Teichmolch

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Männlicher Teichmolch mit dunkel gefleckter Haut und gestreiftem Kopf auf einem bemoosten Stein
gailhampshire from Cradley, Malvern, U.K / Wikimedia Commons / CC BY 2.0

Kurz erklärt

Der Teichmolch ist ein kleiner Schwanzlurch, meist nur etwa 8 Zentimeter lang. Er ist der häufigste Molch in Deutschland und lebt im Frühjahr in Teichen und Tümpeln, den Rest des Jahres versteckt an Land. Zur Paarungszeit bekommen die Männchen einen hohen, gewellten Hautkamm auf dem Rücken. Die Weibchen kleben jedes Ei einzeln in ein gefaltetes Blatt einer Wasserpflanze.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameLissotriton vulgaris
Abstammung
  • Klasse: Amphibien (Lurche)
  • Ordnung: Schwanzlurche (Caudata)
  • Familie: Echte Salamander (Salamandridae)
  • Gattung: Lissotriton
  • Art: Teichmolch
KörpergrößeGeschlechtsreife Tiere 5 bis 11 cm lang, im Durchschnitt 7 bis 9 cm
KörpergewichtDurchschnittlich 1,3 bis 2,5 g
ErnährungFleischfresser: im Wasser Mücken- und Libellenlarven, Wasserflöhe, Hüpferlinge, Muschelkrebse, Wasserasseln, Schwimmkäfer, Schnecken sowie Laich und Larven von Fröschen; an Land Spinnen, Asseln, Hundertfüßer, Insekten, Regenwürmer und Schnecken
LebenserwartungIm Freiland 7 bis 14 Jahre, im Terrarium bis zu 28 Jahre; geschlechtsreif mit 2 bis 3 Jahren
SozialverhaltenAußerhalb der Laichzeit versteckt an Land; im Frühjahr sammeln sich oft viele Tiere in einem Gewässer
HerkunftEuropa und Westasien
Verbreitung Von England, Irland und Nordwestfrankreich bis zum Kaukasus, im Norden bis Mittelskandinavien und Westsibirien, im Süden bis Mittelitalien, Griechenland und die Nordwesttürkei; fehlt auf der Iberischen Halbinsel, in Südfrankreich und Süditalien; in Deutschland in allen Bundesländern, vor allem im Tief- und Hügelland AsienEuropa
EntdeckungErstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2024)
SonstigesRote Liste Deutschland (2020): ungefährdet, aber mit mäßigem Rückgang. Besonders geschützt nach Bundesnaturschutzgesetz und Bundesartenschutzverordnung. Lurch des Jahres 2010. Früherer wissenschaftlicher Name: Triturus vulgaris.

Steckbrief Teichmolch: Das Wichtigste

Der Teichmolch (Lissotriton vulgaris) ist ein kleiner Schwanzlurch aus der Familie der Echten Salamander. In Deutschland ist er die häufigste Molchart und kommt in allen Bundesländern vor. Von allen europäischen Molchen hat er das größte Verbreitungsgebiet.

Früher hieß er wissenschaftlich Triturus vulgaris. Im Volksmund wurde er auch Streifenmolch, Gartenmolch, Wassermolch oder Gefleckter Molch genannt. 2010 wählte ihn die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) zum Lurch des Jahres.

Den größten Teil des Jahres lebt der Teichmolch versteckt an Land. Nur im Frühjahr geht er für einige Wochen ins Wasser, um sich zu paaren. Dann tragen die Männchen ein prächtiges Hochzeitskleid und sehen aus wie kleine Drachen.

Aussehen: Wassertracht und Landtracht

Der Teichmolch ist etwa 8 Zentimeter lang und schlanker als die meisten anderen Molche Mitteleuropas. Die kleinsten geschlechtsreifen Tiere messen 5 Zentimeter, die größten 11 Zentimeter. Ein Teichmolch wiegt im Durchschnitt nur 1,3 bis 2,5 Gramm.

