Wellensittich

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Grün-gelber Wellensittich in Wildfärbung mit schwarzen Wellenlinien auf Kopf und Flügeln sitzt am Eingang einer Baumhöhle
Richard.Fisher / Wikimedia Commons / CC BY 2.0

Kurz erklärt

Der Wellensittich ist ein kleiner Papagei aus Australien und etwa 18 Zentimeter groß. In der Natur ist er grün-gelb gefärbt und zieht in großen Schwärmen durch trockene Landschaften. Als Haustier gibt es ihn in vielen Farben, denn in Europa wird er schon seit über 180 Jahren gehalten und gezüchtet. Wellensittiche sind sehr gesellig und dürfen nie allein gehalten werden.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameMelopsittacus undulatus
Abstammung
  • Klasse: Vögel
  • Ordnung: Papageien (Psittaciformes)
  • Familie: Altweltpapageien (Psittaculidae)
  • Gattung: Melopsittacus
  • Art: Wellensittich
KörpergrößeWildvögel etwa 18 bis 20 cm lang
KörpergewichtWildvögel im Mittel etwa 28 bis 30 g
ErnährungKörnerfresser: in der Natur fast nur Samen von Gräsern und Kräutern; als Heimvogel Sämereien, Kräuter, Obst und Gemüse
LebenserwartungAls Heimvogel im Durchschnitt 8 bis 12 Jahre
SozialverhaltenSehr gesellig, lebt in Schwärmen von wenigen bis zu Zehntausenden Vögeln; als Heimvogel mindestens paarweise halten
HerkunftAustralien
Verbreitung Wild auf großen Teilen des australischen Festlands, vor allem im trockenen Landesinneren; als Heimvogel weltweit Australien
EntdeckungWissenschaftlich beschrieben 1805 (Shaw)
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2018)
SonstigesDer Wellensittich gilt als der bekannteste Heimvogel der Welt. Die Wildform ist grün-gelb, alle anderen Farben sind durch Zucht entstanden.

Wildvogel und Heimtier

Der Wellensittich (Melopsittacus undulatus) ist ein kleiner Papagei aus Australien. Er gilt als der bekannteste Heimvogel der Welt. Über keinen anderen Papagei wissen Forscher so viel, auch weil es weltweit so viele Wellensittiche gibt.

Den Wellensittich gibt es in zwei „Ausgaben“, die man unterscheiden sollte:

  • Der wilde Wellensittich lebt in Schwärmen im trockenen Inneren Australiens. Er ist immer grün-gelb gefärbt.
  • Der Heimvogel stammt von diesen Wildvögeln ab. Seit sie nach Europa kamen, haben Züchter viele Farbformen sowie Schau- und Standardwellensittiche gezüchtet.

Wie wilde Wellensittiche leben, erklärt viel darüber, was sie als Haustier brauchen: einen Partner, Platz zum Fliegen, Körner und frisches Grün.

Der Name „Wellensittich“ kommt von den wellenförmigen dunklen Querbändern auf Rücken, Nacken und Kopfseiten. Der englische Name „Budgerigar“ geht auf ein Wort der australischen Ureinwohner zurück, das in alten Berichten als „Betcherrygah“ aufgeschrieben wurde.

Aussehen

Wildfärbung: Wilde Wellensittiche sind grün und gelb mit schwarzen Wellenlinien auf der Oberseite. Stirn und Kehle sind gelb, an den Wangen sitzt ein kleiner blauvioletter Fleck, darunter schwarze Punkte. Die Schwanzfedern sind lang und spitz, ebenso die Flügel. Mit diesem Muster ist der Wellensittich kaum mit einem anderen Papagei zu verwechseln.

Größe und Gewicht: Wilde Wellensittiche sind etwa 18 bis 20 Zentimeter lang. Sie wiegen im Mittel nur 28 bis 30 Gramm.

Zuchtformen: Bei Heimvögeln gibt es neben Grün auch Weiß, Blau, Gelb, Violett, Oliv und Grau sowie viele Mischungen. Kaum eine andere Vogelart wird in so vielen Farbvarianten gezüchtet.

Unsichtbare Farben: Im ultravioletten Licht, das Menschen nicht sehen können, treten die Farben des Gefieders stärker hervor, besonders an den Wangen. Forscher vermuten, dass Männchen und Weibchen sich daran zusätzlich unterscheiden.

Männchen oder Weibchen? Das verrät die Wachshaut, die Haut über dem Schnabel rund um die Nasenlöcher. Bei Männchen ist sie dunkelblau. Bei Weibchen ist sie in der Brutzeit bräunlich und sonst hellblau. Bei den üblichen Zuchtformen sind die Männchen sicher an der blauen Wachshaut zu erkennen, die Weibchen an der graubraunen. Jungvögel sind matter gefärbt, haben Wellenlinien bis auf die Stirn und dunkle Augen. Bei erwachsenen Vögeln ist die Iris hell, weiß oder gelblich.

