Adler

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Steinadler mit weit ausgebreiteten braunen Flügeln im Flug vor einem verschneiten Berghang und blauem Himmel
Giles Laurent / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kurz erklärt

Adler sind große, kräftige Greifvögel mit einem starken Hakenschnabel und breiten Flügeln. "Adler" ist aber kein Name für eine einzige Tiergruppe: Seeadler, Steinadler, Schlangenadler und die Harpyie gehören zu verschiedenen Gruppen der Habichtartigen. In Deutschland leben vor allem der Seeadler im Norden und der Steinadler in den Alpen. Beide waren stark bedroht, heute erholen sich ihre Bestände wieder.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameAccipitridae (mehrere Gattungen, z. B. Aquila, Haliaeetus, Circaetus, Harpia)
Abstammung
  • Klasse: Vögel
  • Ordnung: Greifvögel (Accipitriformes)
  • Familie: Habichtartige (Accipitridae)
KörpergrößeJe nach Art sehr verschieden: Zwergadler bis 53 cm, Seeadler 76 bis 92 cm, Harpyie 89 bis 102 cm; Flügelspannweite meist über 1,2 m, beim Seeadler 180 bis 240 cm
KörpergewichtMeist 1 bis 7 kg; Weibchen der Harpyie 7 bis 9 kg
ErnährungFleischfresser: je nach Art Säugetiere, Vögel, Fische, Reptilien oder Aas
SozialverhaltenPaarweise; Seeadler leben meist in Dauerehe, Steinadler sind monogam und verteidigen ihr Revier oft gemeinsam
Verbreitung Auf allen Kontinenten außer der Antarktis; in Deutschland vor allem Seeadler (Norddeutschland) und Steinadler (nur in den Alpen) AfrikaAsienEuropaNordamerikaSüdamerikaAustralien
SonstigesSammelbegriff ohne eigene systematische Einheit. Beispiele mit Einstufung der IUCN: Seeadler (Haliaeetus albicilla, LC 2021), Steinadler (Aquila chrysaetos, LC 2021), Schlangenadler (Circaetus gallicus, LC 2021), Habichtsadler (Aquila fasciata, LC 2025), Harpyie (Harpia harpyja, VU 2021), Steppenadler (Aquila nipalensis, EN 2021). In Deutschland brüten etwa 1.100 Seeadlerpaare.

Was ist ein Adler?

Adler sind große Greifvögel mit einem mächtigen Hakenschnabel, langen, breiten Flügeln und kräftigen Fängen. Sie fliegen kraftvoll, und die großen Arten können ausgezeichnet segeln. Die meisten Adler stoßen im Flug auf ihre Beute herab, einige fressen auch Aas.

Wichtig zu wissen: "Adler" ist kein wissenschaftlicher Gruppenname. Das Lexikon der Biologie beschreibt "Adler" im weiten Sinn als Sammelbezeichnung für verschiedene Gattungen und Arten großer Greifvögel aus der Familie der Habichtartigen (Accipitridae). Zu dieser Familie gehören zum Beispiel auch die Geier der Alten Welt. Im engen Sinn meint man mit "Adler" nur die Echten Adler der Gattung Aquila, zum Beispiel den Steinadler.

Welche Adler gibt es?

Forscher haben die Verwandtschaft der Habichtartigen mit Erbgut-Untersuchungen geprüft. Sie unterscheiden vier große Gruppen von Adlern. Dabei kam heraus, dass nicht alle davon wirklich eng miteinander verwandt sind.

GruppeEnglischer NameBeispieleNatürliche Verwandtschaftsgruppe?
Seeadlersea eaglesSeeadler (Haliaeetus albicilla), Weißkopfseeadler (Haliaeetus leucocephalus)ja
Echte Adler und ihre Verwandtenbooted eaglesSteinadler (Aquila chrysaetos) und andere Arten der Gattung Aquilaja
Schlangenadlersnake eaglesSchlangenadler (Circaetus gallicus)nein
Harpyienadlerharpy eaglesHarpyie (Harpia harpyja)nein
  • Seeadler: Zu dieser Gruppe gehören der europäische Seeadler und der Weißkopfseeadler aus Nordamerika. Der Seeadler lebt an Gewässern und frisst viel Fisch.
  • Echte Adler der Gattung Aquila kommen außer in Südamerika auf allen Kontinenten vor. Dazu zählt der Steinadler. Das Lexikon der Biologie stellt in diesem Zusammenhang auch den Habichtsadler (Aquila fasciata) und den Zwergadler (Hieraaetus pennatus) vor. Der Habichtsadler wird bis 74 Zentimeter groß und lebt in felsigen Gebirgen Nordafrikas und Südeurasiens, wo er Vögel und kleine Säugetiere schlägt. Der Zwergadler ist mit bis zu 53 Zentimetern nur etwa so groß wie ein Bussard.
  • Schlangenadler und Harpyienadler sind nach den Erbgut-Untersuchungen dagegen keine natürlichen Verwandtschaftsgruppen. Früher hat man ihre Mitglieder nach Körperbau und Lebensweise zusammengefasst. Tatsächlich sind sie aber nicht alle eng miteinander verwandt.

