Amerikanische Schaufelfußkröte
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Kurz erklärt
Amerikanische Schaufelfußkröten sind kleine Froschlurche aus Nordamerika, die meist nur 5 bis 8 Zentimeter groß werden. Mit einer harten „Schaufel“ an den Hinterfüßen graben sie sich tief in den Boden ein und überstehen dort monatelange Trockenheit. Erst nach starkem Regen kommen sie heraus und laichen in Pfützen. Ihre Kaulquappen gehören zu den schnellsten der Welt und werden manchmal schon nach gut einer Woche zu kleinen Fröschen.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Scaphiopodidae (Familie) |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Je nach Art meist etwa 5 bis 8 cm Kopf-Rumpf-Länge, kleine Arten ab knapp 4 cm, große bis etwa 9 cm |
| Körpergewicht | Östlicher Schaufelfuß etwa 1 bis 23 g, im Schnitt knapp 7 g |
| Ernährung | Erwachsene: Insekten und andere Wirbellose (Käfer, Heuschrecken, Ameisen, Termiten, Spinnen). Kaulquappen: Algen und Pflanzenreste, bei Spea teils auch Kleinkrebse und andere Kaulquappen |
| Lebenserwartung | Je nach Art etwa 5 bis 13 Jahre (Schätzungen aus freier Natur), in Menschenobhut bis 12 Jahre belegt |
| Sozialverhalten | Einzelgänger, zur Paarung in großen Gruppen an Regenpfützen |
| Herkunft | Nordamerika |
| Verbreitung | Südliches Kanada, USA und Mexiko, die meisten Arten in trockenen Gebieten im Westen und Südwesten Nordamerika |
| Entdeckung | Familie 1865 von Edward Drinker Cope aufgestellt |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2022) |
| Sonstiges | Die Familie umfasst 7 Arten. Sechs gelten als nicht gefährdet, der Westliche Schaufelfuß (Spea hammondii) als potenziell gefährdet (IUCN, 2022). |
Was ist eine Amerikanische Schaufelfußkröte?
Unter dem Namen Amerikanische Schaufelfußkröten (Scaphiopodidae) fassen Fachleute eine Familie von sieben Arten zusammen. Sie leben nur in Nordamerika und verteilen sich auf zwei Gattungen:
| Gattung | Arten |
|---|---|
| Scaphiopus | Östlicher Schaufelfuß (S. holbrookii), Südlicher Schaufelfuß oder Couch-Schaufelfuß (S. couchii), Hurters Schaufelfuß (S. hurterii) |
| Spea | Flachland-Schaufelfuß (S. bombifrons), Westlicher Schaufelfuß (S. hammondii), Great-Basin-Schaufelfuß (S. intermontana), Mexikanischer Schaufelfuß (S. multiplicata) |
Die deutschen Namen der einzelnen Arten sind wenig bekannt, meist heißen sie einfach „Schaufelfuß“. Für den Great-Basin-Schaufelfuß und den Mexikanischen Schaufelfuß gibt es keine eindeutigen deutschen Namen, hier verwenden wir Übersetzungen der englischen Namen. Den wissenschaftlichen Namen nennen wir jeweils dazu.
Keine echten Kröten: Trotz ihres Namens sind Schaufelfußkröten keine echten Kröten wie die Erdkröte. Sie bilden eine eigene Familie der Froschlurche. Englischsprachige Fachleute nennen sie deshalb oft einfach „spadefoots“, also „Schaufelfüße“.
Nicht verwechseln mit der europäischen Schaufelfußkröte: In Europa gibt es ebenfalls Schaufelfußkröten, zum Beispiel die Knoblauchkröte. Sie gehören aber zu einer anderen Familie, den Europäischen Schaufelfußkröten (Pelobatidae). Früher wurden beide Gruppen in einer Familie zusammengefasst. Erbgutuntersuchungen zeigten jedoch, dass die amerikanischen Arten eine eigene Familie bilden. In Europa leben keine Amerikanischen Schaufelfußkröten.
Aussehen und Körperbau
Größe: Amerikanische Schaufelfußkröten sind mittelgroße Froschlurche. Die meisten Arten werden etwa 5 bis 8 Zentimeter lang, gemessen von der Schnauze bis zum Körperende. Kleine Arten wie der Great-Basin-Schaufelfuß sind schon mit knapp 4 Zentimetern ausgewachsen, der Südliche Schaufelfuß erreicht etwa 9 Zentimeter.
