Ameisenigel

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Kurzschnabeligel mit braunem Fell und langen, hellen Stacheln mit dunklen Spitzen läuft über eine Wiese, die röhrenförmige Schnauze zum Boden gesenkt
Charles J. Sharp / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kurz erklärt

Der Ameisenigel ist ein Säugetier aus Australien und Neuguinea, das Stacheln trägt und Eier legt. Mit seiner langen Schnauze und seiner klebrigen Zunge frisst er vor allem Ameisen und Termiten. Trotz der Stacheln ist er nicht mit dem Igel verwandt, sondern mit dem Schnabeltier. Die bekannteste Art ist der Kurzschnabeligel.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameTachyglossus aculeatus
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Kloakentiere (Monotremata)
  • Familie: Ameisenigel (Tachyglossidae)
  • Gattung: Tachyglossus
  • Art: Kurzschnabeligel
KörpergrößeKurzschnabeligel 30 bis 55 cm lang
KörpergewichtKurzschnabeligel 2 bis 7 kg
ErnährungInsektenfresser: vor allem Ameisen und Termiten, außerdem andere wirbellose Tiere
LebenserwartungIn Zoos bis 50 Jahre (Animal Diversity Web) oder bis 58 Jahre (Zoo San Diego); in der Natur unbekannt
SozialverhaltenEinzelgänger ohne festes Revier
HerkunftAustralien und Neuguinea
Verbreitung Ganz Australien mit Tasmanien und Kangaroo Island sowie der Süden und Osten Neuguineas Australien
EntdeckungErstbeschreibung 1792 durch Shaw
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2016)
SonstigesAngaben gelten für den Kurzschnabeligel. Die drei Arten der Langschnabeligel auf Neuguinea sind gefährdet oder vom Aussterben bedroht (IUCN, 2016).

Was ist ein Ameisenigel?

Ameisenigel sind Säugetiere, die Eier legen. Auf Englisch heißen sie „echidna“. Zusammen mit dem Schnabeltier bilden sie die Ordnung der Kloakentiere (Monotremata). Ihren Namen haben Kloakentiere von der Kloake, einer gemeinsamen Körperöffnung für Kot, Urin und bei Weibchen auch für die Eier.

Weltweit gibt es nur fünf Arten von Kloakentieren: das Schnabeltier und vier Arten Ameisenigel. Die bekannteste und am weitesten verbreitete ist der Kurzschnabeligel (Tachyglossus aculeatus). Um ihn geht es auf dieser Seite vor allem. Die drei anderen Arten sind Langschnabeligel und leben nur auf der Insel Neuguinea.

Kein Igel: Trotz der Stacheln sind Ameisenigel mit unseren Igeln nicht näher verwandt. Igel gehören zu den Plazentatieren, Ameisenigel dagegen zu den Kloakentieren, einer sehr alten, eigenen Linie. Auch mit den Ameisenbären, die ebenfalls Ameisen fressen, sind sie nicht näher verwandt.

Woher kommt der Name? Der wissenschaftliche Familienname Tachyglossidae bedeutet „schnelle Zunge“. Das passt, denn mit der Zunge fängt der Ameisenigel seine Beute.

Ein Säugetier wie aus der Urzeit

Kloakentiere stehen ganz am Rand des Stammbaums der Säugetiere. Sie sind die einzige heute lebende Säugetiergruppe außerhalb der Beuteltiere und der Plazentatiere, zu denen auch der Mensch gehört. Deshalb untersuchen Forschende sie, um mehr über die Entwicklung aller Säugetiere zu erfahren. 2021 entschlüsselte ein internationales Team das Erbgut von Schnabeltier und Kurzschnabeligel. Dabei zeigte sich zum Beispiel, dass Kloakentiere mehrere X- und Y-Chromosomen besitzen.

Was macht den Ameisenigel trotzdem zum Säugetier? Er hat ein Fell, ist gleichwarm und säugt seine Jungen mit Milch. Allerdings hat er keine Zitzen. Die Milch tritt aus Poren auf der Haut aus, und das Junge leckt sie auf.

Aussehen und Körperbau

Größe und Gewicht: Der Kurzschnabeligel wird 30 bis 55 Zentimeter lang und wiegt 2 bis 7 Kilogramm. Je nach Unterart und Region sind mal die Männchen, mal die Weibchen größer.

Stacheln und Fell: Rücken und Seiten sind mit hohlen Stacheln bedeckt, sogar der kleine Schwanz. Die Stacheln sind etwa 5 Zentimeter lang, beige und schwarz gefärbt und haben keine Widerhaken. Zwischen den Stacheln wächst dunkles Fell. Bei manchen Unterarten wird das Fell sogar länger als die Stacheln.

Schnauze: Vorne am Kopf sitzt eine lange, röhrenförmige Schnauze, die man oft „Schnabel“ nennt. An ihrer Spitze liegen die Nasenlöcher. Die Schnauze ist sehr berührungsempfindlich und kann sogar schwache elektrische Signale wahrnehmen, die Insekten aussenden. Sie ist so kräftig, dass der Ameisenigel damit hohle Baumstämme aufbrechen und den Waldboden umpflügen kann.

