Amsel
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Kurz erklärt
Die Amsel ist ein Singvogel aus der Familie der Drosseln und einer der häufigsten Vögel in Deutschland. Das Männchen ist ganz schwarz und hat einen gelben Schnabel, das Weibchen ist braun. Amseln suchen auf dem Rasen nach Regenwürmern und fressen auch gern Beeren. Ursprünglich lebten sie im Wald, heute brüten sie vor allem in Gärten, Parks und Städten.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Turdus merula |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Körperlänge 23 bis 29 cm, Flügelspannweite 34 bis 38 cm |
| Körpergewicht | Im Schnitt etwa 100 g, die meisten Vögel wiegen 87 bis 122 g |
| Ernährung | Allesfresser: Regenwürmer, Insekten, Schnecken und andere Kleintiere, im Herbst und Winter vor allem Beeren, Früchte und Sämereien |
| Lebenserwartung | Meist nur wenige Jahre, im Schnitt etwa 2 bis 3 Jahre; Höchstalter eines beringten Vogels knapp 22 Jahre |
| Sozialverhalten | Zur Brutzeit paarweise im Revier, außerhalb der Brutzeit meist Einzelgänger |
| Herkunft | Europa, Nordafrika und Asien |
| Verbreitung | Fast ganz Europa, Nordafrika und Teile Asiens; vom Menschen in Australien und Neuseeland eingeführt AfrikaAsienEuropaAustralien |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2024) |
| Sonstiges | In Deutschland brüten etwa 7,65 bis 9,3 Millionen Amselpaare, der Bestand gilt als stabil und nicht gefährdet. |
Was ist eine Amsel?
Die Amsel (Turdus merula) ist ein Singvogel aus der Familie der Drosseln. Zu dieser Familie gehören auch die Singdrossel und die nordamerikanische Wanderdrossel. In Deutschland ist die Amsel einer der häufigsten Brutvögel überhaupt: Hier brüten schätzungsweise 7,65 bis 9,3 Millionen Paare.
Fast jeder kennt die Amsel, weil sie ihre Scheu vor Menschen weitgehend verloren hat. Sie hüpft über Rasenflächen und brütet in Hecken direkt neben Häusern. Wissenschaftlich beschrieben hat sie der schwedische Naturforscher Carl von Linné im Jahr 1758.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht: Eine Amsel ist 23 bis 29 Zentimeter lang. Die Flügelspannweite beträgt 34 bis 38 Zentimeter. Erwachsene Amseln wiegen im Schnitt etwa 100 Gramm. Die meisten Vögel wiegen zwischen 87 und 122 Gramm.
Männchen: Das Männchen ist am ganzen Körper schwarz. Dazu kommen ein leuchtend gelber Schnabel und ein gelber Ring um das Auge. Daran erkennt man es sofort.
Weibchen: Das Weibchen ist dunkelbraun. Die Kehle ist etwas heller, die Brust ist gestrichelt. Der Schnabel ist braun bis dunkelbraun, also viel unauffälliger als beim Männchen. Die schlichte Farbe tarnt das Weibchen beim Brüten.
Jungvögel: Junge Amseln tragen wie die Weibchen ein schlichtes braunes Federkleid.
Verwechslungsgefahr
Mit dem Star wird die Amsel manchmal verwechselt, weil er auch dunkel ist und oft auf dem Boden nach Futter sucht. Der Star ist aber mit 19 bis 22 Zentimetern kleiner, und sein schwarzes Gefieder glänzt grün und violett wie Metall. Braune Amselweibchen kann man mit der Singdrossel verwechseln. Die Singdrossel hat aber eine weiße Unterseite mit kräftigen dunklen Flecken.
Verbreitung und Lebensraum
Die Amsel lebt in fast ganz Europa, im Norden Afrikas und in Teilen Asiens bis nach China. Menschen haben Amseln außerdem in den Südosten Australiens und nach Neuseeland gebracht, wo sie heute wild leben.
Vom Waldvogel zum Stadtvogel
Ursprünglich war die Amsel ein scheuer Waldvogel. Heute leben Amseln in Gärten, Parks, auf Friedhöfen und selbst in dicht bebauten Innenstädten. In Städten leben oft mehr Amseln als auf dem Land, weil sie dort viel Futter finden.
Das Leben in der Stadt hat die Amseln verändert. Künstliches Licht verlängert für sie scheinbar den Tag. Deshalb werden Stadtamseln oft früher im Jahr brutbereit als Waldamseln. Im Lärm der Stadt singen Amseln außerdem höher, damit ihr Gesang gehört wird.
Bleiben Amseln im Winter hier?
