Adeliepinguin
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Kurz erklärt
Der Adeliepinguin ist ein etwa 70 Zentimeter großer, schwarz-weißer Pinguin mit einem weißen Ring um jedes Auge. Er lebt rund um die Antarktis und brütet an eisfreien Küsten. Sein Nest baut er aus kleinen Steinen, die er manchmal bei den Nachbarn stiehlt. Er frisst vor allem Krill. Durch den Klimawandel nehmen die Bestände in manchen Gebieten ab, in anderen wachsen sie.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Pygoscelis adeliae |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 70 cm |
| Körpergewicht | 3 bis 6 kg |
| Ernährung | Fleischfresser: vor allem Krill, außerdem kleine Fische, Flohkrebse und Tintenfische |
| Lebenserwartung | 10 bis 20 Jahre (Australian Antarctic Division) |
| Sozialverhalten | Sehr gesellig; brütet in großen Kolonien und rastet in Gruppen auf dem Meereis |
| Herkunft | Antarktis |
| Verbreitung | Rund um die Küste der Antarktis und auf vorgelagerten Inseln, wo eisfreie Felsen zugänglich sind; außerhalb der Brutzeit im Packeisgürtel AntarktisMeer |
| Entdeckung | 1840 von der französischen Antarktis-Expedition unter Jules Dumont d’Urville entdeckt, 1841 von Hombron und Jacquinot beschrieben |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2020) |
| Sonstiges | Weltbestand etwa 3,79 Millionen Brutpaare. Die Danger-Inseln an der Spitze der Antarktischen Halbinsel beherbergen rund 750.000 Brutpaare, darunter die dritt- und viertgrößte Kolonie der Welt. |
Der Adeliepinguin im Überblick
Der Adeliepinguin (Pygoscelis adeliae) ist der klassische schwarz-weiße Pinguin der Antarktis. Laut der Australian Antarctic Division ist er eine von nur fünf Pinguinarten, die auf dem antarktischen Kontinent leben. Die anderen vier sind Kaiserpinguin, Eselspinguin, Zügelpinguin und Goldschopfpinguin (englisch macaroni penguin). Am nächsten verwandt ist er mit dem Eselspinguin und dem Zügelpinguin, die zur selben Gattung Pygoscelis gehören.
Name: Entdeckt wurde der Adeliepinguin 1840 von einer französischen Antarktis-Expedition unter dem Seefahrer Jules Dumont d’Urville. Er benannte das Adélieland in der Antarktis nach seiner Frau Adèle. Die Forscher Jacques Hombron und Charles Jacquinot gaben auch dem Pinguin diesen Namen.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht: Ein Adeliepinguin ist etwa 70 Zentimeter groß und wiegt 3 bis 6 Kilogramm. Männchen und Weibchen sind etwa gleich groß und von außen kaum zu unterscheiden.
Gefieder: Kopf, Gesicht, Kinn und Rücken sind schwarz, der Bauch ist weiß. Sein wichtigstes Erkennungszeichen ist der weiße Ring um jedes Auge. Sonst hat sein Gesicht keinen Schmuck. Beim Imponieren stellt er die Federn am Hinterkopf auf, sodass ein eckiger Schopf entsteht.
Schnabel und Schwanz: Ein großer Teil des Schnabels ist von Federn bedeckt. Deshalb wirkt der sichtbare Schnabel kurz und stumpf. Der Schwanz ist für einen Pinguin recht lang.
Jungvögel: Junge Adeliepinguine sehen anders aus als die Eltern: Ihr Kinn ist weiß, und der weiße Augenring fehlt oft oder ist nur schwach zu sehen. Der Rücken ist dunkelblau, wenn sie die Kolonie verlassen. Man kann sie mit jungen Zügelpinguinen verwechseln. Bei diesen verläuft die Grenze zwischen Schwarz und Weiß aber über dem Auge, beim jungen Adeliepinguin darunter.
