Weißer Tiger
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Kurz erklärt
Der Weiße Tiger ist keine eigene Art, sondern ein Bengal-Tiger mit einer seltenen Genveränderung. Dadurch ist sein Fell weiß mit dunklen Streifen, und seine Augen sind blau. Der letzte bekannte wild lebende Weiße Tiger wurde 1958 geschossen. Heute leben mehrere hundert Tiere in Zoos und privaten Haltungen, die meisten stammen aus Inzucht.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Panthera tigris tigris |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 1,64 bis 2,11 m |
| Körpergewicht | 110 bis 260 kg |
| Ernährung | Fleischfresser: vor allem große Huftiere wie Hirsche, Wildrinder und Wildschweine |
| Lebenserwartung | Tiger in freier Natur meist 10-15 Jahre, in Menschenobhut bis etwa 20 Jahre |
| Sozialverhalten | Einzelgänger |
| Herkunft | Indien |
| Verbreitung | Letzter bekannter wilder Weißer Tiger 1958 in Indien geschossen, heute fast nur in Zoos und privaten Haltungen Asien |
| Entdeckung | In Indien seit dem 16. Jahrhundert bekannt, 1951 wurde der weiße Tiger Mohan gefangen |
| Gefährdung | EN Stark gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2022) |
| Sonstiges | Farbvariante des Bengal-Tigers, keine eigene Art oder Unterart. Größe und Gewicht gelten für Bengal-Tiger (Kopf-Rumpf-Länge, dazu kommt der 85-110 cm lange Schwanz). Die Gefährdung bezieht sich auf den Tiger als Art. |
Was ist ein Weißer Tiger?
Ein Weißer Tiger ist keine eigene Art und keine eigene Unterart. Er ist ein Bengal-Tiger, auch Königstiger genannt, dem durch eine Veränderung im Erbgut die orange Farbe fehlt. Bengal-Tiger leben in Indien und den Nachbarländern. Wissenschaftlich gehören sie zur Unterart Panthera tigris tigris, zu der Fachleute heute alle Tiger auf dem asiatischen Festland zählen.
Weiße Tiger kommen also nicht aus einem eigenen Land oder Lebensraum. Sie werden von ganz normal gefärbten Tigereltern geboren, wenn beide Eltern die seltene Genveränderung in sich tragen.
Warum ist der Weiße Tiger weiß?
Lange glaubten Forscher, dass eine Veränderung im Gen für das Enzym Tyrosinase den Tiger weiß macht. Das stimmt aber nicht. Im Jahr 2013 fand ein Forschungsteam der Universität Peking die wahre Ursache: Bei Weißen Tigern ist ein anderes Gen verändert, das den Namen SLC45A2 trägt.
In diesem Gen ist nur ein einziger Baustein vertauscht. Das dazugehörige Eiweiß bekommt dadurch eine etwas andere Form. Es kann dann nicht mehr helfen, den gelben und roten Farbstoff im Fell herzustellen. Der schwarze Farbstoff wird aber weiter gebildet. Deshalb hat der Weiße Tiger weißes Fell mit dunklen Streifen.
Das gleiche Gen beeinflusst auch bei Menschen, Pferden und Hühnern die Farbe von Haut, Haaren oder Federn.
So wird ein Tiger weiß: Jeder Tiger besitzt von jedem Gen zwei Kopien, eine von der Mutter und eine vom Vater. Ein Tiger ist nur dann weiß, wenn beide Kopien verändert sind. Ist eine Kopie normal, bleibt das Fell orange. Fachleute nennen so eine Eigenschaft rezessiv. Beim Menschen wird zum Beispiel die rote Haarfarbe auf ähnliche Weise vererbt. Zwei orange Tiger können also ein weißes Junges bekommen, wenn beide die veränderte Kopie unbemerkt in sich tragen.
Ist der Weiße Tiger ein Albino?
Nein. Ein Albino kann gar keinen Farbstoff bilden, weder schwarzen noch gelben oder roten. Seine Haare sind weiß und seine Augen hell. Der Weiße Tiger hat dagegen schwarze Streifen und blaue Augen. Ihm fehlen nur die gelben und roten Farbstoffe.