Die meisten Amseln in Deutschland bleiben das ganze Jahr über hier. Ein Teil der Vögel zieht aber im Herbst weg, Fachleute nennen die Amsel deshalb einen Teilzieher. Stadtamseln ziehen seltener weg als Amseln auf dem Land. Amseln aus Nordeuropa ziehen dagegen häufiger. Manche von ihnen überwintern bei uns oder in Großbritannien.
Ernährung
Amseln sind Allesfresser. Im Frühjahr und Sommer fressen sie vor allem Regenwürmer, Insekten und Schnecken. Diese eiweißreiche Nahrung brauchen sie auch für ihre Jungen. Im Herbst und Winter ernähren sie sich dagegen überwiegend von Beeren, Früchten und Sämereien.
So sucht die Amsel Futter: Ihre Nahrung findet sie vor allem auf dem Boden. Typisch ist folgendes Bild: Die Amsel hüpft oder läuft ein kurzes Stück über den Rasen, hält kurz inne, stößt dann zu und zieht einen Regenwurm aus dem Boden. Außerdem wirft sie mit dem Schnabel Laub zur Seite, um darunter nach Würmern und Insekten zu suchen.
Füttern im Winter: Amseln fressen am liebsten am Boden. Wer sie im Winter füttern möchte, kann ihnen Haferflocken, Obst und Rosinen anbieten. In sehr kalten Wintern liefern Haferflocken, die in Öl getränkt wurden, zusätzliche Energie.
Verhalten und Lebensweise
Revier: Zur Brutzeit verteidigt ein Amselpaar ein eigenes Revier. Die Männchen jagen sich dann gegenseitig und kämpfen, manchmal sogar in der Luft: Sie steigen senkrecht auf und fallen mitunter ineinander verkrallt zu Boden.
Außerhalb der Brutzeit: Dann sind Amseln meist Einzelgänger. Im Winter sieht man sie aber oft an Futterstellen im Garten, manchmal mehrere zugleich.
Der Gesang der Amsel
Der Gesang der Amsel ist laut, melodisch und klingt wie eine flötende Melodie. Er gehört zu den bekanntesten Vogelstimmen in Mitteleuropa.
- Wann singt die Amsel? Der Gesang ist vom späten Winter im Februar bis etwa Ende Juni zu hören. Morgens beginnen Amseln etwa 45 Minuten vor Sonnenaufgang und gehören damit zu den ersten Sängern des Tages.
- Wo singt sie? Das Männchen singt gern von einem Dachfirst oder einer Baumspitze aus, besonders am frühen Morgen und am späten Abend.
- Viele Varianten: Jedes Männchen singt ein bisschen anders, und es gibt regionale Unterschiede.
- Nachahmen: Amseln bauen manchmal Pfiffe und andere Geräusche aus ihrer Umgebung in ihren Gesang ein.
- Warnruf: Bei Gefahr, etwa wenn sich eine Katze anschleicht, warnt die Amsel laut mit einem metallischen „pli-pli-pli“.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Die Brutzeit dauert meist von März bis Juni, bei günstigem Wetter auch länger. In dieser Zeit ziehen Amseln meist zwei bis drei Bruten groß.
- Nestbau: Das Nest baut meist das Weibchen. Es sitzt oft gut einen Meter über dem Boden, in einer Hecke, einem Busch, einem Baum, in Kletterpflanzen oder in einer Nische an einem Gebäude. Es besteht aus Gras, Halmen und Blättern. Die Nestmulde verstärkt das Weibchen mit feuchter Erde.
- Eier: Das Weibchen legt meist 3 bis 5 Eier, im Durchschnitt knapp vier.
- Brüten: Nur das Weibchen brütet, im Schnitt 13 Tage, in Einzelfällen zwischen 10 und 16 Tagen.
- Nestlinge: Beide Eltern füttern die Jungen, zum Beispiel mit Regenwürmern. Nach 13 bis 16 Tagen verlassen die Jungvögel das Nest.
- Nach dem Ausfliegen: Auch außerhalb des Nests werden die jungen Amseln noch eine Weile von ihren Eltern gefüttert.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Amseln haben viele Feinde. Ein häufiger Jäger erwachsener Amseln ist der Sperber. Auch Wiesel, Füchse und Hauskatzen erbeuten Amseln. Eier und Nestlinge sind besonders gefährdet: Nester werden zum Beispiel von der Elster, vom Eichelhäher und vom Gartenschläfer geplündert.
Kurzes Leben: Die meisten Amseln werden nicht alt. Beringungsdaten aus Großbritannien zeigen: Gut die Hälfte der Jungvögel überlebt ihr erstes Lebensjahr, von den erwachsenen Vögeln überleben jedes Jahr rund zwei Drittel. Eine Amsel, die das Brutalter erreicht, lebt im Schnitt noch etwa 3 Jahre. Die älteste bekannte wilde Amsel war ein beringter Vogel, der knapp 22 Jahre alt wurde.
