Streifenhörnchen

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Streifenhörnchen mit dunklen Längsstreifen auf Rücken und Kopf sitzt aufrecht auf einem Felsen
ALAN SCHMIERER / Wikimedia Commons / CC0

Kurz erklärt

Streifenhörnchen sind kleine, tagaktive Nagetiere aus der Familie der Hörnchen. An den dunklen Längsstreifen auf Rücken und Kopf sind sie leicht zu erkennen. Fast alle Arten leben in Nordamerika, nur das Sibirische Streifenhörnchen kommt in Asien vor. In ihren Backentaschen tragen sie Nüsse und Samen in unterirdische Vorratskammern und überstehen damit den Winter.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameTamias
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Nagetiere
  • Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
  • Familie: Hörnchen (Sciuridae)
  • Unterfamilie: Erdhörnchen (Xerinae)
  • Gattung: Streifenhörnchen (Tamias)
  • Art: 25 Arten
Körpergröße12 bis 17 cm
Körpergewicht50 bis 150 g
ErnährungAllesfresser: Samen, Nüsse, Früchte, Pilze, Insekten, gelegentlich Vogeleier
LebenserwartungIn freier Natur 2 bis 5 Jahre, in Menschenobhut 6 bis 10 Jahre
SozialverhaltenEinzelgänger, rund um den Bau territorial
HerkunftNordamerika und Nordasien
Verbreitung Nordamerika sowie Nordasien von Zentralrussland bis China, Korea und Nordjapan; in Teilen Europas eingebürgert AsienEuropaNordamerika
EntdeckungErstbeschreibung des Östlichen Streifenhörnchens 1758 durch Carl von Linné
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2016)
SonstigesGröße und Gewicht gelten für das Sibirische Streifenhörnchen (Burunduk): 12 bis 17 cm Kopf-Rumpf-Länge, 18 bis 25 cm mit Schwanz, 50 bis 150 g. Das Östliche Streifenhörnchen misst mit Schwanz 25,5 bis 26,6 cm und wiegt 66 bis 115 g. Der Gefährdungsstatus gilt für beide Arten (IUCN 2016).

Was ist ein Streifenhörnchen?

Streifenhörnchen sind kleine Nagetiere und gehören zur Familie der Hörnchen, also zur Verwandtschaft des Eichhörnchens. Anders als das Eichhörnchen leben sie aber überwiegend am Boden und graben unterirdische Baue. Das Animal Diversity Web führt in der Gattung Tamias25 Arten.

Zwei davon sind besonders gut untersucht und stehen im Mittelpunkt dieser Seite:

  • das Östliche Streifenhörnchen (Tamias striatus) aus dem Osten Nordamerikas
  • das Sibirische Streifenhörnchen oder Burunduk (Tamias sibiricus, heute auch Eutamias sibiricus), die einzige Art, die außerhalb Nordamerikas vorkommt

Alle übrigen Arten leben in Nordamerika, die meisten davon im Westen des Kontinents.

Aussehen und Körperbau

Streifenhörnchen sind klein und leicht. Das Sibirische Streifenhörnchen hat eine Kopf-Rumpf-Länge von 12 bis 17 cm, mit Schwanz sind es 18 bis 25 cm; der Schwanz macht also etwa ein Drittel der Gesamtlänge aus. Das Gewicht schwankt je nach Jahreszeit und Nahrungsangebot zwischen 50 und 150 g.

Das Östliche Streifenhörnchen ist etwas größer: Es misst mit Schwanz 25,5 bis 26,6 cm und wiegt 66 bis 115 g.

Namensgebend sind die Längsstreifen. Beim Östlichen Streifenhörnchen verlaufen fünf dunkle Streifen über Rücken und Flanken, dazwischen liegt jeweils ein schmales weißes Band. Auch im Gesicht rund um die Augen zeichnen helle und dunkle Streifen ein deutliches Muster. Das Fell ist grau- bis rotbraun, der Bauch weiß, am Hinterteil sitzt ein gelblicher bis rötlicher Fleck. Beim Sibirischen Streifenhörnchen sind es fünf dunkle und vier helle Streifen auf gelb- bis braunem Grund.

Weitere Merkmale des Östlichen Streifenhörnchens: Die runden Ohren messen weniger als 20 mm, die Vorderfüße haben vier Zehen, die Hinterfüße fünf. Der Schwanz ist behaart, aber nicht buschig wie beim Eichhörnchen, sondern leicht abgeflacht.

Anhand der Streifen allein lassen sich die Arten nicht sicher bestimmen. Ein Beispiel: Beim Kleinen Streifenhörnchen (Tamias minimus) reichen die Streifen bis zum Schwanzansatz, beim Östlichen Streifenhörnchen enden sie vor dem Fleck am Hinterteil. Außerdem ist das Östliche Streifenhörnchen deutlich größer.