Typische Merkmale beider Geschlechter:

  • spitz zulaufender Kopf mit zwei bis drei Längsfurchen auf der Oberseite
  • gelbe Augen mit schwarzen Sprenkeln
  • dunkle Streifen am Kopf und ein heller Streifen unter dem Auge
  • orangefarbener bis gelber, dunkel gefleckter Bauch
  • meist orange gefärbte Unterkante des Schwanzes

Die Grundfarbe der Oberseite schwankt zwischen Gelb, Braun, Dunkelbraun und Oliv. Wie viele Molche wechselt der Teichmolch im Jahreslauf sein Aussehen:

Wassertracht

Im Frühjahr im Wasser ist die Haut glatt. Die Männchen bekommen dann einen hohen, rundlich eingekerbten Rückenkamm. Er beginnt auf dem Kopf hinter den Augen und läuft ohne Unterbrechung bis zum Schwanz. An der Schwanzunterseite wächst ein breiter Hautsaum, der zur Spitze hin dünn ausläuft. Auch an den Zehen der Hinterbeine bilden sich Hautsäume. Die Männchen sind mit großen, dunklen Flecken übersät und haben am Schwanz ein bläulich schimmerndes Band.

Die Weibchen bilden nur einen sehr flachen Hautsaum an Rücken und Schwanz. Sie sind schlichter gefärbt, eher streifig als gefleckt, und ihre Kehle ist meist ungefleckt.

Landtracht

An Land wird die Haut samtig und wasserabweisend. Den hohen Kamm tragen die Männchen nur in der Wassertracht. Männchen erkennt man dann noch an ihren dunklen Flecken. Die Weibchen sind einheitlich grau bis braun und von den Weibchen des Fadenmolchs kaum zu unterscheiden.

Verwechslung mit anderen Molchen

  • Kammmolch: größer, sein Rückenkamm ist gezackt und an der Schwanzwurzel unterbrochen.
  • Fadenmolch: etwa gleich groß, aber das Männchen hat am Schwanzende einen deutlich abgesetzten Faden. Seine Hautsäume an den Hinterfüßen sind miteinander verbunden.

Verbreitung und Lebensraum

Der Teichmolch hat ein riesiges Verbreitungsgebiet. Es reicht von England, Irland und Nordwestfrankreich im Westen bis zum Kaukasus im Osten. Im Norden kommt er bis Mittelskandinavien und Westsibirien vor, im Süden bis Mittelitalien, Griechenland und die Nordwesttürkei. Auf der Iberischen Halbinsel, in Südfrankreich, in Süditalien und nördlich des Polarkreises fehlt er.

In Deutschland ist er fast überall zu finden, vor allem im Tief- und Hügelland. In höheren Lagen wird er seltener: In den Alpen fehlt er weitgehend, im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb kommt er kaum vor. Im Harz lebt er bis etwa 580 Meter Höhe, in Baden-Württemberg bis 950 Meter.

Laichgewässer: Teichmolche nutzen fast alle Arten stehender Gewässer, außerdem langsam fließende Gräben. Am liebsten sind ihnen kleine bis mittelgroße, sonnige Gewässer mit vielen Wasserpflanzen und ohne Fische. Sie leben in Weihern, Teichen, Tümpeln, Kiesgruben, Feuerlöschteichen und sogar in Pfützen und wassergefüllten Wagenspuren. Auch Gartenteiche besiedeln sie oft von selbst. In einem nur 5 Quadratmeter großen Folienteich zählte man einmal 250 Teichmolche.

Landlebensraum: An Land verstecken sich Teichmolche tagsüber unter Steinen, Rinde, Holz und Laub, in Holzstapeln oder Komposthaufen. Sie leben an Waldrändern, in Auwäldern, auf Wiesen, in Parks und Gärten. Die meisten wandern nur 10 bis 60 Meter weit vom Laichgewässer zu ihrem Sommerversteck, einzelne aber bis zu 1 Kilometer. Manchmal verirren sich Teichmolche in Keller: Die vermeintliche "Eidechse" im Keller ist meist ein Molch, sehr oft ein Teichmolch.

Ernährung: Was frisst ein Teichmolch?

Der Teichmolch frisst fast alle kleinen Tiere, die in sein Maul passen. Im Wasser reißt er das Maul schnell auf. Der Sog spült die Beute in den Rachen. An Land schnappt er einfach mit den Kiefern zu. Seine Beute findet er mit den Augen, wenn sie sich bewegt, oder mit dem Geruchssinn.

  • Im Wasser: Mücken- und Libellenlarven, Wasserflöhe, Hüpferlinge, Muschelkrebse, Wasserasseln, Schwimmkäfer, Wasserschnecken und Würmer
  • An Land: Spinnen, Asseln, Hundertfüßer, Insekten und ihre Larven, Regenwürmer sowie Gehäuse- und Nacktschnecken

Teichmolche fressen auch den Laich von Gras- und Springfrosch und machen Jagd auf frisch geschlüpfte Kaulquappen. Selbst Eier und Larven der eigenen Art sind nicht sicher.

