Stör
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Kurz erklärt
Störe sind große, urtümliche Fische mit Knochenplatten statt Schuppen und vier Barteln an der spitzen Schnauze. Es gibt sie schon seit mehr als 200 Millionen Jahren. Der größte, der Hausen, kann bis zu 8 Meter lang werden. Überfischung für Kaviar, Staudämme und verschmutzte Flüsse haben sie so selten gemacht, dass heute alle Arten bedroht sind. In Elbe und Oder werden sie wieder angesiedelt.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Acipenseridae |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Je nach Art sehr verschieden: Sterlet meist um 40 cm und höchstens 1,25 m lang, Europäischer Stör über 3 m, Hausen bis 8 m |
| Körpergewicht | Sterlet höchstens 16 kg; Hausen bis 1.700 kg |
| Ernährung | Vor allem Tiere vom Gewässergrund: Würmer, Krebstiere, Schnecken, Muscheln und Insektenlarven, dazu kleine Fische; der Hausen frisst vorwiegend Fische |
| Lebenserwartung | Sehr langlebig: Störe können über 100 Jahre alt werden, der älteste bekannte Hausen war laut IUCN 118 Jahre alt, andere Quellen nennen über 150 Jahre; geschlechtsreif werden viele Arten erst mit 9 bis 18 Jahren |
| Herkunft | Nordhalbkugel |
| Verbreitung | Kalte bis gemäßigte Gewässer der Nordhalbkugel in Europa, Asien und Nordamerika; die meisten Arten leben als Erwachsene in Küstenmeeren und wandern zum Laichen in Flüsse, einige leben nur im Süßwasser AsienEuropaNordamerika |
| Sonstiges | Gruppenseite ohne eigene Gesamteinstufung. Seit 2022 gelten laut IUCN alle 26 noch lebenden Arten der Störartigen als bedroht. Beispiele (Rote Liste der IUCN, alle 2022): Europäischer Stör (Acipenser sturio; vom Aussterben bedroht, CR), Hausen (Huso huso; CR), Waxdick (Acipenser gueldenstaedtii; CR), Sternhausen (Acipenser stellatus; CR), Glattdick (Acipenser nudiventris; CR), Sterlet (Acipenser ruthenus; stark gefährdet, EN) und Atlantischer oder Baltischer Stör (Acipenser oxyrinchus; gefährdet, VU). |
Was sind Störe?
Störe sind eine Familie großer Fische mit dem wissenschaftlichen Namen Acipenseridae. Sie leben nur auf der Nordhalbkugel, in Europa, Asien und Nordamerika. Zusammen mit den Löffelstören bilden sie die Ordnung der Störartigen (Acipenseriformes).
Störe gelten als lebende Fossilien: Ihre Spuren reichen mehr als 200 Millionen Jahre zurück, bis in die Jurazeit. Mit ihren Knochenplatten wirken sie bis heute urtümlich.
Wie viele Arten es gibt, hängt von der Zählweise ab. Die Fischdatenbank FishBase führt 27 Störarten in fünf Gattungen. Die IUCN bewertete 2022 insgesamt 26 noch lebende Arten von Stören und Löffelstören.
Bekannte Arten sind zum Beispiel:
- Hausen oder Belugastör (Huso huso): der größte Stör und der größte Süßwasserfisch Europas
- Europäischer Stör (Acipenser sturio): früher in allen großen Flüssen Deutschlands, die in die Nordsee münden
- Atlantischer oder Baltischer Stör (Acipenser oxyrinchus): lebte früher in der Ostsee und ihren Zuflüssen
- Sterlet (Acipenser ruthenus): einer der kleinsten Störe, lebt nur im Süßwasser
- Waxdick (Acipenser gueldenstaedtii) und Sternhausen (Acipenser stellatus): zwei Arten, die unter anderem in der Donau vorkommen
Aussehen und Körperbau
Störe sehen aus wie Fische aus der Urzeit. Typisch sind:
- Knochenschilde statt Schuppen: Auf dem Körper liegen große Knochenplatten in fünf Längsreihen.
- Spitze Schnauze: Die Schnauze ist lang ausgezogen.
- Vier Barteln: Vor dem Maul hängen vier Barteln. Mit ihnen tasten und schmecken Störe den Gewässergrund ab.
- Vorstülpbares Maul: Das Maul liegt auf der Unterseite des Kopfes und kann nach vorn ausgestülpt werden. Erwachsene Störe haben keine Zähne.
