Teichrallen
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Kurz erklärt
Die Teichralle, meist Teichhuhn genannt, ist ein etwa taubengroßer Wasservogel mit rotem Stirnschild, rotem Schnabel mit gelber Spitze und langen grünen Zehen. Sie lebt an Teichen, Seen und langsamen Flüssen in Europa, Asien und Afrika, auch mitten in der Stadt. Beim Schwimmen nickt sie ständig mit dem Kopf und wippt mit dem Schwanz. Die Teichhühner Amerikas gelten heute als eigene Art.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Gallinula chloropus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 27 bis 35 cm |
| Körpergewicht | 192 bis 493 g |
| Ernährung | Allesfresser: vor allem Samen, Knospen und andere Pflanzenteile, dazu Insekten, Schnecken, Spinnen und andere Kleintiere |
| Lebenserwartung | Meist nur wenige Jahre (in Großbritannien nach Erreichen des Brutalters typischerweise etwa 3 Jahre), Höchstalter bis etwa 15 Jahre |
| Sozialverhalten | Zur Brutzeit paarweise im eigenen Revier, im Winter einzeln oder in kleinen Gruppen |
| Verbreitung | Europa, Afrika mit Madagaskar und Inseln im Indischen Ozean, Asien bis Japan, Sulawesi und Sumbawa. Fehlt in Amerika und Australien, dort leben verwandte Arten AfrikaAsienEuropa |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2025) |
| Sonstiges | Die amerikanischen Teichhühner gelten seit 2011 als eigene Art, das Amerikateichhuhn (Gallinula galeata). In Deutschland steht das Teichhuhn auf der Vorwarnliste der Roten Liste. |
Teichralle oder Teichhuhn?
Beide Namen meinen denselben Vogel: Gallinula chloropus. Im Alltag und in Vogelbüchern heißt er meistens Teichhuhn. Genauer ist aber der Name Teichralle, denn der Vogel ist kein Huhn, sondern gehört zur Familie der Rallen, genau wie das Blässhuhn. Rallen sind Verwandte der Kraniche und werden mit ihnen zur Ordnung der Kranichvögel gezählt.
Der wissenschaftliche Name bedeutet ungefähr „grünfüßiges Hühnchen“. Er beschreibt die auffälligen gelbgrünen Beine. Beschrieben hat die Art der schwedische Naturforscher Carl von Linné im Jahr 1758.
Eine Art wurde geteilt
Lange galten die Teichhühner in Europa, Afrika, Asien und Amerika als eine einzige Art. Das hat sich geändert. Seit 2011 behandelt die American Ornithologists' Union (AOU, heute American Ornithological Society) die Vögel aus Nord- und Südamerika als eigene Art, das Amerikateichhuhn (Gallinula galeata). Die Vögel sehen sich sehr ähnlich. Sie unterscheiden sich aber im Erbgut, in der Form des roten Stirnschilds und in ihren Rufen. Auch das Foto auf dieser Seite zeigt ein Amerikateichhuhn aus den USA.
In Australien lebt keine Teichralle. Dort kommt das nah verwandte Papua-Teichhuhn (Gallinula tenebrosa) vor, eine eigene Art. Die Teichralle im engeren Sinn lebt also nur in der Alten Welt: in Europa, Afrika und Asien.
Aussehen und Körperbau
Die Teichralle ist etwas kleiner als eine Taube bis taubengroß. Sie wird 27 bis 35 Zentimeter lang, ihre Flügel spannen 50 bis 55 Zentimeter. Das Gewicht schwankt stark zwischen etwa 190 und fast 500 Gramm. Erwachsene Vögel in Großbritannien wiegen im Durchschnitt gut 350 Gramm.
Aus der Ferne wirkt der Vogel fast schwarz. Aus der Nähe erkennt man, dass Kopf, Hals und Bauch schiefergrau bis schwarzgrau sind und der Rücken dunkel olivbraun schimmert. Typisch sind:
- ein roter Stirnschild, eine nackte, rote Hornplatte über dem Schnabel
- ein roter Schnabel mit gelber Spitze
- eine weiße Linie an den Flanken
- weiße Federn unter dem Schwanz, die beim Wippen aufblitzen
- gelbgrüne Beine mit großen Füßen und einem roten Ring oberhalb des Fersengelenks
Männchen und Weibchen sind gleich gefärbt. Sie unterscheiden sich nur wenig in Größe und Gewicht. Jungvögel sind dagegen graubraun und haben noch keinen roten Stirnschild. Die frisch geschlüpften Küken sehen ganz anders aus: Sie tragen schwarze Daunen, haben einen rötlichen Kopf, einen bunten Schnabel und einen leuchtend blauen Streifen über dem Auge.
