Stinktier

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Streifenskunk mit schwarzem Fell und weißen Rückenstreifen läuft durch Schnee
Dan & Lin Dzurisin / Wikimedia Commons / CC BY 2.0

Kurz erklärt

Stinktiere, auch Skunks genannt, sind schwarz-weiß gezeichnete Raubtiere aus Amerika. Fühlen sie sich bedroht, spritzen sie eine übel riechende Flüssigkeit aus zwei Drüsen am After, manche Arten bis etwa 6 Meter weit. Vorher warnen sie mit hochgestelltem Schwanz und Aufstampfen, Fleckenskunks machen dabei sogar einen Handstand. Zur Familie gehören auch die Stinkdachse aus Südostasien.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameMephitidae
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
  • Familie: Skunks und Stinkdachse (Mephitidae)
KörpergrößeJe nach Art verschieden: Östlicher Fleckenskunk 11,5 bis 34,5 cm Kopf-Rumpf-Länge plus 7 bis 22 cm Schwanz; Streifenskunk insgesamt 46,5 bis 81,5 cm lang, davon 17 bis 40 cm Schwanz
KörpergewichtFleckenskunks 200 g bis 1 kg; Streifenskunk 0,7 bis 6,3 kg, im Winter verliert er bis etwa die Hälfte seines Gewichts; Ferkelskunks bis 4,5 kg
ErnährungAllesfresser mit Schwerpunkt auf tierischer Nahrung: Insekten und ihre Larven, Würmer, Krebse, Mäuse und andere kleine Wirbeltiere, Vogeleier, Aas; dazu Früchte, Mais und andere Pflanzen
LebenserwartungIn freier Natur bis 7 Jahre, meist 5 bis 6 Jahre; in Menschenobhut bis 10 Jahre; 50 bis 70 Prozent der Jungtiere sterben im ersten Lebensjahr
SozialverhaltenMeist Einzelgänger ohne verteidigtes Revier; im Winter teilen sich oft mehrere Tiere einen Bau
HerkunftAmerika und Südostasien
Verbreitung Skunks von Südkanada bis Argentinien, der Streifenskunk von Südkanada bis Nordmexiko; Stinkdachse auf Inseln Indonesiens und der Philippinen AsienNordamerikaSüdamerika
EntdeckungStreifenskunk 1776 von Schreber wissenschaftlich beschrieben
SonstigesGruppenseite ohne eigene Gesamteinstufung. Beispiele (Rote Liste der IUCN): Streifenskunk (Mephitis mephitis; nicht gefährdet, LC, 2016), Haubenskunk (Mephitis macroura; LC, 2016), Östlicher Fleckenskunk (Spilogale putorius; gefährdet, VU, 2016), Zwergfleckenskunk (Spilogale pygmaea; VU, 2016), Westlicher Fleckenskunk (Spilogale gracilis; LC, 2016), Ferkelskunk Conepatus chinga (LC, 2016), Sunda-Stinkdachs (Mydaus javanensis; LC, 2015) und Palawan-Stinkdachs (Mydaus marchei; LC, 2015).

Schwarz-weiß und gut gerüstet

Stinktiere oder Skunks sind kleine Raubtiere, die jeder an ihrem schwarz-weißen Fell erkennt. Berühmt sind sie für ihre Waffe: Bei Gefahr spritzen sie eine stinkende Flüssigkeit auf ihren Gegner. Das englische Wort „skunk“ stammt aus Sprachen der Algonkin, einer Gruppe nordamerikanischer Ureinwohner. Auch der wissenschaftliche Gattungsname Mephitis passt: Er geht auf ein lateinisches Wort für üblen Geruch zurück.

Zur Familie gehören 13 Arten in vier Gattungen:

  • Streifenskunks (Mephitis), darunter der bekannte Streifenskunk (Mephitis mephitis)
  • Fleckenskunks (Spilogale), die kleinsten Arten der Familie
  • Ferkelskunks (Conepatus), deren nackte Schnauze an ein Schwein erinnert
  • Stinkdachse (Mydaus) auf Inseln in Südostasien

Eigene Familie, keine Marder

Lange galten Skunks als Unterfamilie der Marder (Mustelidae). Untersuchungen des Erbguts haben aber gezeigt, dass sie nicht in die Marder-Verwandtschaft gehören. Heute bilden sie eine eigene Familie, die Mephitidae. Die Stinkdachse aus Indonesien und von den Philippinen rechnet man erst seit Ende der 1990er-Jahre zu dieser Familie.

