Welsartige
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Kurz erklärt
Welsartige sind Fische mit Barteln am Maul, meist ohne Schuppen und mit Stacheln vor Rücken- und Brustflossen. Mit rund 4.400 Arten sind sie eine der artenreichsten Fischgruppen. Die meisten leben in Flüssen und Seen der Tropen, einige auch im Meer. In Deutschland lebt der Wels, der über 2,5 Meter lang werden kann. Kleine Panzerwelse sind beliebte Aquarienfische.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Siluriformes |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Je nach Art von unter 2,5 cm bis 2,73 m (Europäischer Wels, größter sicher belegter Wert) |
| Körpergewicht | Je nach Art sehr verschieden; das schwerste sicher belegte Exemplar des Europäischen Welses wog 130 kg |
| Ernährung | Je nach Art sehr verschieden: Raubfische, Allesfresser, Algen- und Aufwuchsfresser, Fresser von abgestorbenem Material am Grund; einige Arten leben von Schleim, Schuppen oder Blut anderer Fische |
| Lebenserwartung | Je nach Art sehr verschieden |
| Sozialverhalten | Je nach Art Einzelgänger oder Schwarmfische; manche Panzerwelse leben in Gruppen von 20 bis 30 Tieren |
| Herkunft | Weltweit |
| Verbreitung | Auf allen Kontinenten außer der Antarktis, vor allem im Süßwasser der Tropen und gemäßigten Zonen; zwei Familien leben überwiegend im Meer AfrikaAsienEuropaNordamerikaSüdamerikaAustralienMeer |
| Entdeckung | Ordnung mit rund 4.400 gültigen Arten in 39 Familien (Summe der Familienangaben im Catalog of Fishes, Stand September 2026) |
| Sonstiges | Gruppenseite: Welsartige sind eine ganze Ordnung. Eine Gesamteinstufung auf der Roten Liste gibt es nicht, bewertet werden einzelne Arten. Der Europäische Wels gilt in Deutschland als ungefährdet (Rote Liste 2023). |
Was sind Welsartige?
Welsartige (Siluriformes) sind eine Ordnung der Knochenfische. Fast jeder erkennt einen Wels sofort: Typisch sind ein länglicher Körper, ein großes Maul, Barteln am Maul, eine Haut ohne Schuppen und Stacheln vor der Rücken- und den Brustflossen. Die Barteln sind so typisch, dass die Fische auf Englisch nach ihnen benannt sind: "catfish", also Katzenfisch.
Welsartige sind sehr artenreich. Eschmeyer's Catalog of Fishes ist das wichtigste Verzeichnis aller Fischarten. Zählt man dort die Angaben für alle 39 Familien der Welsartigen zusammen, kommt man auf rund 4.400 gültige Arten (Stand September 2026). Insgesamt kennt die Wissenschaft etwa 37.800 Fischarten. Eine Übersicht aus dem Jahr 2011 kam noch auf 3.407 Arten und schätzte, dass etwa jede zehnte Fischart ein Wels ist. Jedes Jahr werden neue Arten beschrieben: Nach derselben Zählung kamen von 2017 bis 2026 fast 700 neue Welsarten hinzu.
Doch nicht jeder Wels sieht aus wie ein typischer Wels. Manche haben statt nackter Haut Knochenplatten, manche sind durchsichtig, andere winzig klein und ohne Augen.
Körperbau: Barteln, Stacheln und nackte Haut
- Barteln: Die fleischigen Fäden am Maul sind das bekannteste Merkmal. Je nach Art gibt es unterschiedlich viele, und sie können lang oder sehr kurz sein. Bei manchen Harnischwelsen ist die Bartel nur ein kleiner Zipfel an der Lippe.
- Schmecken mit der Haut: Bei einem nordamerikanischen Wels, dem Channel Catfish, sitzen außergewöhnlich viele Geschmacksknospen nicht nur im Maul, sondern über die ganze Körperoberfläche verteilt. Sie reagieren sehr empfindlich auf Bausteine von Eiweiß. Forschende beschreiben Welse deshalb als "schwimmende Zungen".