Gewicht: Der Östliche Schaufelfuß wiegt zwischen 1 und 23 Gramm, im Schnitt knapp 7 Gramm. Für die meisten anderen Arten gibt es kaum verlässliche Angaben.
Körperform: Die Tiere wirken plump, mit kurzem Kopf, großen Augen und relativ glatter Haut.
Die Schaufel: Namensgebend ist ein harter, scharfkantiger Hornhöcker an der Innenseite jedes Hinterfußes. Er ist meist dunkel gefärbt und beim Südlichen Schaufelfuß sichelförmig. Mit dieser Schaufel graben sich die Tiere rückwärts in lockeren Boden ein.
Pupillen: Bei hellem Licht sind die Pupillen senkrecht geschlitzt, ähnlich wie bei einer Katze. Echte Kröten haben dagegen waagerechte Pupillen.
Färbung: Die Farbe hängt von der Art ab:
- Der Östliche Schaufelfuß ist schwarz bis olivfarben. Zwei helle Streifen ziehen sich von den Augen über den Rücken und treffen sich hinten. Zusammen ergeben sie ein Muster, das an eine Sanduhr oder eine Leier erinnert.
- Der Südliche Schaufelfuß ist grünlich, gelblich oder olivfarben mit dunklen Flecken. Sein Bauch ist weiß und ohne Muster. Bei den Weibchen sind die Flecken meist ausgedehnter als bei den Männchen.
- Der Flachland-Schaufelfuß ist braun oder grau mit dunklen Flecken und hat einen knöchernen Höcker zwischen den Augen.
Verbreitung und Lebensraum
Amerikanische Schaufelfußkröten leben in Nordamerika, vom südlichen Kanada über die USA bis nach Mexiko.
- Im Osten und in der Mitte: Zwei Arten leben im Osten und in der Mitte Nordamerikas. Der Östliche Schaufelfuß kommt von Massachusetts im Norden bis Florida im Süden und nach Westen bis zum Mississippi vor. Die zweite Art ist Hurters Schaufelfuß (Scaphiopus hurterii).
- Im Westen: Die übrigen fünf Arten leben in trockenen Gebieten im Westen Nordamerikas. Der Flachland-Schaufelfuß reicht von Alberta und Saskatchewan in Kanada bis in den Süden von Texas. Der Great-Basin-Schaufelfuß kommt bis nach British Columbia vor und lebt in Höhen bis etwa 2.800 Meter. Der Südliche Schaufelfuß ist vom Südwesten der USA bis weit nach Mexiko verbreitet.
Lebensraum: Viele Arten leben in Wüsten, Halbwüsten, Grasland und Prärien. Schaufelfußkröten gehören damit zu den wenigen Amphibien, die mit Wüsten zurechtkommen. Wichtig sind zwei Dinge: ein lockerer, oft sandiger Boden, in den sie sich eingraben können, und Stellen, an denen sich nach Regen vorübergehend Wasser sammelt. Der Östliche Schaufelfuß lebt in Gebieten mit sandigem Boden und entfernt sich bis zu etwa 900 Meter von ihrem Laichgewässer.
Leben im Boden
Schaufelfußkröten verbringen den größten Teil ihres Lebens unter der Erde.
Eingraben: Um Hitze und Trockenheit zu entgehen, graben sie sich mit ihren Schaufeln ein. Der Östliche Schaufelfuß sitzt meist 7 bis 30 Zentimeter tief, der Flachland-Schaufelfuß kann bis zu einem Meter tief graben.
Monatelange Ruhe: Im Boden verfallen die Tiere in eine Ruhephase. Der Südliche Schaufelfuß verbringt etwa neun bis zehn Monate im Jahr eingegraben. Manche Schaufelfußkröten können ein Jahr oder länger unter der Erde bleiben. In dieser Zeit fahren sie ihren Stoffwechsel herunter. Um Wasser zu sparen, speichern sie Abfallstoffe als Harnstoff im Körper, statt sie auszuscheiden. Außerdem umhüllen sie sich mit mehreren Schichten alter Haut, die sie nicht abstreifen. So trocknen sie nicht aus.
