnen und Forscher nutzen das, um die Tiere nachts zu finden. Der Effekt bleibt auch nach dem Tod und an abgestreiften Häuten bestehen.
Was fressen Skorpione?
Vor allem Insekten und andere Spinnentiere. Große Arten erbeuten gelegentlich auch kleine Wirbeltiere wie Mäuse oder Eidechsen. Weil ihr Stoffwechsel sehr sparsam arbeitet, kommen viele Skorpione bis zu einem Jahr ohne Nahrung aus.
Sind Skorpione Insekten?
Nein. Skorpione haben acht Beine und einen zweigeteilten Körper, Insekten dagegen sechs Beine und drei Körperabschnitte. Skorpione sind Spinnentiere und damit enger mit Spinnen, Zecken und Weberknechten verwandt.
Ähnliche Tiere
- Vogelspinne - ein großes Spinnentier mit ähnlicher Lebensweise
- Weberknecht - Spinnentier ohne Gift und ohne Netz
- Zecke - ebenfalls ein Spinnentier, aber ein Parasit
- Seeskorpion - ausgestorbene Meeresverwandte der Skorpione
- Hundertfüßer - Gliederfüßer, der Skorpione jagt und selbst giftig ist
- Spinnen - Übersicht über alle Spinnentiere im Lexikon
Quellen
Größenvergleich
Der Skorpion ist mit 9 mm bis 21 cm sehr unterschiedlich groß. Die kleinsten Exemplare sind nicht größer als eine Biene (1,5 cm), die größten bleiben aber kleiner als ein Fußball (22 cm).