- Keine Schuppen: Welse haben keine Schuppen. Einige Familien sind stattdessen mit Knochenplatten gepanzert, zum Beispiel die Panzerwelse und die Harnischwelse.
- Stacheln: Bei vielen Welsen sitzt vor der Rücken- und vor den Brustflossen ein kräftiger Stachel. Nicht alle Welse haben ihn, und bei manchen ist er nicht spitz.
Größe: Die Spanne ist riesig. Die Welse der südamerikanischen Familie Scoloplacidae werden nicht einmal 2,5 Zentimeter lang, und manche andere Arten bleiben unter 3 Zentimetern. Der größte sicher belegte Wels ist ein Europäischer Wels mit 2,73 Metern Länge.
Verbreitung und Lebensraum
Welsartige leben auf allen Kontinenten, nur in der Antarktis nicht. Dort hat man aber Fossilien gefunden. Die meisten Arten wohnen im Süßwasser der Tropen und der gemäßigten Zonen. Einige Arten aus Süßwasserfamilien gehen auch ins Salzwasser, und zwei Familien leben überwiegend im Meer. Die Meereswelse (Ariidae) gibt es an den Küsten aller Kontinente außer der Antarktis.
Besonders viele Arten gibt es in Südamerika. Fast vier von zehn Welsarten gehören zu einer Gruppe, die nur in Süd- und Mittelamerika vorkommt. Dazu zählen die Harnischwelse (Loricariidae), die mit über 1.000 Arten größte Welsfamilie, und die Panzerwelse.
Ernährung
So vielfältig wie ihr Aussehen ist auch die Nahrung:
- Räuber: Große Welse wie der Europäische Wels jagen nachts Fische und andere Wassertiere.
- Bodenputzer: Die meisten Panzerwelse der Gattung Corydoras fressen abgestorbenes Material am Gewässergrund. Beim Metallpanzerwels (Corydoras aeneus) stehen auch Würmer, Kleinkrebse, Insekten und Pflanzenteile auf dem Speiseplan.
- Raspler: Manche afrikanische Fiederbartwelse (Mochokidae) haben ein Saugmaul und Kiefer, mit denen sie Oberflächen unter Wasser abschaben.
- Blutsauger: Die südamerikanischen Candirus aus der Familie Trichomycteridae leben von anderen Fischen. Eine Gruppe frisst Schleim und Schuppen, eine andere ernährt sich von ihrem Blut.
Verhalten und Lebensweise
Manche Welse, etwa der Europäische Wels und der Metallpanzerwels, sind nachtaktiv. Andere Welse verhalten sich ganz erstaunlich:
- Glaswelse (Gattung Kryptopterus) haben einen durchsichtigen Körper und schwimmen in Schwärmen im freien Wasser. In trübem Wasser sind sie kaum zu sehen.
- Rückenschwimmer: Welse der afrikanischen Gattung Synodontis schwimmen oft mit dem Bauch nach oben unter der Wasseroberfläche. Sie richten sich dabei nach der nächsten Fläche aus. Nahe am Grund schwimmen sie normal.
- Strom erzeugen: Die afrikanischen Zitterwelse (Malapteruridae) haben ein elektrisches Organ aus umgebauten Muskeln. Ihre Schläge betäuben Beute und sind auch für Menschen schmerzhaft.
- Luft atmen: Panzerwelse können in sauerstoffarmem Wasser Luft schlucken und Sauerstoff über einen umgebauten Darm aufnehmen.
Fortpflanzung
Welse vermehren sich auf viele verschiedene Arten:
- Nestbau: Beim Europäischen Wels baut das Männchen ein Nest aus Pflanzenteilen und bewacht es, bis die Larven schlüpfen.
- Maulbrüter: Meereswelse legen nur wenige, sehr große Eier mit bis zu 13 Millimetern Durchmesser und tragen sie im Maul.
