Abgottschlange

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Abgottschlange mit hell-dunkel gesattelter Zeichnung und rotbraunem Schwanz liegt eingerollt im Falllaub des Waldbodens
Bernard DUPONT from FRANCE / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0

Kurz erklärt

Die Abgottschlange, auch Boa constrictor genannt, ist eine ungiftige Riesenschlange aus Mittel- und Südamerika. Meist wird sie 2 bis 3 Meter lang. Sie umschlingt ihre Beute und drückt so lange zu, bis deren Herz stillsteht. Anders als viele andere Schlangen legt sie keine Eier, sondern bringt lebende Junge zur Welt.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameBoa constrictor
Abstammung
  • Klasse: Reptilien
  • Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
  • Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
  • Überfamilie: Boaartige (Booidea)
  • Familie: Boas (Boidae)
  • Unterfamilie: Boinae
  • Gattung: Boa
  • Art: Abgottschlange
KörpergrößeMeist 2 bis 3 m, Inselformen oft unter 2 m; Höchstlänge etwas über 4 m; Neugeborene etwa 50 cm. Weibchen werden meist größer als Männchen
KörpergewichtGroße erwachsene Tiere können mehr als 45 kg wiegen
ErnährungFleischfresser: vor allem kleine Säugetiere wie Ratten, Opossums und Fledermäuse sowie Vögel, dazu große Echsen
LebenserwartungIn freier Natur etwa 20 bis 30 Jahre; in Menschenobhut meist 25 bis 35 Jahre, höchstens rund 40 Jahre (Animal Diversity Web)
SozialverhaltenEinzelgänger, trifft Artgenossen nur zur Paarung
HerkunftMittel- und Südamerika
Verbreitung Im weiteren Sinn von Nordmexiko über Mittelamerika bis Nordargentinien, dazu Inseln in der Karibik und vor der Pazifikküste; Boa constrictor im engeren Sinn nur in Südamerika; in Südflorida eingeschleppt NordamerikaSüdamerika
EntdeckungErstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2021)
SonstigesIm Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) in Anhang II; die argentinische Unterart Boa constrictor occidentalis steht in Anhang I.

Was ist eine Abgottschlange?

Die Abgottschlange (Boa constrictor) ist eine Riesenschlange aus der Familie der Boas. Viele kennen sie unter ihrem wissenschaftlichen Namen „Boa constrictor“. Der Name verrät, wie sie jagt: Sie tötet ihre Beute durch Umschlingen und Zudrücken, auf Englisch „constriction“. Die Abgottschlange ist nicht giftig.

Sie lebt in Mittel- und Südamerika und kommt dort in sehr unterschiedlichen Landschaften vor, vom Regenwald bis zur Halbwüste. Gleichzeitig ist sie eine der bekanntesten Schlangen in Terrarien auf der ganzen Welt.

Eine Art oder mehrere?

Lange galt die Abgottschlange als eine einzige Art mit vielen Unterarten. Das Animal Diversity Web der Universität Michigan zählt mindestens neun Unterarten auf, die sich vor allem durch ihr Verbreitungsgebiet unterscheiden. Genetische Untersuchungen haben dieses Bild verändert:

  • Forschende um Hynková schlugen 2010 vor, die Boas aus Mittelamerika als eigene Art Boa imperator zu führen.
  • Die Reptile Database, ein Verzeichnis aller Reptilienarten, unterscheidet heute fünf Arten: Boa constrictor, Boa imperator, Boa sigma (Mexiko), Boa nebulosa (Insel Dominica) und Boa orophias (Insel St. Lucia).
  • Boa constrictor im engeren Sinn lebt danach nur in Südamerika. Meldungen aus Mittelamerika und der Karibik gehören zu den anderen Arten.

Abgeschlossen ist die Einteilung nicht. Ob zum Beispiel die Boas an der Atlantikküste Brasiliens eine eigene Art sind, ist umstritten. Diese Seite beschreibt die Abgottschlange im weiteren Sinn, so wie sie in vielen Büchern und in der Terraristik verstanden wird.

Aussehen und Körperbau

Größe: Abgottschlangen sind kleiner als ihr Ruf. Die meisten Tiere werden 2 bis 3 Meter lang, Abgottschlangen auf Inseln bleiben oft unter 2 Metern. Die größte gemeldete Länge liegt knapp über 4 Metern. Ausgewachsene Tiere können mehr als 45 Kilogramm wiegen. Neugeborene sind schon rund 50 Zentimeter lang.