Verbreitung und Lebensraum
Die Teichralle ist einer der am weitesten verbreiteten Wasservögel der Alten Welt. Sie brütet in fast ganz Europa, im Süden bis Nordafrika und im Norden bis Südskandinavien und Westsibirien. Weiter kommt sie in großen Teilen Afrikas bis zur Südspitze vor, außerdem auf Madagaskar, den Seychellen, Mauritius und Réunion. In Asien reicht ihr Gebiet über Indien, China und Japan bis zu den indonesischen Inseln Sulawesi und Sumbawa. Je nach Autor unterscheidet man innerhalb dieses großen Gebiets etwa 14 bis 16 Unterarten.
Die Teichralle braucht Süßwasser mit dichter Ufervegetation. Sie lebt an kleinen Seen, Teichen, Weihern, Gräben, Sümpfen und langsam fließenden Flüssen. Schon Tümpel mit 20 bis 30 Quadratmetern Wasserfläche können ausreichen. Auf die Wasserqualität kommt es ihr weniger an als auf Schilf, Binsen oder Büsche am Ufer, in denen sie sich verstecken und ihr Nest bauen kann. Deshalb findet man sie auch in Stadtparks, Gärten und Zoos, wenn es dort Teiche mit bewachsenem Rand gibt.
In Deutschland brüten nach Angaben des NABU etwa 36.000 bis 63.000 Paare. In Bayern schätzt der LBV den Bestand auf 3.800 bis 6.000 Brutpaare. Die Art lebt vor allem im Tiefland und in gewässerreichen Niederungen, in den Alpen und Mittelgebirgen gibt es große Lücken.
Ernährung
Die Teichralle ist ein Allesfresser. Der größte Teil ihrer Nahrung ist pflanzlich: Samen und Früchte von Sumpf- und Wasserpflanzen, Knospen, Triebe und Grasspitzen. Dazu kommen Insekten, Schnecken, Spinnen und andere Kleintiere.
Sie sucht ihr Futter schwimmend an der Wasseroberfläche, pickt es von Blättern und Stängeln oder läuft am Ufer und auf Wiesen umher. Außerhalb der Brutzeit entfernt sie sich weiter vom Wasser und pickt dann auch auf Feldern frisch gekeimte Saat auf. Kleine Fische frisst sie nur selten. Tote Fische, die an der Oberfläche treiben, und gelegentlich Eier anderer Vögel verschmäht sie aber nicht.
Verhalten und Lebensweise
Wer eine Teichralle beobachtet, erkennt sie oft schon an ihren Bewegungen. Beim Schwimmen nickt sie rhythmisch mit dem Kopf und hält den Schwanz schräg nach oben. Den Schwanz zuckt sie dabei immer wieder, sodass die weißen Unterschwanzfedern aufblitzen. Auch an Land ist der Schwanz fast ständig in Bewegung.
Die Teichralle ist eine gute Kletterin. Sie läuft über Äste und durch Gebüsch und baut ihr Nest manchmal in Sträuchern oder kleinen Bäumen. Meist liegt es dann aber nur knapp über dem Boden. Der LBV berichtet sogar von einem Nest, das in sieben Metern Höhe gefunden wurde, das ist aber eine große Ausnahme.
Zur Brutzeit leben Teichrallen paarweise in einem eigenen Revier, das sie heftig verteidigen. Sie gehen dabei auch auf viel größere Vögel los, etwa auf Graureiher oder Höckerschwäne, wenn diese dem Nest zu nahe kommen. Im Winter halten sie sich einzeln oder in kleinen Gruppen auf. Anders als Blässhühner sammeln sie sich nicht zu großen Schwärmen.
Ihre Stimme ist vielseitig. Am häufigsten hört man ein lautes, gurgelndes „kürrr“ oder ein scharfes „kirreck“, wenn sie gestört wird.
Zugvogel oder Standvogel?
Das hängt davon ab, wo die Teichralle lebt. In milden Gegenden bleibt sie das ganze Jahr, zum Beispiel in Großbritannien. In Deutschland ist sie ebenfalls ganzjährig zu sehen. Ein Teil der Vögel aus Nord- und Osteuropa zieht aber im Herbst nach Westen und Süden, etwa nach Frankreich, Spanien oder Italien. Teichrallen ziehen vor allem nachts.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Die Brutzeit beginnt in Mitteleuropa meist ab Mitte April. Ungewöhnlich ist die Partnerwahl: Meist sucht sich das Weibchen das Männchen aus, und die Weibchen kämpfen untereinander um die Partner. Paare von Standvögeln bleiben manchmal mehrere Jahre zusammen.
Teichrallen bauen mehrere Arten von Nestern. Männchen errichten Plattformen für die Balz. Das eigentliche Nest für die Eier bauen beide Partner gemeinsam, gut versteckt im Röhricht, auf Wurzeln oder im Gebüsch dicht über dem Wasser. Oft ziehen sie Pflanzen darüber zusammen, sodass eine Art Dach entsteht. Für die Küken baut das Männchen später zusätzliche Ruhenester.
Ein Gelege besteht meist aus 5 bis 7 Eiern, manchmal auch aus mehr. Beide Eltern brüten, etwa 19 bis 22 Tage lang. Viele Paare brüten zweimal im Jahr, bei guten Bedingungen sogar dreimal.