Aussehen und Körperbau

Größe: Adler sind sehr unterschiedlich groß. Der Zwergadler misst höchstens 53 Zentimeter. Der Seeadler wird 76 bis 92 Zentimeter groß, die Harpyie aus Mittel- und Südamerika 89 bis 102 Zentimeter. Die Flügelspannweite liegt bei den meisten Adlern über 1,2 Meter. Beim Seeadler erreicht sie 180 bis 240 Zentimeter, beim Steinadler etwa 2 Meter.

Gewicht: Die meisten Adler wiegen 1 bis 7 Kilogramm. Weibliche Harpyien bringen sogar 7 bis 9 Kilogramm auf die Waage, die Männchen 5 bis 8 Kilogramm.

Weibchen sind größer: Bei Steinadler und Harpyie sind die Weibchen größer als die Männchen. Beim Steinadler erreichen Weibchen eine Spannweite von bis zu 2,30 Metern, Männchen etwa 1,80 Meter.

Typische Merkmale:

  • Schnabel: groß, kräftig und hakenförmig
  • Flügel: lang und breit. Beim Seeadler sind die Flügel stark "gefingert", die einzelnen Schwungfedern an der Flügelspitze stehen also wie Finger auseinander.
  • Fänge: Die Krallen der Harpyie werden bis zu 12,5 Zentimeter lang.

Die heimischen Adler

Seeadler

Der Seeadler (Haliaeetus albicilla) ist ein riesiger Greifvogel mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,40 Metern. Ausgewachsene Seeadler sind dunkelbraun mit hellerem Kopf und einem leuchtend weißen Schwanz. Im Flug erkennt man ihn an den breiten, brettartigen Flügeln, dem kurzen Schwanz und dem lang nach vorne gestreckten Hals.

  • Lebensraum: vor allem Norddeutschland, an Küsten, großen Seen und Flüssen. Er brütet in Wäldern mit alten, stabilen Bäumen oder an Klippen.
  • Nahrung: am liebsten Fische dicht unter der Wasseroberfläche, außerdem Säugetiere, Vögel und Aas. Meist erbeutet er kranke oder schwache Tiere, er kann aber Fische bis 5 Kilogramm und Vögel bis zur Größe einer Graugans überwältigen.
  • Horst: Sein Nest kann einen Durchmesser von bis zu 2 Metern erreichen.
  • Lebensweise: Seeadler leben meist in Dauerehe und sind bei uns Standvögel, sie bleiben also auch im Winter in Deutschland.

Steinadler

Der Steinadler (Aquila chrysaetos) ist knapp einen Meter lang. In den Alpen sind Steinadler braun bis schwarz mit einem weißen Feld auf den Flügeln, der Nacken ist gelblich bis hell rötlich-braun. Typisch sind der lange Schwanz und die s-förmig geschwungenen Flügel.

  • Lebensraum: In Deutschland lebt der Steinadler nur in den Alpen. In Europa ist er weit verbreitet, von Flachland und Mooren im Osten über Hügellandschaften im Norden bis ins Hochgebirge.
  • Nahrung: Der Steinadler jagt das, was am häufigsten und am leichtesten zu erbeuten ist: Murmeltiere, Schneehasen, Ziesel, Raufußhühner und Mäuse, aber auch junge Gämsen, Rehe oder Schafe. Im Winter frisst er viel Aas von verendeten Tieren.
  • Jagd: Von einem Ansitz aus überblickt er sein Revier und schlägt dann blitzschnell aus dem Überraschungsmoment zu.
  • Revier: Steinadler leben monogam. Die Paare verteidigen ihr Revier oft gemeinsam und zu allen Jahreszeiten mit einem auffälligen Schauflug, dem Girlandenflug.

Verbreitung und Lebensraum

Adler leben auf allen Kontinenten außer der Antarktis. Die Echten Adler der Gattung Aquila fehlen nur in Südamerika. Dort lebt dafür die Harpyie, die von Südmexiko bis Bolivien, Südbrasilien und Nordargentinien vorkommt.

Adler bewohnen sehr verschiedene Landschaften: Hochgebirge, Wälder, Steppen, Küsten und große Seen und Flüsse. Weil der Mensch sie lange verfolgt hat, wurden viele Adler in den dicht besiedelten Ländern in schwer erreichbare Gebiete wie das Gebirge zurückgedrängt.

Ernährung

Alle Adler sind Fleischfresser. Was sie fressen, hängt von der Art ab:

  • Seeadler: vor allem Fische, dazu Wasservögel, Säugetiere und Aas
  • Steinadler: mittelgroße Säugetiere wie Murmeltiere und Hasen, Vögel und Aas
  • Harpyie: vor allem Faultiere und Affen, die sie aus den Baumkronen greift, außerdem Echsen, Vögel, kleine Nagetiere und manchmal kleine Hirsche
  • Habichtsadler: Vögel und kleine Säugetiere

Fortpflanzung und Nachwuchs

Adler bauen große Nester aus Ästen, die man Horste nennt. Sie liegen in Bäumen oder Felsnischen, selten auf dem Boden, und werden oft mehrere Jahre hintereinander benutzt. Steinadler unterhalten in ihrem Revier sogar mehrere Nester.

