Stieglitz
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Kurz erklärt
Der Stieglitz ist ein kleiner, bunter Singvogel aus der Familie der Finken. Man erkennt ihn an seinem roten Gesicht und dem leuchtend gelben Streifen auf den schwarzen Flügeln. Er frisst vor allem Samen, am liebsten von Disteln, und heißt deshalb auch Distelfink. In Deutschland ist er das ganze Jahr zu sehen und nicht gefährdet.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Carduelis carduelis |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Körperlänge 12 bis 13,5 cm, Flügelspannweite 21 bis 25 cm |
| Körpergewicht | Etwa 14 bis 19 g, im Mittel knapp 16 g |
| Ernährung | Vor allem halbreife und reife Samen von Disteln, Karden und anderen Wildkräutern, im Winter auch von Birken und Erlen; selten kleine Insekten wie Blattläuse |
| Lebenserwartung | Meist nur etwa 2 Jahre; ältester beringter Stieglitz in Großbritannien 10 Jahre |
| Sozialverhalten | Zur Brutzeit paarweise, sonst oft in Trupps |
| Herkunft | Europa, Nordafrika, West- und Zentralasien |
| Verbreitung | Europa, Nordafrika sowie West- und Zentralasien; vom Menschen eingeführt in Australien, Neuseeland, Argentinien und auf den Bermudas AfrikaAsienEuropaSüdamerikaAustralien |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2019) |
| Sonstiges | Auch Distelfink genannt; Vogel des Jahres 2016 in Deutschland |
Warum heißt der Stieglitz Distelfink?
Der Stieglitz ist ein Singvogel aus der Familie der Finken. Zu dieser Familie gehören auch der Buchfink und der Gimpel. Er hat zwei Namen, und beide erklären etwas über ihn:
- Distelfink: Der Stieglitz frisst besonders gern die Samen von Disteln. Mit seinem spitzen Schnabel holt er sie geschickt aus den stacheligen Blütenköpfen. Auch sein wissenschaftlicher Name Carduelis ist vom lateinischen Wort für Distel abgeleitet.
- Stieglitz: Dieser Name ahmt den Ruf des Vogels nach, der wie „stiglit“ oder „ti-ke-lit“ klingt.
Im Jahr 2016 wählten der NABU und der bayerische Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) den Stieglitz zum Vogel des Jahres. Er sollte darauf aufmerksam machen, dass in unseren Landschaften bunte Wegränder, Brachen und Wildkräuter immer seltener werden.
Aussehen und Körperbau
Der Stieglitz ist einer der buntesten Singvögel Europas. Er ist 12 bis 13,5 cm lang und wiegt nur 14 bis 19 g. Seine Flügelspannweite beträgt 21 bis 25 cm.
Kopf: Unverkennbar ist die leuchtend rote Gesichtsmaske rund um den Schnabel. Der übrige Kopf ist weiß und schwarz gefärbt.
Körper und Flügel: Der Rücken ist beigebraun, der Bauch hell mit einem unterbrochenen braunen Brustband. Flügel und Schwanz sind schwarz. Quer über die Flügel zieht sich ein leuchtend gelbes Band, das besonders im Flug auffällt.
Schnabel: Der Schnabel ist hell elfenbeinfarben, lang und sehr spitz. Er eignet sich gut, um Samen aus Disteln und Karden zu ziehen.
Männchen und Weibchen: Beide Geschlechter sehen sehr ähnlich aus. Man kann sie aber an der roten Maske unterscheiden: Beim Männchen reicht sie bis hinter das Auge, beim Weibchen ist sie etwas kleiner und endet vor dem Augenrand.
Jungvögel: Junge Stieglitze haben noch keine rote Maske. Ihr Kopf ist bräunlich und schlicht. Die gelben Flügelbänder haben sie aber schon.
Verbreitung und Lebensraum
Der Stieglitz lebt in fast ganz Europa, in Nordafrika und in West- und Zentralasien. Der Mensch hat ihn außerdem in anderen Teilen der Welt ausgesetzt, zum Beispiel in Australien, Neuseeland, Argentinien und auf den Bermudas. Dort lebt er heute wild.