- Innere Befruchtung: Bei den Männchen der Falsch-Dornwelse (Auchenipteridae) ist die Afterflosse umgebaut. Damit befruchten sie die Eier im Körper des Weibchens.
- Kuckuckswels:Synodontis multipunctatus aus dem Tanganjikasee laicht über den Nestern von Buntbarschen. Die Buntbarsch-Männchen tragen die Welseier dann zusammen mit ihrem eigenen Nachwuchs im Maul. Die jungen Welse schlüpfen früher und fressen dann die Buntbarschlarven.
Der Europäische Wels: Riese in heimischen Gewässern
Der Wels (Silurus glanis), auch Europäischer Wels genannt, lebt in Europa und Asien und ist auch in Deutschland heimisch. Er gehört zur Familie Siluridae, deren Arten keine Fettflosse und eine sehr lange Afterflosse haben.
Aussehen: Er hat einen langen Körper ohne Schuppen, einen großen, breiten, abgeflachten Kopf und am Kinn zwei Paar Barteln. Die Afterflosse hat 83 bis 95 Strahlen und reicht fast bis zur Schwanzflosse.
Wie groß wird ein Wels? Lange hieß es, Welse könnten 5 Meter lang und 306 Kilogramm schwer werden. Diese Angaben beruhen nach heutigem Wissen auf Verwechslungen und Fehlern bei den Maßeinheiten. Die größten sicher belegten Welse waren 2,73 Meter lang und 130 Kilogramm schwer.
Lebensraum: Der Wels lebt in großen und mittelgroßen Flüssen des Tieflands, in Altarmen und in Seen mit vielen Pflanzen. Gelegentlich schwimmt er ins Brackwasser der Ostsee und des Schwarzen Meeres. Ursprünglich kommt er in den Einzugsgebieten von Nordsee, Ostsee, Schwarzem Meer, Kaspischem Meer und Aralsee vor, im Norden bis nach Südschweden und Finnland. In viele andere Teile Europas wurde er eingesetzt. Mehrere Länder berichten, dass er dort heimischen Arten schadet.
Nahrung: Der Wels jagt nachts am Grund und im freien Wasser. Junge Welse fressen viele verschiedene Wirbellose und Fische. Erwachsene Welse fressen vor allem Fische und andere Wirbeltiere, die im Wasser leben.
Fortpflanzung: Mit 2 bis 3 Jahren werden Welse geschlechtsreif. Die Männchen verteidigen kleine Reviere am Laichplatz. Sie bauen Nester aus Pflanzenmaterial oder säubern eine Unterlage wie Weidenwurzeln. Das Paar laicht gemeinsam, die Eier sind von einer klebrigen Schleimhülle umgeben. Das Männchen bewacht das Nest. Nach 2 bis 3 Tagen schlüpfen die Larven, sie bleiben im Nest, bis ihr Dottersack aufgebraucht ist.
Gefährdung: Auf der Roten Liste Deutschlands von 2023 gilt der Wels als ungefährdet. Er wird zwar als selten eingeschätzt, weil er meist nur in geringer Zahl vorkommt, doch seine Bestände nehmen seit vielen Jahren deutlich zu. Örtlich sind Welse dadurch bedroht, dass flache Laichplätze durch den Ausbau und die Regulierung von Flüssen verloren gehen.
Panzerwelse im Aquarium
Panzerwelse (Callichthyidae) leben in Südamerika und im Süden Mittelamerikas. Zu der Familie gehören rund 230 Arten, am bekanntesten ist die Gattung Corydoras. Diese Fische sind klein, meist unter 5 Zentimeter lang, und am Körper mit zwei Reihen von Knochenplatten bedeckt.
Luft schnappen: Viele Panzerwelse leben in Gewässern mit wenig Sauerstoff. Sie schwimmen dann zur Oberfläche, schlucken Luft und nehmen den Sauerstoff über den Darm auf. Bei Corydoras aeneus wurde beobachtet, dass er 1- bis 45-mal pro Stunde zum Luftholen auftaucht.