Das Teichmolch-Jahr

  • Februar/März: Nach der Winterruhe wandern die Teichmolche zum Laichgewässer, oft schon bei Bodentemperaturen von nur 3 bis 5 Grad. Die Männchen sind meist zuerst da.
  • März bis Juni: Paarung und Eiablage im Wasser. Laut NABU liegt die Hauptlaichzeit von März bis Mai, sobald das Wasser mindestens 8 Grad warm ist. Laut DGHT paaren sich die ersten Tiere ab April, Paarung und Eiablage ziehen sich bis etwa Juni hin.
  • Mai bis Juli: Die erwachsenen Molche verlassen das Wasser. Meist bleiben sie zwei bis drei Monate darin.
  • Juli bis August: Die Larven verwandeln sich und gehen an Land.
  • Ende September bis Mitte November: Die Molche suchen ihr Winterquartier auf, meist frostsichere Verstecke an Land, unter Laub und Steinen, in hohlen Baumstümpfen oder Trockenmauern.

Balz: Ein Tanz unter Wasser

Die Balz des Teichmolchs ist spannend zu beobachten. Sie läuft in mehreren Schritten ab:

  1. Erkennen: Das Männchen beriecht ein Weibchen und erkennt es an seinem Duft.
  2. Querstellung: Das Männchen stellt sich quer vor das Weibchen.
  3. Peitschen und Fächeln: Es schlägt mit dem Schwanz zur Seite und wedelt dem Weibchen mit dem Schwanz Duftstoffe zu.
  4. Watschelgang: Ist das Weibchen bereit, kriecht es auf das Männchen zu. Das Männchen dreht sich um und kriecht vor ihm her.
  5. Samenpaket: Berührt das Weibchen mit der Schnauze die Schwanzspitze des Männchens, setzt das Männchen ein kleines Samenpaket auf den Boden, die Spermatophore.
  6. Aufnahme: Das Weibchen kriecht darüber und nimmt das Samenpaket mit seiner Kloake auf.

Die Befruchtung findet also im Körper des Weibchens statt. Ein Weibchen kann sich mehrmals und mit verschiedenen Männchen paaren.

Eiablage: Jedes Ei in ein Blatt gefaltet

2 bis 14 Tage nach der Paarung beginnt das Weibchen mit der Eiablage. Dabei geht es sehr sorgfältig vor: Mit den Hinterfüßen faltet es ein Blatt einer Wasserpflanze und klebt jedes Ei einzeln hinein. Manchmal heften Weibchen ihre Eier auch an Falllaub.

Die Eier sind nur 1,3 bis 1,7 Millimeter groß und von einer klebrigen Gallerthülle umgeben. Insgesamt legt ein Weibchen 100 bis 300 Eier, verteilt über durchschnittlich 37 Tage. Manche Weibchen wechseln dabei das Gewässer.

Larven und Metamorphose

Je nach Wassertemperatur schlüpfen die Larven nach 10 bis 35 Tagen. Sie sind dann nur 6 bis 8 Millimeter lang. Zuerst kleben sie mit zwei Haftorganen am Mund an Wasserpflanzen und zehren vom Dotter. Später schwimmen sie frei und fressen Plankton und winzige Wassertiere.

Die Larven haben äußere Kiemenbüschel am Kopf und sehen aus wie kleine Wassermonster. Nach 6 bis 12 Wochen und bei einer Länge von 3 bis 4 Zentimetern beginnt die Metamorphose: Kiemen und Hautsäume bilden sich zurück. Die meisten jungen Molche gehen im August an Land, dann sind sie etwa 3 Zentimeter lang.

Selten bleiben Teichmolche ihr Leben lang im Larvenstadium mit Kiemen und werden trotzdem geschlechtsreif. Fachleute nennen das Neotenie. In Mitteleuropa ist das aber die Ausnahme.

Mit 2 bis 3 Jahren ist ein Teichmolch geschlechtsreif. In freier Natur wird er 7 bis 14 Jahre alt, im Terrarium sogar bis zu 28 Jahre.