Sie „hören“ den Regen: Aus dem Boden kommen die Tiere nach warmen, kräftigen Regenfällen. Als Auslöser gilt dabei vermutlich nicht die Feuchtigkeit, sondern das tiefe Brummen oder Vibrieren, das starker Regen oder Donner an der Oberfläche erzeugt. Diese tiefen Töne liegen unter 100 Hertz.
Ernährung
Erwachsene Tiere fressen Insekten und andere wirbellose Tiere. Dazu gehören Käfer, Heuschrecken, Laubheuschrecken, Ameisen, Spinnen, Termiten, Würmer und Larven. Sie jagen nachts.
Weil sie nur wenige Wochen im Jahr an der Oberfläche sind, müssen sie in kurzer Zeit viel fressen. Nach Angaben des Arizona-Sonora Desert Museum kann ein Südlicher Schaufelfuß bei einer einzigen großen Mahlzeit genug Energie für ein ganzes Jahr aufnehmen. Auch frisch verwandelte Jungtiere fressen so viel wie möglich, bevor sie sich zum ersten Mal eingraben.
Kaulquappen fressen Algen und abgestorbene Pflanzenteile. Bei den Arten der Gattung Spea gibt es eine Besonderheit, die im Abschnitt zur Fortpflanzung beschrieben ist.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Schaufelfußkröten sind sogenannte Explosivlaicher: Nach einem starken Regen kommen alle Tiere einer Gegend gleichzeitig aus dem Boden und treffen sich an frisch entstandenen Pfützen und Tümpeln. In Jahren mit zu wenig Regen fällt die Fortpflanzung manchmal ganz aus.
Rufe: Die Männchen rufen, um Weibchen anzulocken. Die Rufe des Südlichen Schaufelfußes klingen wie das Blöken von Schafen oder Ziegen. Die Rufe des Östlichen Schaufelfußes sind bis zu 1,6 Kilometer weit zu hören.
Viele Eier: Ein Weibchen des Südlichen Schaufelfußes legt bis zu 3.000 Eier, beim Östlichen Schaufelfuß sind es 800 bis 4.500 Eier pro Gelege.
Wettlauf gegen das Austrocknen
Die Pfützen, in denen die Kaulquappen leben, trocknen oft schon nach kurzer Zeit wieder aus. Deshalb entwickeln sich die Tiere extrem schnell:
- Schlüpfen: Beim Südlichen Schaufelfuß schlüpfen die Kaulquappen bei 30 °C Wassertemperatur schon nach etwa 15 Stunden.
- Verwandlung: Im Schnitt brauchen sie etwa zwei Wochen, manchmal nur 9 Tage, bis sie zu kleinen Fröschen geworden sind. In manchen Fällen dauert es bei Schaufelfußkröten nur acht Tage nach dem Schlüpfen. Zum Vergleich: Die Kaulquappen der meisten Frösche und Kröten brauchen dafür viele Wochen.
- Flexibles Tempo: Wenn das Wasser schnell schwindet, können die Kaulquappen ihre Entwicklung beschleunigen, bei genug Wasser verlangsamen. Die Kaulquappen des Great-Basin-Schaufelfußes brauchen zum Beispiel vier bis acht Wochen.
- Früh mit Lunge: Die Kaulquappen bilden schon früh Lungen aus. Trocknet ihr Tümpel aus, können sie deshalb einige Tage im Schlamm überleben, bis vielleicht neuer Regen fällt.
Kaulquappen, die zu Räubern werden
Bei den Arten der Gattung Spea können sich Kaulquappen zu einer von zwei Formen entwickeln. Die meisten werden zu Allesfressern, die Algen und Pflanzenreste fressen. Frisst eine Kaulquappe aber viele Tiere, zum Beispiel Kiemenfußkrebse, entwickelt sie sich zu einer Fleischfresser-Form. Diese hat größere Kiefermuskeln und kräftigere Mundwerkzeuge. Sie jagt Kleinkrebse und auch andere Kaulquappen, entwickelt sich schneller und entkommt so eher dem austrocknenden Tümpel. Erstaunlich dabei: Die räuberischen Kaulquappen können Geschwister von fremden Kaulquappen unterscheiden und fressen bevorzugt fremde.
