Skorpionfisch

Zuletzt aktualisiert:

Großer Roter Drachenkopf mit orangeroter, gefleckter Haut, Hautlappen am Kopf und aufgestellten Stachelflossen liegt auf dem Meeresgrund
The original uploader was Elapied at French Wikipedia. / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0 fr

Kurz erklärt

Skorpionfische sind gut getarnte Meeresfische mit giftigen Stacheln in den Flossen. Sie liegen reglos auf dem Grund und warten, bis ein Fisch oder Krebs nah genug herankommt. Weltweit gibt es rund 390 Arten, einige davon auch im Mittelmeer. Einer der bekanntesten dort ist der Große Rote Drachenkopf, der bis zu 50 cm lang wird.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameScorpaena scrofa
Abstammung
  • Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
  • Ordnung: Barschartige (Perciformes)
  • Unterordnung: Drachenkopfverwandte (Scorpaenoidei)
  • Familie: Skorpionfische oder Drachenköpfe (Scorpaenidae)
  • Gattung: Scorpaena
  • Art: Großer Roter Drachenkopf
Körpergröße30 bis 50 cm
KörpergewichtBis etwa 3 kg
ErnährungFleischfresser: Fische, Krebstiere und Weichtiere
LebenserwartungMindestens 25 Jahre (ältestes untersuchtes Tier aus der Adria)
SozialverhaltenEinzelgänger
HerkunftOstatlantik und Mittelmeer
Verbreitung Ostatlantik von den Britischen Inseln (selten) bis Senegal, dazu Madeira, Kanaren und Kapverden, außerdem das ganze Mittelmeer (nicht das Schwarze Meer) AfrikaEuropaMeer
EntdeckungErstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2015)
SonstigesDie Werte im Steckbrief gelten für den Großen Roten Drachenkopf aus Mittelmeer und Ostatlantik. Die Familie umfasst rund 390 Arten.

Was ist ein Skorpionfisch?

Skorpionfische sind Meeresfische, die in ihren Flossen giftige Stacheln tragen. Ein Stich ist sehr schmerzhaft, und auf diese Stacheln spielt auch der Name an. Im Deutschen heißen die Fische oft auch Drachenköpfe.

Mit „Skorpionfische“ ist meist die ganze Familie Scorpaenidae gemeint. Nach dem Fischkatalog der California Academy of Sciences umfasst sie rund 390 Arten in 39 Gattungen. In manchen Büchern wird der Name enger verwendet und bezeichnet nur die Unterfamilie Scorpaeninae mit etwa 200 Arten. Zur Familie im weiteren Sinn gehören auch zwei bekannte Verwandte:

  • die Feuerfische (Pteroinae) mit ihren langen, fächerartigen Flossen, rund 30 Arten
  • die Felsenbarsche (Sebastinae) mit über 120 Arten, zu denen der Rotbarsch aus dem Nordatlantik gehört

Die ebenfalls sehr giftigen Steinfische werden heute meist einer eigenen Familie (Synanceiidae) zugeordnet.

Diese Seite stellt die Skorpionfische allgemein vor. Als Beispielart dient der Große Rote Drachenkopf (Scorpaena scrofa) aus dem Mittelmeer und dem Ostatlantik. Er ist auf dem Foto zu sehen, und für ihn gelten die Werte im Steckbrief.

Aussehen und Körperbau

Skorpionfische haben einen gedrungenen Körper, einen großen Kopf, große Augen und ein weites Maul. Ihre Haut ist meist rot, braun oder orange, gefleckt und marmoriert. Viele Arten tragen Hautlappen und fransige Anhängsel an Kopf und Körper. So verschwimmt ihr Umriss, und sie sehen aus wie ein bewachsener Stein. Diese Tarnung ist ihr wichtigstes Werkzeug bei der Jagd.

Großer Roter Drachenkopf: Meist wird er etwa 30 cm lang, die größten Tiere erreichen um die 50 cm und bis zu 3 Kilogramm. Seine Rückenflosse hat 12 harte Stacheln und 9 weiche Strahlen, die Afterflosse 3 Stacheln und 5 weiche Strahlen. Im stacheligen Teil der Rückenflosse sitzt oft ein dunkler Fleck.

