Aldabra-Riesenschildkröte
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Kurz erklärt
Die Aldabra-Riesenschildkröte ist eine der größten Landschildkröten der Welt. Männchen haben einen bis zu 1,2 Meter langen Panzer und wiegen bis zu 250 Kilogramm. Wild lebt sie fast nur auf dem Aldabra-Atoll im Indischen Ozean, wo es rund 100.000 Tiere gibt. Sie frisst vor allem Gras und kann über 100 Jahre alt werden.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Aldabrachelys gigantea |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Panzerlänge: Weibchen bis etwa 91 cm, Männchen bis etwa 122 cm |
| Körpergewicht | Weibchen bis etwa 159 kg, Männchen bis etwa 250 kg; das schwerste je erfasste frei lebende Tier wog 305 kg |
| Ernährung | Pflanzenfresser: vor allem Gräser und Gehölze; frisst gelegentlich auch Aas und Kot |
| Lebenserwartung | In freier Natur über 100 Jahre; genaue Höchstalter sind schwer zu belegen |
| Sozialverhalten | Für eine Schildkröte recht gesellig; Männchen kämpfen um Weibchen und Reviere |
| Herkunft | Aldabra-Atoll (Seychellen) im Indischen Ozean |
| Verbreitung | Wild fast nur auf dem Aldabra-Atoll; von Menschen eingeführt unter anderem auf Mauritius und Rodrigues Afrika |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1812 durch Schweigger (als Testudo gigantea) |
| Gefährdung | VU Gefährdet (Rote Liste der IUCN, 1996) |
| Sonstiges | Die Einstufung der IUCN als gefährdet (VU) stammt von 1996, damals unter dem Namen Geochelone gigantea, und ist damit sehr alt. Der Bestand auf Aldabra gilt mit rund 100.000 Tieren als größter Riesenschildkröten-Bestand der Welt. |
Was ist eine Aldabra-Riesenschildkröte?
Die Aldabra-Riesenschildkröte (Aldabrachelys gigantea) ist eine der größten Landschildkröten der Welt. Sie lebt auf dem Aldabra-Atoll, einer Gruppe von Koralleninseln, die zu den Seychellen im Indischen Ozean gehört. Aldabra ist schwer zu erreichen und kaum besiedelt. Seit 1982 gehört das Atoll zum Weltnaturerbe der UNESCO.
Früher gab es auf vielen Inseln im Indischen Ozean Riesenschildkröten, mindestens 18 verschiedene Arten. Bis auf die Aldabra-Riesenschildkröte wurden alle ausgerottet: Seefahrer jagten sie wegen ihres Fleisches, und eingeschleppte Ratten, Katzen und Schweine fraßen Eier und Jungtiere. Heute gibt es weltweit nur noch zwei Gruppen von Riesenschildkröten: die Aldabra-Riesenschildkröte und die Galápagos-Riesenschildkröten.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht: Männchen sind deutlich größer als Weibchen und haben längere, dickere Schwänze.
| Panzerlänge | Gewicht | |
|---|---|---|
| Männchen | bis etwa 122 cm | bis etwa 250 kg |
| Weibchen | bis etwa 91 cm | bis etwa 159 kg |
Die schwerste je erfasste frei umherlaufende Aldabra-Riesenschildkröte wog 305 Kilogramm.
Panzer: Der Rückenpanzer ist dunkelgrau bis schwarz, dick und stark gewölbt. Über dem Hals sitzt eine kleine Nackenplatte, die meist gut zu sehen ist. Anderen Riesenschildkröten fehlt sie. Bei Männchen ist der Bauchpanzer nach innen gewölbt, das hilft bei der Paarung.
Kopf, Hals und Beine: Der Kopf ist relativ klein, spitz und mit Schuppen bedeckt. Der lange Hals hilft beim Erreichen von Futter. Die Hinterbeine sind säulenförmig wie bei einem Elefanten und mit dicken, oft knöchernen Schuppen bedeckt. Die Zehen sind kurz.
Aldabra-Riesenschildkröten wachsen ihr ganzes Leben lang weiter.