Die Backentaschen

Das auffälligste Werkzeug eines Streifenhörnchens sind seine Backentaschen, zwei dehnbare Hauttaschen links und rechts im Maul. Darin transportiert das Tier Samen, Nüsse und Früchte zum Bau, ohne sie tragen zu müssen. Vollgestopft wirkt der Kopf fast doppelt so breit wie sonst.

Verbreitung und Lebensraum

Das Östliche Streifenhörnchen lebt im Osten der USA und im Südosten Kanadas, von Nova Scotia westwärts bis Saskatchewan und südwärts bis Oklahoma, den Osten Louisianas und den Florida Panhandle. Auf der Halbinsel Florida und in der Küstenebene von Florida bis North Carolina fehlt es. Sein bevorzugter Lebensraum sind alte Laubwälder aus Buche und Ahorn mit vielen Verstecken: Baumstümpfen, liegenden Stämmen und Felsblöcken. Sumpfige Gebiete meidet es.

Das Sibirische Streifenhörnchen bewohnt Nordasien von Zentralrussland über China und Korea bis Nordjapan. Es lebt vor allem am Waldboden, klettert aber gut. In Europa kommt es als Nachkomme entkommener oder ausgesetzter Heimtiere vor.

Der Bau

Streifenhörnchen graben ausgedehnte unterirdische Baue. Beim Östlichen Streifenhörnchen liegt der Bau weniger als einen Meter tief, die miteinander verbundenen Gänge erreichen eine Gesamtlänge von bis zu 10 Metern. Eine Kammer dient als Nest und ist mit zerkleinerten Blättern ausgepolstert, sie misst etwa 30 cm im Durchmesser. Weitere Kammern sind Vorratslager.

Bemerkenswert ist der Eingang: Er ist nur rund 5 cm breit, und es liegt kein Erdaushub davor. Die Tiere verteilen den Aushub in der Umgebung oder verschließen damit einen alten Eingang. Das macht den Bau für Fressfeinde schwer zu finden.

Der Bau liegt meist in der Mitte des Streifgebiets, das 800 bis 6.000 Quadratmeter groß ist. Der Hauptaufenthaltsbereich reicht 15 bis 25 Meter um den Eingang. Typischerweise leben 10 bis 22 Streifenhörnchen auf einem Hektar.

Ernährung und Vorratshaltung

Streifenhörnchen sind Allesfresser. Die Grundnahrung besteht aus Früchten, Samen und Nüssen, dazu kommen Regenwürmer, Nacktschnecken, Pilze und gelegentlich Vogeleier. Das Sibirische Streifenhörnchen frisst außerdem Insekten und ab und zu kleine Vögel oder Eidechsen.

Das Sammeln von Vorräten läuft das ganze Jahr, im Frühherbst aber besonders intensiv. Manche Tiere legen viele kleine Verstecke im Streifgebiet an (Streuhorten), andere einen großen Vorrat im Bau (Klumpenhorten). Die Verstecke finden sie über den Geruch wieder. Weil Duftspuren Feuchtigkeit brauchen, verrät sich ein Versteck in feuchtem Boden besonders leicht, und Nachbarn plündern es schneller. Dann lohnt sich ein einziger, gut zu verteidigender Vorrat mehr.

Winterruhe statt Winterschlaf

Ein häufiger Irrtum: Streifenhörnchen halten keinen echten Winterschlaf. Sie legen dafür nicht genug Fettreserven an. Stattdessen verbringen sie den Winter im Bau in einem Zustand der Torpor genannten Kältestarre und wachen regelmäßig auf, um von ihren Vorräten zu fressen. Das Sibirische Streifenhörnchen wacht dazu alle paar Wochen auf. An milden Wintertagen kommen die Tiere auch an die Oberfläche.

Verhalten und Lautäußerungen

Streifenhörnchen sind tagaktiv, am Östlichen Streifenhörnchen ist die Aktivität am späten Vormittag und am mittleren Nachmittag am höchsten. Sie leben als Einzelgänger und verteidigen vor allem den Bereich rund um ihren Bau.

Sie sind ausgesprochen ruffreudig. Das Östliche Streifenhörnchen nutzt drei Lautarten: "chipping" und "chucking" sind wiederholte Rufe, die bis zu 30 Minuten anhalten können, "trilling" ist kürzer und wird bei der Verfolgung durch einen Feind ausgestoßen. Hören andere Streifenhörnchen einen Alarmruf, werden sie wachsamer, laufen kürzere Strecken und verlassen den Bau später. Weibchen trillern vor allem in der Nähe des Baus, wo Verwandte leben - der Ruf warnt also in erster Linie die eigene Familie.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Das Östliche Streifenhörnchen bringt zwei Würfe pro Jahr zur Welt. Die erste Paarungszeit reicht von Februar bis April, die zweite von Juni bis August. Nach einer Tragzeit von 35 Tagen werden 2 bis 5 Junge geboren, blind, nackt und nur 3 g schwer. Nach 40 Tagen sind sie entwöhnt, nach zwei Monaten selbstständig. Geschlechtsreif werden sie mit etwa einem Jahr, die meisten pflanzen sich aber erst im Frühjahr nach ihrer Geburt zum ersten Mal fort.