- Haiartige Schwanzflosse: Beim Hausen biegt sich die Wirbelsäule wie bei einem Hai nach oben und stützt den oberen Teil der Schwanzflosse.
Beim Hausen nimmt die Schnauze mit Sinneszellen sogar elektrische Felder wahr. So spürt er Beutetiere auf. Störe haben außerdem eine große Schwimmblase.
Größe: Die Unterschiede sind gewaltig. Der Sterlet wird meist etwa 40 Zentimeter lang, höchstens 1,25 Meter, und wiegt bis zu 16 Kilogramm. Der Europäische Stör kann über 3 Meter lang werden, der Atlantische Stör über 4 Meter. Der Hausen erreicht laut IUCN bis zu 8 Meter Länge und 1.700 Kilogramm. Er ist der größte Süßwasserfisch Europas und gilt als einer der größten Knochenfische der Welt.
Verbreitung und Lebensraum
Störe leben in kalten bis gemäßigten Gewässern der Nordhalbkugel. Die meisten Arten sind Wanderfische, die Fachleute "anadrom" nennen: Sie verbringen den größten Teil ihres Lebens im Meer und in Küstengewässern und schwimmen zum Laichen die großen Flüsse hinauf. Dabei legen sie oft Hunderte von Kilometern zurück. Der Hausen konnte früher aus dem Schwarzen Meer mehr als 2.000 Kilometer die Donau hinaufwandern.
Einige Störe leben nur im Süßwasser. Der Sterlet zum Beispiel bleibt in den Flüssen, die ins Kaspische, Asowsche und Schwarze Meer sowie ins Weiße Meer und die Karasee münden.
Im Meer halten sich Störe gern über sandig-schlammigem Grund auf. Der Atlantische Stör bevorzugt dort Tiefen von 10 bis 40 Metern.
Ernährung
Die meisten Störe suchen ihr Futter am Gewässergrund. Sie holen Kleintiere aus dem feinen Sand oder Kies heraus und nehmen sie mit dem vorstülpbaren Maul auf. Fachleute nennen das "Gründeln". Auf dem Speiseplan stehen:
- Würmer
- Krebstiere wie Asseln und Flohkrebse
- Schnecken und Muscheln
- Insektenlarven, vor allem bei jungen Stören
- kleine Fische
Eine Ausnahme ist der Hausen: Er frisst neben Krebstieren und Weichtieren vor allem Fische.
Fortpflanzung und Lebensdauer
Störe werden sehr spät erwachsen. Je nach Art und Geschlecht sind sie erst mit etwa 9 bis 18 Jahren geschlechtsreif, die Männchen meist früher als die Weibchen. Weibchen des Hausens laichen erst mit 14 bis 20 Jahren, wenn sie 1,60 bis 2 Meter lang sind.
Zum Laichen wandern die Störe in große, tiefe Flüsse mit starker Strömung. Dort legen die Weibchen ihre Eier auf steinigem oder kiesigem Grund ab. Beim Europäischen Stör laichen sie von Mai bis Juli, ein großes Weibchen kann bis zu 2,5 Millionen Eier legen. Ein Hausenweibchen legt je nach Größe 200.000 bis 8 Millionen klebrige Eier.
Beim Hausen schlüpfen die Larven nach etwa zehn Tagen. Sie sind rund 15 Millimeter groß und lassen sich flussabwärts treiben. Die Jungfische des Europäischen Störs bleiben zwei bis vier Jahre im Unterlauf der Flüsse, bevor sie ins Meer ziehen. Der Baltische Stör kehrt als Erwachsener zum Laichen in den Fluss zurück, in dem er geboren wurde.
Dafür werden Störe sehr alt: Sie können über 100 Jahre leben. Der älteste bekannte Hausen war laut IUCN 118 Jahre alt, der Naturschutzbund Österreich nennt sogar ein Höchstalter von mehr als 150 Jahren. Damit gehört der Hausen zu den langlebigsten Wirbeltieren.
Kaviar: Fluch der Störe
Kaviar ist der Rogen, also die Eier, von Stören. Früher galt er als Essen der Armen und war wenig wert. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurde er in Westeuropa zum Luxusgut. Besonders begehrt ist der großkörnige Kaviar des Hausens, der als Beluga-Kaviar bekannt ist.
Störe wurden aber nicht nur wegen des Kaviars gefangen. An der Donau verwertete man fast den ganzen Fisch:
- Das Fleisch wurde frisch gegessen, gesalzen oder geräuchert.