Aussehen und Körperbau
Weiße Tiger haben weißes oder fast weißes Fell mit dunklen Streifen und blaue Augen. Wie bei allen Tigern ist das Streifenmuster bei jedem Tier anders, so ähnlich wie ein Fingerabdruck.
Es gibt auch fast streifenlose Weiße Tiger. Bei ihnen sorgt eine weitere Erbanlage dafür, dass die Streifen nur ganz blass zu sehen sind. Solche „schneeweißen“ Tiger stammen vor allem aus Zuchten im Zoo von Cincinnati in den USA, in denen immer wieder Geschwister miteinander verpaart wurden.
Größe und Gewicht: Weiße Tiger sind so groß wie andere Bengal-Tiger. Männchen werden mit Schwanz rund 3 Meter lang, Weibchen etwas kleiner. Erwachsene Männchen wiegen 200 bis 260 kg, Weibchen 110 bis 180 kg. In den Mangrovenwäldern der Sundarbans sind Tigerinnen mit 75 bis 80 kg deutlich leichter. An der Schulter sind Bengal-Tiger etwa 90 bis 110 cm hoch. Für weiße Männchen werden 200 bis 230 kg und eine Länge von bis zu 3 Metern angegeben.
Herkunft und Geschichte
Aus Indien sind Weiße Tiger seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Der berühmteste von ihnen hieß Mohan. Der Maharadscha von Rewa, Martand Singh, ließ ihn 1951 im Wald von Mukundpur im heutigen Bundesstaat Madhya Pradesh fangen. Das Gebiet gehört heute zum Sanjay-Dubri-Tigerreservat. Viele Weiße Tiger in Zoos auf der ganzen Welt stammen von ihm ab. Mohan wurde fast 20 Jahre alt.
Nach Angaben des indischen Tigerforschers Kailash Sankhala wurde der letzte bekannte wild lebende Weiße Tiger im Jahr 1958 geschossen. Heute leben mehrere hundert Weiße Tiger in Menschenobhut. Eine genaue Zahl gibt es nicht. Viele Weiße Tiger werden von privaten Haltern und von Einrichtungen ohne strenge Kontrolle gezüchtet.
Lebensraum
In freier Natur lebten Weiße Tiger dort, wo auch die orangen Bengal-Tiger zu Hause sind. Bengal-Tiger kommen heute in Indien, Nepal, Bhutan, Bangladesch und im Südwesten Chinas vor. Sie bewohnen tropische und gemäßigte Wälder, Graslandschaften und in den Sundarbans an der Küste von Indien und Bangladesch sogar Mangrovenwälder. Dort leben die einzigen Tiger der Welt in Mangroven.
Heute lebt fast jeder Weiße Tiger in Menschenobhut. Weiße Tiger sieht man in Zoos, Tierparks und Shows. Aus Indien gibt es nur vereinzelte Berichte über weiße Tiger in freier Natur.
Ernährung
Weiße Tiger fressen dasselbe wie andere Bengal-Tiger. In freier Natur jagen diese vor allem große Huftiere, zum Beispiel:
- Gaur (ein Wildrind)
- Sambarhirsche, Axishirsche und Barasingha-Hirsche
- Wasserbüffel und Nilgauantilopen
- Wildschweine
Seltener fressen sie kleinere Tiere wie Stachelschweine, Hasen oder Pfauen. Wo Menschen in der Nähe leben, reißen Tiger manchmal auch Rinder oder Ziegen.
Tiger jagen meist nachts. Sie schleichen sich an oder lauern ihrer Beute auf und packen sie dann mit einem Sprung. Ein Tiger jagt etwa einmal pro Woche und kann in einer Nacht bis zu 34 kg Fleisch fressen. In Zoos bekommen Weiße Tiger Fleisch gefüttert.