Verbreitung und Lebensraum
Wild lebende Aldabra-Riesenschildkröten gibt es fast nur auf dem Aldabra-Atoll. Das Atoll besteht aus Koralleninseln mit scharfkantigem Kalkgestein und kleinen Stränden. Sie umschließen eine große Lagune, die von Mangroven gesäumt ist.
Die Schildkröten leben im Buschland, in Mangrovensümpfen und in Küstendünen. Am dichtesten leben sie auf Graslandflächen, die man auf Aldabra „Platins“ nennt. Die meisten Tiere leben im Südosten der Hauptinsel Grande Terre. Auf den Inseln Malabar und Picard gibt es kleinere Bestände.
Außerhalb von Aldabra haben Menschen die Schildkröte auf einigen anderen Inseln angesiedelt, zum Beispiel auf Mauritius und Rodrigues (siehe unten).
Ernährung
Aldabra-Riesenschildkröten sind Pflanzenfresser. Sie grasen und fressen Blätter von Büschen und Bäumen. Hauptnahrung sind Gräser und Gehölze. Um an nahrhafte Blätter zu kommen, drücken sie sogar kleine Bäume und Sträucher um. Gibt es die Gelegenheit, fressen sie auch Fleisch, möglicherweise sogar tote Artgenossen, und manchmal Kot.
Ein Rasen, den es nur wegen der Schildkröten gibt: Auf Aldabra gibt es einen eigenen Lebensraum, den Forscher „Tortoise Turf“ nennen, also Schildkrötenrasen. Er ist nach den Schildkröten benannt und gibt es nur, weil sie dort leben.
Durst überstehen: Auf Aldabra ist Süßwasser knapp, und die Trockenzeit dauert lange. Die Schildkröten können wochenlang ohne Futter und Wasser auskommen. Wenn es Wasser gibt, trinken sie große Mengen und speichern es lange in ihrer Blase. Eine Besonderheit: Sie können durch die Nasenlöcher trinken. So kommen sie auch an Wasser in winzigen, flachen Pfützen.
Gärtner der Insel: Auf Aldabra ist die Riesenschildkröte das größte Tier und spielt eine ähnliche Rolle wie Elefanten in Afrika und Asien. Sie ist der wichtigste Pflanzenfresser und verändert ihren Lebensraum bei der Futtersuche sichtbar. Samen, die sie mitfrisst, wandern durch ihren Darm und werden später zur Nahrung für viele andere Tiere.
Verhalten und Lebensweise
Aldabra ist der einzige Ort der Welt, an dem ein großes, Pflanzen fressendes Reptil das bestimmende Tier ist. Seine Riesenschildkröten prägen die ganze Landschaft.
Im Vergleich zu anderen Schildkröten sind Aldabra-Riesenschildkröten recht gesellig. Die Männchen kämpfen aber miteinander um Weibchen und Reviere. Riesenschildkröten schlafen im Schnitt etwa 18 Stunden am Tag, wobei das von Tier zu Tier sehr verschieden ist. Gegen Mücken suhlen sie sich im Schlamm. Erstaunlich: Die schweren Tiere können sogar schwimmen. Das hilft ihnen, wenn sie von der schnell steigenden Flut überrascht werden.
In Menschenobhut gewöhnen sie sich schnell an Menschen und lernen, ihre Pfleger zu erkennen.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Die Paarungszeit dauert von Februar bis Mai. Bei der Balz stößt das Männchen seinen Panzer ein Dutzend Mal oder öfter gegen den Panzer des Weibchens. Bei der Paarung gibt es einen tiefen, trompetenartigen Ruf von sich.
- Das Weibchen trägt die Eier etwa zehn Wochen in sich und vergräbt sie dann im Boden.
- Ein Gelege hat 9 bis 25 Eier, jedes etwa so groß wie ein Tennisball.
- Nach etwa vier Monaten schlüpfen die Jungtiere.
- Meist entwickeln sich aus einem Gelege nur drei bis fünf lebensfähige Jungtiere.