Die Küken können schon am ersten Tag schwimmen, ab etwa dem fünften Tag auch tauchen. Bei Gefahr verstecken sie sich zwischen Wasserpflanzen, sodass nur noch der Kopf aus dem Wasser schaut. Die Eltern füttern sie etwa sechs Wochen lang. Mit etwa sieben Wochen können die Jungen ein wenig fliegen, voll flugfähig sind sie mit etwa acht bis neun Wochen. Schon im folgenden Jahr brüten sie meist selbst.
Feinde und Gefährdung
Teichrallen und vor allem ihre Küken haben viele Feinde. Große Hechte fressen Küken, Rohrweihen, Habichte und Uhus jagen auch erwachsene Vögel. Ratten, Marder, Minks und verwilderte Katzen plündern Nester oder erbeuten Jungvögel. Viele Teichrallen werden deshalb nur wenige Jahre alt. Nach Angaben der britischen Vogelwarte BTO lebt eine Teichralle, die das Brutalter erreicht hat, typischerweise noch etwa drei Jahre. Der älteste beringte Vogel in Großbritannien wurde über elf Jahre alt. Der LBV nennt ein Höchstalter von bis zu 15 Jahren.
Weltweit ist die Teichralle nicht gefährdet. Die Rote Liste der IUCN stuft sie als nicht gefährdet (Least Concern, 2025) ein. In Deutschland steht sie aber auf der Vorwarnliste. Probleme machen ihr vor allem begradigte Gewässer mit befestigten Ufern, an denen Schilf und Büsche fehlen. Dort kann sie kein Nest bauen. In Städten stören freilaufende Hunde und Modellboote die Brut.
Häufige Fragen zur Teichralle
Ist die Teichralle dasselbe wie das Teichhuhn?
Ja. Teichralle und Teichhuhn sind zwei Namen für dieselbe Art, Gallinula chloropus. Teichralle ist der genauere Name, weil der Vogel zu den Rallen gehört und nicht zu den Hühnern.
Wie unterscheidet man Teichralle und Blässhuhn?
Das Blässhuhn ist größer und hat einen weißen Schnabel mit weißem Stirnschild. Die Teichralle ist kleiner, hat einen roten Stirnschild, einen roten Schnabel mit gelber Spitze, eine weiße Flankenlinie und weiße Federn unter dem Schwanz. Im Winter sieht man Blässhühner oft in großen Schwärmen, Teichrallen dagegen einzeln oder zu wenigen.
Kann die Teichralle fliegen?
Ja. Man sieht sie zwar meist schwimmen oder laufen, doch viele Teichrallen aus Nord- und Osteuropa fliegen im Herbst weite Strecken bis in ihre Überwinterungsgebiete, zum Beispiel nach Frankreich oder Spanien. Sie ziehen vor allem nachts.
Warum nickt die Teichralle beim Schwimmen mit dem Kopf?
Das Kopfnicken und das Schwanzwippen gehören zu ihrem typischen Verhalten und sind gute Kennzeichen, um sie zu bestimmen. Der Vogel zeigt dabei immer wieder die weißen Federn unter dem Schwanz.
Gibt es Teichrallen in Amerika?
In Amerika leben ganz ähnliche Vögel. Sie werden aber seit 2011 als eigene Art geführt, das Amerikateichhuhn (Gallinula galeata). Auch in Australien lebt keine Teichralle, sondern das verwandte Papua-Teichhuhn.
Ähnliche Tiere
- Blässhuhn - größere Ralle mit weißem Stirnschild, oft auf denselben Gewässern
- Kranich - großer Verwandter aus der Ordnung der Kranichvögel
- Ente - schwimmt auf denselben Teichen, ist aber nicht mit der Teichralle verwandt
- Wachtel - ebenfalls ein kleiner, eher verborgen lebender Vogel, der aber zu den Hühnervögeln gehört
Quellen
- Teichhuhn - Artenporträt, LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern)
- Vogelporträt Teichhuhn - NABU
- Moorhen - BirdFacts, British Trust for Ornithology (BTO)
- Gallinula chloropus - The IUCN Red List of Threatened Species
- Chesser, R. T. et al. (2011): Fifty-Second Supplement to the American Ornithologists' Union Check-list of North American Birds. The Auk 128, 600-613
- Teichhuhn - Wikipedia
Größenvergleich
Wie groß ist die Teichrallen wirklich? Mit 27 bis 35 cm überragt sie einen Fußball (22 cm), kommt aber noch nicht an ein Kind (1,2 m) heran. Selbst eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) wirkt daneben noch winzig.
Gewichtsvergleich
Mit 192 bis 493 g gehört die Teichrallen zu den leichteren Tieren in unserem Lexikon. Zum Vergleich: Eine Tafel Schokolade wiegt nur 100 g, während eine Hauskatze mit 4 kg deutlich mehr auf die Waage bringt.