Ameisenlöwe
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Kurz erklärt
Der Ameisenlöwe ist die Larve eines Insekts, der Ameisenjungfer. Er gräbt sich in lockeren Sand ein und baut einen Trichter als Falle. Rutscht eine Ameise hinein, packt er sie mit seinen großen Zangen und saugt sie aus. Nach etwa zwei Jahren verwandelt er sich in eine zarte Ameisenjungfer, die wie eine Libelle aussieht.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Myrmeleontidae |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Larve (Ameisenlöwe) in Mitteleuropa bis etwa 1,7 bis 2 cm; erwachsene Ameisenjungfer 3 bis 6 cm lang, Flügelspannweite 2 bis 8 cm, meist 4 bis 5 cm |
| Ernährung | Larve: Räuber, vor allem Ameisen und andere kleine Insekten, auch Spinnen; die Beute wird mit einem Sekret getötet und ausgesaugt |
| Lebenserwartung | Larvenzeit je nach Art ein bis zwei Jahre, in Mitteleuropa meist etwa zwei Jahre; Puppenruhe bis etwa einen Monat; die erwachsene Ameisenjungfer lebt ein bis zwei Monate |
| Verbreitung | Weltweit; in Deutschland unter anderem Gewöhnliche Ameisenjungfer, Geflecktflügelige Ameisenjungfer und Dünen-Ameisenjungfer |
| Sonstiges | Gruppenseite ohne eigene Gefährdungseinstufung. Die provisorische Rote Liste Deutschlands (2021) konnte die heimischen Arten wegen unzureichender Daten nicht einstufen (Kategorie D); die Dünen-Ameisenjungfer gilt dort als sehr selten. |
Was ist ein Ameisenlöwe?
Der Name führt ein wenig in die Irre: Der Ameisenlöwe ist weder ein Löwe noch eine Ameise. Er ist die Larve eines Insekts, das Ameisenjungfer heißt. Larve und erwachsenes Tier sehen völlig verschieden aus. Der Ameisenlöwe lebt versteckt im Sand und jagt dort, die Ameisenjungfer fliegt nachts umher und erinnert an eine Libelle.
Ameisenjungfern bilden eine eigene Familie innerhalb der Netzflügler (Neuroptera). Zu diesen Insekten gehören auch die Florfliegen. Mit Libellen sind Ameisenjungfern dagegen nicht näher verwandt. Ihre nächsten Verwandten sind die Schmetterlingshafte, auffällig bunte Netzflügler, die es auch in Deutschland gibt.
Die Familie ist die artenreichste unter den Netzflüglern. Je nach Quelle werden rund 1.600 bis 2.000 Arten genannt, verteilt auf etwa 300 Gattungen. Ameisenjungfern sind weltweit verbreitet. In Mitteleuropa gibt es nur wenige Arten: Der NABU nennt neun, das Lexikon der Biologie etwa elf.
Nicht jeder Ameisenlöwe baut einen Trichter. Nur ein Teil der Arten fängt seine Beute so. Die Larven der anderen Arten lauern im Sand oder im Mulm verborgen oder laufen auf dem Boden umher. Diese Seite stellt die Familie vor und richtet den Blick vor allem auf die heimischen Trichterbauer.
Aussehen und Körperbau
Die Larve: der Ameisenlöwe
Der Ameisenlöwe ist in Mitteleuropa höchstens etwa 1,7 bis 2 Zentimeter lang und bräunlich gefärbt. Sein Körper ist rundlich und etwas abgeflacht, Kopf und erstes Brustsegment sind dagegen schmal. Viele Borsten bedecken ihn, und sie zeigen alle nach vorne. Er hat sechs Beine.
Auffällig sind die zwei großen, gebogenen Fangzangen am Kopf. Jede Zange besteht aus einem Ober- und einem Unterkiefer, die zusammen eine Saugröhre bilden. Damit kann der Ameisenlöwe seine Beute packen und gleichzeitig aussaugen.
Eine Besonderheit steckt im Inneren: Bei der Larve ist der Darm unterbrochen. Mitteldarm und Enddarm sind nicht verbunden. Der Ameisenlöwe gibt deshalb während seiner ganzen Larvenzeit keinen Kot ab. Die Reste sammeln sich an und werden erst von der fertigen Ameisenjungfer ausgeschieden.