Aussehen und Körperbau

Skunks haben einen breiten, gedrungenen Körper, kurze Beine und eine lange Schnauze, die bei den Fleckenskunks kürzer ausfällt. Viele Arten tragen einen buschigen Schwanz. An den Vorderpfoten sitzen kräftige Krallen, mit denen sie gut graben können.

Das Fell ist schwarz, manchmal braun, mit weißen Streifen oder Flecken auf Gesicht, Rücken oder Schwanz. Das Muster ist von Tier zu Tier verschieden. Diese auffällige Färbung ist eine Warnfarbe: Sie zeigt Angreifern, dass mit dem Tier nicht zu spaßen ist.

So groß werden Skunks:

  • Fleckenskunks: 200 Gramm bis 1 Kilogramm. Beim Östlichen Fleckenskunk misst der Körper 11,5 bis 34,5 Zentimeter, dazu kommt ein 7 bis 22 Zentimeter langer Schwanz.
  • Streifenskunk: etwa so groß wie eine Hauskatze, 0,7 bis 6,3 Kilogramm schwer und mit Schwanz 46,5 bis 81,5 Zentimeter lang. Männchen sind etwas größer als Weibchen.
  • Ferkelskunks: bis 4,5 Kilogramm

Der Streifenskunk hat ein schwarzes Fell mit einem schmalen weißen Streifen auf der Schnauze und einem weißen Fleck im Nacken. Von dort ziehen meist zwei breite weiße Streifen über den Rücken. Der Östliche Fleckenskunk trägt dagegen sechs weiße Streifen vorn am Körper und weiter hinten unterbrochene Bänder und Flecken.

Die Stinkdrüsen: eine chemische Waffe

Alle Skunks und Stinkdachse besitzen zwei sehr große Duftdrüsen am After. Die Flüssigkeit tritt durch kleine Öffnungen neben dem After aus und kann je nach Art 1 bis etwa 6 Meter weit gespritzt werden. Stinkdachse schaffen etwas mehr als einen Meter, der Streifenskunk etwa 6 Meter (je nach Quelle bis zu 6 oder über 6 Meter), der Östliche Fleckenskunk bis 4 Meter. Meist zielen Skunks auf die Augen des Angreifers.

Das gelbliche, ölige Sekret ist ein starker Reizstoff. Es kann Übelkeit, starke Schmerzen und eine vorübergehende Blindheit auslösen. Menschen riechen es noch aus großer Entfernung. Manche beschreiben den Gestank als Mischung aus faulen Eiern, Knoblauch und verbranntem Gummi.

Warum stinkt das Sekret so?

Verantwortlich sind schwefelhaltige Stoffe, sogenannte Thiole. Beim Streifenskunk sind die wichtigsten (E)-2-Buten-1-thiol und 3-Methyl-1-butanthiol. Dazu kommen weitere Stoffe, darunter Thioacetate. Diese riechen weniger stark, zerfallen aber langsam, sobald sie mit Wasser in Kontakt kommen, und setzen dabei wieder Thiole frei. Deshalb riecht ein Hund, den ein Skunk getroffen hat, manchmal Tage später wieder nach Skunk, wenn er nass wird.

Die Mischung unterscheidet sich je nach Art. Beim Westlichen Fleckenskunk fehlen die Thioacetate, beim Ferkelskunk Conepatus mesoleucus das 3-Methyl-1-butanthiol. Warum das so ist, weiß man noch nicht.

Warnen statt spritzen: der Handstand

Skunks setzen ihre Waffe nicht sofort ein. Erst warnen sie, und zwar sehr deutlich:

  1. Der Skunk dreht sich zum Gegner, macht einen Buckel und stellt den Schwanz mit gesträubten Haaren auf.
  2. Er stampft mit den Vorderpfoten auf den Boden.
  3. Hilft das nicht, krümmt er sich zu einem U, sodass Kopf und Hinterteil zum Gegner zeigen, und spritzt.

Der Streifenskunk macht manchmal einen kurzen Handstand, wenn er aufstampft und dabei rückwärtsgeht. Berühmt für den Handstand ist aber der Östliche Fleckenskunk: Vor dem Spritzen stellt er sich auf die Vorderbeine und dreht den Kopf, damit er den Gegner beim Spritzen im Blick behält. Der Ferkelskunk Conepatus leuconotus warnt anders. Er richtet sich auf den Hinterbeinen auf, macht ein paar Schritte nach vorn, stampft kräftig auf und faucht laut.