Beim Sibirischen Streifenhörnchen liegt die Paarungszeit zwischen April und Juni, die Tragzeit dauert 28 bis 35 Tage, ein Wurf umfasst 3 bis 8 Junge.

Die meisten Östlichen Streifenhörnchen leben weniger als zwei Jahre, einzelne Tiere erreichen bis zu acht Jahre. Für das Sibirische Streifenhörnchen werden 2 bis 5 Jahre in freier Natur und 6 bis 10 Jahre in Menschenobhut angegeben.

Streifenhörnchen in Europa: nicht mehr als Haustier erlaubt

Sibirische Streifenhörnchen wurden lange als Heimtiere gehandelt. Entkommene und ausgesetzte Tiere haben in mehreren europäischen Ländern freilebende Bestände gebildet.

Deshalb steht Tamias sibiricus seit 2016 auf der Unionsliste der invasiven gebietsfremden Arten von unionsweiter Bedeutung (Durchführungsverordnung (EU) 2016/1141 vom 13. Juli 2016 zur EU-Verordnung 1143/2014). Für Arten dieser Liste gelten EU-weit Verbote: Sie dürfen nicht gehalten, gezüchtet, transportiert, gehandelt oder freigelassen werden. Wer schon vor der Listung ein Tier besaß, durfte es unter Auflagen behalten.

Feinde und Gefährdung

Streifenhörnchen stehen auf dem Speiseplan fast aller tagaktiven Räuber ihres Lebensraums. Für das Östliche Streifenhörnchen sind Langschwanzwiesel, Hermelin, Rotfuchs, Luchs, Rotluchs, Kojote, Waschbär, Rotschwanzbussard, Habichtartige und Eulen als Beutegreifer belegt, dazu Haushunde und Hauskatzen.

Als Art sind beide hier beschriebenen Streifenhörnchen nicht bedroht. Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft sowohl das Östliche als auch das Sibirische Streifenhörnchen seit 2016 als nicht gefährdet ("Least Concern") ein.

Häufige Fragen zum Streifenhörnchen

Wie groß wird ein Streifenhörnchen?

Das Sibirische Streifenhörnchen hat eine Kopf-Rumpf-Länge von 12 bis 17 cm und misst mit Schwanz 18 bis 25 cm. Das Östliche Streifenhörnchen kommt mit Schwanz auf 25,5 bis 26,6 cm und wiegt 66 bis 115 g.

Halten Streifenhörnchen Winterschlaf?

Nein, keinen echten. Sie legen zu wenig Fett an und verbringen den Winter stattdessen in Torpor im Bau. Alle paar Wochen wachen sie auf und fressen von ihren Vorräten.

Was frisst ein Streifenhörnchen?

Vor allem Samen, Nüsse und Früchte, dazu Pilze, Regenwürmer, Nacktschnecken, Insekten und gelegentlich Vogeleier. Die Nahrung transportieren sie in ihren Backentaschen zum Bau.

Darf man Streifenhörnchen als Haustier halten?

Nein. Das Sibirische Streifenhörnchen steht seit 2016 auf der Unionsliste der invasiven gebietsfremden Arten. Handel, Zucht, Haltung und Freilassung sind in der EU verboten.

Wo leben Streifenhörnchen?

Fast alle Arten in Nordamerika. Nur das Sibirische Streifenhörnchen lebt natürlicherweise in Nordasien, von Zentralrussland bis China, Korea und Nordjapan. In Europa gibt es freilebende Tiere, die von entkommenen Heimtieren abstammen.

Wie unterscheiden sich Streifenhörnchen und Eichhörnchen?

Streifenhörnchen sind deutlich kleiner, tragen dunkle Längsstreifen, haben Backentaschen und graben unterirdische Baue. Eichhörnchen leben überwiegend in Bäumen, haben einen buschigen Schwanz und bauen Kobel aus Zweigen.

Wie alt wird ein Streifenhörnchen?

In freier Natur meist zwei bis fünf Jahre; die meisten Östlichen Streifenhörnchen leben sogar weniger als zwei Jahre. In Menschenobhut sind sechs bis zehn Jahre möglich.

Ähnliche Tiere

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Streifenhörnchen
12 bis 17 cm

Ein Streifenhörnchen erreicht eine Körpergröße von 12 bis 17 cm. Damit passt es bequem zwischen eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) und einen Fußball (22 cm) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Das Streifenhörnchen ist etwa 6-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Streifenhörnchen
50 bis 150 g

Ein Streifenhörnchen bringt 50 bis 150 g auf die Waage. Das ist schwerer als eine 1-Euro-Münze (7,5 g), aber leichter als ein Fußball (430 g). Anders ausgedrückt: Das Streifenhörnchen wiegt so viel wie etwa 13 1-Euro-Münzen.