Das Usutu-Virus
Das Usutu-Virus stammt ursprünglich aus Afrika und wurde 1959 in Südafrika entdeckt. Es wird von Stechmücken übertragen. In Deutschland wurde es 2010 erstmals nachgewiesen. 2011 häuften sich dann tote Amseln am Oberrhein. Seitdem hat sich das Virus über ganz Deutschland ausgebreitet.
- Kranke Amseln wirken apathisch, fliehen nicht mehr und sterben meist innerhalb weniger Tage.
- Die Todesfälle treten in der Mückensaison von Mai bis September auf.
- Im bisherigen Spitzenjahr 2018 gingen beim NABU 13.420 Verdachtsmeldungen mit zusammen 27.565 betroffenen Vögeln ein.
- Eine Studie ergab, dass die Amselbestände in Gebieten, in denen sich das Virus gut ausbreiten kann, um zusätzlich rund 16 Prozent zurückgingen. Bei 14 anderen häufigen Vogelarten fand sie keine solche Wirkung.
Für Menschen ist das Risiko nach Angaben des NABU gering. Tote Vögel sollte man trotzdem nur mit Handschuhen oder einer Plastiktüte anfassen.
Gefährdungsstatus: Trotz Usutu ist die Amsel nicht bedroht. Auf der Roten Liste der IUCN ist sie als nicht gefährdet (Least Concern) eingestuft (BirdLife International, 2024). Auch in Deutschland gilt sie als ungefährdet, der Bestand ist stabil.
Häufige Fragen zur Amsel
Wie erkennt man eine Amsel?
Das Männchen ist ganz schwarz und hat einen gelben Schnabel und einen gelben Augenring. Das Weibchen ist dunkelbraun mit einer helleren Kehle und gestrichelter Brust. Beide sind 23 bis 29 Zentimeter groß.
Was fressen Amseln?
Amseln fressen vor allem Regenwürmer, Insekten und Schnecken, die sie auf dem Boden suchen. Im Herbst und Winter fressen sie überwiegend Beeren, Früchte und Sämereien. Im Winter kann man ihnen Haferflocken, Obst und Rosinen anbieten.
Warum singt die Amsel so früh am Morgen?
Mit dem Gesang zeigt das Männchen, dass das Revier besetzt ist, und wirbt um ein Weibchen. Amseln beginnen etwa 45 Minuten vor Sonnenaufgang zu singen und sind damit oft die ersten Sänger des Tages.
Wie viele Eier legt eine Amsel?
Meist legt sie 3 bis 5 Eier. Nach etwa 13 Tagen schlüpfen die Jungen und bleiben 13 bis 16 Tage im Nest. Eine Amsel brütet zwei- bis dreimal im Jahr.
Wie alt wird eine Amsel?
Die meisten Amseln leben nur wenige Jahre, weil viele Jungvögel schon im ersten Jahr sterben. Der Altersrekord liegt bei einem beringten Vogel, der knapp 22 Jahre alt wurde.
Warum sterben so viele Amseln?
In manchen Sommern sterben viele Amseln am Usutu-Virus, das von Stechmücken übertragen wird. Die Krankheit hat die Bestände in betroffenen Gebieten verringert, bedroht die Art insgesamt aber nicht.
Ähnliche Tiere
- Singdrossel - eine braune Verwandte mit gepunkteter Brust
- Drossel - Überblick über die ganze Familie der Drosseln
- Wanderdrossel - eine nahe Verwandte, die in Nordamerika so bekannt ist wie bei uns die Amsel
- Rotkehlchen - ein anderer bekannter Gartenvogel
- Kohlmeise - einer der häufigsten Vögel an der Futterstelle
Quellen
- Amsel - Vogelporträt des NABU
- Bedrohung für Amseln: Das Usutu-Virus - NABU
- Lühken, R. et al. (2017): Distribution of Usutu Virus in Germany and Its Effect on Breeding Bird Populations. Emerging Infectious Diseases 23(12)
- BirdLife International (2024): Turdus merula. The IUCN Red List of Threatened Species
- Turdus merula - Animal Diversity Web, University of Michigan
- Blackbird - BirdFacts des British Trust for Ornithology (BTO)
Größenvergleich
Wie groß ist die Amsel wirklich? Mit 23 bis 29 cm überragt sie einen Fußball (22 cm), kommt aber noch nicht an ein Kind (1,2 m) heran. Selbst eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) wirkt daneben noch winzig.
Gewichtsvergleich
Eine Amsel bringt 87 bis 122 g auf die Waage. Das ist schwerer als eine 1-Euro-Münze (7,5 g), aber leichter als ein Fußball (430 g). Anders ausgedrückt: Die Amsel wiegt so viel wie etwa 14 1-Euro-Münzen.