Lebensraum: Der Stieglitz braucht offene Landschaften mit Bäumen und vielen samenreichen Pflanzen. Er lebt an Feldrändern, auf Brachen, auf Wildkrautflächen, in Heckenlandschaften und auf Streuobstwiesen. Auch in Gärten und Parks mit Bäumen und Sträuchern ist er zu finden, besonders im Winter. Er kommt vom Tiefland bis in Höhen von etwa 1.500 Metern vor, wenn er dort Nistplätze und genug Futter findet.
Standvogel oder Zugvogel? Der Stieglitz ist ein Teilzieher. Viele Stieglitze bleiben im Winter in Deutschland. Andere ziehen nur eine kurze Strecke nach Süden oder Westen und überwintern in Mittel-, West- und Südeuropa. Aus Gegenden mit sehr harten Wintern ziehen die Vögel weg.
Bestand: In Deutschland brüten nach Angaben des NABU 550.000 bis 820.000 Stieglitz-Paare. In Großbritannien hat die Zahl der Stieglitze zwischen 1995 und 2024 um 148 Prozent zugenommen. Ein Grund dafür ist, dass die Vögel immer häufiger Futterstellen in Gärten nutzen.
Ernährung
Der Stieglitz ist fast ein reiner Vegetarier. Er frisst vor allem halbreife und reife Samen.
Lieblingsfutter: Besonders gern frisst er die Samen von Disteln, Kletten und Karden, außerdem von vielen anderen Stauden und Gräsern. Zur Brutzeit mag er vor allem die milchreifen Samen von Korbblütlern. Im Winter holt er sich die Samen aus den Fruchtständen von Birken und Erlen.
Kopfüber an der Distel: Stieglitze sind sehr geschickt. Sie hängen sich kopfüber oder seitlich an Blütenstände, klettern an dünnen Stängeln empor und ziehen mit dem spitzen Schnabel die Samen heraus.
Futter für die Jungen: Viele andere Körnerfresser füttern ihre Jungen mit Insekten. Stieglitze füttern ihren Nachwuchs dagegen vor allem mit Pflanzensamen. Nur selten kommen kleine Insekten wie Blattläuse dazu.
Verhalten und Stimme
In Trupps unterwegs: Außerhalb der Brutzeit sind Stieglitze gesellig. Sie ziehen in kleinen oder größeren Trupps umher und landen gemeinsam auf Wildkräutern, um die Samen zu ernten.
Hüpfender Flug: Stieglitze fliegen in Wellenlinien. Das sieht fast so aus, als würden sie durch die Luft hüpfen.
Gesang: Stieglitze singen fast das ganze Jahr. Nur während der Mauser im Sommer, wenn sie ihre Federn wechseln, verstummen sie. Ihr Gesang ist recht leise und besteht aus zwitschernden und trillernden Tönen. Viel auffälliger ist der Flugruf „ti-ke-lit“. Wer auf diesen Ruf achtet, entdeckt Stieglitze viel leichter.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Stieglitze werden schon mit etwa einem Jahr geschlechtsreif. Sie brüten meist zweimal im Jahr, manchmal sogar dreimal.
- Nest: Das Weibchen baut ein kleines, napfförmiges Nest aus feinen Zweigen, Gräsern, Moos und Spinnweben. Es liegt gut versteckt in Bäumen oder Sträuchern.
- Eier: Ein Gelege besteht meist aus 5 Eiern, manchmal aus 2 bis 7. Jedes Ei ist nur etwa 17 mm lang und wiegt rund 1,5 g.
- Brüten: Nur das Weibchen brütet, und zwar 12 bis 14 Tage lang. Das Männchen bewacht in dieser Zeit das Nest und bringt dem Weibchen Futter.
- Nestlinge: Die Jungen schlüpfen nackt und hilflos, nur mit etwas Flaum bedeckt. Nach etwa 2 Wochen, meist nach 13 bis 17 Tagen, verlassen sie das Nest.
Lebenserwartung: Stieglitze werden meist nicht alt. Ein Vogel, der das Brutalter erreicht, lebt im Durchschnitt noch etwa 2 Jahre. Der älteste beringte Stieglitz in Großbritannien wurde 10 Jahre alt.