Brauner Drachenkopf: Der zweite häufige Skorpionfisch des Mittelmeers, Scorpaena porcus, bleibt kleiner. Meist ist er um die 15 cm lang, höchstens etwa 40 cm. Kopf und Körper tragen viele Hautanhängsel, nur am Unterkiefer fehlen sie.

Giftstacheln: der Schutz des Skorpionfischs

Das Gift sitzt in den harten Stacheln der Rückenflosse, der Bauchflossen und der Afterflosse. An jedem dieser Stacheln liegen längliche Giftdrüsen, die von einer dünnen Haut umhüllt sind. Tritt jemand auf den Fisch oder greift nach ihm, schiebt sich die Haut zurück, und das Gift fließt in die Wunde. Auch Stiche von ungiftigen Stacheln können sich entzünden, wenn viele Bakterien daran haften.

Was ein Stich auslöst: Die Stichstelle schmerzt sofort sehr stark, schwillt an, rötet sich und kann sich bläulich verfärben. Nach einigen Minuten können auch Atemnot, Übelkeit, Erbrechen und Herzrhythmusstörungen auftreten. Selten kommt es zu einem allergischen Schock, selbst beim ersten Stich. Die Wunde kann sich außerdem entzünden. Auch die Stacheln toter Fische können noch vergiften, etwa beim Putzen für die Küche.

Woraus besteht das Gift? Genau untersucht ist bisher vor allem das Gift einer Art aus dem Westatlantik, Scorpaena plumieri. Es enthält verschiedene Eiweiße: Stoffe, die Zellen zerstören und auf Herz und Kreislauf wirken, sowie Enzyme und andere Eiweiße, die Entzündungen und Schwellungen auslösen. Forscher nutzen dieses Gift als Ausgangspunkt, um die Gifte anderer Skorpionfische zu verstehen.

Erste Hilfe: Das Gift ist hitzeempfindlich. Fachleute empfehlen deshalb, die betroffene Hand oder den Fuß 30 bis 90 Minuten in heißes Wasser von etwa 45 °C zu tauchen, so heiß, wie man es ohne Verbrühung aushält. Danach sollte man die Wunde ärztlich versorgen lassen, vor allem bei starken Beschwerden, Kreislaufproblemen oder Anzeichen einer Allergie. Wichtig ist auch ein ausreichender Tetanusschutz.

Verbreitung und Lebensraum

Skorpionfische leben im Indischen, Pazifischen und Atlantischen Ozean. Die meisten Arten findet man in Fels- und Korallenriffen, in Buchten und Lagunen.

Der Große Rote Drachenkopf kommt im Ostatlantik von den Britischen Inseln, wo er selten ist, bis nach Senegal vor, außerdem bei Madeira, den Kanaren und den Kapverden. Im Mittelmeer ist er überall verbreitet, im Schwarzen Meer fehlt er. Er lebt in 20 bis 500 Metern Tiefe, meist nicht tiefer als 150 Meter, auf felsigem, sandigem oder schlammigem Grund.

Der Braune Drachenkopf lebt im Mittelmeer, im Schwarzen Meer und im Ostatlantik von den Britischen Inseln bis zu den Azoren und Kanaren. Er ist häufig zwischen Felsen und Algen zu finden und begegnet deshalb an felsigen Mittelmeerküsten auch Tauchern und Schnorchlern.

Ernährung und Jagd

Skorpionfische sind Lauerjäger. Sie liegen reglos und gut getarnt auf dem Grund. Kommt ein Beutetier nahe genug heran, schnellen sie vor und schnappen zu. Ihr großes Maul hilft ihnen, auch größere Beute zu packen.

Der Große Rote Drachenkopf frisst vor allem Fische, Krebstiere und Weichtiere. Der Braune Drachenkopf jagt kleine Fische wie Grundeln und Schleimfische, Krebstiere und andere wirbellose Tiere. Je nach Gebiet und Jahreszeit überwiegen in seinem Magen mal Krebse und andere Bodentiere, mal Fische. Beide stehen damit ziemlich weit oben in der Nahrungskette ihres Lebensraums.