Verbreitung und Lebensraum
Adeliepinguine leben rund um die Antarktis und entfernen sich nur selten weit von der Küste oder vom Meereis. Sie brüten überall dort, wo es an der Küste eisfreie Felsen gibt, auch auf kleinen vorgelagerten Inseln. Oft brüten sie in der Nähe von Esels- oder Zügelpinguinen, aber jede Art hat ihre eigenen Kolonien.
Im Winter: Außerhalb der Brutzeit leben Adeliepinguine im Packeis rund um die Antarktis. Über diese Zeit wissen Forschende viel weniger als über den Sommer. Mit Satellitensendern haben sie herausgefunden, dass die Pinguine mehr als 1.200 Kilometer weit von ihrem Brutplatz wegschwimmen können.
Irrgäste: Nur sehr selten verirrt sich ein Adeliepinguin weit nach Norden. In Neuseeland wurden bisher erst acht Adeliepinguine gefunden.
Unterwegs: Adeliepinguine sind gute Schwimmer und ausdauernde Wanderer. Auf dem Eis laufen sie im Schnitt 2,5 Kilometer pro Stunde, im Wasser schwimmen sie 4 bis 8 Kilometer pro Stunde. Liegt genug Schnee, lassen sie sich auf den Bauch fallen und rutschen wie auf einem Schlitten.
Ernährung
Adeliepinguine fressen vor allem Krill, das sind kleine Krebstiere. Dazu kommen in kleineren Mengen Fische, Flohkrebse und Tintenfische.
Was sie fressen, hängt davon ab, wo sie jagen. In der Nähe der Kolonie, im Umkreis von 20 Kilometern, fangen sie vor allem Fische, Flohkrebse und Eiskrill (Euphausia crystallorophias). Weiter draußen im Meer fressen sie vor allem Antarktischen Krill (Euphausia superba).
Tauchen: Meist jagen Adeliepinguine nicht tiefer als 40 bis 70 Meter. Sie können aber bis zu 175 Meter tief tauchen.
Lange Wege zum Futter: Während der Brutzeit schwimmen die Eltern 5 bis 120 Kilometer weit hinaus, um Futter für ihre Küken zu holen. Ein Ausflug dauert 5 bis 72 Stunden. Ist das Meereis vor der Kolonie noch nicht aufgebrochen, müssen sie manchmal über 50 Kilometer über das Eis laufen, bis sie das offene Meer erreichen.
Fortpflanzung: das Nest aus Steinen
Ankunft: Im September und Oktober kommen die Adeliepinguine zu ihren Kolonien. Gebrütet wird an Land zwischen Oktober und Februar. Wenn möglich kehrt jeder Pinguin zu seinem alten Nest und zu seinem Partner zurück.
Steinnester: Im Frühling baut der Adeliepinguin sein Nest aus kleinen Steinen, die er auf eisfreiem Boden sammelt. Die Steine halten Eier und Küken trocken. Das ist wichtig, denn Schmelzwasser und Regen können Nester überfluten, sodass Eier und kleine Küken ertrinken. Deshalb wählen die Pinguine gern einen leicht abschüssigen Platz, damit das Wasser abfließen kann.
Steinediebe: Adeliepinguine stehlen oft Steine aus den Nestern ihrer Nachbarn oder suchen sie in der ganzen Kolonie zusammen. Eine Studentin des Institute for Marine and Antarctic Studies wertete 45.000 Fotos von Kameras in den Kolonien aus. Ihr Ergebnis: Je mehr Steine im Nest liegen, desto besser stehen die Chancen, dass mindestens ein Küken überlebt. Höhere Nester liegen weiter weg von Schnee und Nässe.
Eier: Mitte November liegen meist zwei Eier im Nest. Beide Eltern brüten abwechselnd, während der andere Futter sucht. Die ersten beiden Brutschichten dauern jeweils 11 bis 14 Tage, danach werden die Schichten kürzer. Nach 30 bis 43 Tagen schlüpfen die Küken im Dezember.
Küken: Die Eltern wechseln sich alle paar Tage beim Bewachen und Füttern ab. Sie würgen Krill und Fisch für die Küken hervor. Eine Mahlzeit wiegt etwa 300 bis 650 Gramm. Auf der Béchervaise-Insel nehmen die Küken rund 80 Gramm pro Tag zu.
