Termiten
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Kurz erklärt
Termiten sind kleine Insekten, die in großen Staaten mit Königin, König, Arbeitern und Soldaten leben. Sie werden oft weiße Ameisen genannt, sind aber keine Ameisen: Nach heutigem Wissen gehören sie zu den Schaben. Viele Arten fressen Holz und verdauen es mit Hilfe winziger Lebewesen in ihrem Darm. Manche bauen meterhohe Hügel, die sich selbst belüften.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Isoptera |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Je nach Art und Kaste verschieden; Königinnen sind durch ihren mit Eiern gefüllten Hinterleib oft größer als die anderen Tiere des Staates, bei der australischen Art Coptotermes lacteus etwa 4 cm lang |
| Ernährung | Pflanzliche Nahrung: viele Arten fressen Holz, andere Gras und weitere Pflanzenteile; Eiweiß liefern Pilze, manche Arten züchten Pilze im Bau; die Holzverdauung gelingt mit Hilfe von Einzellern und Bakterien im Darm |
| Lebenserwartung | Königinnen mancher Arten bis zu 20 Jahre |
| Sozialverhalten | Staatenbildend mit Kasten: Königin und König, Arbeiter, Soldaten sowie geflügelte Geschlechtstiere, die neue Staaten gründen |
| Herkunft | Die Höheren Termiten (Termitidae) stammen vermutlich aus Afrika oder Asien |
| Verbreitung | Vor allem in den Tropen, wo sie zu den häufigsten Tieren gehören; auch in Australien, Nordamerika und Südeuropa (zum Beispiel Iberische Halbinsel und Frankreich); in Hamburg wurde eine nordamerikanische Art eingeschleppt AfrikaAsienEuropaNordamerikaSüdamerikaAustralien |
| Sonstiges | Gruppenseite ohne Einstufung auf der Roten Liste. Früher eigene Ordnung Isoptera; laut Erbgut-Analysen sind Termiten staatenbildende Schaben, ihre nächsten Verwandten sind die Holzschaben der Gattung Cryptocercus (Inward et al. 2007). Mehr als 75 Prozent der Arten gehören zu den Höheren Termiten (Termitidae). |
Keine Ameisen, sondern Schaben
Termiten leben wie Ameisen, Bienen und Wespen in großen Staaten, in denen sich die Tiere die Arbeit teilen. Weil sie hell gefärbt sind, nennt man sie oft „weiße Ameisen“. Mit Ameisen haben sie aber wenig zu tun. Man erkennt den Unterschied am Körper: Termiten haben keine Wespentaille zwischen Brust und Hinterleib, und ihre Fühler bestehen aus kleinen, perlenartigen Gliedern.
Lange galten Termiten als eigene Insektenordnung mit dem Namen Isoptera. 2007 veröffentlichten Daegan Inward, George Beccaloni und Paul Eggleton vom Natural History Museum in London die bis dahin umfassendste Untersuchung zum Stammbaum der Termiten. Sie verglichen fünf Abschnitte des Erbguts von 107 Arten der Dictyoptera, der Gruppe aus Schaben, Termiten und Fangschrecken. Ihr Artikel trägt den Titel „Death of an order“ (Tod einer Ordnung):
- Termiten sind staatenbildende Schaben. Sie stehen mitten im Stammbaum der Schaben (Blattodea).
- Ihre nächsten Verwandten sind die Holzschaben der Gattung Cryptocercus, die ebenfalls Holz fressen.
- Die Forschenden schlugen vor, den Namen Isoptera nicht mehr als Ordnung zu verwenden.
Das ist bemerkenswert: Ameisen, Bienen und soziale Wespen stammen von einzeln lebenden Wespen ab, die andere Tiere jagten. Termiten dagegen entwickelten sich aus Schaben, die Holz fraßen. Nach einer Studie von 2015 trennten sich die Linien der Termiten und der Holzschaben vor etwa 170 Millionen Jahren.
Ein Staat mit Kasten
Jeder Termitenstaat besteht aus Tieren mit unterschiedlichen Aufgaben, den Kasten. Ein Teil der Tiere bekommt nie Flügel, ist blind und hat eine dünne Haut, die leicht austrocknet.