Feinde

Teichmolche haben viele Feinde:

  • Larven: große Wasserkäfer und ihre Larven, Wasserwanzen, erwachsene Molche und fast alle Fische, zum Beispiel Stichling, Forelle, Barsch, Hecht und Goldfisch
  • Jungtiere an Land: große Laufkäfer und Vögel wie Star und Elster
  • Erwachsene Molche: Teich- und Seefrösche, Ringelnattern, Graureiher, Stockenten, Weißstörche, Kraniche und andere Vögel, außerdem Igel, Spitzmäuse, Ratten und Wiesel

Gefährdung und Schutz

Weltweit gilt der Teichmolch laut der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet (LC, 2024). Auch in der Roten Liste Deutschlands von 2020 ist er als ungefährdet eingestuft. Seine Bestände sind aber über lange Zeit mäßig zurückgegangen und nehmen auch in jüngerer Zeit mäßig ab. Wie alle heimischen Amphibien ist der Teichmolch in Deutschland besonders geschützt. Man darf ihn nicht fangen, verletzen oder töten.

Die größten Gefahren für den Teichmolch:

  • Kleingewässer werden zugeschüttet, trockengelegt oder verlanden.
  • Wiesen werden in Äcker umgewandelt, Dünger und Gift gelangen ins Wasser.
  • Neue Baugebiete und Straßen zerschneiden die Landschaft.
  • Bei ihren Wanderungen werden viele Molche überfahren.
  • Fische in Teichen fressen Laich und Larven.

Was kann man tun?

Jeder Gartenbesitzer kann dem Teichmolch helfen. Ein naturnaher Gartenteich ohne Fische, besonders ohne Goldfische, wird oft schnell von selbst besiedelt. Wichtig sind außerdem Verstecke an Land in der Nähe: ein Steinhaufen, eine Hecke mit Laub und Ästen oder ein Holzstapel. Auf Gift im Garten sollte man verzichten.

Häufige Fragen zum Teichmolch

Wie groß wird ein Teichmolch?

Ein Teichmolch ist meist etwa 8 Zentimeter lang. Die größten Tiere erreichen 11 Zentimeter. Dabei wiegt er nur 1,3 bis 2,5 Gramm.

Was frisst ein Teichmolch?

Er frisst kleine Tiere: im Wasser vor allem Mückenlarven, Wasserflöhe, Kleinkrebse und Kaulquappen, an Land Spinnen, Asseln, Insekten, Regenwürmer und Schnecken.

Wie unterscheidet man Männchen und Weibchen?

Im Frühjahr haben die Männchen einen hohen, gewellten Rückenkamm und große dunkle Flecken. Die Weibchen sind schlichter gefärbt und haben nur einen sehr flachen Hautsaum.

Wo lebt der Teichmolch?

Im Frühjahr in Teichen, Tümpeln, Weihern und Gartenteichen, am liebsten sonnig, mit vielen Wasserpflanzen und ohne Fische. Den Rest des Jahres verbringt er versteckt an Land, unter Steinen, Holz und Laub.

Wo überwintert der Teichmolch?

Meist an Land, in frostsicheren Verstecken unter Laub, Steinen, in Baumstümpfen oder Trockenmauern. Nur selten überwintern Teichmolche im Wasser.

Ist der Teichmolch gefährdet?

Nein, weder weltweit noch in Deutschland insgesamt. Seine Bestände nehmen aber langsam ab, vor allem weil Tümpel und Teiche verschwinden.

Ähnliche Tiere

  • Salamander - die Familie der Echten Salamander, zu der auch der Teichmolch gehört
  • Querzahnmolche - eine andere Familie der Schwanzlurche
  • Axolotl - bleibt sein Leben lang im Larvenstadium, wie es beim Teichmolch nur selten vorkommt
  • Grasfrosch - teilt sich oft das Laichgewässer mit dem Teichmolch
  • Erdkröte - kommt ebenfalls oft zusammen mit dem Teichmolch vor

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Teichmolch
5 bis 11 cm

Mit 5 bis 11 cm gehört der Teichmolch zu den kleineren Tieren in unserem Lexikon. Eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) ist dagegen deutlich kleiner, während ein Fußball mit 22 cm noch einiges an Größe drauflegt.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Teichmolch
1,3 bis 2,5 g

Der Teichmolch wiegt nur 1,3 bis 2,5 g - ein echtes Federgewicht! Selbst eine 1-Euro-Münze (7,5 g) bringt ein Vielfaches davon auf die Waage. Dafür ist der Teichmolch leicht genug, um vom Wind davongetragen zu werden.