In der Gruppe: In der Natur leben erwachsene Corydoras aeneus in Schwärmen von 20 bis 30 Tieren. Sie halten sich gern in ruhigem, flachem Wasser mit weichem Grund auf und sind nachts aktiv. FishBase empfiehlt für die Aquarienhaltung Gruppen von mindestens 5 Tieren und ein Becken von mindestens 60 Zentimetern Länge.
Ungewöhnliche Fortpflanzung: Bei der Paarung bilden Männchen und Weibchen ein "T". Das Männchen stupst das Weibchen mit seinen Barteln an. Das Weibchen nimmt dabei Spermien mit dem Maul auf. Forschende fanden heraus, dass die Spermien durch ihren Darm wandern und zusammen mit den Eiern wieder austreten. Das Weibchen hält etwa 20 Eier zwischen seinen Bauchflossen und klebt sie an Steine oder Pflanzen. Nach mehreren Durchgängen sind es 100 bis 200 Eier. Bei 22 Grad schlüpfen die Jungen nach etwa 5 Tagen.
Häufige Fragen zu Welsartigen
Wie viele Welsarten gibt es?
Zählt man die Angaben im Catalog of Fishes für alle 39 Familien zusammen, sind es rund 4.400 gültige Arten (Stand September 2026). Jedes Jahr kommen neue Arten dazu, von 2017 bis 2026 waren es fast 700.
Woran erkennt man einen Wels?
Am sichersten an den Barteln am Maul. Dazu kommen meist eine nackte Haut ohne Schuppen, ein großes Maul und Stacheln vor Rücken- und Brustflossen. Es gibt aber Ausnahmen, etwa Welse mit Knochenpanzer oder winzige Arten ohne Augen.
Wie groß wird der Wels in Deutschland?
Die größten sicher belegten Europäischen Welse waren 2,73 Meter lang und 130 Kilogramm schwer. Ältere Angaben von 5 Metern gelten als Fehler.
Haben Welse Schuppen?
Nein. Welse haben eine nackte Haut ohne Schuppen. Manche Familien, etwa die Panzerwelse und Harnischwelse, sind dafür mit Knochenplatten gepanzert.
Kann man Panzerwelse allein halten?
Besser nicht. Panzerwelse leben in der Natur in Gruppen. FishBase empfiehlt, sie im Aquarium zu mindestens fünft zu halten, in einem Becken ab 60 Zentimetern Länge.
Gibt es Welse im Meer?
Ja, aber nur wenige Familien. Die Meereswelse leben an den Küsten aller Kontinente außer der Antarktis. Die meisten Welse leben jedoch in Flüssen und Seen.
Ähnliche Tiere
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- Fische - Überblick über alle Fische
Quellen
- Fricke, R., Eschmeyer, W.N. & Van der Laan, R. (Hrsg.): Eschmeyer's Catalog of Fishes - Genera/Species by Family/Subfamily, California Academy of Sciences (Stand 21. September 2026)
- Armbruster, J.W. (2011): Global catfish biodiversity. American Fisheries Society Symposium 77, 15-37
- Caprio, J. et al. (1993): The taste system of the channel catfish: from biophysics to behavior. Trends in Neurosciences 16, 192-197
- Silurus glanis (Wels catfish) - FishBase
- Corydoras aeneus (Bronze corydoras) - FishBase
- Wels (Silurus glanis) - Rote-Liste-Zentrum, nach Freyhof, J. et al. (2023): Rote Liste und Gesamtartenliste der sich im Süßwasser reproduzierenden Fische und Neunaugen Deutschlands
Größenvergleich
Mit 2,5 cm bis 2,73 m gehört der Welsartige zu den mittelgroßen Tieren in unserem Lexikon. Eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) ist dagegen kleiner, während ein Elefant mit 3,5 m noch etwas an Größe drauflegt. Stell dir vor: Der Welsartige ist ungefähr 60-mal so lang wie eine 1-Euro-Münze!