Verhalten und Lebensweise
Tiger sind Einzelgänger. Nur eine Mutter lebt eine Zeit lang mit ihren Jungen zusammen. Jeder erwachsene Tiger hat ein eigenes Streifgebiet. Ein Männchen im Panna-Tigerreservat nutzte im Winter etwa 110 km² und im Sommer etwa 200 km². In seinem Gebiet lagen die viel kleineren Gebiete von zwei Weibchen mit je 16 bis 31 km².
Beim Aufspüren ihrer Beute verlassen sich Tiger vor allem auf ihre Augen und Ohren. Sie sind außerdem geschickte Schwimmer und wurden sogar beim Jagen im Wasser beobachtet.
Ob ein Weißer Tiger in freier Natur schlechter jagen kann als ein oranger, ist umstritten. Manche Forscher meinen, das weiße Fell störe kaum, weil die Beutetiere Farben nicht gut unterscheiden können. Andere weisen darauf hin, dass viele Weiße Tiger schlechter sehen.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Tiger in Indien haben keine feste Paarungs- und Geburtszeit. Weibchen werden mit 3 bis 4 Jahren geschlechtsreif, Männchen mit 4 bis 5 Jahren. Ein Weibchen ist alle 3 bis 9 Wochen für 3 bis 6 Tage paarungsbereit.
Nach einer Tragzeit von 104 bis 106 Tagen bringt die Tigerin 1 bis 4 Junge zur Welt. Sie versteckt sie in hohem Gras, dichtem Gebüsch oder in Höhlen. Die Jungen wiegen bei der Geburt 780 bis 1.600 Gramm. Ihre Augen und Ohren sind noch geschlossen.
- Mit etwa 2 Monaten fressen die Jungen die ersten kleinen Mengen Fleisch und begleiten ihre Mutter auf die Jagd.
- Gesäugt werden sie 3 bis 6 Monate lang.
- Mit 5 bis 6 Monaten helfen sie bei der Jagd mit.
- Mit 2 bis 3 Jahren verlassen sie ihre Mutter und suchen sich ein eigenes Gebiet.
Probleme durch Inzucht
Weil die weiße Farbe nur auftritt, wenn beide Eltern die Genveränderung tragen, wurden Weiße Tiger oft mit nahen Verwandten verpaart, etwa Väter mit Töchtern oder Brüder mit Schwestern. Solche Inzucht führt häufig zu Krankheiten und Fehlbildungen. Bei Weißen Tigern wurden unter anderem beobachtet:
- Schielen und Sehprobleme
- Klumpfüße und verkürzte Sehnen an den Vorderbeinen
- Gaumenspalten
- Probleme mit Hüfte, Wirbelsäule und Nieren
Ob das Schielen direkt mit dem Gen für die weiße Farbe zusammenhängt oder vor allem eine Folge der Inzucht ist, ist unter Fachleuten umstritten. Bei Weißen Tigern verlaufen manche Sehnerven auf dem Weg ins Gehirn anders als bei orangen Tigern. Ähnliches kennt man von Siamkatzen und Albinos.
Viele Weiße Tiger in Zoos sind keine reinen Bengal-Tiger, sondern haben auch Sibirische Tiger unter ihren Vorfahren. In Zuchtprogrammen zum Schutz der Tiger werden solche Mischlinge nicht eingesetzt.
Der Verband der Zoos und Aquarien in Nordamerika (AZA) hat seinen Mitgliedern deshalb 2011 verboten, gezielt Weiße Tiger zu züchten. Laut dem Smithsonian-Zoo in Washington widerspricht diese Zucht dem Ziel, gesunde und genetisch vielfältige Tigerbestände zu erhalten.
Feinde und Gefährdung
Etwa die Hälfte aller wild geborenen Tigerjungen stirbt in den ersten zwei Lebensjahren. Für erwachsene Tiger sind vor allem Menschen und Revierkämpfe mit anderen Tigern gefährlich.