  1. Eier: Meist legt das Weibchen 1 bis 3 Eier.
  2. Brüten: Die Brutzeit dauert je nach Art 40 bis 50 Tage, beim Steinadler 43 bis 45 Tage. Beim Seeadler brütet meist das Weibchen, während das Männchen es mit Nahrung versorgt.
  3. Kampf unter Geschwistern: Oft wird nicht der ganze Nachwuchs groß. Das schwächere Junge bekommt weniger Futter oder wird vom älteren Geschwister verdrängt. Beim Steinadler fliegt aus zwei Eiern meist nur ein Jungvogel aus. Fachleute nennen das Kainismus.
  4. Aufzucht: Beim Steinadler dauert die Aufzucht 60 bis 70 Tage, die Jungvögel fliegen ab Ende Juli aus. Bis zur nächsten Brutzeit dürfen sie im Revier der Eltern bleiben.
  5. Erwachsen werden: Junge Adler brauchen mehrere Jahre, bis sie selbst brüten. Steinadler beginnen damit erst mit vier bis fünf Jahren.

Gefährdung und Erholung

Verfolgung durch den Menschen: Der größte Feind der Adler ist der Mensch. Den Steinadler hat er viele Jahre lang als Trophäe gejagt und in manchen Gegenden fast ausgerottet, und auch der Seeadler war im 20. Jahrhundert lange vom Aussterben bedroht.

Die Rückkehr des Seeadlers: Dank intensiver Schutzmaßnahmen hat sich der Seeadler in Deutschland erholt. Heute brüten hier laut NABU etwa 1.100 Paare, und die Art gilt in Deutschland als nicht gefährdet.

Der Steinadler: Auch beim Steinadler erholen sich die Bestände vielerorts langsam. Der LBV bezeichnet ihn aber noch immer als bedrohte Tierart. In den Tiefländern Osteuropas setzt ihm vor allem die Veränderung seines Lebensraums zu.

Weltweite Einstufung: Die Rote Liste der IUCN bewertet jede Adlerart einzeln:

ArtEinstufung der IUCN
Seeadler (Haliaeetus albicilla)nicht gefährdet (LC, 2021)
Steinadler (Aquila chrysaetos)nicht gefährdet (LC, 2021)
Schlangenadler (Circaetus gallicus)nicht gefährdet (LC, 2021)
Weißkopfseeadler (Haliaeetus leucocephalus)nicht gefährdet (LC, 2024)
Harpyie (Harpia harpyja)gefährdet (VU, 2021)
Spanischer Kaiseradler (Aquila adalberti)gefährdet (VU, 2021)
Steppenadler (Aquila nipalensis)stark gefährdet (EN, 2021)
Pithecophaga jefferyivom Aussterben bedroht (CR, 2025)

Häufige Fragen zum Adler

Ist der Adler eine Tierart?

Nein. "Adler" ist ein Sammelname für viele große Greifvögel aus der Familie der Habichtartigen. Seeadler, Steinadler, Schlangenadler und Harpyie gehören zu verschiedenen Gruppen, die nicht alle eng miteinander verwandt sind.

Welche Adler gibt es in Deutschland?

Am bekanntesten sind der Seeadler, der vor allem in Norddeutschland an Küsten und Seen lebt, und der Steinadler, der bei uns nur in den Alpen vorkommt. Der Seeadler hat mit bis zu 2,40 Metern Spannweite etwas größere Flügel als der Steinadler mit bis zu 2,30 Metern.

Wie groß wird ein Adler?

Das hängt von der Art ab. Der Zwergadler ist mit bis zu 53 Zentimetern etwa bussardgroß, der Seeadler wird bis 92 Zentimeter, die Harpyie bis 102 Zentimeter groß. Die meisten Adler haben eine Spannweite von über 1,2 Metern.

Was frisst ein Adler?

Adler sind Fleischfresser. Seeadler fressen vor allem Fische, Steinadler Murmeltiere, Hasen und Raufußhühner, die Harpyie Faultiere und Affen. Viele Adler fressen auch Aas.

Wie viele Eier legt ein Adler?

Meist legt das Weibchen ein bis drei Eier in den Horst. Je nach Art wird 40 bis 50 Tage gebrütet. Oft überlebt nur das stärkste Junge, beim Steinadler fliegt meist nur ein Jungvogel aus.

Sind Adler gefährdet?

Das ist von Art zu Art verschieden. See- und Steinadler gelten weltweit als nicht gefährdet. In Deutschland hat sich der Seeadler dank intensiver Schutzmaßnahmen erholt. Andere Arten wie die Harpyie oder der Steppenadler sind dagegen bedroht.

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Quellen