Kindergarten: Mit etwa drei Wochen, im Januar, sind die Küken groß genug, um allein zu bleiben. Dann gehen beide Eltern gleichzeitig auf Futtersuche. Die Küken drängen sich in Gruppen zusammen, die Schutz und Wärme geben.
Erwachsen werden: Im Februar tauschen die Küken ihre Daunen gegen das Federkleid der Erwachsenen. Mit 7 bis 9 Wochen gehen sie zum ersten Mal ins Meer. Die meisten kehren erst mit 3 bis 5 Jahren zur Kolonie zurück, wenn sie selbst brüten können.
Alter: Die Australian Antarctic Division nennt eine Lebenserwartung von 10 bis 20 Jahren. New Zealand Birds Online gibt als bekanntes Höchstalter 16 Jahre an.
Stimme
Eine Adeliepinguin-Kolonie ist sehr laut. Der Hauptruf der Erwachsenen ist ein lautes, pulsierendes "arr-rar-rar-rar-raah", oft gefolgt von einem hallenden "kug-gu-gu-gu-gaaaa". An Land, auf dem Eis und im Wasser halten sie mit einem scharfen "aark" Kontakt.
Feinde
Der wichtigste Feind ausgewachsener Adeliepinguine ist der Seeleopard. In den Kolonien rauben Raubmöwen Eier und Küken.
Bestand: Millionen Pinguine
Weltweit gibt es etwa 3,79 Millionen Brutpaare von Adeliepinguinen. Rund ein Drittel davon, etwa 1,29 Millionen Paare, lebt im Rossmeer südlich von Neuseeland. Allein am Kap Adare brüten rund 250.000 Paare, am Kap Crozier etwa 170.000.
Wachsende Kolonien: Auf den Windmill-Inseln bei der australischen Forschungsstation Casey wird der Bestand seit rund 60 Jahren beobachtet. In den 1950er-Jahren brüteten dort etwa 30.000 Paare, heute sind es fast 200.000. Allein auf Shirley Island leben 40.000 brütende Adeliepinguine auf weniger als einem Quadratkilometer.
Entdeckung auf den Danger-Inseln: Im Dezember 2015 zählte ein Forschungsteam die Pinguine auf den Danger-Inseln an der Nordspitze der Antarktischen Halbinsel, unter anderem mit Drohnen. Das Ergebnis überraschte: Dort brüten rund 751.500 Paare, mehr als in der ganzen übrigen Region der Antarktischen Halbinsel zusammen. Auf Heroína Island und Beagle Island liegen die dritt- und viertgrößte Adeliepinguin-Kolonie der Welt. Mehrere dieser Kolonien waren bei früheren Zählungen gar nicht bekannt. Die Studie zeigt, dass sich solche Kolonien auf Satellitenbildern aufspüren lassen, zum Beispiel an den Verfärbungen durch Pinguinkot.
Klimawandel: Gewinner und Verlierer
Die Rote Liste der IUCN stuft den Adeliepinguin in ihrer Einstufung von 2020 als nicht gefährdet (Least Concern, LC) ein. Trotzdem verändert der Klimawandel sein Leben stark.
Unterschiedliche Entwicklung: Das Klima der Antarktis ändert sich nicht überall gleich. An der Westseite der Antarktischen Halbinsel wird es wärmer, in Teilen des Kontinents dagegen kühler. Entsprechend unterschiedlich entwickeln sich die Pinguine:
- Abnahme im Norden: Auf der Antarktischen Halbinsel und den Südlichen Orkneyinseln sind die Bestände zurückgegangen, zwischen 1983/84 und 2004/05 um 32 Prozent. Eine Studie von 2018 nennt für die Westseite der Halbinsel sowie die Südlichen Shetland- und Orkneyinseln einen Rückgang um etwa 70 Prozent in den letzten Jahrzehnten.
- Zunahme im Süden: Im Rossmeer und in Teilen der Ostantarktis wachsen die Bestände dagegen.