Viele Raubtiere lernen nach einer einzigen Begegnung, Skunks in Ruhe zu lassen.

Verbreitung und Lebensraum

Drei der vier Gattungen leben nur in Amerika:

  • Streifenskunks von Südkanada bis Costa Rica, der Streifenskunk selbst in den meisten Teilen der USA, im Süden Kanadas und im Norden Mexikos
  • Fleckenskunks vom Süden British Columbias und Pennsylvanias bis Costa Rica
  • Ferkelskunks vom Süden der USA bis nach Argentinien

Die Stinkdachse leben dagegen in Südostasien, auf Inseln in Indonesien und auf den Philippinen.

Skunks mögen lichte Wälder, Grasland, Wiesen, Felder und felsige Berggegenden. Dichte Wälder und Sümpfe meiden sie meist. Der Streifenskunk lebt vom Meeresspiegel bis in 1.800 Meter Höhe, einzelne Tiere wurden noch in 4.200 Metern gefunden. Er kommt auch in Vorstädten und Städten zurecht. Tagsüber schlafen Skunks in Erdbauten, die sie selbst graben oder von Murmeltieren und Dachsen übernehmen, oder sie verstecken sich unter Felsen, in hohlen Baumstämmen und unter Gebäuden.

Ernährung: Was frisst ein Stinktier?

Skunks sind Allesfresser, fressen aber vor allem Tiere. Beim Streifenskunk stammen bis zu 80 bis 90 Prozent der Nahrung von Tieren.

  • Frühling und Sommer: vor allem Insekten wie Heuschrecken, Grillen, Käfer, Larven und Bienen, dazu Würmer und Flusskrebse
  • Winter: kleine Säugetiere wie Wühlmäuse, Eier und Junge von Vögeln, die am Boden brüten
  • außerdem: Frösche, Echsen, Schlangen, Fische und Aas
  • Pflanzen: Mais, Nachtschattengewächse und Früchte wie Kirschen

Ihre Nahrung suchen Skunks nachts. Sie wühlen im Boden und graben Beute aus der Erde. Der Östliche Fleckenskunk holt sich sogar Honigwaben aus Bienennestern, obwohl er dabei viele Stiche abbekommt.

Verhalten und Lebensweise

Skunks sind nachtaktiv und meist Einzelgänger. Reviere verteidigen sie nicht, die Streifgebiete verschiedener Tiere überlappen sich. Untereinander sind sie meist friedlich. Sie verständigen sich mit Knurren, Fauchen und beim Streifenskunk sogar mit vogelartigem Zwitschern.

Fleckenskunks sind wacher und aktiver als die meisten anderen Skunks und klettern gut. Bei Gefahr flüchten sie auf Bäume.

In kalten Gegenden bleiben Skunks im Winter in ihrem Bau. Einen echten Winterschlaf halten sie nicht. Sie leben von ihren Fettreserven und kommen an wärmeren Tagen zur Futtersuche heraus. Oft teilen sich mehrere Tiere einen Bau, zum Beispiel mehrere Weibchen oder Weibchen mit einem Männchen. So sparen sie Energie. Ein Streifenskunk verliert im Winter bis etwa die Hälfte seines Gewichts.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Ein Männchen paart sich mit mehreren Weibchen. Beim Streifenskunk liegt die Paarungszeit zwischen Februar und April.

  • Tragzeit: 59 bis 77 Tage. Darin enthalten ist eine Keimruhe von bis zu 19 Tagen, in der sich das befruchtete Ei noch nicht in der Gebärmutter einnistet.
  • Wurfgröße: 2 bis 10 Junge, im Schnitt 5
  • Geburtsgewicht: 32 bis 35 Gramm

Die Jungen kommen kaum behaart und mit geschlossenen Augen zur Welt, ihr Fellmuster ist aber schon zu erkennen. Ihre Stinkdrüsen sind bereits bei der Geburt gefüllt. Nach etwa einer Woche können sie das Sekret einsetzen, junge Streifenskunks schon mit 8 Tagen, etwa zwei Wochen bevor sie die Augen öffnen. Mit 6 bis 7 Wochen trinken sie keine Milch mehr. Dann folgen sie der Mutter im Gänsemarsch und lernen, Futter zu suchen. Junge Männchen werden im Sommer selbstständig, junge Weibchen bleiben manchmal bis zum nächsten Frühling bei der Mutter. Mit etwa 10 Monaten sind die Jungen geschlechtsreif.