Das erwachsene Tier: die Ameisenjungfer
Ameisenjungfern sind 3 bis 6 Zentimeter lange, zarte Insekten mit vier durchsichtigen, netzartig geäderten Flügeln. Die Flügelspannweite liegt zwischen 2 und 8 Zentimetern, meist bei 4 bis 5 Zentimetern. Die häufigste heimische Art, die Gewöhnliche Ameisenjungfer, ist etwa 3,5 Zentimeter lang und hat bis zu 8 Zentimeter Spannweite.
Von Libellen unterscheiden sich Ameisenjungfern leicht:
- Ihre Fühler sind deutlich länger als bei Libellen und am Ende keulenartig verdickt.
- In Ruhe legen sie die Flügel dachartig über den Hinterleib.
- Sie sind schwache Flieger und vor allem in der Dämmerung und nachts unterwegs. Deshalb nennt man sie manchmal „Nachtlibellen“.
Mit den nahe verwandten Schmetterlingshaften kann man sie dagegen verwechseln. Bei Ameisenjungfern sind die Fühler aber nur etwa so lang wie Kopf und Brust zusammen, bei Schmetterlingshaften fast so lang wie der ganze Körper.
Verbreitung und Lebensraum
Ameisenjungfern kommen weltweit vor.
Die Larven brauchen je nach Art unterschiedliche Verstecke. Die Trichterbauer leben in lockerem Sand, zum Beispiel auf offenen Sandflächen und in Dünen. Andere Arten leben im Mulm, also in zerfallenem Holz und Laub.
In Deutschland kann man Ameisenlöwen-Trichter zum Beispiel in Sandgebieten finden. Der NABU nennt mehrere seiner Schutzgebiete, darunter den Höhbeck in der Elbtalaue, den Biesenhorster Sand in Berlin und die Boberger Niederung in Hamburg.
Der Fangtrichter
Der bekannteste Trick des Ameisenlöwen ist seine Falle. Um sie zu bauen, gräbt er sich rückwärts in den Sand. Zuerst zieht er einen runden Graben. Dann vertieft er ihn nach innen und schleudert dabei den Sand mit Kopf und Zangen nach außen, bis zu 30 Zentimeter weit. Nach höchstens einer halben Stunde ist der Trichter fertig.
Je nach Sand ist der Trichter 2 bis 3 Zentimeter tief und hat bis zu 8 Zentimeter Durchmesser. Seine Wände sind so steil, dass der lockere Sand sofort ins Rutschen kommt, wenn ein Insekt den Rand betritt. Die Beute rutscht mit dem Sand nach unten. Dort sitzt der Ameisenlöwe eingegraben, von ihm sieht man meist nur die Zangen.
Regen und Nässe sind schlecht für die Falle. Feuchter Sand klebt zusammen und rutscht nicht mehr.
Ernährung
Trotz seines Namens frisst der Ameisenlöwe nicht nur Ameisen. Er fängt viele kleine Insekten und manchmal Spinnen, die zufällig in seinen Trichter geraten. Er packt die Beute mit den Zangen und spritzt ihr ein Sekret ein. Es lähmt und tötet das Tier und beginnt, es von innen zu verdauen. Dann saugt der Ameisenlöwe den Inhalt durch seine Zangen auf.
Entwicklung vom Ei zur Ameisenjungfer
Aus den Eiern der Ameisenjungfer schlüpfen die Larven. Ein Ameisenlöwe wächst langsam: Er häutet sich zweimal und braucht je nach Art ein bis zwei Jahre, bis er ausgewachsen ist. In Mitteleuropa überwintert die Larve zweimal, die ganze Entwicklung dauert hier also etwa zwei Jahre.
Dann baut sich der Ameisenlöwe einen Kokon. Dazu verklebt er Sandkörner mit einem Gespinst. Die Fäden stammen aus seinen Ausscheidungsorganen, den Malpighi-Gefäßen. Im Kokon verwandelt er sich in eine Puppe. Bis zu einem Monat später schlüpft die fertige Ameisenjungfer, bei uns im Sommer.
Das erwachsene Insekt lebt nur noch ein bis zwei Monate. In dieser Zeit paaren sich die Ameisenjungfern, und die Weibchen legen ihre Eier ab.