Erwachsen: Der Östliche Schaufelfuß wird mit etwa 17 Monaten geschlechtsreif, der Great-Basin-Schaufelfuß im zweiten oder dritten Lebensjahr.
Lebenserwartung: Östliche Schaufelfüße werden in freier Natur etwa 5 bis 9 Jahre alt, in Menschenobhut sind 12 Jahre belegt. Beim Flachland-Schaufelfuß schätzen Forschende bis zu 13 Jahre, beim Südlichen Schaufelfuß wurden Weibchen etwa 13 Jahre alt.
Hautgift und Feinde
Die Haut der Schaufelfußkröten enthält Drüsen, die ein Sekret absondern. Beim Südlichen Schaufelfuß kann es bei manchen Menschen allergische Reaktionen auslösen: Kratzer und kleine Wunden können schmerzen, und nach dem Anfassen kann es zu Niesen und tränenden Augen kommen. Man sollte die Tiere deshalb nicht in die Hand nehmen und sich danach gründlich die Hände waschen.
Nur sehr wenige Eier werden zu jungen Fröschen, denn viele Pfützen trocknen zu früh aus. Kaulquappen, die im Schlamm festsitzen, werden zum Beispiel von Sandlaufkäfern gefressen.
Gefährdung
Die meisten Amerikanischen Schaufelfußkröten sind nicht bedroht. Auf der Roten Liste der IUCN gelten sechs der sieben Arten als nicht gefährdet (IUCN, 2022). Nur der Westliche Schaufelfuß (Spea hammondii) ist als potenziell gefährdet eingestuft (2022). Nördlich von Virginia gibt es vom Östlichen Schaufelfuß weniger Vorkommen als weiter im Süden.
Häufige Fragen zur Amerikanischen Schaufelfußkröte
Wie groß wird eine Amerikanische Schaufelfußkröte?
Die meisten Arten werden etwa 5 bis 8 Zentimeter lang. Kleine Arten sind schon mit knapp 4 Zentimetern ausgewachsen, die größte Art erreicht etwa 9 Zentimeter.
Was ist der Unterschied zur europäischen Schaufelfußkröte?
Die europäischen Schaufelfußkröten wie die Knoblauchkröte gehören zu einer anderen Familie (Pelobatidae). Beide Gruppen haben eine Grabschaufel an den Hinterfüßen und senkrechte Pupillen. Europäische Schaufelfußkröten leben in Europa, Nordwestafrika und Westasien, Amerikanische Schaufelfußkröten nur in Nordamerika.
Was frisst eine Schaufelfußkröte?
Erwachsene Tiere fressen Insekten, Spinnen, Würmer und Larven, zum Beispiel Käfer, Heuschrecken, Ameisen und Termiten. Die Kaulquappen fressen Algen und Pflanzenreste. Bei manchen Arten gibt es räuberische Kaulquappen, die Kleinkrebse und andere Kaulquappen fressen.
Warum graben sich Schaufelfußkröten ein?
Im Boden sind sie vor Hitze und Trockenheit geschützt. Viele Arten leben in Wüsten und Halbwüsten und verbringen dort den größten Teil des Jahres eingegraben. Erst nach starkem Regen kommen sie an die Oberfläche, um zu fressen und sich fortzupflanzen.
Wie schnell werden aus den Kaulquappen Frösche?
Sehr schnell: Beim Südlichen Schaufelfuß dauert es im Schnitt etwa zwei Wochen, manchmal nur 9 Tage. Die Eile ist nötig, weil die Pfützen, in denen die Kaulquappen leben, schnell austrocknen.
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Quellen
- Scaphiopodidae - AmphibiaWeb, University of California, Berkeley
- Spadefoots! - EcoEvoDevo Lab (Pfennig), University of North Carolina
- Couch's spadefoot (Scaphiopus couchi) - Arizona-Sonora Desert Museum
- Scaphiopus holbrookii (Eastern Spadefoot) - Animal Diversity Web, University of Michigan
- Spea bombifrons (Plains Spadefoot) - Animal Diversity Web, University of Michigan
- IUCN SSC Amphibian Specialist Group (2022): Scaphiopus holbrookii. The IUCN Red List of Threatened Species