Verbreitung und Lebensraum

Wilde Wellensittiche leben auf großen Teilen des australischen Festlands. Sie fehlen im äußersten Südwesten, im Norden des Northern Territory, auf Tasmanien und an den meisten Abschnitten der Ostküste. Am häufigsten sind sie im trockenen Landesinneren, in Halbwüsten, Grasland und lichten Wäldern.

Wellensittiche sind Nomaden. Sie haben keinen festen Wohnort, sondern ziehen dem Futter hinterher. Nach Dürrezeiten müssen sie oft sehr weite Strecken fliegen, bis sie genug Nahrung finden. Im Winter wandern viele nach Norden. Wichtig ist, dass Wasser in der Nähe ist.

Die Schwärme sind meist klein, mit drei bis über 100 Vögeln. Nach einer regenreichen Zeit mit viel Futter bilden sich aber riesige Schwärme aus Zehntausenden Wellensittichen. Im Flug bewegen sie sich in typischen Wellenlinien auf und ab.

Ernährung

Wilde Wellensittiche fressen fast nur Samen von Gräsern und Kräutern, zum Beispiel von Spinifex-Gräsern und Salzbusch. Die Samen sammeln sie meist vom Boden auf. Bevor sie die Körner schlucken, entfernen sie die Schale. Die Samen sind sehr energiereich, deshalb brauchen Wellensittiche keine andere Nahrung.

Weil trockene Samen fast kein Wasser enthalten, müssen Wellensittiche jeden Tag trinken. Pro Tag nehmen sie etwa 5,5 Prozent ihres Körpergewichts an Wasser auf. Jeden Morgen fliegen sie deshalb zu Wasserlöchern oder Viehtränken. Manche schweben dabei über dem Wasser, einige setzen sich sogar kurz auf die Wasseroberfläche. Diese Flüge sind so regelmäßig, dass Entdecker in Australien früher Wellensittichen folgten, um Wasser zu finden.

Verhalten und Lebensweise

Wellensittiche sind tagaktiv und sehr gesellig. Kurz vor Sonnenaufgang beginnt ihr Tag mit Gefiederpflege, Gezwitscher und Herumhüpfen in den Bäumen. Nach Sonnenaufgang fliegen sie zum Fressen und Trinken. Am meisten fressen und trinken sie am Vormittag. In der Mittagshitze ruhen sie regungslos im Schatten. Am Abend sammelt sich der Schwarm mit lauten Rufen und schnellen Flügen um die Bäume. Kurz nach Sonnenuntergang kehren die Vögel zu ihrem Schlafplatz zurück.

Im Schwarm finden die Vögel leichter Futter und sind besser vor Feinden geschützt. Eine feste Rangordnung scheint es nicht zu geben, Streit ist selten. Weibchen sind allerdings meist angriffslustiger als Männchen. Der Kontaktruf ist ein trillerndes Zwitschern, bei Gefahr rufen Wellensittiche ein kurzes „zit“.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Wilde Wellensittiche haben keine feste Brutzeit. Sie brüten, sobald es geregnet hat und die Gräser Samen tragen. Wenn die Bedingungen gut bleiben, ziehen sie mehrere Bruten nacheinander groß. Sie brüten in Kolonien.

  • Nest: Wellensittiche bauen kein Nest aus Zweigen. Sie brüten in Baumhöhlen, etwa in Ästen von Eukalyptusbäumen, in Baumstämmen oder Zaunpfählen. Oft liegen mehrere Bruthöhlen nur drei bis fünf Meter voneinander entfernt.
  • Gelege: Ein Gelege besteht je nach Quelle aus 3 bis 8 oder 6 bis 8 runden, weißen Eiern.
  • Brutzeit: Nur das Weibchen brütet, und zwar 18 Tage lang. In dieser Zeit sucht das Männchen Futter und füttert das Weibchen.
  • Küken: Die Jungen schlüpfen nackt und hilflos. Beide Eltern versorgen sie. Nach etwa vier bis fünf Wochen verlassen sie die Bruthöhle.

Wellensittiche leben meist in Paaren, die zusammenbleiben. Ganz treu sind sie aber nicht immer: Manchmal paart sich ein Weibchen auch mit anderen Männchen. Bei gutem Futterangebot können junge Wellensittiche schon im Alter von drei bis vier Monaten selbst brüten.

Vom Wildvogel zum Haustier

Als derjenige, der den Wellensittich nach Großbritannien brachte, gilt der englische Naturforscher John Gould. Seine Forschungsreise nach Australien dauerte insgesamt 27 Monate. Dort beobachtete er Schwärme von bis zu hundert Wellensittichen. Als er im August 1840 nach England zurückkehrte, brachte er ein lebendes Wellensittichpaar mit. Die Vögel wurden bald als Heimtiere beliebt. Heute gibt es Wellensittiche auf der ganzen Welt.