Männchen und Weibchen: Weibchen werden meist größer als Männchen. Männchen haben dafür im Verhältnis einen längeren Schwanz, weil dort ihre paarigen Geschlechtsorgane, die Hemipenes, liegen.

Färbung: Der Grund ist cremefarben bis braun. Auf dem Rücken liegen dunkle, sattelförmige Flecken. Zum Schwanz hin werden sie auffälliger und oft rotbraun mit schwarzem oder cremefarbenem Rand. An den Flanken sitzen dunkle, rautenförmige Flecken. Am Kopf verlaufen drei typische Streifen: einer längs über die Kopfmitte und je ein dunkles Dreieck vor und hinter dem Auge. Je nach Lebensraum ist die Färbung verschieden und tarnt die Schlange. Sie kann hellbraun, grünlich, rot oder gelblich wirken. In Zuchten gibt es zusätzlich viele Farbformen, zum Beispiel Albinos.

Aftersporne: Neben der Kloake trägt die Abgottschlange zwei kleine Sporne. Es sind Reste der Hinterbeine. Männchen haben größere Sporne und setzen sie bei der Werbung um das Weibchen ein.

Sinne: Viele Verwandte haben Wärmegruben am Kopf, die Abgottschlange nicht. Sie verlässt sich auf ihre Zunge, die Duftstoffe zum Jacobsonschen Organ im Gaumen bringt, und auf gute Augen, die sogar ultraviolettes Licht wahrnehmen. Äußere Ohren hat sie nicht. Erschütterungen und Schall spürt sie über die Kieferknochen.

Zähne und Lunge: Die Zähne sind klein, gleich lang und nach hinten gebogen. Giftzähne fehlen. Ausgefallene Zähne werden laufend ersetzt. Wie Pythons besitzt die Abgottschlange zwei funktionsfähige Lungenflügel, die meisten Schlangen haben nur einen voll ausgebildeten.

Verbreitung und Lebensraum

Im weiteren Sinn reicht das Verbreitungsgebiet vom Norden Mexikos über Mittelamerika bis nach Südamerika. Östlich der Anden kommt sie bis in den Norden Argentiniens vor, westlich der Anden bis nach Peru. Dazu kommen Inseln vor der Pazifikküste und in der Karibik, zum Beispiel Trinidad und Tobago. Meist lebt sie zwischen Meereshöhe und etwa 1.000 Metern.

Boa constrictor im engeren Sinn bewohnt unter anderem Kolumbien, Venezuela, Guyana, Suriname, Französisch-Guayana, Peru, Bolivien, Brasilien, Paraguay und Argentinien. Auf Aruba und in Südflorida wurde sie vom Menschen eingeschleppt.

Keine andere Boa besiedelt so viele verschiedene Lebensräume. Am häufigsten ist sie an Lichtungen und Rändern von Regenwäldern. Sie lebt aber auch in Trockenwäldern, Grasland, Dornbuschland und Halbwüsten, auf Feldern und in der Nähe von Siedlungen. Oft hält sie sich an Bächen und Flüssen auf. Sie kann gut schwimmen, bleibt aber lieber an Land.

Die Abgottschlange klettert und lebt zugleich am Boden. Jungtiere sind öfter in Bäumen unterwegs, ältere und schwerere Tiere mehr am Boden. Als Versteck nutzen sie hohle Stämme und die Baue mittelgroßer Säugetiere.

Ernährung

Die Abgottschlange ist ein Fleischfresser und nicht wählerisch. Hauptsächlich frisst sie kleine Säugetiere und Vögel, grundsätzlich aber jedes Tier, das sie überwältigen und verschlingen kann. Genannt werden zum Beispiel große Echsen, Opossums, Fledermäuse, Mungos, Ratten und Hörnchen.

Meist ist sie ein Lauerjäger: Sie wartet, bis ein Beutetier vorbeikommt, und schnellt dann vor, etwa von einem Ast aus. Ist die Nahrung knapp, sucht sie aktiver nach Beute.