Verhalten und Lebensweise

Skorpionfische sind Einzelgänger und sehr standorttreu. Sie bewegen sich wenig und verlassen sich ganz auf ihre Tarnung. Wer barfuß über Felsen im Wasser läuft oder in Felsspalten greift, kann einen gut getarnten Skorpionfisch leicht übersehen. Badeschuhe und Vorsicht beim Anfassen schützen vor Stichen.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Beim Großen und beim Braunen Drachenkopf gibt es Männchen und Weibchen. Die Weibchen geben ihre Eier ins freie Wasser ab, wo die Männchen sie befruchten. Die Eier treiben dann im Wasser, um den Nachwuchs kümmern sich die Eltern nicht. Der Braune Drachenkopf wird mit etwa 14 cm Länge geschlechtsreif. Er laicht im Sommerhalbjahr, je nach Meeresgebiet etwa zwischen April und September. Die frisch geschlüpften Larven sind nur etwa 1,7 mm lang.

Skorpionfische können recht alt werden. Beim Großen Roten Drachenkopf war das älteste untersuchte Tier aus der mittleren Adria 25 Jahre alt. Weil die Fische langsam wachsen, erholen sich ihre Bestände nur langsam, wenn viele gefangen werden.

Gefährdung

Der Große Rote Drachenkopf gilt auf der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet (LC) (Einstufung von 2015), ebenso der Braune Drachenkopf (2020). Der Große Rote Drachenkopf wird als Speisefisch kommerziell gefischt. Die Fischdatenbank FishBase stuft ihn als stark anfällig für Überfischung ein. Er wächst langsam, und ein Bestand braucht nach ihrer Schätzung 4,5 bis 14 Jahre, um sich zu verdoppeln. Wo zu viel gefischt wird, erholt er sich deshalb nur langsam.

Häufige Fragen zum Skorpionfisch

Ist ein Skorpionfisch giftig?

Ja. In den harten Stacheln seiner Rücken-, Bauch- und Afterflossen sitzt Gift. Ein Stich ist sehr schmerzhaft und kann Schwellungen, Übelkeit und Kreislaufprobleme auslösen. Der Fisch sticht aber nur, wenn man auf ihn tritt oder ihn anfasst.

Was tun bei einem Stich von einem Skorpionfisch?

Die betroffene Stelle 30 bis 90 Minuten in heißes Wasser von etwa 45 °C halten, ohne sich zu verbrühen. Das Gift wird durch Wärme unwirksam. Danach sollte ein Arzt die Wunde ansehen, bei Atemnot oder Kreislaufproblemen sofort den Notruf wählen.

Gibt es Skorpionfische im Mittelmeer?

Ja, mehrere Arten. Am häufigsten sind der Große Rote Drachenkopf und der kleinere Braune Drachenkopf. Sie leben auf felsigem oder sandigem Grund, der Braune Drachenkopf auch in flachem Wasser zwischen Felsen und Algen.

Wie groß wird ein Skorpionfisch?

Das hängt von der Art ab. Der Große Rote Drachenkopf wird meist etwa 30 cm lang, die größten Tiere erreichen um die 50 cm und 3 Kilogramm. Der Braune Drachenkopf bleibt mit meist etwa 15 cm deutlich kleiner.

Was ist der Unterschied zwischen Skorpionfisch, Feuerfisch und Steinfisch?

Feuerfische gehören zur Familie der Skorpionfische und fallen durch ihre langen, fächerartigen Flossen auf. Steinfische werden heute einer eigenen Familie zugeordnet. Ihre Stiche gelten als deutlich gefährlicher als die von Skorpionfischen.

Kann man Skorpionfisch essen?

Ja. Der Große Rote Drachenkopf wird im Mittelmeer und im Ostatlantik gefischt und als Speisefisch verkauft. Beim Putzen muss man aber vorsichtig sein, denn auch die Stacheln toter Fische können noch Gift in die Haut bringen.

Ähnliche Tiere

  • Feuerfisch - ein Verwandter mit langen, giftigen Flossenstacheln
  • Rotbarsch - gehört ebenfalls zur Familie der Skorpionfische
  • Seeskorpion - ähnlicher Name, aber eine Groppe aus Nord- und Ostsee
  • Anglerfisch - ein anderer Lauerjäger am Meeresgrund
  • Muräne - lebt ebenfalls versteckt in Felsspalten

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Skorpionfisch
30 bis 50 cm

Ein Skorpionfisch erreicht eine Körpergröße von 30 bis 50 cm. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Ein Kind wäre dagegen noch rund 3-mal so groß.