- Aus der Haut machte man Leder.
- Aus der Schwimmblase kochte man Hausenleim. Mit ihm klebte man Holz und klärte Bier und Wein.
Im 15. und 16. Jahrhundert sollen in Wien an manchen Markttagen bis zu 450 Hausen angeboten worden sein. Schon damals gingen die Fänge in der oberen Donau stark zurück.
Heute ist der Störfang praktisch überall verboten. Seit 1998 stehen alle Störartigen im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES), der Handel mit Kaviar ist streng geregelt und muss gekennzeichnet werden. Die etwa 500 Tonnen Kaviar, die jedes Jahr weltweit legal hergestellt werden, stammen von Stören aus Zuchtanlagen. Wilderei und illegaler Handel mit Fleisch und Kaviar setzen den kleinen Restbeständen aber in manchen Gebieten weiter schwer zu.
Die am stärksten bedrohte Tiergruppe der Welt
Im Juli 2022 veröffentlichte die IUCN eine neue Bewertung aller Störe und Löffelstöre. Das Ergebnis: Alle 26 noch lebenden Arten gelten als bedroht. Bei der vorherigen Bewertung 2009 waren es 85 Prozent.
- 17 Arten gelten als vom Aussterben bedroht (CR),
- 3 als stark gefährdet (EN),
- 5 als gefährdet (VU).
- Der Jangtse-Stör (Acipenser dabryanus) lebt nur noch dank Besatz und gilt als in freier Wildbahn ausgestorben.
- Der Chinesische Löffelstör (Psephurus gladius) ist ausgestorben.
Damit sind die Störartigen laut IUCN die Tiergruppe mit dem höchsten Anteil vom Aussterben bedrohter Arten. In Europa sind alle acht Störarten gefährdet oder vom Aussterben bedroht.
Die Gründe: Früher war die Überfischung für Kaviar die Hauptursache. Heute schaden den Stören vor allem:
- Staudämme und Wehre, die seit den 1950er-Jahren in großer Zahl gebaut wurden. Sie versperren den Weg zu den Laichplätzen. Den Hausen in der Donau stoppen heute die Kraftwerke am Eisernen Tor nach etwa 900 Kilometern.
- Kies- und Sandabbau, der die Laichplätze zerstört
- Wasserverschmutzung und der Klimawandel, der die Flüsse erwärmt
- Beifang in den Netzen der Fischerei
- Fremde Störarten aus Zuchtanlagen, die Krankheiten einschleppen und sich mit heimischen Stören kreuzen. In der österreichischen Donau paart sich zum Beispiel der Sibirische Stör mit dem Sterlet.
Es gibt aber auch Hoffnung: Beim Adriatischen Stör (Acipenser naccarii) wurden in Italien nach über 30 Jahren Besatz wieder Jungfische gefunden, die in freier Natur geschlüpft waren.
Rückkehr in Elbe und Ostsee
In Deutschland sind Störe als Wildtiere verschwunden. Der letzte Europäische Stör wurde 1993 in der Nordsee gefangen. Der Baltische Stör gilt in der Ostsee seit 2003 als ausgestorben, der letzte wurde 1996 vor Estland gefangen. Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und die Gesellschaft zur Rettung des Störs bringen beide Arten zurück, gefördert vom Bundesamt für Naturschutz.
Der Europäische Stör in der Elbe
Der letzte natürliche Bestand des Europäischen Störs lebt in der Gironde in Frankreich. Genetische Untersuchungen ergaben, dass diese Störe praktisch gleich sind wie die Störe, die früher in der Nordsee und ihren Zuflüssen lebten. Zwischen 2007 und 2014 kamen deshalb Störe aus französischer Nachzucht nach Deutschland. Heute leben am IGB mehr als 400 Elterntiere.
2008 wurden die ersten jungen Störe in der Elbe ausgesetzt, 2013 schon der zehntausendste. Ein ausgesetzter Stör wurde später vor der dänischen Nordseeküste gefangen. Im Sommer 2022 kam ein Rückschlag: In der Elbe starben mehrere Europäische Störe an Sauerstoffmangel. Es waren die ersten Rückkehrer des Projekts, über 1,5 Meter lang und älter als 10 Jahre. Sie hätten die erste Generation wilder Störe seit 1964 hervorbringen sollen.