Wie oft die Weibchen Eier legen, hängt davon ab, wie dicht die Schildkröten leben. Wo sehr viele Tiere leben, legen sie nur alle paar Jahre vier bis fünf Eier. Wo wenige leben, legen sie mehrere Gelege im Jahr.
Wie alt wird eine Aldabra-Riesenschildkröte?
Aldabra-Riesenschildkröten gehören zu den langlebigsten Tieren der Welt. In freier Natur werden sie über 100 Jahre alt. Die Seychelles Islands Foundation, die das Atoll verwaltet, gibt an, dass sie in Menschenobhut über 200 Jahre alt werden können.
Genaue Rekorde sind aber schwer zu belegen. Der Nationalzoo der Smithsonian Institution in Washington weist darauf hin, dass Schildkröten ihre Forscher oft überleben und früher keine sorgfältigen Aufzeichnungen geführt wurden. Die Aldabra-Riesenschildkröten des Zoos kamen zum Beispiel schon erwachsen dorthin, ihr Alter kann daher nur geschätzt werden. Bei Meldungen über besonders alte Riesenschildkröten lohnt es sich deshalb, genau hinzusehen: Nicht jedes Höchstalter ist durch Dokumente belegt.
Bestand, Gefährdung und Schutz
Ende des 19. Jahrhunderts waren Riesenschildkröten auf allen Inseln im Indischen Ozean ausgerottet, nur auf Aldabra überlebten wenige Tiere. Siedler hatten dort Schildkröten wegen ihres Fleisches gefangen. 1874 wollte die Verwaltung von Mauritius auf Aldabra Mangrovenholz abbauen lassen. Charles Darwin und andere Naturforscher protestierten, weil sie um die Schildkröten fürchteten, und der Plan wurde aufgegeben.
Seit den 1960er-Jahren steht Aldabra unter Schutz, seit 1979 kümmert sich die Seychelles Islands Foundation darum. Der Bestand erholte sich stark:
- 1973/74: Bei der ersten Zählung wurden rund 129.000 Tiere geschätzt.
- 1997: Eine neue Zählung ergab etwa 100.000 Tiere. Der Rückgang betraf vor allem das dicht besiedelte Gebiet im Südosten von Grande Terre. Forscher erklären ihn mit natürlicher Selbstregulierung des Bestands, verstärkt durch mehrere trockene Jahre.
Heute gilt der Bestand von rund 100.000 Tieren als größter Riesenschildkröten-Bestand der Welt. Die IUCN stufte die Art zuletzt 1996 als gefährdet (VU) ein.
Ersatz für ausgestorbene Riesenschildkröten
Auf Mauritius und Rodrigues lebten früher eigene Riesenschildkröten, die auf Rodrigues gehörten zur Gattung Cylindraspis. Sie wurden ausgerottet. Von Rodrigues brachten französische Siedler über 280.000 Schildkröten nach Réunion und an andere Orte, um sie zu schlachten. Ende des 18. Jahrhunderts waren sie verschwunden.
Heute setzen Naturschützer Aldabra-Riesenschildkröten als Ersatz ein, damit sie die Aufgaben der verschwundenen Tiere übernehmen:
- Mauritius: Auf der 25 Hektar großen Insel Île aux Aigrettes vor Mauritius konnte eine vom Aussterben bedrohte Ebenholz-Art (Diospyros egrettarum) ihre Samen kaum noch verbreiten, weil alle großen heimischen Fruchtfresser ausgestorben waren, auch die Riesenschildkröten. Forscher setzten deshalb Aldabra-Riesenschildkröten aus. Die Schildkröten fraßen die großen Früchte und verbreiteten viele Samen. Nach dem Weg durch den Schildkrötendarm keimten die Samen sogar besser, und es wuchsen zahlreiche neue Ebenholz-Sämlinge.
- Rodrigues: Im François-Leguat-Reservat leben über 1.000 Riesenschildkröten, darunter Aldabra-Riesenschildkröten von bis zu 200 Kilogramm. Sie fressen eingeschleppte Pflanzen, lassen die heimischen Pflanzen aber weitgehend stehen. So helfen sie, den ursprünglichen Wald wiederherzustellen.