So tötet sie ihre Beute:

  • Sie packt das Tier mit ihren gebogenen Zähnen und schlingt sich darum.
  • Sie drückt so fest zu, dass das Herz des Beutetiers kein Blut mehr durch den Körper pumpen kann. Fachleute sprechen von einem Kreislaufstillstand. Das Beutetier stirbt also nicht, weil seine Knochen brechen oder es erstickt, wie oft angenommen wird.
  • Ein Experiment mit Abgottschlangen zeigte 2012: Die Schlangen spüren den Herzschlag ihrer Beute. Solange er zu fühlen ist, drücken sie länger und stärker. Hört er auf, lassen sie bald los. Auch Schlangen, die noch nie lebende Beute gefressen hatten, reagierten so. Das Verhalten ist also zumindest teilweise angeboren.

Danach verschlingt die Schlange die Beute im Ganzen. Bis eine Mahlzeit verdaut ist, vergehen 4 bis 6 Tage.

Für Menschen ist die Abgottschlange nützlich: Sie frisst Ratten und Opossums, die in manchen Gegenden als Schädlinge gelten. In einigen Orten Südamerikas holen Menschen Abgottschlangen sogar ins Haus, damit sie dort Ratten fangen.

Verhalten und Lebensweise

Abgottschlangen sind Einzelgänger. Mit Artgenossen treffen sie sich nur zur Paarung. Aktiv sind sie vor allem nachts und in der Dämmerung. Bei kühlem Wetter legen sie sich in die Sonne, um sich aufzuwärmen.

Wie alle Schlangen häuten sie sich regelmäßig, Jungtiere öfter als erwachsene. Vor der Häutung bildet sich unter der alten Haut eine Flüssigkeit, die auch die Augen milchig trübt. Weil sie dann schlecht sehen, bleiben die Tiere oft einige Tage ruhig liegen. Die alte Haut reißt an der Schnauze auf und wird nach hinten abgestreift.

Fühlt sich eine Abgottschlange bedroht, beißt sie zu. Über ihre natürlichen Feinde ist wenig bekannt. Vor allem Jungtiere werden aber von Reptilien, Greifvögeln und Säugetieren gefressen.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Die Paarungszeit liegt meist in der Trockenzeit, oft zwischen April und August. Wenn die Regenzeit endet, machen sich die Männchen auf die Suche nach den weit verstreut lebenden Weibchen. Ein paarungsbereites Weibchen gibt aus der Kloake einen Duftstoff ab. Männchen und Weibchen paaren sich in einer Saison oft mit mehreren Partnern.

Viele Weibchen bekommen nicht jedes Jahr Junge. Nur etwa die Hälfte pflanzt sich in einem Jahr fort, und nur dann, wenn sie in guter körperlicher Verfassung ist.

  • Lebendgebärend: Die Jungen entwickeln sich im Körper der Mutter. Das Weibchen legt keine Eier.
  • Tragzeit: 5 bis 8 Monate, je nach Temperatur.
  • Wurfgröße: 10 bis 64 Junge, im Durchschnitt etwa 25.
  • Jungtiere: Sie sind bei der Geburt rund 50 Zentimeter lang und nach wenigen Minuten selbstständig. Die Mutter kümmert sich nicht um sie.
  • Geschlechtsreife: mit 2 bis 3 Jahren.

Eine Besonderheit: Forschende fanden Hinweise darauf, dass Abgottschlangen-Weibchen auch ohne Männchen Nachwuchs bekommen können. Diese Jungfernzeugung heißt Parthenogenese.

Wie alt werden Abgottschlangen? In freier Natur etwa 20 bis 30 Jahre. In Menschenobhut leben sie meist 25 bis 35 Jahre, einzelne Tiere bis etwa 40 Jahre.

Gefährdung und Schutz

Die Rote Liste der IUCN stuft Boa constrictor seit 2021 als nicht gefährdet (LC) ein. Die Art ist weit verbreitet und kommt mit vielen Lebensräumen zurecht.

Regional sieht es anders aus. Manche Bestände, besonders auf Inseln, sind durch Fang für den Tierhandel und durch Verfolgung stark geschrumpft. Auf dem Festland werden Abgottschlangen wegen ihrer Haut, ihres Fleisches und anderer Körperteile gejagt. Dazu kommen der Verlust von Lebensraum und der Tod auf Straßen.

Im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) steht die Art in Anhang II, der Handel wird also kontrolliert. Die Unterart Boa constrictor occidentalis aus Argentinien steht sogar in Anhang I.

Problem Florida: Manche Halter setzen Abgottschlangen aus, wenn sie zu groß geworden sind. In Südflorida gibt es inzwischen sich fortpflanzende Bestände. Dort fressen die Schlangen auch Tierarten, die ohnehin bedroht sind.