Der Baltische Stör in der Oder
Genetische Untersuchungen zeigten eine Überraschung: Die Störe der Ostsee stammen vom Atlantischen Stör ab, der vor einigen hundert bis etwa zweitausend Jahren aus Nordamerika eingewandert ist. Für die Wiederansiedlung holten die Forschenden deshalb Elterntiere aus Kanada. Sie leben heute in Born auf dem Darß in Mecklenburg-Vorpommern.
Im Mai 2006 wurden die ersten 15 Jungstöre mit Sendern im Einzugsgebiet der Oder ausgesetzt. Inzwischen sind es allein in der Oder und ihren Nebenflüssen weit über 2 Millionen Störe, im ganzen Ostseeraum mehr als 3,5 Millionen. Die Störe aus der Oder haben inzwischen die gesamte Ostsee besiedelt und wurden sogar im Oslofjord, vor den Britischen Inseln und an der Loiremündung gefangen. Eine natürliche Vermehrung wurde bisher aber nicht nachgewiesen.
Weil Störe erst mit 12 bis 16 Jahren zum Laichen zurückkehren, braucht die Wiederansiedlung viel Geduld. Auch wenn sich die Fische wieder selbst vermehren, wird es noch Jahrzehnte dauern, bis die Bestände stabil sind.
Häufige Fragen zum Stör
Wie groß wird ein Stör?
Das hängt von der Art ab. Der kleine Sterlet wird meist etwa 40 Zentimeter lang. Der Hausen, der größte Stör, kann bis zu 8 Meter lang und 1.700 Kilogramm schwer werden.
Warum sind Störe lebende Fossilien?
Störe gibt es seit mehr als 200 Millionen Jahren, ihre Geschichte reicht bis in die Jurazeit zurück. Mit ihren Knochenplatten sehen sie bis heute sehr urtümlich aus.
Was frisst ein Stör?
Die meisten Störe gründeln am Boden nach Würmern, Krebstieren, Schnecken, Muscheln und Insektenlarven. Dazu fressen sie kleine Fische. Der Hausen jagt vor allem Fische.
Wie alt wird ein Stör?
Störe gehören zu den langlebigsten Fischen. Sie können über 100 Jahre alt werden. Beim Hausen ist ein Alter von 118 Jahren belegt, manche Quellen nennen sogar über 150 Jahre.
Woher kommt der Kaviar?
Kaviar ist der Rogen, also die Eier, von Stören. Weil wilde Störe streng geschützt sind, stammt legaler Kaviar heute aus Zuchtanlagen.
Gibt es in Deutschland noch Störe?
Der Europäische und der Baltische Stör gelten in Deutschland als ausgestorben. Seit 2006 werden aber Baltische Störe in der Oder und seit 2008 Europäische Störe in der Elbe ausgesetzt.
Ähnliche Tiere
- Quastenflosser - ein weiterer Fisch, der oft als lebendes Fossil bezeichnet wird
- Lachs - wandert wie die meisten Störe zum Laichen aus dem Meer in die Flüsse
- Europäischer Aal - ebenfalls ein Wanderfisch, der vom Aussterben bedroht ist
- Welsartige - der Europäische Wels macht heimischen Stören in Italien und Frankreich Konkurrenz
Quellen
- Migratory monarch butterfly now Endangered - IUCN Red List (Pressemitteilung vom 21.07.2022, u. a. zur Neubewertung der Störe)
- Aktuelle IUCN Rote Liste (Pressemitteilung 2022 zu Stören und Löffelstören) - Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
- Bundesamt für Naturschutz: Schutz der Störe, Artenporträt Europäischer Stör, Artenporträt Baltischer Stör, Wiederansiedlung Europäischer Störe, Wiederansiedlung Baltischer Störe und Kaviar
- Naturschutzbund Österreich: Europäischer Hausen (Natur des Jahres 2025) und Sterlet (Fisch des Jahres 2014)
- FishBase: Family Acipenseridae - Sturgeons und Acipenser ruthenus, Sterlet
- IUCN Red List of Threatened Species 2022: Acipenser sturio (Gessner et al.), Huso huso (Gessner et al.), Acipenser ruthenus (Gessner et al.), Acipenser oxyrinchus (Hilton & Fox), Acipenser gueldenstaedtii (Gessner et al.), Acipenser stellatus (Mugue et al.), Acipenser nudiventris (Freyhof et al.)
Größenvergleich
Ein Stör erreicht eine Körpergröße von 40 cm bis 8 m. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Haus (10 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Stör ist etwa 19-mal so groß wie ein Fußball.