Warum warmes Wasser schadet: Schrumpfende Kolonien erlebten häufiger Jahre mit ungewöhnlich warmem Meerwasser als wachsende. Warmes Wasser kann bedeuten, dass es weniger Futter gibt. Regen und Schmelzwasser können außerdem Nester überfluten, und Schneestürme können Kolonien schwer treffen.
Blick in die Zukunft: Eine Studie von 2016 berechnete mit Klimamodellen, dass bis 2060 etwa ein Drittel der heutigen Kolonien zurückgehen könnte. Das entspricht rund 20 Prozent aller Adeliepinguine. Auf dem antarktischen Festland könnten aber auch nach 2099 noch Rückzugsgebiete bleiben. Wahrscheinlich wird sich das Verbreitungsgebiet nach Süden zurückziehen.
Weitere Gefahren: Mehr Touristen in der Antarktis, die Nutzung von Bodenschätzen und Forschungsstationen auf den seltenen eisfreien Flächen, die die Pinguine zum Brüten brauchen. Andererseits können zerfallende Schelfeise neues Land freigeben, auf dem Pinguine brüten könnten.
Häufige Fragen zum Adeliepinguin
Wie groß und schwer wird ein Adeliepinguin?
Ein Adeliepinguin ist etwa 70 Zentimeter groß und wiegt 3 bis 6 Kilogramm. Männchen und Weibchen sind fast gleich groß.
Warum baut der Adeliepinguin ein Nest aus Steinen?
Die Steine heben Eier und Küken über den Boden. So bleiben sie trocken, wenn Schnee schmilzt oder es regnet. Nester mit vielen Steinen bringen mehr Küken durch, deshalb stehlen Adeliepinguine sogar Steine bei den Nachbarn.
Was frisst ein Adeliepinguin?
Vor allem Krill. Dazu kommen kleine Fische, Flohkrebse und Tintenfische. In der Nähe der Kolonie fängt er eher Fische und Eiskrill, weiter draußen Antarktischen Krill.
Wo lebt der Adeliepinguin?
Rund um die Antarktis. Er brütet an eisfreien Küsten und auf kleinen Inseln, im Winter lebt er im Packeis.
Wie viele Adeliepinguine gibt es?
Weltweit gibt es etwa 3,79 Millionen Brutpaare. Rund ein Drittel davon brütet im Rossmeer.
Ist der Adeliepinguin durch den Klimawandel bedroht?
Weltweit gilt er laut IUCN als nicht gefährdet. Wo das Meer wärmer wird, etwa an der Antarktischen Halbinsel, gehen die Bestände aber stark zurück. Forschende erwarten, dass sich sein Verbreitungsgebiet nach Süden zurückzieht.
Ähnliche Tiere
- Eselspinguin - naher Verwandter aus derselben Gattung Pygoscelis
- Zügelpinguin - ebenfalls aus der Gattung Pygoscelis
- Kaiserpinguin - lebt ebenfalls auf dem antarktischen Kontinent
- Goldschopfpinguin - lebt ebenfalls auf dem antarktischen Kontinent
- Zwergpinguin - der kleinste Pinguin der Welt
Quellen
- BirdLife International (2020): Pygoscelis adeliae. The IUCN Red List of Threatened Species 2020
- Adélie penguin. Australian Antarctic Division, Australian Government
- Ellenbroek, B. (2013, aktualisiert 2025): Adelie penguin. In: Miskelly, C. M. (Hrsg.): New Zealand Birds Online
- Cimino, M. A., Lynch, H. J., Saba, V. S. & Oliver, M. J. (2016): Projected asymmetric response of Adélie penguins to Antarctic climate change. Scientific Reports 6, 28785
- Borowicz, A. et al. (2018): Multi-modal survey of Adélie penguin mega-colonies reveals the Danger Islands as a seabird hotspot. Scientific Reports 8, 3926
Größenvergleich
Ein Adeliepinguin erreicht eine Körpergröße von 70 cm. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Adeliepinguin ist etwa 3-mal so groß wie ein Fußball.
Gewichtsvergleich
Ein Adeliepinguin bringt 3 bis 6 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Der Adeliepinguin wiegt so viel wie etwa 10 Fußbälle.