Zähne und Zunge: Ameisenigel haben keine Zähne. Ihre klebrige Zunge ist etwa 15 Zentimeter lang und schnellt beim Fressen immer wieder vor und zurück. Harte Platten am Zungengrund und am Gaumen zerreiben die Beute zu Brei.

Augen und Ohren: Die Augen sind klein, der Ameisenigel sieht schlecht. Ohrmuscheln fehlen. Hinter den Augen liegen senkrechte Ohrschlitze, und das Gehör ist ausgezeichnet. Auch der Geruchssinn ist sehr gut.

Beine und Krallen: Die Beine sind kurz und kräftig. Mit den Krallen der Vorderfüße gräbt der Ameisenigel senkrecht in die Erde und reißt Termitenhügel auf. Die Hinterfüße zeigen nach hinten. An der zweiten Zehe sitzt eine besonders lange Kralle, mit der er Erde und Insekten aus seinen Stacheln kratzt.

Sporn: Männchen haben an den Hinterbeinen einen Sporn. Anders als beim männlichen Schnabeltier ist er nicht giftig.

Großes Gehirn: Für seine Körpergröße hat der Kurzschnabeligel ein großes Gehirn mit einer stark gefalteten Großhirnrinde.

Verbreitung und Lebensraum

Der Kurzschnabeligel lebt in ganz Australien einschließlich Tasmanien und Kangaroo Island sowie im Süden und Osten von Neuguinea. Damit kommt er in Australien, Indonesien und Papua-Neuguinea vor.

Er ist sehr anpassungsfähig und lebt in Wäldern, offenem Buschland, Heiden, Grasland und Savannen, aber auch in trockenen Gebieten und auf Agrarflächen. Man findet ihn von der Küste bis ins Gebirge, bis in mindestens 1.675 Meter Höhe, in Australien sogar oberhalb der Schneegrenze. Lockerer Boden ist ihm lieb, weil er dort gut graben kann.

Ernährung

Der Kurzschnabeligel frisst vor allem Ameisen und Termiten, außerdem andere kleine wirbellose Tiere. Mit Geruchssinn und elektrischem Sinn spürt er die Insekten auf. Dann bricht er mit seinen Krallen das Nest auf, schiebt die Schnauze hinein und lässt die klebrige Zunge in die Gänge schnellen. Dabei schluckt er viel Erde mit. Deshalb besteht sein Kot zu einem großen Teil aus Erde.

Am liebsten sucht er unter großen Bäumen nach Nahrung. Dabei hinterlässt er kleine Gruben im Boden. In diesen Gruben sammeln sich Nährstoffe, und sie verändern die Zusammensetzung des Bodens. In Halbwüsten trägt der Ameisenigel so dazu bei, dass die Natur dort gut funktioniert.

Verhalten und Lebensweise

Einzelgänger: Kurzschnabeligel leben allein. Sie haben kein festes Revier, ihre Streifgebiete überschneiden sich. Wohin sie wandern, hängt vom Nahrungsangebot ab. Untereinander verständigen sie sich vor allem über Gerüche, wahrscheinlich auch über Kothaufen.

Tagesablauf: Je nach Jahreszeit und Nahrung sind sie tagsüber, abends oder zu beiden Zeiten aktiv.

Winterschlaf: Um Energie zu sparen, halten Kurzschnabeligel einen Winterschlaf, der von Anfang Herbst bis Ende Frühling dauern kann. Wann er beginnt, hängt von Unterart, Gegend, Geschlecht und Fortpflanzungszustand ab. Ihre Körpertemperatur sinkt dann auf etwa 8 bis 10 Grad Celsius. Zwischendurch wachen sie immer wieder kurz auf. Auch sonst ist ihre Körpertemperatur niedriger als bei den meisten anderen Säugetieren.

Überraschende Talente: Der Ameisenigel wirkt langsam und schwerfällig. Trotzdem ist er ein guter Schwimmer und kann auf Bäume klettern.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Ameisenigel-Zug: Die Paarungszeit liegt im australischen Winter, etwa zwischen Juni und August. Dann folgen einem Weibchen oft mehrere Männchen hintereinander her. Fachleute sprechen von einem „Ameisenigel-Zug“ (englisch „echidna train“). Das Weibchen paart sich aber pro Saison nur mit einem Männchen.

Das Ei: Etwa 23 Tage nach der Paarung legt das Weibchen ein einziges Ei mit weicher, ledriger Schale. Es ist etwa so groß wie eine Weintraube. Das Weibchen rollt das Ei in eine Hautfalte am Bauch, den Beutel.

Das Junge: Nach etwa 10 Tagen schlüpft das Junge. Es ist nur etwa 12 Millimeter groß, wiegt rund ein halbes Gramm, ist blind und nackt. Das Jungtier heißt im Englischen „puggle“. Es hält sich mit winzigen Krallen an Haaren im Beutel fest und leckt die Milch auf.