- Königin: Meist gibt es eine Hauptkönigin, die den Staat oft selbst gegründet hat. Ihr Hinterleib kann prall mit Eiern gefüllt sein. Daneben kann es Ersatzköniginnen geben, die das Eierlegen übernehmen, wenn die Königin stirbt.
- König: Er befruchtet die Königin und hilft bei der Gründung des Staates, die ersten Jungen zu versorgen.
- Arbeiter: Sie sind weißlich, dünnhäutig und die häufigsten Tiere im Staat. Sie sammeln Futter, füttern die Jungen und die Königin und bauen und reparieren das Nest. Das Nest verlassen sie selten, weil sie draußen schnell austrocknen.
- Soldaten: Sie verteidigen den Staat und haben einen dunkleren Kopf. Je nach Art haben sie entweder kräftige Kiefer oder einen nasenartig verlängerten Kopf, mit dem sie Angreifer abwehren. Manche Arten haben große und kleine Soldaten.
- Geschlechtstiere: Sie sind dunkler, haben zwei Paar gleich große Flügel und Facettenaugen. Sie sind die zukünftigen Könige und Königinnen.
Bei manchen ursprünglichen Termitenarten gibt es keine eigene Arbeiterkaste. Dort übernehmen junge Tiere die Arbeit und können sich später noch zu Soldaten oder Geschlechtstieren entwickeln.
Vom Ei zur Kaste
Termiten machen eine unvollständige Verwandlung durch, mit drei Stadien: Ei, Larve und erwachsenes Tier. Ein Puppenstadium gibt es nicht. Die Larven werden von den Arbeitern gefüttert und häuten sich mehrmals. Dabei entwickeln sie sich zu Arbeitern, Soldaten oder Geschlechtstieren. Fachleute vermuten, dass Hormone steuern, wie viele Tiere jeder Kaste entstehen. Fehlen zum Beispiel Soldaten, entwickeln sich mehr junge Tiere zu Soldaten.
Die Königin und die Gründung eines Staates
Bei warmem, feuchtem Wetter verlassen die geflügelten Geschlechtstiere ihr Nest. Dieser Hochzeitsflug findet in Australien meist im Frühling und im Herbst statt. Ein Paar, das einen passenden Platz gefunden hat, wirft die Flügel ab, gräbt eine kleine Kammer und paart sich. Die Königin legt zunächst nur wenige Eier, und beide Eltern kümmern sich um die ersten Jungen.
Wächst der Staat, übernehmen Arbeiter und Soldaten ihre Aufgaben, und die Königin legt immer mehr Eier. Am Anfang sind es 10 bis 20 Eier, nach einigen Jahren können es mehr als 1.000 Eier am Tag sein. Bei manchen Arten lebt eine Königin bis zu 20 Jahre. Eine Königin der australischen Art Coptotermes lacteus ist etwa 4 Zentimeter lang.
Termitenbauten: Hochhäuser mit Klimaanlage
Termiten bauen ihre Nester an sehr verschiedenen Orten. Das Australian Museum unterscheidet fünf Haupttypen:
- Hügel auf dem Boden
- Nester außen an Bäumen, die mit einem Hohlraum im Stamm verbunden sind
- Nester an Zaunpfählen und Masten
- unterirdische Nester in der Erde, in Baumstümpfen und an Baumwurzeln
- Nester im Holz von Bäumen
Viele Arten legen mehrere dieser Nesttypen an. In allen Nestern ist die Luft sehr feucht, denn die dünnhäutigen Arbeiter trocknen sonst aus. Die Temperatur liegt meist zwischen 25 und 36 °C. Gesunde Staaten halten diesen Bereich auch, wenn es draußen sehr heiß oder sehr kalt ist.
Kompasstermiten
Die Kompasstermite (Amitermes meridionalis) aus dem Northern Territory in Australien baut 3 bis 4 Meter hohe Hügel. Sie sind in der einen Richtung etwa 3 Meter breit, in der anderen nur etwa 1 Meter, und alle gleich nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet. Dadurch sind die Bauten im Sommer gut vor der heißen Sonne geschützt, die über sie hinwegzieht. Im Winter, wenn die Sonne tiefer steht, werden sie trotzdem gewärmt.