Der Tiger ist auf der Roten Liste der IUCN als stark gefährdet (Endangered) eingestuft (IUCN, 2022). Im Jahr 2022 lebten weltweit nur noch schätzungsweise 3.726 bis 5.578 Tiger in freier Natur. Für Bengal-Tiger wurden 2022 unter anderem 3.167 bis 3.682 Tiere in Indien und 316 bis 355 in Nepal geschätzt. Gefährdet werden sie vor allem durch Wilderei, den Verlust ihres Lebensraums und Konflikte mit Menschen.
Weiße Tiger selbst sind dagegen nicht bedroht. Sie sind weder eine Art noch eine Unterart und werden in Gefangenschaft häufig gezüchtet.
Häufige Fragen zum Weißen Tiger
Wo lebt der Weiße Tiger?
Heute lebt der Weiße Tiger fast nur in Zoos, Tierparks und privaten Haltungen. In freier Natur kam er früher dort vor, wo Bengal-Tiger leben, vor allem in den Wäldern Indiens. Der letzte bekannte wilde Weiße Tiger wurde 1958 geschossen.
Wie alt werden Weiße Tiger?
Tiger werden in freier Natur meist 10 bis 15 Jahre alt, in Menschenobhut bis etwa 20 Jahre. Der berühmte Weiße Tiger Mohan wurde fast 20 Jahre alt. Weiße Tiger aus Inzucht haben jedoch oft gesundheitliche Probleme und leben laut dem Smithsonian-Zoo häufig kürzer.
Wie viele Weiße Tiger gibt es noch?
Eine genaue Zahl gibt es nicht. Schätzungen gehen von mehreren hundert Weißen Tigern in Gefangenschaft aus. Der letzte bekannte wild lebende Weiße Tiger wurde 1958 geschossen, seitdem gibt es nur vereinzelte Berichte aus Indien.
Wie groß und schwer wird ein Weißer Tiger?
Ein Weißer Tiger ist so groß wie ein Bengal-Tiger. Männchen werden mit Schwanz etwa 2,8 bis 3,1 Meter lang und wiegen 200 bis 260 kg. Weibchen sind kleiner und wiegen 110 bis 180 kg.
Was frisst ein Weißer Tiger?
Er frisst nur Fleisch. In freier Natur jagen Bengal-Tiger vor allem Hirsche, Wildrinder, Wasserbüffel und Wildschweine. Im Zoo bekommen Weiße Tiger Fleisch gefüttert.
Gibt es auch weiße Sibirische Tiger?
In freier Natur ist die weiße Farbe nur von Bengal-Tigern bekannt. Viele Weiße Tiger in Zoos haben aber auch Sibirische Tiger unter ihren Vorfahren. In den USA wurde zudem eine Zuchtlinie weißer Sibirischer Tiger aufgebaut.
Ähnliche Tiere
- Königstiger - der orange Bengal-Tiger, zu dem der Weiße Tiger gehört
- Tiger - Überblick über alle Tiger
- Sibirischer Tiger - größte Tigerform, oft Vorfahre von Zoo-Tigern
- Sumatra-Tiger - kleinste heute lebende Tigerform
- Löwe - ebenfalls eine Großkatze, auch von ihm gibt es weiße Tiere
- Leopard - eine weitere Großkatze der Gattung Panthera
Quellen
- Xu, X. et al. (2013): The genetic basis of white tigers. Current Biology 23, 1031-1035
- Tiger, Tiger, Burning Bright, Just One Gene To Make It White - National Geographic
- Tiger - Smithsonian's National Zoo and Conservation Biology Institute
- Goodrich, J. et al. (2022): Panthera tigris. IUCN Red List of Threatened Species
- White tiger - Wikipedia (englisch)
- Bengal tiger - Wikipedia (englisch)
Größenvergleich
Mit 1,64 bis 2,11 m gehört der Weiße Tiger zu den größeren Tieren in unserem Lexikon. Ein Kind (1,2 m) ist dagegen kleiner, während ein Elefant mit 3,5 m noch etwas an Größe drauflegt.
Gewichtsvergleich
Ein Weißer Tiger bringt 110 bis 260 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Erwachsener (75 kg), aber leichter als ein Auto (1,5 t).