Raus aus dem Beutel: Nach etwa zwei Monaten beginnen die Stacheln durch die Haut zu brechen. Dann setzt die Mutter das Junge in einer Höhle ab. Sie kommt alle fünf bis zehn Tage zurück, um es zu säugen. Mit etwa sieben Monaten ist das Junge selbstständig. Seine volle Größe erreicht ein Kurzschnabeligel erst nach drei bis fünf Jahren.

Feinde und Gefährdung

Verteidigung: Bei Gefahr hat der Ameisenigel drei Möglichkeiten: weglaufen, sich einrollen oder sich eingraben. Meist gräbt er sich senkrecht in die Erde, bis nur noch der stachelige Rücken herausschaut. Dann kann ihn kaum ein Feind herausziehen. Er kann sich auch zu einer Stachelkugel zusammenrollen oder unter Felsen und Baumstämmen verstecken.

Feinde: Erwachsene Ameisenigel haben wenige natürliche Feinde. Gefährlich sind Dingos, verwilderte Hunde, Füchse, Warane und verwilderte Hausschweine. Katzen erbeuten vor allem junge Tiere. Viele Ameisenigel werden außerdem überfahren: In Australien sterben jedes Jahr Hunderte auf den Straßen. Auch Buschfeuer und Dürren setzen ihnen zu.

Gefährdungsstatus: Der Kurzschnabeligel ist weit verbreitet. Die IUCN stuft ihn als nicht gefährdet ein (Least Concern; Aplin et al., 2016). Auf Neuguinea wird er für Nahrung und Zeremonien gejagt, in manchen Gegenden könnte das zum Problem werden. Nach Angaben des Australian Museum ist er im Raum Sydney seltener geworden.

Die Langschnabeligel: Ganz anders sieht es bei den drei Langschnabeligeln auf Neuguinea aus. Sie leiden vor allem unter der Zerstörung und Zerstückelung ihres Lebensraums und unter Konflikten mit Menschen. Laut Roter Liste der IUCN (2016) gilt der Östliche Langschnabeligel (Zaglossus bartoni) als gefährdet, der Westliche Langschnabeligel (Zaglossus bruijnii) und der nach dem Tierfilmer David Attenborough benannte Zaglossus attenboroughi als vom Aussterben bedroht. Die letzte Art lebt in einem Gebiet von weniger als 20 Quadratkilometern.

Häufige Fragen zum Ameisenigel

Legt der Ameisenigel wirklich Eier?

Ja. Das Weibchen legt ein einziges, weichschaliges Ei in seinen Beutel. Nach etwa zehn Tagen schlüpft das winzige Junge und trinkt dort Milch. Außer den Ameisenigeln legt nur noch das Schnabeltier als Säugetier Eier.

Ist der Ameisenigel mit dem Igel verwandt?

Nein. Igel gehören zu den Plazentatieren, der Ameisenigel ist ein Kloakentier. Sein nächster Verwandter ist das Schnabeltier.

Wie groß und schwer wird ein Ameisenigel?

Der Kurzschnabeligel wird 30 bis 55 Zentimeter lang und 2 bis 7 Kilogramm schwer.

Was frisst ein Ameisenigel?

Vor allem Ameisen und Termiten. Er reißt ihre Nester mit den Krallen auf und fängt die Insekten mit seiner langen, klebrigen Zunge. Zähne hat er keine.

Wie alt wird ein Ameisenigel?

Für sein Körpergewicht sehr alt. In Zoos wurden Kurzschnabeligel bis zu 50 Jahre alt, der Zoo San Diego nennt sogar bis 58 Jahre. Wie alt sie in der Natur werden, weiß man nicht genau.

Wie verteidigt sich ein Ameisenigel?

Er gräbt sich schnell in die Erde ein, sodass nur die Stacheln herausschauen. Alternativ rollt er sich zu einer Stachelkugel zusammen.

Ähnliche Tiere

  • Schnabeltier - das einzige andere Kloakentier, legt ebenfalls Eier
  • Igel - sieht ähnlich aus, ist aber nicht verwandt
  • Großer Ameisenbär - frisst ebenfalls Ameisen und Termiten, ist aber nicht näher verwandt
  • Stachelschwein - ein Nagetier mit langen Stacheln
  • Wombat - ein grabendes Beuteltier aus Australien
  • Koala - ein weiteres typisches Säugetier Australiens

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Ameisenigel
30 bis 55 cm

Mit 30 bis 55 cm gehört der Ameisenigel zu den kleineren Tieren in unserem Lexikon. Ein Fußball (22 cm) ist dagegen kleiner, während ein Kind mit 1,2 m noch einiges an Größe drauflegt.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Ameisenigel
2 bis 7 kg

Ein Ameisenigel bringt 2 bis 7 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Der Ameisenigel wiegt so viel wie etwa 10 Fußbälle.