Wie ein Termitenhügel atmet
Bei manchen Arten dient der Hügel gar nicht als Wohnung. Die Pilze züchtende Termite Odontotermes obesus lebt in einem Nest unter der Erde. Darüber errichtet sie einen mächtigen, unbewohnten Hügel mit breiten Gängen, der mehrere Meter in die Höhe ragt. Der Hügel sorgt für ein gleichmäßiges Klima, in dem die Termiten ihre Pilze und ihre Brut aufziehen.
Wie die Luft im Hügel bewegt wird, haben Hunter King, Samuel Ocko und L. Mahadevan von der Harvard University und dem Massachusetts Institute of Technology 2015 direkt gemessen. Ihr Ergebnis: Der Hügel nutzt den Wechsel von Tag und Nacht.
- Tagsüber erwärmen sich die dünnen Rippen an der Außenseite schneller als der dicke Schacht in der Mitte. Die warme Luft steigt in den Rippen auf und sinkt im mittleren Schacht ab.
- Nachts läuft der Kreislauf umgekehrt.
So wird verbrauchte Luft mit viel Kohlendioxid aus dem Nest gespült. Angetrieben wird dieser Luftaustausch durch die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht.
Ernährung: Wie Termiten Holz verdauen
Nicht alle Termiten fressen Holz. Viele Arten ernähren sich von Gras und anderem Pflanzenmaterial. Im Norden Australiens verarbeiten Termiten, die Gras und Spinifex-Gras fressen, so viel Pflanzenmasse, dass sie dort eine ähnliche Rolle spielen wie große Weidetiere in anderen Savannen und Prärien der Welt.
Holz fressende Arten holen sich Zellulose, Zucker und Stärke aus dem äußeren Holz von Bäumen, dem Splintholz. Das harte Kernholz können sie meist nicht fressen, es enthält oft auch Stoffe, die Termiten abschrecken. Eiweiß bekommen sie von Pilzen, die im feuchten Nest oder auf nassem Holz wachsen.
Für die Verdauung des Holzes haben Termiten Helfer im Darm: Bei vielen Arten zerlegen Einzeller (Protozoen) mit ihren Enzymen die Zellulose zu Zucker, bei anderen übernehmen Bakterien diese Aufgabe. Die Termiten geben ihre Darmbewohner bei der gegenseitigen Körperpflege weiter, vor allem von den Erwachsenen an die Jungen.
Diese Partnerschaft könnte erklären, wie Termitenstaaten überhaupt entstanden sind. Inward und seine Kollegen vermuten: Schon die gemeinsamen Vorfahren von Termiten und Holzschaben nahmen Zellulose spaltende Geißeltierchen auf und konnten so Holz fressen. Ihre Jungen mussten diese Helfer von den Eltern bekommen, indem sie Darminhalt vom After eines älteren Tiers aufnahmen. Dafür blieben Eltern und Junge lange zusammen. Aus solchen Familien entwickelten sich die Staaten der Termiten.
Verbreitung und Lebensraum
Termiten sind vor allem in den Tropen verbreitet und gehören dort zu den häufigsten Tieren. Sie verändern ihre Lebensräume stark. Die Familie der Höheren Termiten (Termitidae), zu der mehr als 75 Prozent aller Arten gehören, stammt vermutlich aus Afrika oder Asien und breitete sich danach über alle tropischen Gebiete aus. Allein in Australien sind 258 Termitenarten beschrieben und etwa 90 weitere noch unbeschrieben.
Termiten in Europa und in Hamburg
Auch in Europa gibt es heimische Termiten. Auf der Iberischen Halbinsel leben drei Arten:
- die Bodentermiten Reticulitermes grassei und Reticulitermes banyulensis, die in der Natur und in Städten vorkommen und Holz in Gebäuden schädigen
- Kalotermes flavicollis aus der Familie Kalotermitidae, die vor allem in der Natur lebt und selten Bauholz befällt
Reticulitermes grassei ist auf der Iberischen Halbinsel und in Frankreich heimisch. Inzwischen wurde sie auch weit außerhalb ihres Heimatgebiets gefunden, etwa in Devon in England, auf den Azoren und im Kanton Zürich in der Schweiz, einem Land ohne heimische Termiten. Die europäischen Reticulitermes-Arten sehen sich so ähnlich, dass man sie am Körperbau kaum unterscheiden kann.