Abgottschlangen im Terrarium

Abgottschlangen gehören zu den beliebtesten Terrarienschlangen. Viele stammen aus Zuchten, die es schon seit vielen Generationen gibt. Der Smithsonian-Zoo in Washington warnt aber: Viele Käufer unterschätzen, wie schnell aus einem kleinen Jungtier eine große Schlange wird. Wer eine Abgottschlange hält, muss mit 25 Jahren und mehr rechnen.

In Deutschland gibt das Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien vom 10. Januar 1997 Richtwerte vor. Für Boas gilt:

  • Terrariengröße, bezogen auf die Gesamtlänge der Schlange: Bei Tieren unter 1,5 Metern mindestens 1,0 × 0,5 × 0,75 (Länge × Tiefe × Höhe), bei größeren Tieren 0,75 × 0,5 × 0,75. Diese Faktoren werden mit der Körperlänge malgenommen. Ein Rechenbeispiel: Bei einer 2 Meter langen Boa kommt man so auf etwa 1,5 × 1 × 1,5 Meter. Die Werte sind Richtwerte und gelten in der Regel für höchstens zwei etwa gleich große Tiere.
  • Klima: tagsüber 20 bis 30 °C, nachts Abkühlung auf 20 bis 22 °C, an einer Wärmestelle bis 30 bis 35 °C. Das Licht soll etwa 12 Stunden am Tag brennen.
  • Einrichtung: ein Badebecken, Kletteräste und Verstecke.
  • Herkunft: Nachzuchten ist grundsätzlich der Vorzug zu geben.

Große Schlangen sollten vorsichtig gehandhabt werden, besonders beim Füttern. Eine hungrige Schlange beißt und umschlingt fast automatisch. Sehr große Tiere sollten nur zu zweit gefüttert oder angefasst werden. Eine Abgottschlange darf außerdem nie ausgesetzt werden.

Häufige Fragen zur Abgottschlange

Ist die Abgottschlange giftig?

Nein. Die Abgottschlange hat keine Giftzähne. Sie tötet ihre Beute durch Umschlingen. Ihr Biss ist schmerzhaft, gilt aber als ungefährlich, wenn er ärztlich versorgt wird.

Wie groß wird eine Abgottschlange?

Meist 2 bis 3 Meter, Inselformen bleiben oft unter 2 Metern. Die größten gemeldeten Tiere waren etwas über 4 Meter lang. Große Abgottschlangen können mehr als 45 Kilogramm wiegen.

Ist eine Abgottschlange für Menschen gefährlich?

Kaum. Menschen, auch kleine Kinder, sind viel zu groß, um als Beute infrage zu kommen. Abgottschlangen greifen fast nur zur Verteidigung an. Bei großen Tieren im Terrarium ist trotzdem Vorsicht nötig.

Legt die Abgottschlange Eier?

Nein. Die Jungen entwickeln sich im Bauch der Mutter und kommen lebend zur Welt. Ein Wurf umfasst 10 bis 64 Junge, im Schnitt etwa 25.

Was frisst eine Abgottschlange?

Vor allem kleine Säugetiere wie Ratten, Opossums und Fledermäuse sowie Vögel. Sie frisst aber fast jedes Tier, das sie überwältigen und verschlingen kann, zum Beispiel auch große Echsen.

Warum heißt sie Boa constrictor?

Das englische Wort „constriction“ bedeutet Einschnüren. Die Schlange umschlingt ihre Beute und drückt zu, bis deren Herz nicht mehr pumpen kann. Der wissenschaftliche Name stammt von Carl von Linné, der die Art 1758 beschrieb.

Ähnliche Tiere

  • Anakonda - eine Verwandte aus derselben Familie und eine der größten Schlangen der Welt
  • Königspython - eine kleinere Riesenschlange aus Afrika, die ebenfalls oft im Terrarium lebt
  • Kornnatter - eine ungiftige Terrarienschlange aus Nordamerika, die ihre Beute auch umschlingt
  • Ringelnatter - eine heimische, ungiftige Schlange

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Abgottschlange
1 bis 4 m

Eine Abgottschlange erreicht eine Körpergröße von 1 bis 4 m. Damit passt sie bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und eine Giraffe (5,5 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Die Abgottschlange ist etwa 11-mal so groß wie ein Fußball.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Abgottschlange
45 kg

Eine Abgottschlange bringt 45 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Kind (25 kg), aber leichter als ein Erwachsener (75 kg).