Bei manchen Fleckenskunks dauert die Keimruhe viel länger. Beim Westlichen Fleckenskunk kann die Zeit von der Paarung bis zur Geburt 250 Tage und mehr betragen.

Feinde und Gefährdung

Das Sekret schützt Skunks gut, aber nicht vor allen Feinden. Greifvögel und Eulen riechen schlechter als Säugetiere und lassen sich vom Gestank weniger abschrecken. Der Virginia-Uhu (Bubo virginianus) und Adler jagen Skunks. Unter den Säugetieren gehören Pumas, Rotluchse, Kojoten, Füchse und Dachse zu den Feinden. Besonders gefährdet sind Jungtiere: 50 bis 70 Prozent sterben im ersten Lebensjahr an Krankheiten oder durch Feinde.

Die größte Gefahr ist der Mensch. Viele Skunks sterben auf Straßen. Weil sie Tollwut übertragen können, werden sie vergiftet oder geschossen. Im Mittleren Westen der USA hat der Streifenskunk den Haushund als die Tierart abgelöst, bei der am häufigsten Tollwut festgestellt wird. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Skunks auch für ihre Felle gejagt, die Nachfrage ging in den 1950er- und 1960er-Jahren zurück.

Die meisten Arten sind häufig. Auf der Roten Liste der IUCN gilt der Streifenskunk als nicht gefährdet (LC, 2016). Der Östliche Fleckenskunk und der Zwergfleckenskunk (Spilogale pygmaea) werden dagegen als gefährdet eingestuft (VU, 2016).

Für Menschen sind Skunks auch nützlich: Sie fressen viele Insekten und Nagetiere, die als Schädlinge gelten.

Häufige Fragen zum Stinktier

Wie weit kann ein Stinktier spritzen?

Je nach Art 1 bis etwa 6 Meter. Der Streifenskunk trifft Angreifer noch aus etwa 6 Metern Entfernung, der Östliche Fleckenskunk aus bis zu 4 Metern. Meist zielen Skunks auf die Augen.

Warum stinkt ein Stinktier?

Das Sekret aus den Analdrüsen enthält schwefelhaltige Stoffe, die Thiole. Sie riechen extrem stark und unangenehm. Skunks stinken aber nicht ständig, sondern nur, wenn sie spritzen.

Was hilft gegen Stinktiergeruch?

Tomatensaft wird oft empfohlen. Wirksamer ist es, die Thiole chemisch umzuwandeln, zum Beispiel mit einer Mischung aus Wasserstoffperoxid und Natron. Dabei entstehen geruchlose Stoffe.

Ist das Stinktier ein Marder?

Nein. Früher zählte man Skunks zu den Mardern. Erbgut-Untersuchungen zeigen aber, dass sie eine eigene Familie bilden, die Mephitidae. Zu ihr gehören auch die Stinkdachse.

Warum macht der Fleckenskunk einen Handstand?

Der Handstand gehört zu seinem Drohverhalten, mit dem er Angreifer vor dem Spritzen warnt. Zieht sich der Gegner nicht zurück, spritzt der Fleckenskunk und behält ihn dabei im Blick.

Wie alt wird ein Stinktier?

In freier Natur höchstens etwa 7 Jahre, meist 5 bis 6 Jahre. In Menschenobhut können Skunks bis zu 10 Jahre alt werden. Viele Jungtiere überleben ihr erstes Jahr allerdings nicht.

Ähnliche Tiere

  • Dachs - gräbt ebenfalls Baue; Skunks ziehen manchmal in verlassene Dachsbaue ein
  • Baummarder - ein echter Marder, mit dem man Skunks früher in eine Familie stellte
  • Wiesel - ebenfalls ein Marder
  • Waschbär - ein weiterer nachtaktiver Allesfresser aus Nordamerika
  • Kojote - einer der Feinde des Streifenskunks

Quellen

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Stinktier
200 g bis 6,3 kg

Ein Stinktier bringt 200 g bis 6,3 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine Tafel Schokolade (100 g), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Das Stinktier wiegt so viel wie etwa 33 Tafeln Schokolade.