Termiten in Hamburg: Auch in Deutschland gibt es einen bekannten Fall. Die Gelbfüßige Bodentermite (Reticulitermes flavipes), eine häufige Termite im Osten der USA, wurde in den 1930er-Jahren mit importiertem Holz nach Hamburg eingeschleppt. Sie schädigte dort über Jahrzehnte Bäume und Gebäude. Laut einem Bericht von 1988 war es bis dahin nicht gelungen, die Kolonien auszurotten. Gründe waren die versteckte Lebensweise, die schnelle Nachbildung neuer Geschlechtstiere und die Unempfindlichkeit gegen die verfügbaren Insektengifte.
Termiten und Menschen
Termiten sind manchmal gefürchtet, weil einige Arten Holz in Häusern zerfressen. Von den vielen Arten in Australien sind aber nur wenige für den Menschen ein Problem. Bodentermiten brauchen viel Wasser und werden in Gebäuden meist nur dort zu Schädlingen, wo es eine ständige Wasserquelle gibt, etwa undichte Rohre oder Dächer. Termiten, die in trockenem Holz nisten, brauchen weniger Feuchtigkeit.
Für die Natur sind Termiten sehr wichtig. Zusammen mit Ameisen, Bienen und sozialen Wespen gehören sie zu den wenigen Gruppen staatenbildender Insekten, die zentrale Vorgänge in Ökosystemen bestimmen, etwa die Bestäubung, die Jagd auf andere Tiere und die Zersetzung von Pflanzenresten.
Häufige Fragen zu Termiten
Sind Termiten Ameisen?
Nein. Termiten werden zwar oft „weiße Ameisen“ genannt, gehören aber zu einer ganz anderen Insektengruppe. Nach Erbgut-Untersuchungen sind sie staatenbildende Schaben. Anders als Ameisen haben sie keine schmale Taille zwischen Brust und Hinterleib.
Wie alt wird eine Termitenkönigin?
Bei manchen Arten lebt die Königin bis zu 20 Jahre und legt die ganze Zeit Eier. Stirbt sie, können Ersatzköniginnen ihre Aufgabe übernehmen.
Wie viele Eier legt eine Termitenkönigin?
Kurz nach der Gründung eines Staates legt sie nur 10 bis 20 Eier. Nach einigen Jahren können es mehr als 1.000 Eier am Tag sein.
Gibt es Termiten in Deutschland?
Der bekannteste Fall stammt aus Hamburg: Dort wurde in den 1930er-Jahren die nordamerikanische Gelbfüßige Bodentermite mit Holz eingeschleppt. Heimische Arten leben in Südeuropa, etwa auf der Iberischen Halbinsel und in Frankreich.
Wie verdauen Termiten Holz?
Mit Hilfe von winzigen Darmbewohnern. Je nach Art zerlegen Einzeller oder Bakterien in ihrem Darm die Zellulose aus dem Holz in Zucker, den die Termiten verwerten können.
Wie hoch werden Termitenhügel?
Manche Hügel ragen mehrere Meter hoch auf. Die Bauten der Kompasstermite in Australien sind 3 bis 4 Meter hoch.
Ähnliche Tiere
- Schabe - die nächsten Verwandten, zu denen die Termiten heute gezählt werden
- Ameise - wird oft mit Termiten verwechselt
- Honigbiene - bildet ebenfalls Staaten mit einer Königin
- Wespe - unter den Wespen gibt es ebenfalls staatenbildende Arten
Quellen
- Inward, D., Beccaloni, G. & Eggleton, P. (2007): Death of an order: a comprehensive molecular phylogenetic study confirms that termites are eusocial cockroaches. Biology Letters 3(3), 331-335
- Bourguignon, T. et al. (2015): The evolutionary history of termites as inferred from 66 mitochondrial genomes. Molecular Biology and Evolution 32(2), 406-421
- Termites - Australian Museum
- King, H., Ocko, S. & Mahadevan, L. (2015): Termite mounds harness diurnal temperature oscillations for ventilation. PNAS 112(37), 11589-11593
- Hernández-Teixidor, D. et al. (2024): Molecular identification of the invasive subterranean termite Reticulitermes grassei outside its known distribution. Journal of Economic Entomology 117(3), 1077-1085
- Sellenschlo, U. (1988): Termiten in Hamburg. Anzeiger für Schädlingskunde, Pflanzenschutz, Umweltschutz 61(6), 105-108