Haltung: Was Wellensittiche brauchen

Wellensittiche gelten als leicht zu pflegende, ausdauernde Heimvögel, die schnell zutraulich werden. Trotzdem stellen sie hohe Ansprüche. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) beschreibt in ihrem Merkblatt, was eine tiergerechte Haltung ausmacht:

  • Niemals allein: Wellensittiche müssen mindestens zu zweit gehalten werden. Auch der aufmerksamste Mensch kann einen Artgenossen nicht ersetzen. Einzeln gehaltene Vögel sollten mit Artgenossen zusammengebracht werden, was meist problemlos klappt.
  • Platz: Für ein bis drei Paare braucht eine Voliere eine Grundfläche von mindestens 150 × 60 Zentimetern und eine Höhe von mindestens 100 Zentimetern. Runde Käfige sind nach dem Merkblatt nicht zulässig. Das Gitter muss quer verlaufen und darf nicht verzinkt oder mit Kunststoff überzogen sein.
  • Freiflug: Jeden Tag brauchen Wellensittiche mindestens eine Stunde Freiflug, besser beliebig lange. Ohne Freiflug ist eine Voliere mit mindestens 2 Quadratmetern Grundfläche nötig.
  • Einrichtung: Mindestens vier Sitzstangen und Äste mit unterschiedlicher Dicke, in verschiedenen Höhen. Dazu immer eine Bademöglichkeit. Viele Wellensittiche mögen es, mit einer Sprühflasche „beregnet“ zu werden.
  • Licht und Ruhe: Ideal sind 18 bis 25 Grad. Bei künstlichem Licht sollte es 10 bis 14 Stunden hell sein, nachts muss der Raum abgedunkelt werden. Empfohlen wird UV-Licht, weil es für das Sehvermögen und die Versorgung mit Vitamin D3 wichtig ist.
  • Futter: Grundfutter sind Sämereien wie Hirse, Kanariensaat und Grassamen sowie Kräuter wie Vogelmiere, Löwenzahn und Wegerich. Täglich gehören Obst und Gemüse dazu, etwa Äpfel, Karotten, Paprika oder Salat. Frische Zweige von Laubbäumen wie Weide, Buche oder Obstbäumen zum Knabbern und Mineral- und Magengrit müssen immer verfügbar sein.
  • Gefahren: Beim Freiflug dürfen keine giftigen Pflanzen wie Weihnachtsstern im Raum stehen. Auch Spiegel, Ventilatoren und Putzmittel sind gefährlich. Überhitzte beschichtete Pfannen geben giftige Dämpfe ab. Spiegel und Plastikvögel sind als Spielzeug ungeeignet.

Gut gehaltene Wellensittiche werden im Durchschnitt 8 bis 12 Jahre alt.

Gefährdung

Der wilde Wellensittich ist in Australien weit verbreitet. Die Rote Liste der IUCN stuft ihn als nicht gefährdet (LC, 2018) ein. Landwirte sehen große Schwärme allerdings nicht immer gern, weil sie viele Samen fressen können.

Häufige Fragen zum Wellensittich

Woher kommt der Wellensittich?

Aus Australien. Dort lebt er wild in großen Schwärmen, vor allem im trockenen Landesinneren. Nach England brachte der Naturforscher John Gould 1840 ein lebendes Paar mit, danach wurden Wellensittiche in Europa schnell beliebt.

Wie erkennt man, ob ein Wellensittich ein Männchen oder Weibchen ist?

An der Wachshaut über dem Schnabel. Bei Männchen ist sie dunkelblau, bei Weibchen bräunlich bis graubraun, außerhalb der Brutzeit manchmal auch hellblau. Bei Jungvögeln ist der Unterschied noch schwer zu sehen.

Wie alt wird ein Wellensittich?

Als Heimvogel wird ein Wellensittich im Durchschnitt 8 bis 12 Jahre alt. Wie alt wilde Wellensittiche werden, ist weniger gut bekannt.

Kann man einen Wellensittich allein halten?

Nein. Wellensittiche sind Schwarmvögel und müssen mindestens paarweise gehalten werden. Ein Mensch kann einen Artgenossen nicht ersetzen, auch wenn er sich viel mit dem Vogel beschäftigt.

Was fressen Wellensittiche?

In der Natur fressen sie fast nur Gras- und Kräutersamen. Als Heimvögel bekommen sie Körnerfutter mit Hirse und Kanariensaat, dazu täglich Kräuter, Obst und Gemüse sowie frische Zweige zum Knabbern.

Welche Farbe haben wilde Wellensittiche?

Wilde Wellensittiche sind immer grün-gelb mit schwarzen Wellenlinien. Blaue, weiße, gelbe oder graue Wellensittiche gibt es nur als Zuchtformen.

Ähnliche Tiere

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Wellensittich
18 bis 20 cm

Stell dir vor, du stellst eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) neben einen Wellensittich: Der Wellensittich ist um einiges größer. Neben einem Fußball (22 cm) wirkt er mit seinen 18 bis 20 cm aber wiederum etwas kleiner. Genauer gesagt ist der Wellensittich etwa 8-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Wellensittich
28 bis 30 g

Würde man den Wellensittich auf eine Waage stellen, zeigte sie 28 bis 30 g an. Eine 1-Euro-Münze (7,5 g) wäre da deutlich leichter. Eine Tafel Schokolade hingegen bringt 100 g auf die Waage - um ein Vielfaches mehr als der Wellensittich. Genau genommen wiegt der Wellensittich etwa so viel wie 4 1-Euro-Münzen.