Die Idee ist alt: Schon Charles Darwin regte an, Riesenschildkröten von Aldabra auf andere Inseln zu bringen, um sie zu sichern. Auf Mauritius wurde daraufhin ein Zuchtbestand angelegt.
Häufige Fragen zur Aldabra-Riesenschildkröte
Wie alt kann eine Aldabra-Riesenschildkröte werden?
In freier Natur über 100 Jahre. In Menschenobhut sollen sie laut der Seychelles Islands Foundation über 200 Jahre alt werden können. Genaue Höchstalter sind aber schwer zu belegen, weil früher meist keine sorgfältigen Aufzeichnungen geführt wurden.
Wie schwer wird eine Aldabra-Riesenschildkröte?
Männchen wiegen bis zu etwa 250 Kilogramm, Weibchen bis zu etwa 159 Kilogramm. Das schwerste erfasste frei umherlaufende Tier brachte 305 Kilogramm auf die Waage.
Wo lebt die Aldabra-Riesenschildkröte?
Wild lebt sie fast nur auf dem Aldabra-Atoll, das zu den Seychellen im Indischen Ozean gehört. Auf Mauritius und Rodrigues wurde sie von Menschen angesiedelt.
Was frisst eine Aldabra-Riesenschildkröte?
Vor allem Gräser und Blätter von Büschen und Bäumen. Gelegentlich frisst sie auch Fleisch von toten Tieren und Kot. Wochenlang kann sie ganz ohne Futter und Wasser auskommen.
Wie viele Aldabra-Riesenschildkröten gibt es?
Auf dem Aldabra-Atoll leben rund 100.000 Tiere. Das ist der größte Bestand an Riesenschildkröten weltweit. Bei einer Zählung 1973/74 waren es sogar rund 129.000.
Ist die Aldabra-Riesenschildkröte gefährdet?
Die IUCN stufte sie 1996 als gefährdet (VU) ein. Der Bestand auf Aldabra ist zwar groß und geschützt, doch fast alle wilden Tiere leben auf diesem einen Atoll.
Ähnliche Tiere
- Galápagos-Riesenschildkröte - die einzigen anderen heute lebenden Riesenschildkröten
- Strahlenschildkröte - wird auf Rodrigues zusammen mit Aldabra-Riesenschildkröten angesiedelt
- Landschildkröte - die Familie, zu der die Aldabra-Riesenschildkröte gehört
- Dodo - ein ausgestorbener Vogel von Mauritius, wo heute Aldabra-Riesenschildkröten angesiedelt sind
- Pantherschildkröte - eine große Landschildkröte aus Afrika
Quellen
- Tortoise & Freshwater Turtle Specialist Group (1996): Geochelone gigantea. The IUCN Red List of Threatened Species 1996
- Aldabra Atoll - Seychelles Islands Foundation
- Aldabra tortoise - Smithsonian's National Zoo and Conservation Biology Institute
- Bourn, D. et al. (1999): The rise and fall of the Aldabran giant tortoise population. Proceedings of the Royal Society B 266: 1091-1100
- Griffiths, C. J. et al. (2011): Resurrecting Extinct Interactions with Extant Substitutes. Current Biology 21: 762-765
- Burney, D. A. (2011): Rodrigues Island: Hope thrives at the François Leguat Giant Tortoise and Cave Reserve. Madagascar Conservation & Development 6(1): 3-4
Größenvergleich
Die Aldabra-Riesenschildkröte wird 91 cm bis 1,22 m groß - eine beachtliche Erscheinung. Auf unserer Größenskala liegt sie zwischen einem Fußball (22 cm) und einem Erwachsenen (1,8 m). Im direkten Vergleich ist die Aldabra-Riesenschildkröte rund 5-mal so groß wie ein Fußball.
Gewichtsvergleich
Eine Aldabra-Riesenschildkröte bringt 159 bis 250 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Erwachsener (75 kg), aber leichter als ein Auto (1,5 t). Anders ausgedrückt: Die Aldabra-Riesenschildkröte wiegt so viel wie etwa 3 Erwachsene.