Heimische Arten
In Deutschland leben nur wenige Ameisenjungfern. Zu den heimischen Arten gehören:
| Art | Besonderheit | Rote Liste Deutschland 2021 |
|---|---|---|
| Gewöhnliche Ameisenjungfer (Myrmeleon formicarius) | häufigste Art in Mitteleuropa, Larve baut Trichter | Daten unzureichend, selten |
| Geflecktflügelige Ameisenjungfer (Euroleon nostras) | zweite häufige Art, Larve baut Trichter | Daten unzureichend, mäßig häufig |
| Dünen-Ameisenjungfer (Myrmeleon bore) | lebt auf Weißdünen an der Küste, vor allem an der Ostsee, und auf offenen Binnendünen | Daten unzureichend, sehr selten |
| Langfühlerige Ameisenjungfer (Distoleon tetragrammicus) | eine der seltenen heimischen Arten | Daten unzureichend, sehr selten |
| Panther-Ameisenjungfer (Dendroleon pantherinus) | Larve lebt im Mulm | Daten unzureichend, Bestand unbekannt |
Gefährdung und Schutz
Für Deutschland gibt es bisher nur eine provisorische Rote Liste der Netzflüglerartigen aus dem Jahr 2021. Für fast alle Arten, auch für die Ameisenjungfern, fehlen genug Daten, um ihre Gefährdung zu bewerten. Sie stehen deshalb in der Kategorie „Daten unzureichend“. Der NABU geht davon aus, dass alle heimischen Ameisenjungfern in ihrem Bestand gefährdet sind.
Für die Dünen-Ameisenjungfer gibt die Rote Liste einen deutlichen Hinweis: Auf Binnendünen ist sie ohne Schutzmaßnahmen hochgradig gefährdet. Als wichtigste Gefahren für Netzflüglerartige insgesamt nennt das Rote-Liste-Zentrum chemische Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft und Veränderungen der Lebensräume.
Eine weltweite Einstufung der IUCN gibt es für die Familie nicht.
Häufige Fragen zum Ameisenlöwen
Ist der Ameisenlöwe für Menschen gefährlich?
Nein. Der Ameisenlöwe ist höchstens etwa 2 Zentimeter groß und jagt nur kleine Insekten und Spinnen. Wie die anderen Netzflügler ist er für Menschen harmlos.
Was wird aus einem Ameisenlöwen?
Aus dem Ameisenlöwen wird eine Ameisenjungfer. Nach etwa zwei Jahren als Larve spinnt er einen Kokon aus Sand, verpuppt sich und schlüpft im Sommer als zartes Insekt mit vier durchsichtigen Flügeln.
Wie fängt der Ameisenlöwe seine Beute?
Er baut im lockeren Sand einen steilen Trichter und versteckt sich am Grund. Betritt ein Insekt den Rand, rutscht es mit dem Sand nach unten. Dann packt der Ameisenlöwe es mit seinen Zangen und saugt es aus.
Wo findet man Ameisenlöwen?
Man findet ihre kleinen Trichter an sandigen Stellen, zum Beispiel auf offenen Sandflächen oder in Dünen. Nach Regen funktionieren die Fallen schlecht, weil nasser Sand zusammenklebt. Den Ameisenlöwen selbst sieht man kaum, weil er im Sand eingegraben ist.
Wie lange lebt eine Ameisenjungfer?
Die erwachsene Ameisenjungfer lebt nur ein bis zwei Monate. Den größten Teil ihres Lebens verbringt sie vorher als Ameisenlöwe im Sand, in Mitteleuropa etwa zwei Jahre.
Warum macht der Ameisenlöwe kein Häufchen?
Sein Darm ist unterbrochen, der hintere Teil ist nicht mit dem vorderen verbunden. Darum sammelt er alle Reste in seinem Körper. Erst die fertige Ameisenjungfer scheidet sie aus.
Ähnliche Tiere
- Florfliege - ebenfalls ein Netzflügler, ihre Larven jagen Blattläuse
- Libelle - sieht der Ameisenjungfer ähnlich, ist aber nicht näher verwandt
- Ameise - die häufigste Beute im Fangtrichter
- Rote Waldameise - eine heimische Ameise, die in Wäldern große Nesthügel baut
Quellen
- Der Ameisenlöwe - NABU
- Ameisenjungfern - Lexikon der Biologie, Spektrum der Wissenschaft
- Antlions (Neuroptera: Myrmeleontidae) - UF/IFAS Beneficial Arthropods, University of Florida
- Miller, R. B. & Stange, L.: An Antlion, Glenurus gratus (Say). EENY-393, UF/IFAS Extension, University of Florida
- Yan, Y. et al. (2014): The First Mitochondrial Genomes of Antlion (Neuroptera: Myrmeleontidae) and Split-footed Lacewing (Neuroptera: Nymphidae). International Journal of Biological Sciences 10(8), 895-908
- Netzflüglerartige - Rote-Liste-Zentrum, nach Gruppe, A. et al. (2021): Provisorische Rote Liste und Gesamtartenliste der Netzflüglerartigen Deutschlands (mit Artensteckbriefen)