Gefährdung und Schutz
Rote Liste: Weltweit gilt der Stieglitz auf der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet (IUCN, 2019). Auch in Deutschland ist er nicht gefährdet.
Was ihm schadet: Der Stieglitz braucht samenreiche Wildkräuter, Feldsäume, Hecken und Obstwiesen. Wo solche Strukturen aus der Landschaft verschwinden, findet er weniger Futter und Nistplätze. Auf dieses Problem wollten NABU und LBV mit der Wahl zum Vogel des Jahres hinweisen.
Fang als Käfigvogel: Wegen seines Gesangs und seiner Farben war der Stieglitz lange ein beliebter Käfigvogel. Im Mittelmeerraum und in arabischen Ländern wird er bis heute gehalten. Auch in Deutschland werden Stieglitze noch illegal gefangen, wie Recherchen des Komitees gegen den Vogelmord gezeigt haben.
Helfen im Garten: Wer Stieglitzen helfen möchte, pflanzt heimische Gehölze und samenreiche Stauden. Auch regionale Produkte aus nicht intensiver Landwirtschaft helfen, weil sie Hecken, blühende Ackerränder und Streuobstwiesen erhalten.
In der Kunst: Besonders im Mittelalter war der Stieglitz ein beliebtes Motiv für Maler und Bildhauer. Man findet ihn auf vielen Madonnen- und Heiligenbildern. Eines der berühmtesten Gemälde ist die „Madonna mit dem Stieglitz“ von Raffael aus dem Jahr 1506. Eine Sage erzählt, der Stieglitz habe dem gekreuzigten Jesus einen Dorn aus der Haut gezogen und dabei seine rote Maske bekommen.
Häufige Fragen zum Stieglitz
Wie groß ist ein Stieglitz?
Ein Stieglitz ist 12 bis 13,5 cm lang und wiegt nur 14 bis 19 g. Seine Flügelspannweite beträgt 21 bis 25 cm.
Was frisst ein Stieglitz?
Vor allem Samen, am liebsten von Disteln, Karden und anderen Wildkräutern. Im Winter frisst er auch Samen von Birken und Erlen. Auch seine Jungen füttert er vor allem mit Samen, nur selten mit kleinen Insekten wie Blattläusen.
Woran erkennt man Männchen und Weibchen?
Das ist schwierig, denn beide sehen fast gleich aus. Beim Männchen reicht die rote Gesichtsmaske bis hinter das Auge, beim Weibchen endet sie vor dem Augenrand. Junge Stieglitze haben noch gar keine rote Maske.
Ist der Stieglitz ein Zugvogel?
Nur zum Teil. Viele Stieglitze bleiben das ganze Jahr in Deutschland. Andere ziehen im Winter ein Stück nach Süden oder Westen und bleiben dabei meist in Europa. Man nennt das einen Teilzieher.
Ist der Stieglitz selten?
Nein. In Deutschland brüten mehr als eine halbe Million Paare, und die Art gilt weder in Deutschland noch weltweit als gefährdet. Stieglitze brauchen aber blühende, samenreiche Wegränder, Brachen und Gärten.
Ähnliche Tiere
- Buchfink - ein häufiger Fink aus Wäldern und Gärten
- Dompfaff - ein Fink mit roter Brust, auch Gimpel genannt
- Zebrafink - ein bunter Prachtfink aus Australien, der oft als Haustier gehalten wird
- Blaumeise - ein bunter Singvogel, der ebenfalls in Gärten lebt
- Distelfalter - ein Schmetterling, der wie der Stieglitz nach der Distel benannt ist
Quellen
Größenvergleich
Mit 12 bis 13 cm gehört der Stieglitz zu den kleineren Tieren in unserem Lexikon. Eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) ist dagegen deutlich kleiner, während ein Fußball mit 22 cm noch etwas an Größe drauflegt. Stell dir vor: Der Stieglitz ist ungefähr 5-mal so lang wie eine 1-Euro-Münze!
Gewichtsvergleich
Der Stieglitz wiegt 14 bis 19 g - eher ein Fliegengewicht in der Tierwelt. Auf der Waage liegt er zwischen einer 1-Euro-Münze (7,5 g) und einer Tafel Schokolade (100 g).